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Drei Ansätze zur Erklärung der Homöopathie

Von Claus Fritzsche | 30.März 2008

Wer sich für die wissenschaftliche Erforschung des Phänomens »Homöopathie« interessiert, der stößt hier gewöhnlich auf drei Fraktionen mit unterschiedlichen Erklärungsansätzen:

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1. Die Fraktion der kritischen Materialisten
Die kritischen Materialisten folgen stark vereinfacht der Logik, dass Homöopathie aus THEORETISCHEN Erwägungen ein reines Placebophänomen sein muss, da in homöopathischen Hochpotenzen kein Wirkstoff in materieller Form (also mindestens ein Atom) vorhanden ist und weil bis heute kein homöopathischer Wirkmechanismus nachgewiesen werden konnte. Die große Mehrzahl der kritischen Materialisten hat einen theoretisch intellektuellen Zugang zur Homöopathie, jedoch nicht die praktischen Erfahrungen, die z. B. klassische Homöopathen mit langjähriger Berufspraxis haben.

Argumentative Schwachstelle der kritischen Materialisten ist u. a. die Tatsache, dass es im Bereich der Veterinärmedizin weit über 100 randomisierte Therapiestudien zur Wirksamkeit homöopathischer Arzneimittel gibt, von denen 55 % positiv verlaufen sind. Rainer Lüdtke und Dr. Henning Albrecht (»Was wirkt in der Homöopathie?«) weisen darauf hin, dass Placeboeffekte in der Veterinärmedizin zwar nicht auszuschließen sind. Die Frage, wie sich persönliche Zuwendung, Überzeugung und Glaube im Schweinestall unter den Bedingungen der modernen Massentierhaltung an mehr als 4.000 Tieren, verabreicht über das Trinkwasser, unter Doppelblindbedingungen gegenüber Placebo bzw. Antibiotika durchsetzen können, bleibt von Seiten der kritischen Materialisten jedoch unbeantwortet.

Für einen spezifischen Effekt der Homöoathie spricht auch die spektakuläre, 2008 im Journal of Psychopharmacology publizierte Arbeit »Homeopathic pathogenetic trials produce more specific than non-specific symptoms: results from two double-blind placebo controlled trials« von H. Walach, H. Möllinger, J. Sherr und R. Schneider. Homöopathen gehen davon aus, dass jedes homöopathische Arzneimittel spezifische Krankheitssymptome auslöst, wenn es von gesunden Menschen eingenommen wird. Ganze Bibliotheken beschreiben, welches homöopathische Mittel welche spezifischen Krankheitssymptome heilt, wenn es von kranken Menschen eingenommen wird … oder welche spezifischen Krankheitssymptome es auslöst, wenn es von gesunden Menschen eingenommen wird. H. Walach, H. Möllinger, J. Sherr und R. Schneider prüften nun in zwei Studien, ob gesunde Probanden nach der Einnahme von ihnen unbekannten homöopathischen Mitteln spezifische Krankheitssymptome entwickeln. Ist Homöopathie ein reines Placebophänomen, so muss dies - insbesondere unter Doppelverblindung - unmöglich sein, da Probanden ja nicht wissen, welches von vielen tausend Krankheitssymptomen sie zeigen sollen. Das Ergebnis der Studien ist spektakulär: »Homeopathic pathogenetic trials produce more specific than non-specific symptoms.«

NACHTRAG: Siehe auch hier im H.Blog »Homöopathie: Neues Studiendesign belegt spezifische Effekte. ›Homeopathic pathogenetic trials produce more specific than non-specific symptoms‹«

In hohem Maße erklärungsbedürftig sind auch die über zufällige Spontaneffekte weit hinausgehenden Erfolge der Homöopathie in der Behandlung von bewusstlosen Menschen. Mehr zu diesem Thema in der hier verlinkten Einführung von Prof. Dr. med. Michael Frass, Leiter der Intensivstation der I. Medizinischen Klinik der Universität Wien. Eine wissenschaftlichen Ansprüchen gerecht werdende Erschließung des Themas findet sich im Buch »Homöopathie in der Intensiv- und Notfallmedizin« (→ Buch via Google durchblättern, → das Buch bei Amazon) von Dr. med. Michael Bündner (→ www.dr-martin-buendner.de) und Prof. Dr. med. Michael Frass (→ www.homresearch.org).

