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Fritz-Albert Popp, Biophotonen und das Dogma der Lokalisierbarkeit

Von Claus Fritzsche | 13.Januar 2008

Leseprobe aus dem Buch »Biophotonen - Neue Horizonte in der Medizin. Von den Grundlagen zur Biophotonik« von Prof. Fritz-Albert Popp:

Fritz-Albert Popp: Biophotonen

Die Wissenschaft, die ursprünglich antrat, um falsche Dogmen zu überwinden, hat nach jungfräulichen Phasen des Staunens und Forschens mit zunehmendem Machtbewusstsein einen strengen Dogmatismus eingeführt, ohne sich dabei noch ihrer ursprünglichen Aufgabe zu widmen. Einige der Dogmen der Erfahrungswissenschaft Medizin möchte ich etwas genauer untersuchen, da sie eben genannte akute Probleme heraufbeschwören und da sie in ihrer Ausschließlichkeit falsch sind.

Das Dogma von der Lokalisierbarkeit

Biologische Vorgänge und Funktionen sollen nach herkömmlicher wissenschaftlicher Auffassung lokal fassbare materielle Ursachen haben. Diese Vorstellung geht im Wesentlichen auf Paul Ehrlich zurück, ohne wirklich von ihm zu stammen. Der Meister wurde – wie das so häufig der Fall ist – offenbar falsch interpretiert. Ihm war bei Versuchen, Bakterien zu färben, aufgefallen, dass einige der pathogenen Mikroorganismen empfindlich auf bestimmte Farbstoffe reagieren.

Es müsse Substanzen geben, die sich ebenso wie diese Farbstoffe selektiv an Mikroben anlagern und sie dabei schädigen, folgerte der Nestor der Allopathie. Das erste Chemotherapeutikum, das Salvarsan, das Ehrlich daraufhin entwickelte, war sicher eine bedeutende und in unzähligen Fällen lebensrettende Folge seiner an sich auch zutreffenden Überlegung. Fragwürdiger sollte sich aber das Dogma erweisen, das sich dann gewissermaßen als Axiom chemischer Kommunikation durchsetzte. Sein berühmter Satz „Corpora non agunt, nisi fixata” (Stoffe wirken nicht, wenn sie nicht gebunden werden) lieferte die Basis der modernen Rezeptortheorie, aber auch den unhaltbaren Ausschließlichkeitsanspruch zur Erklärung der Kommunikation innerhalb und zwischen biologischen Systemen.

Abb. 1.7 erklärt dieses Prinzip der Informationsvermittlung. Eine Sendersubstanz, zum Beispiel ein Makromolekül der Zellmembran oder des Zellkerns, entlässt ein Botenmolekül, beispielsweise ein Hormon oder einen Transmitterstoff. Dieser substanzielle Zwischenträger wird schließlich an ein passendes Zielobjekt (Rezeptor) gebunden und löst auf diese Weise eine spezifische Reaktion aus. An diesem „Schlüssel-Schloss”-Modell [4, 16] orientiert sich die Bio-Wissenschaft auch noch heute. In Forschungsinstituten der USA hat diese Vorstellung bereits zur Suche nach „Psycho-Rezeptoren” geführt. Es ist unbestreitbar, dass zum Beispiel Enzym-Substrat-Reaktionen - die einen bedeutenden Anteil der molekularen Reaktionen in der Zelle ausmachen - oder Wirkungen der Pharmaka im einfachsten Modell so erklärt werden können. Auch die Geburtenrate der Bevölkerung lässt sich mechanisch stets auch auf Stoßprozesse lokalisierbarer Einheiten zurückführen. Die begrenzte Anwendbarkeit einfacher Modelle darf aber nicht als Beweis dafür betrachtet werden, dass Lebewesen von streng lokalisierbaren Funktionseinheiten (zum Beispiel Molekülen) gesteuert werden. So wirken Temperatur, Klima, pH-Wert und viele weitere nichtlokale physikalische oder „psychische” Einflüsse unbestreitbar in erheblichem Ausmaß auf die biologische Funktion ein.

