« Arzneimittel: Todesursache Nr. 3 in Deutschland | Home | IQWiG verbreitet falsche Informationen zu »komplementärmedizinischen Präparaten« »

Salutogenese: Wie entwickeln Menschen sich gesund? Krankheit als Wegweiser!

Von Claus Fritzsche | 20.Juli 2008

Barbara Boot schreibt in einem Kommentar zum Beitrag »Charité Ambulanz für Prävention und Integrative Medizin wird ein ›Ort im Land der Ideen 2008‹« hier im H.Blog:

Foto: Team der Charité Ambulanz für Prävention und Integrative Medizin

»Ich freue mich für das Team, dass sie in diesem Wettbewerb gewonnen haben. Ich bin an der Inter-Uni Graz und schreibe gerade meine Masterthese. Daher bin ich auf Ihre Seite gekommen, durch den Artikel von James Oschman, Energiemedizin Konzepte und ihre wissenschaftliche Basis. Ich selbst arbeite seit 17 Jahren in eigener Praxis für Ganzheitliche Körpertherapie als Heilpraktikerin mit Multi- Integrativer Kinesiologie und anderen Körpertherapien mit diesem Konzept. Dieses bestätigt mir immer wieder, wie Energie-Medizin die Selbstheilungsfähigkeit und Selbstordungsfähigkeit (Akkomodations- fähigkeit) aktiviert und positiv beeinflusst. So ist Salutogenese wieder möglich. Eine Zusammenarbeit auf breiter Front würde der Gesellschaft und dem persönlichen Wachstum aller gut tun. Ich freue mich, dass sich die wissenschaftliche Medizin hier langsam öffnet und Forschung ermöglicht. Einer kleinen Heilpraktikerpraxis ist dies mehr oder weniger verwehrt, da hier keine Gelder fließen.«

Barbara Boot spricht das wichtige Thema Salutogenese an. Anlass für mich, hierzu einmal im Internet zu stöbern. Krankheit wird schulmedizinisch immer noch zu sehr als schicksalhafter Betriebsunfall der Biofabrik Mensch betrachtet, den es durch Eingriffe zu reparieren oder sogar als Feind zu bekämpfen gilt. Aus ganzheitlicher Sicht sind Krankheitssymptome jedoch wertvolle Wegweiser des komplexen und vernetzten »Systems Mensch« (Körper, Gefühle, Geist, Beziehungen). Ganzheitlich arbeitende Therapeuten bekämpfen die Symptome nicht. Sie nutzen sie stattdessen als wichtige Wegweiser, die es zu interpretieren und »decodieren« gilt, um einen Lösungsweg zu finden. Nachfolgend eine kurze Einführung in das Konzept der Salutogenese:

Wikipedia über Salutogenese: »In der Pathogenese wird das Krankheitssymptom (z. B. Kopfschmerz) beschrieben und »bekämpft«. Nach Aaron Antonovsky wird in der Salutogenese nicht der Leidensweg einer Krankheit betont, sondern das Gesundheitspotenzial von Stressoren. In jedem Ereignis liegt somit eine Chance zur gesundheitlichen Entwicklung. Sogar Krankheitssymptome können so aufgefasst werden. Zum Beispiel Kopfschmerz ist in dieser Sicht ein somatisches Warnsignal. Der Körper macht darauf aufmerksam, dass etwas nicht in Ordnung ist. Die Verspannung ist danach nicht die Ursache, sondern auch nur ein Symptom. Als Auslöser ließe sich zum Beispiel Stress nennen. Damit ist aber immer noch nicht die Ursache gefunden. Diese ließe sich beispielsweise psychologisch gesehen in einer rigiden (zwanghaften) Charakterstruktur finden …

In der Sichtweise der Salutogenese wird der Kopfschmerz als ein Hinweis verstanden, der eine Chance bietet, um zur flexiblen Mitte zurück zu gelangen. Rigiditäten können also Teil von zu heilenden psychischen Verhaltensstrukturen sein, an denen Helfer anknüpfen können. Wird der Kopfschmerz jedoch durch ein Medikament aufgehoben, ist kein Signal (Hinweis) mehr zur Heilung gegeben. Bildlich ausgedrückt: Statt das Feuer zu bekämpfen, wurde der Brandmelder abgeschaltet.

