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Homöopathische Selbstbehandlung? TÜV Rheinland warnt vor Experimenten

Von Claus Fritzsche | 3.November 2008

Ist eine homöopathische Selbstbehandlung für medizinische Laien empfehlenswert? Die rund 120 gesetzlichen Krankenkassen (GKV), die sich am Programm »Integrierte Versorgung« beteiligen, machen eine Kostenerstattung von der Betreuung durch einen qualifizierten Arzt abhängig. FOCUS ONLINE schreibt dazu: »Im Rahmen einer sogenannten Integrierten Versorgung müssen die Versicherten allerdings einige Dinge beachten: So ist es notwendig, dass sie Vertragsärzte mit der Zusatzbezeichnung Homöopathie/Homöopathie-Diplom des Deutschen Zentralvereins homöopathischer Ärzte (DZVhÄ) aufsuchen. Welcher Mediziner diese Qualifikation besitzt, erfahren die Patienten bei ihrer Krankenkasse.« Das heißt mit anderen Worten: Ein großer Teil der GKV-Krankenkassen erkennt zwar den Nutzen einer homöopathischen Behandlung an, fordert jedoch eine auf klaren Standards basierende Qualifikation des behandelnden Arztes.

Wer in Deutschland eine Apotheke oder Buchhandlung betritt, der findet fast überall Anleitungen zur homöopathischen Selbstbehandlung. Die Nachfrage scheint somit relativ groß zu sein. Durch diverse Ratgeber erhalten Interessenten die Möglichkeit, sich mit den Grundsätzen der Homöopathie vertraut zu machen und das Verfahren in der Behandlung unkritischer Alltagserkrankungen praktisch kennenzulernen. Wichtig: Gerade Laien müssen bestimmte Grundsätze zur homöopathischen Selbstbehandlung einhalten. Regel Nr. 1: »Behandeln Sie nur leichte alltägliche Beschwerden mit Homöopathie.« Regel Nr. 2: »Setzen Sie keine ärztlich verordneten Medikamente ab und versuchen Sie nicht, diese durch homöopathische zu ersetzen! Es können unter Umständen lebensbedrohliche Situationen entstehen, z. B. bei Bluthochdruck, Gerinnungsstörungen des Blutes oder Diabetes!«

Foto: TÜV Rheinland

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Der TÜV Rheinland bewertet die Homöopathie in einer aktuellen Pressemeldung zwar als sinnvolle Behandlungsmethode speziell bei chronischen Erkrankungen, warnt jedoch ausdrücklich vor einer Selbstbehandlung. Auf der Webseite des Dienstleisters heißt es:

»Stress lass nach: Für Menschen, die unter Migräne, Allergien oder Rückenschmerzen leiden, wird der Arbeitsalltag oft zur Last. Neben der klassischen Medizin bieten alternative Heilverfahren den Betroffenen die Möglichkeit, weiterhin leistungsfähig zu bleiben. Besonders großen Zuspruch findet dabei die Homöopathie, ein Heilverfahren, das vor rund 200 Jahren vom deutschen Arzt und Chemiker Samuel Hahnemann begründet wurde. Sie wird vor allem bei chronischen Leiden eingesetzt, verspricht aber auch bei akuten Erkrankungen wie einer Erkältung Linderung und ist – richtig angewendet – nebenwirkungsfrei. »Die Behandlung basiert auf dem Ähnlichkeitsprinzip«, erklärt Dr. Ulrike Roth, Arbeitsmedizinerin von TÜV Rheinland. »Dieses besagt, dass ein Patient mit bestimmten Symptomen genau das Mittel benötigt, das an Gesunden getestet möglichst ähnliche Symptome erzeugt.«

Die verabreichten Mittel, zumeist in Form von Kügelchen, Globuli genannt, enthalten pflanzliche Wirkstoffe sowie tierische und mineralische Substanzen. Diese werden durch ein spezielles Zubereitungsverfahren so stark verdünnt, dass auf chemischem Weg von der Ur-Substanz nur noch wenig bis nichts mehr nachweisbar ist. So sollen unerwünschte Wirkungen minimiert und erwünschte gleichzeitig potenziert werden. Für Gegner der Homöopathie ist die extrem geringe Dosierung einer der größten Kritikpunkte: Sie vergleichen die Wirksamkeit der Heilmittel darum oft mit der von Scheinmedikamenten.

Placebo-Effekt oder nicht – von einer Eigenbehandlung mit homöopathischen Mittel, auch in niedriger Dosierung, rät die Expertin dennoch ab. Denn der Grundsatz des alternativen Heilverfahrens ist es, sämtliche Faktoren wie Krankengeschichte, Gemütsverfassung, Lebensgewohnheiten und die gesamte körperliche Konstitution mit einzubeziehen. Deshalb verwendet ein Homöopath bei verschiedenen Menschen mit den gleichen Symptomen unterschiedliche Medikamente. Es gibt also nicht einen Globulus für ein bestimmtes Krankheitssymptom. »Man sollte außerdem stets die Grenzen der Homöopathie im Auge behalten«, sagt Dr. Ulrike Roth. »Sie kann weder notfallmedizinische Maßnahmen noch notwendige Operationen ersetzen. Bei ernsten Erkrankungen sollte also immer auch ein Arzt aufgesucht werden.««

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Ein Kommentar to “Homöopathische Selbstbehandlung? TÜV Rheinland warnt vor Experimenten”

  1. Carl Classen schreibt:
    7th.August 2009 um 12:58 pm

    Guten Tag,

    der zentrale Punkt beim Thema “homöopathische Selbstbehandlung” ist doch immer wieder, dass in Vorträgen, Büchern usw. klar auf die medizinisch und ethisch gebotenen Grenzen hingewiesen wird. Da dies in vielen eher unseriösen Websites, Veröffentlichungen, Vorträgen leider gar nicht der Fall ist, haben homöopathische Ärzte und homöopathische Heilpraktiker eine gemeinsame “Empfehlung zur Vermittelung homöopathischer Selbstbehandlung” herausgegeben.
    Siehe http://www.aeha-buendnis.de/aktuelles.php

    Mit freundlichen Grüßen -

    Carl Classen

    Koordinator des “Anwenderbündnis zum Erhalt homöopathischer Arzneimittel” AEHA

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