Eine weitere argumentative Schwachstelle der kritischen Materialisten besteht in der Unkenntnis der Tatsache, dass es eine erhebliche Anzahl von (insbesondere neueren) Studien gibt, die eine klare Überlegenheit der Homöopathie gegenüber Placebo belegen. Siehe zu diesem Thema auch der H.Blog-Beitrag »Überlegenheit der Homöopathie gegenüber Placebo«, in dem Dr. Corina Güthlin vom Institut für Umweltmedizin und Krankenhaushygiene der Uniklinik Freiburg darauf hinweist, dass die Homöopathie-gleich-Placebo-These vor dem Hintergrund der vorliegenden Fakten nicht haltbar ist. Ergänzend zu den Ausführungen von Frau Güthlin sei darauf verwiesen, dass die Interpretation von randomisierten klinischen Studien auch problematisch ist. Siehe hierzu:

1. »Randomisierte klinische Studien (RCT), vom Goldstandard zum Sorgenkind«,

2. »Amardeo Sarma, Homöopathie und randomisierte kontrollierte Studien (RCT)«

3. Dr. Friedrich Dellmour: »Klinische Studien und Metaanalysen in der Homöopathie«.

Selbst die 2005 in The Lancet publizierte Meta-Analyse von Shang et al. hat im Rahmen einer nachträglichen Prüfung ergeben, dass die Effekte der Homöopathie (unter den Rahmenbedingungen und Prämissen der Meta-Analyse von Shang et al. 2005) deutlich über Placebo liegen. The Lancet hatte 2005 etwas voreilig und auf der Grundlage von nur 8 (!) schlampig bis nicht dokumentierten Studien das vermeintliche »Ende der Homöopathie« herbeigeredet, sich durch die neuen Arbeiten von Rutten, Stolper und Lüdtke jedoch gründlich blamiert. Siehe hierzu auch: H.Blog: The Lancet & Homöopathie: 2 Studien weisen auf grobe Fehler der Meta-Analyse von Shang et al. 2005 hin.

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2. Die Fraktion der befürwortenden Materialisten
Die befürwortenden Materialisten folgen stark vereinfacht der Logik, dass Homöopathie aus PRAKTISCHEN Erwägungen ein im Sinne Hahnemanns wirksames Heilphänomen sein muss, bei dem über den Weg des homöopathischen Präparats Informationen übertragen werden. Wichtiges Fundament dieser Sichtweise ist die positive Erfahrung in der therapeutischen Praxis. Darunter auch extrem spektakuläre Erfolge, wie sie z. B. Christian Weber im Focus Themen-Spezial »Heilung aus den Nichts?« schildert und die sich (gefühlt) nur schwer mit Liebe, Zuneigung und seelischen Streicheleinheiten erklären lassen.

Argumentative Schwachstelle der befürwortenden Materialisten ist die Tatsache, dass eine vermeintliche Informationsübertragung bis heute nicht nachgewiesen werden konnte. Das Gegenteil ist der Fall: Alle entsprechenden Versuche wie zuletzt z. B. die In-vitro-Experimente der Arbeitsgruppe Nieber und Süß am Institut für Pharmazie der Universität Leipzig scheiterten daran, dass sie sich nicht replizieren ließen.