In der Salutogenese wird also der Hauptmerk auf den »Gesundungsweg« gelegt, zu dem Symptome Hinweise geben können. Damit kann ggfs. sogar eine Stärkung der Ressourcen erreicht werden, mit denen sich der Mensch auf dem Gesundheits-Krankheits-Kontinuum mehr in Richtung Gesundheit bewegen kann.« Link zum Originalbeitrag …

Malteser Medizin Plus® über Salutogenese: »Antonovsky stellt die Frage, warum Menschen gesund bleiben und zeigt auf, wie Menschen trotz Risikofaktoren, die sich aus dem alltäglichen Leben und belastenden Situationen und Bedingung ergeben, also trotz schwieriger Lebenslagen, gesundheitlicher Beeinträchtigungen, Armut, Traumata etc. »gesund« bleiben oder werden. Damit gibt er dem Individuum, aber auch den Helfenden Aspekte an die Hand, mit welchen Faktoren sie »Heilungsprozesse« bzw. »Gesunderhaltungsprozesse« unterstützen können:

Gesundheit muss wieder neu begriffen werden als die Fähigkeit, mit seinen Einschränkungen glücklich zu leben – und nicht, wie es die WHO-Leitlinie fasst, als völliges geistiges, körperliches und soziales Wohlbefinden. Diese realitätsferne WHO-Definition lädt zum rücksichtslosen Streben nach einem nie erreichbaren Zustand und einem unbegrenzten Ressourcenverbrauch ein.« Link zum Originalbeitrag …

Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF): »In den letzten Jahren hat sich im Bereich wissenschaftlicher Arbeit zu Krankheit und Gesundheit ein Paradigmenwechsel vom biomedizinischen zum bio-psycho-sozialen Modell vollzogen. Dieses Umdenken hat zur Entwicklung des Lebensweisenkonzeptes und einem veränderten Gesundheitsverständnis geführt. Gesundheitsförderung wird neu gesehen und stärker gewichtet. Die nationalen und internationalen Empfehlungen dazu haben im Kern gemeinsam:

Zahlreiche empirische Studien haben ergeben, dass Gesundheit, Krankheit und Krankheitsbewältigung durch ein komplexes Zusammenwirken von physischen, psychischen und sozialen Faktoren bestimmt werden. Gesundheit bzw. Krankheit wird als Prozess verstanden, der durch menschliches Verhalten und die ihn umgebenden Lebensverhältnisse beeinflusst wird. Demnach muss man gesundheitsbezogenes Verhalten in seiner lebensgeschichtlichen Entstehung sehen und gesundheitsschützende Lebensverhältnisse mit einer aufeinander abgestimmten Verhaltens- und Verhältnisprävention fördern.

Eine Lösung aktueller Gesundheits- und Krankheitsfragen kann auf Dauer nur gelingen, wenn die Vielzahl der heute bekannten Determinanten von Gesundheit berücksichtigt wird. Der pathogenetische Ansatz »Was macht Menschen krank?« muss ergänzt werden durch den salutogenetischen Ansatz ›Was hält Menschen gesund?‹« Link zum Originalbeitrag …

Hans Wydler, Petra Kolip, Thomas Abel (Hrsg.)
Salutogenese und Kohärenzgefühl
Grundlagen, Empirie und Praxis eines gesundheitswissenschaftlichen Konzepts, JUVENTA Verlag, Taschenbuch, 205 Seiten, 19 Euro

Digitale Version des Buches bei Google Books lesen …

Dieses Buch bei Amazon kaufen …

Kurzbeschreibung: »Wenige Konzepte haben im Bereich Public Health derart inspirierend gewirkt wie die der Salutogenese und des Kohärenzgefühls (Sense of coherence) von Aaron Antonovsky. Seine Forschungstätigkeit entwickelte er an der Frage, wie es möglich ist, auch unter schwierigsten Bedingungen gesund zu bleiben. Im wissenschaftlichen Bereich haben Antonovskys Konzept, seine Modellvorstellung und das von ihm entwickelte Erhebungsinstrument eine beachtliche Verbreitung gefunden. Allerdings zeigt sich in vielen Forschungsprojekten, dass Modell und Erhebungsinstrument nicht unproblematisch sind und zahlreiche theoretische, begrifflich konzeptionelle und methodische Fragen offen bleiben. Eine vertiefte Auseinandersetzung und Weiterentwicklung des Beitrages von Antonovsky ist deshalb dringend geboten, gerade auch weil sein Ansatz als derzeitige theoretische Fundierung des Gesundheitsförderungsansatzes gilt.

