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Schweiz: Krankenkassen müssen Alternativmedizin bald wieder bezahlen

Von Claus Fritzsche | 24.September 2008

Die politische Diskussion um die Rolle der Komplementärmedizin im Gesundheitssystem der Schweiz geht in die nächste Runde. Erst vor wenigen Tagen habe ich hier im H.Blog erläutert (→ 81 Prozent der Schweizer für Komplementärmedizin), unter welchen Umständen Gesundheitsminister Pascal Couchepin die komplementärmedizinischen Fachrichtungen Anthroposophische Medizin, Homöopathie, Traditionelle Chinesische Medizin, Phytotherapie und Neuraltherapie aus dem Leistungskatalog der Schweizer Grundversicherung herausgenommen hatte.

Die im Rahmen des Programms Evaluation Komplementärmedizin (PEK) durchgeführte wissenschaftliche Prüfung kam zu dem Ergebnis, dass die untersuchten komplementärmedizinischen Therapieformen ein im Vergleich zu konventionellen Therapien besseres Kosten-Nutzen-Verhältnis haben. Im H.Blog-Beitrag vom 09.09. heißt es dazu:

»Details können hier im H.Blog im Beitrag »Health Technology Assessment (HTA) hat mehr Aussagekraft als Reviews experimenteller Studien« bzw. im Fachbuch »Homöopathie in der Krankenversorgung« nachgelesen werden. In der Gesamtbewertung durch das PEK-Review-Komitee wurde den HTAs zur Anthroposophischen Medizin, Homöopathie, Phytotherapie und TCM-Phytotherapie eine gute Qualität sowie nachvollziehbare Ergebnisse bescheinigt, deren Schlussfolgerungen wissenschaftlich haltbar sind. Und im Editorial der Zeitschrift Forschende Komplementärmedizin bewerteten Walach & Heusser die Wertigkeit der HTA-Berichte im Rahmen von PEK grundsätzlich höher als die von Reviews experimenteller Studien.«

Zur großen Verblüffung der an der PEK beteiligten Forscher wurden die wissenschaftlichen Ergebnisse nach einem politischen Machtwechsel in der Schweiz unter Verschluss gehalten. Die PEK-Leitung wechselte damals von Ruth Dreifuss (Sozialdemokratische Partei der Schweiz) zu Pascal Couchepin (Freisinnig-Demokratische Partei). Pascal Couchepin entsorgte die PEK-Daten »im Tresor« und ließ eine öffentliche Diskussion nicht zu. Die Medizinzeitschrift The Lancet zitierte damals gezielt eine im Rahmen des HTAs unbedeutende und methodisch zweifelhafte Teilstudie und erweckt aus heutiger Sicht den Eindruck, sich an einer politischen Kampagne beteiligt zu haben. Auf der Grundlage von nur acht (!) bewerteten Studien proklamierte The Lancet das vermeintliche Ende der Homöopathie. In der anschließenden wissenschaftlichen Fachdiskussion ging die von The Lancet zitierte Studie des Schweizer Sozial- und Präventivmediziners Matthias Egger mit wehenden Fahnen unter (→ Lancet und die Rehabilitierung der Homöopathie).

Die autoritäre Unterschlagung wissenschaftlicher Ergebnisse hat die Regierung der Schweiz bisher scheinbar wenig gestört. Zum Problem für die politischen Verantwortlichen wird jetzt allerdings die Tatsache, dass die Bevölkerung mehrheitlich »Pro Komplementärmedizin« eingestellt ist. Eine kürzlich veröffentlichte repräsentative Umfrage des Verbands der schweizerischen Krankenversicherer santésuisse kam zu dem Ergebnis, dass ganze 81 % der Schweizer die Komplementärmedizin in der Grundversicherung wünschen. Der Volkeswille scheint nun langsam aber sicher auch im politischen Establishment anzukommen. So berichtet der Tages-Anzeiger am 17. September: »Nach dem Ständerat hat am Mittwoch auch der Nationalrat beschlossen, mit einem Verfassungsartikel für eine bessere Berücksichtigung der Komplementärmedizin zu sorgen. Im Kanton Bern sei das bereits Realität und habe sich bewährt, sagte die Berner SP-Nationalrätin Margret Kiener Nellen.«

Und in der Einleitung des Tages-Anzeigers heißt es: »Die Patienten dürfen sich freuen: Die Grundversicherung muss bald wieder homöopathische Behandlungen vergüten. Bundesrat Couchepin hat sich vergeblich dagegen gewehrt.«

Links zum Thema:

Schweizer Fernsehen: »Volk befindet über Komplementärmedizin«

Tages-Anzeiger: »Kassen müssen Alternativmedizin bezahlen«

20 minuten: »Schweizer vertrauen auf Homöopathie«

www.jzk.ch: Volksinitiative »Ja zur Komplementärmedizin«

H.Blog: 81 Prozent der Schweizer für Komplementärmedizin in der Krankengrundversicherung - sondage santé 2008

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Themen: Claus Fritzsche |

Ein Kommentar to “Schweiz: Krankenkassen müssen Alternativmedizin bald wieder bezahlen”

  1. 81 Prozent der Schweizer für Komplementärmedizin in der Krankengrundversicherung - sondage santé 2008 | H.Blog: Homöopathie & Forschung schreibt:
    1st.Oktober 2008 um 8:40 am

    [...] H.Blog: Schweiz: Krankenkassen müssen Alternativmedizin bald wieder bezahlen [...]

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