Eine weitere Schwachstelle der befürwortenden Materialisten besteht in der Überbewertung der eigenen therapeutischen Praxis, in der Erfolge (subjektiv gefühlt) dem homöopathischen Präparat und (vermuteten) Wirkmechanismus zugeschrieben werden und unspezifische Einflussfaktoren nicht objektiv bewertet werden. Siehe hierzu auch »Klient, Therapeut und das unbekannte Dritte«. Erfolgreiche Homöopathen verfügen über keine Erfahrung in der homöopathischen Behandlung von Personen, welche Homöopathie für Unsinn halten … durch Therapeuten, die Homöopathie für Unsinn halten.

Die 2007 im Indian Journal of Research in Homoeopathy veröffentlichte Publikation »Management and Control of Genetic Processes in Cotton Plants through Homoepathy« ist zu dem Ergebnis gekommen, dass homöopathische Präparate - auch Hochpotenzen - die elektrische Ladung von destilliertem Wasser messbar und wiederholbar verändern. Sollte diese Studie durch weitere Forschungsarbeiten bestätigt werden, so könnte dies die Annahme stützen, dass homöopathische Präparate in Verbindung mit Wasser eine biophysikalische Wirkung haben. Ohne eine unabhängige Replikation durch weitere Forschergruppen ist diese Arbeit jedoch im Moment wissenschaftlich nicht aussagekräftig. Vergleichbare Versuche des Immunologen Jacques Benveniste oder der Professoren Nieber und Süß (Universität Leipzig) konnten von unabhängiger Stelle bisher in keinem Fall (!) repliziert werden.

Die Leipziger In-Vitro-Experimente (an Rattendarm), welche in der Homöopathie-Szene voreilig als Beweis für die spezifische Wirksamkeit homöopathischer Arzneimittel präsentiert wurden, konnten im Rahmen einer Kontroll-Studie nicht repliziert werden. Siehe hierzu die folgende idw-Pressemeldung:

»(Essen, 06.11.2009) Homöopathisch aufbereitetes Atropinsulfat hat keine nachweisbaren Effekte auf die Kontraktionsfähigkeit des Rattendarms. Dies ist das Ergebnis einer Studie, die mit Fördermitteln der Karl und Veronica Carstens-Stiftung am Institut für Veterinär-Physiologie der FU Berlin durchgeführt wurde …«

Lesen Sie die vollständige Pressemeldung über diesen Link …

Siehe auch: Carstens-Stiftung: Physikalische Untersuchung homöopathischer Hochpotenzen, Prof. Dr. med. Claudia Witt (2000)

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3. Die Fraktion der Quantenphysiker
Anhänger einer quantenphysikalischen Erklärung der Homöopathie wie z. B. Prof. Harald Walach, Dr. Otto Weingärtner, Dr. Lione R. Milgrom aber auch Dr. Dr. Walter von Lucadou sind sehr vorsichtig mit abschließenden Aussagen, untersuchen jedoch die Möglichkeit, dass es sich im Falle der Homöopathie um (im quantenphysikalischen Sinn) nichtlokale Korrelationen in psychophysikalischen Systemen handelt. Eine 2003 von Prof. Harald Walach an der Universität Wien durchgeführte Veranstaltung (»Generalisierte Verschränkung - Plädoyer für einen ontologischen Figur-Grund-Wechsel und ein paar Daten, die dabei helfen«) beschreibt das Konzept der Quantenphysiker wie folgend:

»Wir gehen in unserer normalen Alltags- und Wissenschaftsontologie davon aus, dass die Welt aus Teilen und Elementen bestehen, die räumlich voneinander getrennt sind und durch externe Wechselwirkungen verschiedener Kräfte miteinander in Verbindung stehen. In der Physik sind dies die vier Grundkräfte. Die für uns wichtigste ist die elektromagnetische, weil sie gleichzeitig diejenige Kraft ist, die auch unsere Sinnesorgane affiziert und uns damit unser Bild von der Welt vermittelt: Wir sehen uns als von anderen und der Welt Getrennte und nehmen Gegenstände als räumlich getrennt und Ereignisse in einer gewissen zeitlichen Folge wahr. Dieses Weltbild wird im wesentlichen durch die theoretischen Vorstellungen der klassischen Physik geprägt. Wir nennen es darum oft auch »klassisch« oder sprechen von der »Lokalitätsannahme«. Ihr zufolge kann es nur solche Ursachen und Wechselwirkungen geben, die durch lokale Signale und Energieaustauschprozesse zustande kommen.

