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„InTraG-Newsletter März 2011“ des Instituts für transkulturelle Gesundheitswissenschaften (InTrag)

Von Claus Fritzsche | 25.März 2011

Seit dem 16. November 2007 hat die Kulturwissenschaftliche Fakultät der Europa-Universität Viadrina ein neues Institut: das Institut für transkulturelle Gesundheitswissenschaften. Im Rahmen dieses Instituts wird seit dem Sommersemester 2009 ein weiterbildender Masterstudiengang „Komplementäre Medizin – Kulturwissenschaften – Heilkunde“ angeboten, der sich an Ärzte, Pharmakologen und Psychotherapeuten wendet und erstmalig in Deutschland ein universitäres Studium der komplementären Medizin ermöglicht, dieses aber gleichzeitig mit den Kulturwissenschaften verbindet. Wer sich für den Studiengang interessiert, der bekommt über den InTraG-Newsletter einen guten Einblick in die Arbeit des Instituts. Nachfolgend ein REPRINT des März-Newsletters, verfasst vom Psychologen Prof. Dr. Stefan Schmidt, hier im Gespräch mit Ulrich Schnabel (DIE ZEIT, 12.02.2011).

InTraG-Newsletter März 2011

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Studienbeginn des dritten Jahrgangs

Mit der ersten Präsenzzeit vom 17.-20. März startet der dritte Jahrgang des Studiengangs Komplementäre Medizin – Kulturwissenschaften – Heilkunde. Gleichzeitig mit dem dritten Jahr werden zahlreiche neue Wahlpflichtmodule eingeführt (u.a. Ayurveda, Komplementäre Augenheilkunde, Krankheit als ordnendes Prinzip, Focusing, Umweltmedizin, Mitochondrienmedizin), die auch den bisherigen Studierenden offen stehen. Für Kurzentschlossene sind noch einige Studienplätze frei. – Details …

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Antrittsvorlesung Prof. Stefan Schmidt

Am 5. April 2011 um 18 Uhr hält der neue Juniorprofessor am InTraG, Stefan Schmidt, seine Antrittsvorlesung mit dem Titel „Alles Placebo? Die Debatte um die Komplementärmedizin“. In seinem Vortrag wird Schmidt die Mediendebatte des letzten Jahres aufgreifen und auf Basis der Kritik ein Bild für ein neues Verständnis unserer Medizin entwerfen, das auf einmal vieles anders erscheinen lässt. – Details …

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Weiterbildung: Krankheit als ordnendes Prinzip

In Zusammenarbeit mit dem Dresdner Institut für Systemisches Arbeiten und der ars medendi GmbH veranstaltet das InTraG unter dem Titel „Krankheit als ordnendes Prinzip“ ein neues Wahlpflichtmodul. In diesem Wahlpflichtmodul werden naturheilkundlich-ganzheitliche Erkenntnisse mit dem Ansatz der Systemischen Therapie/Familientherapie in Verbindung gebracht. Das ressourcen- und lösungsorientierte Denken und Handeln der Familientherapie wird dabei auf die Betrachtung von Krankheit im Gefüge familiärer Systeme angewandt und mit Aufstellungsarbeit vertieft.

Das Modul besteht aus 6 Wochenendseminaren. Die Lehrenden sind der Arzt Dr. med. Burkhard Flechsig sowie Dipl. Theol. Ralf Lemke und Dipl. Psych. Uwe Reißig. Die Teilnahme steht allen Interessierten offen, für Studierende des Masterstudienganges ist sie kostenfrei (9 ETCS). Anmeldungen sind erforderlich. – Details …

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Einführungsveranstaltung FarbSpiel mit Professor Dr. Wolfgang Rapp

Das FarbSpiel (FS) ist eine Kollektion von standardisierten und „originellen“ zeichnerischen Gestaltungsverfahren für Erwachsene und Adoleszenten auf psychologischer, tiefenpsychologischer, psychoanalytischer und verhaltenstherapeutischer Grundlage. Als primär averbale Gestaltungen dienen die Zeichnungen dem Ausdruck, der Entfaltung und Offenbarung der Persönlichkeit im Rahmen eines wachstumsorientierten Settings. Ein Einführungs- und erstes Trainingsseminar findet am Sonntag, den 3. April in Berlin statt. – Details …

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Neu in der UB die Sammlung des Medizinhistorikers Markwart Michler

Die Universitätsbibliothek der Viadrina Frankfurt (Oder) hat die Sammlung des Medizinhistorikers Markwart Michler (1923-2003) in ihren Bestand aufgenommen und nun der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Eine lesenswerte Einleitung zu dieser Sammlung und ihrem historischen Kontext von PD Dr. Florian Mildenberger finden Sie hier. Die Katalog der Sammlung kann über das Internetportal der UB eingesehen werden. - Link …

