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Arzneimittel: Todesursache Nr. 3 in Deutschland

Von Claus Fritzsche | 16.Juli 2008

Hätten Sie das gewusst? Der Versuch, Menschen mit pharmazeutischen Präparaten zu heilen, führt allem Anschein nach zur Todesursache Nr. 3 in Deutschland. Die amtliche Todesursachenstatistik des Statistischen Bundesamts nennt für das Jahr 2005 folgende Werte:

367.361 Sterbefälle durch Krankheiten des Kreislaufsystems

211.396 Sterbefälle durch bösartige Neubildungen (d. h. Krebs)

57.742 Sterbefälle durch Krankheiten des Atmungssystems

42.787 Sterbefälle durch Krankheiten des Verdauungssystems

Ein interessanter Wert fehlt in der amtlichen Sterbestatistik, da er offiziell nicht erhoben wird. Michael Malzahn zitiert in seinem Weblog therapage.de Prof. Dr. Jürgen Fröhlich, Direktor der Abteilung für klinische Pharmakologie an der medizinischen Hochschule in Hannover, mit den Worten: »Wir gehen davon aus, dass pro Jahr in den internistischen Abteilungen 58.000 Patienten durch unerwünschte Arzneimittelnebenwirkungen ums Leben kommen.« Prof. Fröhlich betont (siehe Video unten), dass diese Zahl nur die Todesfälle in internistischen Abteilungen beinhaltet, die Gesamtzahl der Todesfälle durch Arzneimittelnebenwirkungen jedoch sehr wahrscheinlich noch viel größer ist. Die Süddeutsche Zeitung weist in Ihrem Artikel »Leiden auf Rezept« darauf hin, dass viele Sterbefälle als Folge von Nebenwirkungen durch Arzneimittel nicht gemeldet werden und somit eine hohe Dunkelziffer zu vermuten ist. O-Ton Süddeutsche Zeitung:

»Das Bundesamt für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) gibt hingegen zwischen 15.000 und 17.000 unerwünschte Nebenwirkungen durch Medikamente jährlich an, Tendenz ebenfalls steigend. Dazu zählen 1.200 bis 1.400 tödliche Komplikationen. Diese Zahlen erfassen aber nur die gemeldeten Zwischenfälle. ›Das sind weder alle Nebenwirkungen noch alle Todesfälle‹, sagt Ulrich Hagemann, der die Abteilung für Pharmakovigilanz im BfArM leitet, die für Arzneimittelsicherheit und -überwachung zuständig ist. ›Leider muss man vermuten, dass die Mehrzahl der Ärzte keine Nebenwirkungen meldet.‹«

Michael Malzahn hat noch einen Dokumentarfilm entdeckt, der 2004 von Erich Schütz und Detlev Koßmann im Auftrag des SWR gedreht und von verschiedenen Sendern ausgestrahlt wurde.

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Link zum Thema:

H.Blog 24.10.07: Nebenwirkungen in Homöopathie und Allopathie

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Themen: Claus Fritzsche | 7 Kommentare »

7 Kommentare to “Arzneimittel: Todesursache Nr. 3 in Deutschland”

  1. Nebenwirkungen in Homöopathie und Allopathie | H.Blog: Homöopathie & Forschung schreibt:
    12th.August 2008 um 8:44 am

    [...] H.Blog 16.07.08: Arzneimittel: Todesursache Nr. 3 in Deutschland [...]

  2. Naturheilpraxis - Hendrik Balzer schreibt:
    29th.August 2008 um 8:34 am

    [... Ein wirklich sehenswertes Video steht zu diesem Thema „ 58.000 Todesfälle in Deutschland durch Medikamente „ im Internet zur Verfügung. http://www.psychophysik.com/h-blog/?p=151 Bitte anklicken !!!

    Das heutige Pharma-Unternehmen sich in erster Linie das umsatzabhängige Wohl des Unternehmens auf ihre Fahnen geschrieben haben, sollte uns in einer so materiell orientierten, vom Börsenkurs abhängigen Zeit eigentlich nicht weiter verwundern. ...]

  3. Betriebsblind: 16. Cochrane Colloquium in Freiburg tagte im Elfenbeinturm | H.Blog: Homöopathie & Forschung schreibt:
    26th.Oktober 2008 um 1:30 pm

    [...] mit vergleichbarer oder sogar besserer Wirkung bei niedrigeren Kosten und geringeren Risiken (→ Arzneimittel: Todesursache Nr. 3 in Deutschland) gibt. Genau dieser Fragestellung geht jedoch die »Versorgungsforschung« nach. [...]

  4. IGNH: 52 Jahre Neuraltherapie. Interview mit Dr. med. Jürgen W. Rehder, Vorstand der Internationalen medizinischen Gesellschaft für Neuraltherapie e.V. | Neuraltherapie.Blog schreibt:
    24th.März 2010 um 12:11 pm

    [...] man dies mit den 58.000 Patienten, die laut Prof. Dr. Jürgen Fröhlich, Direktor der Abteilung für klinische Pharmakologie an der medizinischen Hochschule in Hannover, [...]

  5. EBM-Kritik: Prof. Harald Walach und das Problem mit der „Integrativen Medizin“ | Neuraltherapie.Blog schreibt:
    23rd.Juni 2010 um 8:02 am

    [...] äußerst gefährlich werden oder für eine große Minderheit unbrauchbar sein.“ Jährlich rund 58.000 Todesfälle als Folge von Arzneimittelnebenwirkungen demonstrieren, dass es hier nicht um akademische [...]

  6. Journalismus und wissenschaftliche Kontroversen: „Mehr Überblick und Hintergrund statt nur Diskursfragmente“ | CAM Media.Watch schreibt:
    16th.August 2011 um 10:15 am

    [...] Abteilungen von Krankenhäusern 58.000 Patienten durch unerwünschte Arzneimittelnebenwirkungen (6). Um diese Risiken einschätzen zu können, benötigt es keine Phantasie. Das vorhandene [...]

  7. Stephan Dörner: Hoax im Handelsblatt? Guter Blogger, böser Boiron-Konzern und eine geschickte Inszenierung. | CAM Media.Watch schreibt:
    30th.August 2011 um 4:18 pm

    [...] ausschließlich von Placeboeffekten getragen wird (5) und dessen Wirkstoff in erster Linie für schädliche Nebenwirkungen verantwortlich ist. Kritik an Pharmazie, Homöopathie, therapeutischen Konzepten etc. ist erlaubt. [...]

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