Die Entwicklung der Quantenphysik hat unsere Alltagsvorstellung einer klassischen Welt durcheinandergebracht, ohne dass dies bislang wahrnehmbaren Einfluss auf die Psychologie, die Medizin oder andere Wissenschaften von unserer Welt der Alltagsdinge und -begebenheiten gehabt hätte. Beispielsweise sagt der Formalismus der Quantenmechanik aus, dass Elemente eines Quantensystems miteinander korrelativ in Verbindung bleiben, obwohl keine lokalen Wechselwirkungsprozesse stattfinden. Dies ist unter dem Terminus »Einstein-Podolsky-Rosen-Korrelation« bekannt, oft auch als Quanten- Nichlokalität bezeichnet. Unklar ist allerdings, ob und inwiefern und wieweit diese Quantenprozesse unsere Makro-Welt beeinflussen. Dies wird derzeit unter dem Terminus »Dekohärenz« in der Physik heiss diskutiert.«

Der quantenphysikalische Erklärungsansatz wird sowohl von den kritischen als auch von den befürwortenden Materialisten tendenziell als Bedrohung der eigenen Position wahrgenommen und darüber hinaus sehr wahrscheinlich mangels Zugang zu den theoretischen Grundlagen der Quantenphysik (Unschärfe, Verschränkung, Nichtlokalität) auch nicht verstanden. Das ist insofern schade, als das Konzept einer nichtlokalen Korrelation in einem psychophysikalischen System das Potential hat, alle bisherigen Widersprüche und Ungereimtheiten aufzuklären. Es kann insbesondere erklären, warum die Homöopathie mit hoher Wahrscheinlichkeit kein reines Placebophänomen ist, warum doppelverblindete Homöopathie-Studien in der Veterinärmedizin so deutlich positiv verlaufen und warum Homöopathie trotzdem dann nicht wirkt, wenn beispielsweise Therapeut und Patient Homöopathie für Humbug halten und eine negative Erwartungshaltung haben. (Nur am Rande: Wie die berühmte Naproxen-Studie von Bergmann JF et al. zeigte, ist der Einfluss von Patienten-Überzeugungen und Arzt-Patient-Interaktion auch bei der Einnahme pharmazeutischer Arzneimittel viel größer als allgemein angenommen.)

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NEU: Quantenphysik & Verschränkung

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Quanten-Teleportation: Verschränkung ganzer Atome in ca. 1 Meter Distanz geglückt

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Links zum Thema Quantenphysik:

Forschende Komplementärmedizin: Entanglement Model of Homeopathy as an Example of Generalized Entanglement Predicted by Weak Quantum Theory

Foundations of Physics: Weak Quantum Theory: Complementarity and Entanglement in Physics and Beyond

Gratis-PDF des IGPP: Weak Quantum Theory: Complementarity and Entanglement in Physics and Beyond

psychophysik.com: Walter von Lucadou und das Modell der Pragmatischen Information (MPI)

Carstens-Stiftung: Modellbildung und -simulation für den »arzneilichen Gehalt« homöopathischer Potenzen, Dr. Otto Weingärtner, (2003)

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Links zum Thema:

CMR-Nachlese: Doppelblinde homöopathische Arzneimittel-Prüfung mit gesunden Probanden

Claus Fritzsche: »Zeiler, Wheeler, Malin & Co.: Und sie rauben uns die Materie«

psychophysik.com-Newsletter: »Jetzt geht’s der Realität ans Leder«

Prof. Günter Ewald: »Hirnforschung und Quantenphysik: Ist der ›chaotische Attraktor‹ das lange gesuchte Bindeglied zwischen quantenmechanischen Mikro- und neurobiologischen Makro- Phänomenen?«