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Akupunktur und Moxibustion zum  Weltkulturerbe ernannt

Die UNESCO hat die Akupunktur und Moxibustion der Traditionellen Chinesischen Medizin in die Liste „Weltkulturerbe der Menschheit“ aufgenommen. Eine Beschreibung der Verfahren, die Begründung der Aufnahme in die Liste sowie Bild- und Videodokumentationen finden sich auf der entsprechenden Website der UNESCO – Link …

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Evidenz zur Komplementärmedizin: Die Website des NHS

Der britische National Health Service (NHS) unterhält ein Webportal, das ständig aktualisiert die Evidenz zu Komplementärmedizinischen Verfahren bei unterschiedlichen Diagnosen zusammenträgt und dokumentiert. Hier kann man sich zeitnah über die neuesten empirischen Arbeiten informieren. Das Webportal ist sowohl hinsichtlich Erkrankungen/Diagnosen als auch hinsichtlich komplementärmedizinischer Verfahren organisiert. - Link …

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Universität Würzburg führt das Philosophicum für Mediziner wieder ein

Ab sofort können Medizinstudierende an der Uni Würzburg wieder ein Philosophicum als Wahlpflichtverantstaltung besuchen. Das Deutsche Ärzteblatt schreibt dazu: „Nächstes Jahr sind es genau 150 Jahre her, dass das Philosophicum als Teil des Medizinstudiums in Preußen abgeschafft wurde. Das Philosophicum stellte eine Art ärztliche Vorprüfung dar und wurde in der Regel vom Dekan der Philosophischen Fakultät abgenommen. Ersetzt wurde es 1861 durch das Physicum. Damit wurde das Medizinstudium im Geiste der Zeit naturwissenschaftlich geprägt, medizinethische und geisteswissenschaftliche Ausbildungsinhalte rückten in den Hintergrund… – Fortsetzung …

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Neue Bezeichnung des Lehrstuhls von Prof. Hartmut Schröder

Der Lehrstuhl von Professor Hartmut Schröder an der Kulturwissenschaftlichen Fakultät der  Viadrina, aus dem heraus auch das InTraG gegründet wurde, hat seit kurzem eine neue Bezeichnung. Er trägt nun die Domination „Lehrstuhl für Sprachgebrauch und Therapeutische Kommunikation“. – Link …

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Neuer Qualitätszirkel in Hankensbüttel

Unter dem Titel Qualitätszirkel Heide hat sich in Hankensbüttel ein neuer Qualitätszirkel für Naturheilverfahren – Schwerpunkt Homöopathie, Homotoxikologie  und Akupunktur gegründet. Der Qualitätszirkel sucht noch interessierte Teilnehmer/innen. Kontakt: praxis@institut-einklang.com

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Spiegel-Artikel zur Arzt-Patientenkommunikation

Im Heft 7/2011 mit der Titelgeschichte „Wenn Ärzte irren“ bringt der SPIEGEL zwei aufschlussreiche Artikel zum Status Quo der Arzt-Patienten-Kommunikation, die das Anliegen des InTraG medienwirksam aufgreifen.

Es heißt dort:
„Ärzte hören Patienten kaum noch richtig zu – die Folgen sind verheerend: Ursache der meisten Fehlbehandlungen ist das erste Gespräch zwischen dem Kranken und dem Mediziner. Die Internistin Jana Jünger erklärt, wie die Zunft wieder lernen kann, den ganzen Menschen zu sehen…“Fortsetzung …

Im zweiten Artikel geht es um den Schaden durch schlechte Kommunikation:
„Viele Ärzte versagen in der Kunst des Heilens – sie hören den Kranken nicht zu. Die schlechte Kommunikation und der Trend zum Spezialistentum führen zu falschen Diagnosen und sinnlosen Behandlungen. Schulmediziner müssen lernen, wieder den ganzen Menschen zu sehen…“Fortsetzung …

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Neue wissenschaftliche Publikationen aus dem InTraG

Walach, H. (2010). Notitia Experimentalis Dei – Experiential Knowledge of God: Hugh of Balma’s Mystical Epistemology of Inner Experience – A Hermeneutic Reconstruction. Salzburg: Institut für Anglistik.

Lewith, G., Jonas, W. B., & Walach, H. (Eds.). (2010). Clinical Research in Complementary Medicine: Principles, Problems Solutions (2nd revised edition ed.). Ediburgh, London: Churchill Livingstone.