Der vorliegende Band leistet einen Beitrag zur aktuellen Diskussion des Konzeptes der Salutogenese und des Kohärenzgefühls innerhalb der Gesundheitswissenschaften. Er versammelt Beiträge zur theoretischen und konzeptuellen Weiterentwicklung, umfasst methodische Beiträge und empirische Ergebnisse und stellt salutogenetische Ansätze in der Praxis dar. Der Band bietet gleichzeitig einen allgemeineren Einblick in die Arbeitsweisen und Fragestellungen von Gesundheitsforschung und Public Health.

Inhalt:

So suchen Sie mit Hilfe von Google nur hier im H.Blog …

Home

Themen: Claus Fritzsche |

5 Kommentare to “Salutogenese: Wie entwickeln Menschen sich gesund? Krankheit als Wegweiser!”

  1. Der Placebo-Effekt: Vom schwarzen Schaf zum geliebten Kind der Medizin | H.Blog: Homöopathie & Forschung schreibt:
    14th.August 2008 um 10:55 am

    [...] In dem Maße, wie Schul- und Alternativmediziner relativ viel Zeit in die Arbeit und Beziehung mit Patienten investieren, Krankheitssymptome aus ganzheitlicher Sicht betrachten (Lebensweise, Umgang mit dem eigenen Körper, seelische und psychische Aspekte etc.), voller Empathie den Mensch hinter den Krankheitssymptomen wahrnehmen und zum guten Schluss Zuversicht vermitteln, scheinen sie einen sehr großen Beitrag zur Aktivierung der Selbstheilungskräfte zu leisten. Siehe auch: »Salutogenese: Wie entwickeln Menschen sich gesund? Krankheit als Wegweiser!« [...]

  2. Randomisierte klinische Studien (RCT), vom Goldstandard zum Sorgenkind | H.Blog: Homöopathie & Forschung schreibt:
    1st.September 2008 um 8:50 am

    [...] Verlagerung der Verantwortung vom Therapeuten (Reparatur) hin zum Patienten (Prävention, Salutogenese), [...]

  3. Axiome, Forschungsmethodik & Placeboeffekte in der Psychotherapie - von Claus Fritzsche | H.Blog: Homöopathie & Forschung schreibt:
    19th.Oktober 2008 um 10:09 am

    [...] von SYMPTOMEN liegt, die jedoch gleichzeitig wenig zur HEILUNG von Menschen beitragen (→ Salutogenese). Dass die Beseitigung von SYMPTOMEN nicht gleichzusetzen ist mit der HEILUNG von Menschen, dies [...]

  4. Betriebsblind: 16. Cochrane Colloquium in Freiburg tagte im Elfenbeinturm | H.Blog: Homöopathie & Forschung schreibt:
    26th.Oktober 2008 um 1:40 pm

    [...] Geist und Seele bzw. Körper, Psyche und Emotionen. Krankheit ist aus ihrer Sicht (im Sinne der Salutogenese) nicht ein zu bekämpfender Betriebsunfall sondern ein zu interpretierendes wichtiges Warnsignal [...]

  5. Diagnose »Krebs«, Integrative Medizin, sanfte und ganzheitliche Heilung | H.Blog: Homöopathie & Forschung schreibt:
    8th.Dezember 2008 um 6:44 pm

    [...] senken. Die Alternativmedizin betrachtet diese Sichtweise als falsch und verfolgt das Konzept der Salutogenese. Aus Sicht der Salutogenese sind Krankheitssymtome wichtige Signale des Körpers, die es zu [...]

Kommentare