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7 Kommentare to “Drei Ansätze zur Erklärung der Homöopathie”

  1. Axiome, Forschungsmethodik & Placeboeffekte in der Psychotherapie - von Claus Fritzsche | H.Blog: Homöopathie & Forschung schreibt:
    19th.Oktober 2008 um 10:27 am

    [...] Fazit: Es gibt gute Argumente dafür, den Goldstandard medizinischer Forschung (randomisierte Doppelblindstudien) zu hinterfragen. Vieles spricht dafür, dass randomisierte Doppelblindstudien nicht in der Lage sind, die in der Realität vorherrschenden komplexen Einflussgrößen korrekt abzubilden. Dies heißt jedoch im Gegenzug nicht, dass die Homöopathie über wissenschaftliche Narrenfreiheit verfügt. Der Einfluss von ERWARTUNGSHALTUNG ist sowohl in der Medizin als auch in der Psychotherapie noch weitgehend unerforscht. Es ist nicht auszuschließen, dass geistige Prozesse auch in der Homöopathie eine größere (vielleicht sogar die einzige) Rolle spielen, als dies auf Seiten der Homöopathie-Befürworter gemeinhin angenommen wird. Ihr deshalb die Wirksamkeit abzusprechen, zeugt von Unkenntnis der therapeutischen Praxis. Es sollte auch nicht vergessen werden, dass RCT-abgesicherte Ergebnisse der Homöopathie in der Tiermedizin gegen die Placebothese sprechen (siehe auch: Drei Ansätze zur Erklärung der Homöopathie). [...]

  2. The Lancet & Homöopathie: 2 Studien weisen auf grobe Fehler der Meta-Analyse von Shang et al. 2005 hin | H.Blog: Homöopathie & Forschung schreibt:
    16th.November 2008 um 10:52 am

    [...] spezifischen Placeboeffekts sprechen allerdings die starken Effekte der Homöopathie in der Tiermedizin und in der Intensivmedizin. In der Intensivmedizin werden immerhin bewusstlose Menschen behandelt, die vom therapeutischen [...]

  3. Dr. med. Friedrich Dellmour: »Klinische Studien und Metaanalysen in der Homöopathie« nun als HTML-Version | H.Blog: Homöopathie & Forschung schreibt:
    9th.Dezember 2008 um 10:20 am

    [...] H.Blog: Drei Ansätze zur Erklärung der Homöopathie [...]

  4. Homöopathie-Studie der Charité | H.Blog: Homöopathie & Forschung schreibt:
    29th.Mai 2009 um 9:30 am

    [...] H.Blog: Drei Ansätze zur Erklärung der Homöopathie [...]

  5. Amardeo Sarma, Homöopathie und randomisierte kontrollierte Studien (RCT) | H.Blog: Homöopathie & Forschung schreibt:
    8th.Juni 2009 um 10:19 am

    [...] H.Blog: »Drei Ansätze zur Erklärung der Homöopathie« [...]

  6. Roland Linke schreibt:
    18th.November 2009 um 1:05 pm

    Es gibt durchaus eine physikalisch plausible Erklärung für die Wirkung der Hochpotenzen:
    Hochpotenzen (> ca D20 bzw. C10) werden ja dadurch erzeugt, daß derselbe Prozeß, der zur Erzeugung der „Normalpotenzen“ dient, einfach entsprechend oft wiederholt wird. Bei jedem dieser Potenzierschritte läßt man zuerst einen Tropfen Tinktur in ein Reagenzglas fallen und danach 9 bzw. 99 Tropfen Verdünnung. Diese Tropfen tauschen beim Fall lebhaft Moleküle mit der umgebenden Luft aus.
    Der erste Tropfen verliert im freien Fall - aber vor allem beim Abriß - einige Milliarden Moleküle - auch Inhaltsmoleküle - an die Luft. Die nachfolgenden 9 bzw. 99 Verdünnungstropfen absorbieren wieder einen Teil der in der Laborluft vagabundierenden Inhalts-Moleküle – und zwar aller vorangegangenen Potenzierschritte ab der Ausgangstinktur. Die Verdünnungstropfen sind also bereits mit Inhaltsstoffen versehen, bevor sie sich mit der zu verdünnenden Tinktur vereinen!
    Das Ergebnis dieses Potenzierprozesses nähert sich somit asymptotisch einer Grenzverdünnung an. Diese ist gegeben u.a. durch den Gehalt der Luft an Inhaltsstoffen aller voraufgegangenen Potenzierschritte (und natürlich auch anderer Luftverunreinigungen).