Rostock, M., Naumann, J., Güthlin, C., Günther, L., Bartsch, H. H., & Walach, H. (2011) Classical homeopathy in the treatment of cancer patients – a prospective observational study of two independent cohorts. BMC Cancer 11(19).

Sauer, S., Walach, H., & Kohls, N. (2011) Gray’s Behavioural Inhibition System as a mediator of mindfulness towards well-being. /Personality and Individual Differences 50(4): 506-511.DOI: 10.1016/j.paid.2010.11.019

Schmidt, S., Grossman, P., Schwarzer, B., Jena, S., Naumann, J. & Walach H. (2011) Treating Fibromyalgia with Mindfulness-Based Stress Reduction: Results from a 3-Armed Randomized Controlled Trial. Pain/ 152: 361-69. doi:10.1016/j.pain.2010.10.043

Walach, H. & von Stillfried, N. (2011) Generalised Quantum Theory – Basic idea and general intuition: A background story and overview. Axiomathes. Doi: 10.1007/s10516-010-9145-5.

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Gemeinsam gegen den Krebs

Ein neues Buch von G. Dobos und S. Kümmel skizziert eine Integrative Onkologie. Dazu aus dem FAZ.net vom 22.2.2011: Wir haben verstanden: Die Naturheilkunde ist nicht länger der Feind der Schulmedizin. Im „Krieg gegen Krebs“ wird sie zu unserem Verbündeten. Denn der Patient zählt, nicht die Technik. Siebzig Prozent aller Krebspatienten nehmen während ihrer Behandlung Naturheilmittel. Die meisten Patienten aber verschweigen das ihrem Arzt…Fortsetzung …

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Was es bedeutet, gesund zu sein

Klaus Michael Meyer-Abich: Was es bedeutet, gesund zu sein. Philosophie der Medizin. Hanser Verlag 2010, München. Gebunden, EUR 29.90 – Link zu Amazon …

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Eine Rezension von Dr. Georg R. Gfäller

Eine Buchbesprechung im Newsletter – warum das? Die Antwort ist, es handelt sich um ein bedeutendes Buch, das in bester und leichter Weise philosophische Grundlagen der Einheit ärztlichen/psychologischen/psychotherapeutischen Handelns abgibt, wie es in dieser Weise, hergeleitet aus der Geschichte der Philosophie der Medizin, noch nicht vorkam, jedenfalls nicht meines Wissens. Meyer-Abich gründet wesentliche seiner Gedanken auf Überlegungen des ersten Vorsitzenden der DGPT, Viktor von Weizsäcker.

Platon, wenn er Grundlagen seiner Philosophie entwickelte, dachte immer auch an den Menschen in seiner Welt, seinem Staat, an seine damit zusammenhängende Gesundheit und Krankheit. Im „Charmides“-Dialog untersuchte er Kopfschmerzen eines jungen emporstrebenden Mannes, Charmides, entdeckte dabei, dass es diesem insofern am Kopfe fehle, als ihm Ausgewogenheit, Angemessenheit und Besonnenheit ferne liege. Zu sein, wofür der Mensch gut sei, habe er nicht gekannt und wurde später einer der 30 Tyrannen. Im „Staat“ untersuchte er, wie ein Staat aufgebaut sein müsse, damit er einer sei, in dem man gar nicht erst krank würde. Schließlich – und das sind nur wenige Beispiele – sagte er in den „Gesetzen“, es gäbe zwei Gruppen von Ärzten, die eine Gruppe sei dafür zuständig, dass die Kranken möglichst schnell gesund würden, die anderen Ärzte prüften mit den Kranken, unter welchen Bedingungen sie krank geworden seien, ob es äußere Gründe waren, innere Gründe schlechter Lebensführung oder gar unlösbare Konflikte. Schließlich überlegten sie mit den Kranken, was man tun könne, wie solche Bedingungen vielleicht veränderbar wären. Bleiben sie unveränderbar, ist es vielleicht sogar gesund, krank zu werden. Die erste Gruppe der Ärzte war für die Sklaven zuständig, die zweite für die reichen Athener Bürger. Was haben wir heute für eine Medizin/Psychotherapie? Eine Sklavenmedizin?