Abbildung 1.7

Dass bei den meisten Erkrankungen erfahrungsgemäß die Rückführung auf „kranke Moleküle” nicht gelingt und restlos auch nie gelingen kann, erklärt die Medizin selbst heute noch nicht mit der begrenzten Gültigkeit des Modells, sondern mit der „Komplexität” lebender Systeme. Folgerichtig kann sie sich als Medikamente nur Substanzen vorstellen, die in dieses Netzwerk nach dem Schema der Abb. 1.7 eingreifen. Sie fördern oder unterbinden dann bestimmte Nachrichten, indem sie die notwendigen Rezeptoren ersetzen oder blockieren oder indem sie Botenstoffe substituieren oder abfangen, Sendersubstanzen durch chemische Bindungen anregen oder inaktivieren. Da es im Prinzip keine Nachrichtenübermittlung gibt, die nicht durch diesen einfachen substanziellen Mechanismus zu modellieren wäre, nimmt die überwiegende Mehrheit der Biowissenschaftler an, dass in Lebewesen keine anderen Kommunikationssysteme existierten oder notwendig seien, um „Leben” zu verstehen. Wie jeder aber schon aus Erfahrung weiß, ist eine solche Einschränkung naiv. Die Menschheit benutzte von Beginn an Berührungen, Laute, Feuerzeichen und viele weitere nichtsubstanzielle Signale zur Verständigung. Bei exakter und gründlicher Betrachtung des Problems kann im Übrigen ein Stoff nicht wegen der Notwendigkeit reproduzierbarer Modulationsfähigkeit seiner Struktur allein nie der wirkliche Überträger von Botschaften sein. Die Botschaft ist stets gebunden in die Dualität einer aperiodischen - als Überraschung dienenden - Variabilität einer periodischen, allgemein akzeptierten Grundstruktur. Nur die grundsätzliche Besetzbarkeit des gleichen Phasenraum-Volumens kann das überhaupt erst ermöglichen.

Pech für diese triviale Erkenntnis war es, dass sich schließlich auch Briefträger den Informationsvermittlern anschlossen. Und den überzeugten Botenstoffexperten muss entgegnet werden: Schließen die Briefträger alle anderen Kommunikationsmöglichkeiten mit Licht und Schall und allen weiteren elektromagnetischen Wellen im drahtlosen Funkverkehr aus, nur deshalb, weil man Briefträger anfassen und sogar im Reagenzglas nachweisen kann? Gleichgültig um welche Art der Kommunikation es sich handelt, sie kann bei genauer Betrachtung nicht allein und auch nicht im Wesentlichen auf Botenstoffen beruhen. Moleküle sind und bleiben dumm. Unter der „Dummheit” von Molekülen verstehen wir ihre Eigenschaft, sich durch Wechselwirkung mit ihrer Umgebung nicht selbst aus ihrem grundsätzlich lokalen Verhalten befreien zu können. Moleküle können von sich aus niemals wissen, an wen sie sich zu wenden haben. Sie sind stets auf die Vermittlung durch Kräfte (beispielsweise elektrische Feldkräfte) angewiesen - falls sie nicht über esoterische Fähigkeiten verfügen.

Links zum Thema:

International Institute of Biophysics (IIB) e.V.

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3 Kommentare to “Fritz-Albert Popp, Biophotonen und das Dogma der Lokalisierbarkeit”

  1. Axiome, Forschungsmethodik & Placeboeffekte in der Psychotherapie - von Claus Fritzsche | H.Blog: Homöopathie & Forschung schreibt:
    19th.Oktober 2008 um 10:30 am

    [...] H.Blog: Fritz-Albert Popp, Biophotonen und das Dogma der Lokalisierbarkeit [...]

  2. »Elektronen treiben’s nur im Dunkeln« - Hans-Peter Zimmermann über Ursache, Wirkung und Kausalität | H.Blog: Homöopathie & Forschung schreibt:
    19th.April 2009 um 7:36 pm

    [...] Fritz-Albert Popp, Biophotonen und das Dogma der Lokalisierbarkeit: [...]

  3. ZDF: Quantenphysik, Newtonsche Mechanik und die Illusion Materie | H.Blog: Homöopathie & Forschung schreibt:
    24th.Mai 2009 um 9:12 am

    [...] Fritz-Albert Popp, Biophotonen und das Dogma der Lokalisierbarkeit [...]

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