    Angesichts des immensen Aufwandes, den z.B. die Chip-Industrie treibt, um Spülwasser mit einer Reiheit von weniger als 1000 Keimen,. Partikeln und Störmolekülen je Kubikzentimeter zu erhalten, kann man abschätzen, daß dieser Grenzwert des Potenzierens à la Hanemann bei einer Reinheit von D20…D18 liegt, so daß also in jedem Tropfen „theoretischer Hochpotenz“ noch einige –zig Moleküle der Urtinktur enthalten sind!

    Die Überlegung erscheint auf den ersten Blick schwer an den Haaren herbeigezogen. Doch Zahlen im Molekularen Bereich entziehen sich jeder Alltagserfahrung. Beispiel: Hätten Sie geschätzt, daß Sie bei jedem Atemzug (rein rechnerisch) etwa fünf der Stickstoffmoleküle inhalieren, die Martin Luter in dem Moment in der Lunge hatte, als er den ersten Nagel zur Befestigung seiner Thesen einschlug?

  7. H.Blog - Claus Fritzsche schreibt:
    18th.November 2009 um 3:33 pm

    Siehe zu diesem Thema:

    Physikalische Untersuchung homöopathischer Hochpotenzen, Prof. Dr. med. Claudia Witt (2000)

    “… Die vorliegende Arbeit gibt im ersten Teil eine systematische Übersicht über 22 Veröffentlichungen zu physikalisch-experimentellen Versuchen mit homöopathischen Arzneien wieder. Nur drei (Walach 1998, Demangeat 1992 und 1997) Veröffentlichungen zeigten eine ausreichende methodische Absicherung der Versuchsergebnisse und konnten als verlässlich gewertet werden. Walach und Mitarbeiter (1998) konnte keinen messbaren Unterschied zwischen der homöopathischen Arznei und der potenzierten Kontrolle nachweisen. In den NMR spektroskopischen Versuchen von Demangeat und Mitarbeitern ließ sich ein statistisch aussagekräftiger Unterschied zwischen Arznei und Kontrolle reproduzierbar nachweisen. Infolgedessen wiesen aus der gesichteten Literatur einzig die beiden Veröffentlichungen von Demangeat verlässlich auf einen messbaren Unterschied zwischen Arznei und Lösungsmittel hin …

    Zusammenfassung
    Es konnte nachgewiesen werden, dass ein großer Teil der bisher veröffentlichten physikalisch-experimentellen Versuche mit homöopathischen Arzneien methodisch nicht valide war. Die experimentellen Untersuchungen zeigten, dass in physikalischen Versuchen Kriterien im Versuchsdesigns berücksichtigt werden müssen, dazu gehören: potenziertes Lösungsmittel als Kontrolle, standardisierte Verweildauer für alle Proben in den Gefäßen, parallele Herstellung von jeweils mehreren Arznei- und Kontrollproben in unterschiedlichen Gefäßen einer Herstellungscharge.

    Die Versuche mit dem REDEM-Gerät, welche auf methodisch innovativem Standard durchgeführt wurden, waren zum Teil reproduzierbar, zeigten aber, dass das Material der Behältnisse, das Lösungsmittel und die Lagerungsdauer der Proben einen maßgeblichen Einfluss auf die Ergebnisse hatten.”

    Fortsetzung in diesem PDF-Dokument …

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