Der große Bogen der Überlegungen Meyer-Abichs geht aus von den Ärzten der Antike, den hippokratischen Ärzten, erweitert durch die thrakischen Ärzte, die Gesellschaft und Natur hinzufügten – wie aus solchen Ärzten im Laufe der Jahrhunderte Mediziner wurden, die eine Krankheit wie ein kaputtgegangenes Fahrradblech des Geistmenschen reparieren, ohne deswegen auf die unglaublichen Fortschritte der Medizin verzichten zu wollen. Krankheit wurde zum Feind des Menschen, wie z.B. die Erkenntnis von Viren und Bakterien, nicht mehr zum Bestandteil des menschlichen Lebens in all seinen Krisen und inneren und äußeren Umorganisationen. Virchow wollte dem Einhalt gebieten, indem er meinte, Ärzte sollten doch nicht nur die Erscheinungsformen der Erkrankungen behandeln, sondern auch sich einmischen in die gesellschaftlichen/politischen Verhältnisse, die Krankheiten geradezu bedingten. Jetzt ist unser Gesundheitssystem so an der finanziellen Grenze, dass man vielleicht die Möglichkeit habe, dass aus Medizinern wieder Ärzte würden, deren Blickpunkt mehr auf die mögliche Gesundheit und deren Bedingungen gerichtet sein könnte, als nur als Reparaturbetrieb für unnötige Erkrankungen.

Es gilt auch für die Psychotherapie, dass man da zunehmend definierte und vom Menschen abgelöste Krankheiten durch austauschbare Therapeuten mit geeigneten „Methoden“ behandeln soll – man behandelt so nicht mehr als individuelles ärztlich/psychotherapeutisches Subjekt ebenfalls ein Subjekt, das krank geworden ist – an welchen Umständen auch immer, die zu erforschen wären.

Viktor von Weizsäcker führte unter Berufung auf Freud und seine Psychoanalyse das Subjekt wieder in die Medizin und Psychotherapie ein, allerdings war er immer etwas sehr schwierig zu verstehen und setzte zu viel voraus. Meyer-Abich hingegen kann auf der Grundlage dieses immens großen Wissens in einfacher und schöner Form, erweitert durch die nötige Balance der inneren und äußeren Natur gedankliche und handelbare Grundlagen bringen, die jedem/r Arzt/Ärztin, jedem/r Psychotherapeuten/in, vor allem psychoanalytischer Provenienz, sehr nahe sein könnten, wären sie so tiefgehend reflektiert. Er trifft auf ein Unbehagen, in die jetzige sog. Gesundheitspolitik einfach hineinverwoben zu werden. Hier geht der zutiefst individuelle Austausch zwischen Profession und Klientel zum Zwecke der Aufklärung immer mehr aus dem Auge verloren, die Psychoanalyse soll auf einen therapeutischen Reparaturbetrieb reduziert werden, ohne Blick auf den ganzen Menschen, dessen beide Seiten Soma und Psyche (nur „Attribute“ des Ganzen, des beseelten Körpers nach Spinoza, auf den sich V. v. Weizsäcker und Meyer-Abich berufen) im Mit-Sein mit der Gemeinschaft, der Gesellschaft, dem Staat und schließlich auch der umfassenden Natur bestehen.

So ganz nebenbei, als Leser spürt man es nur, wenn man diese Hintergründe kennt, ist Meyer-Abich auf der Höhe der modernsten Naturwissenschaft und der sich daraus ergebenden Naturphilosophie. Die schon von Freud an vielen Stellen genial als „nicht-lokalisierbar“ beschriebene Psyche (Körper eingeschlossen – eben der beseelte Körper) beschreibt er mit dem Begriff des Mit-Seins (in der Physik: Wechselwirkung, Verschränkung).

Möge unser Mit-Sein mit dem Kranken so bleiben, wie es Freud beschrieb, so dass wir weniger Krankheiten behandeln, mehr aber den kranken Menschen in seinen und teilweise auch unseren Umständen. Das ist eine der wesentlichen Forderungen des Buches, wo Meyer-Abich auch aufzeigt, wie das evtl. gesundheitspolitisch, Gesundheit ernst genommen, umsetzbar sein könnte. Da steht seine lange politische Erfahrung als Senator für Wissenschaft in Hamburg dahinter.

Die naturphilosophische Forderung ist, es möge eine Welt geben, für die es gut ist, dass es Menschen gibt.

Ein schön zu lesendes Buch, einfach und mit wunderbaren Formulierungen – ich erlaube mir, es als Pflichtlektüre jedes/r Arztes/Ärztin, jedes/r Psychotherapeuten/in zu empfehlen.

Die gesellschaftliche und politische Verantwortung, die aus dem Buch Meyer-Abich’s abzuleiten ist, hoffe ich mit meinem Buch (Die Wirkung des Verborgenen, Klett-Cotta 2010) darzustellen. Die Grundlage dafür ist u.a. die Philosophie der Medizin Meyer-Abichs.

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