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Zwei Millionen Unterschriften für Naturheilmittel. Was bringt die neue EU-Heilpflanzendirektive tatsächlich?
Von Claus Fritzsche | 13.Mai 2011
Das Anwenderbündnis zum Erhalt homöopathischer Arzneimittel (AEHA) hat sich wieder einmal der reformierten und in der Kritik stehenden EU-Heilpflanzendirektive angenommen. Auf der AEHA-Homepage heißt es dazu:
„In den letzten Wochen und Monaten machten zahlreiche Aufrufe und Unterschriftensammlungen gegen ein EU-Gesetz die Runde. Ja, es gibt Grund zur Sorge! – obwohl nicht jeder dieser Aufrufe den Sachverhalt korrekt beschrieb und einige verschwörungshysterisch überzogene Nachrichten im Umlauf waren. Savenaturalhealth (1, 2) sammelte über 1,2 Millionen Unterschriften, AVAAZ (3) veröffentlichte fundiertere Informationen und sammelte bis heute (9.5.11) 0,8 Millionen Unterschriften. Obwohl die Fristen für Gesetzesänderungen lange überschritten waren, bringen diese Aktionen das enorme Interesse der Bürger an Heilpflanzen und an der Naturheilkunde zum Ausdruck.“

Bürgerprotest hat ernsten Hintergrund
Laut AEHA geht es hier um EU-Gesetze aus dem Jahr 2001 oder noch älter, deren Reformierung so weit fortgeschritten ist, dass der Bürgerprotest vermutlich nicht mehr viel bewirken kann. In der Flut diverser Panik-Massenmails, die ein Heilpflanzenverbot oder sogar Verbote naturheilkundlicher Bücher ankündigten, ist es teilweise schwer, zwischen Verschwörungshysterie und Grund zu echter Sorge zu unterscheiden. Die Unterschriftenaktionen haben allerdings einen ernsten Hintergrund und gehören nicht in die Kategorie Hoax. AEHA schreibt dazu in einer Stellungnahme:
„Seit vielen Jahren beobachten wir ein hoch komplexes Geflecht von Gesetzen, Leitlinien, Durchführungsbestimmungen, Verordnungen und pharmazeutischen Standards auf europäischer wie auch nationaler Ebene. Homöopathische und natürliche Arzneimittel werden darin „gleichberechtigt“ und mit nur wenigen Erleichterungen einem Regelwerk unterzogen, das eigentlich für chemische Pharmazeutika geschaffen wurde. Zulassungshürden, die für mit viel höheren Risiken und gefährlichen Nebenwirkungen behaftete chemische Arzneimittel sinnvoll sind, werden nun zur vorgeblichen Patientensicherheit immer mehr auf unsere Arzneien angewendet. Das führt zu enormen Kosten für die Marktzulassung, die nur für wenige Naturheilmittel tragbar sind.“
Subtiler Pharmalobbyismus?
Eine Hauptaufgabe der diversen EU-Lobbyorganisationen ist es, Standardisierungs- und Gesetzgebungsprozesse „aktiv zu begleiten“, um auf diese Weise auch kommerzielle Firmeninteressen durchzusetzen. Im Falle der EU-Heilpflanzendirektive drängt sich der Eindruck auf, dass hier Pharmalobbyisten erfolgreich darin sind, sich unter dem Vorwand des Verbraucherschutzes Schritt für Schritt einer lästigen (naturheilkundlichen) Konkurrenz zu entledigen. Mit welcher Dreistigkeit speziell britische Pharmalobbyisten Kampagnen gegen die Komplementärmedizin initiieren, das zeigen die diversen Kampagnen der aggressiven Lobbyorganisation Sense About Science.
Großes Potenzial der Bürgerinitiativen
Rechnet man die von Savenaturalhealth und von AVAAZ gesammelten zwei Millionen Unterschriften zusammen (Stand 09.05.2011), so lässt sich trotz allem ein positives Fazit ziehen:
Der Proteststurm zeigt ein großes Interesse der Bürger an Heilpflanzen und an der Naturheilkunde. Mittel- und langfristig haben die Initiativen wahrscheinlich sogar das Potenzial, politisch etwas zu bewegen. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass die Initiatoren sich für eine Professionalisierung ihrer Arbeit öffnen. Würden sie sich z. B. mit den Initiatoren der Komplementärmedizinischen Gespräche abstimmen, so könnten beide Seiten erheblich davon profitieren. Das Erfolgsrezept lautet: etwas weniger Individualismus sowie mehr Vernetzung und Kooperation mit CAM-Verbänden und Wissenschaft.
Hier geht es zur aktuellen AEHA-Stellungnahme, Mai 2011 (PDF-Dokument) …
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Lesenswert:
Prof. Dr. Dr. Harald Walach: Irrtum, Harro Albrecht! Warum die Medizin ihren Verstand schon lange verloren hat. (→ „Wehe! Wehe!“, ZEIT)
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