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Diagnose »Krebs«, Integrative Medizin, sanfte und ganzheitliche Heilung

Von Claus Fritzsche | 8.Dezember 2008

»Krebscafe – Wieder gesund werden« ist der Name eines tiefgründigen und gut recherchierten Weblogs von Andreas Thies. Krebscafe informiert seine Leser über ganzheitliche Ansätze, bösartige Tumore zu verstehen und zu heilen.

Integrative Medizin verfolgt das Ziel, moderne schulmedizinische Errungenschaften mit dem wissenschaftlich gesicherten Erfahrungsschatz aus Alternativ- und Komplementärmedizin sinnvoll zu verbinden. Integrative Medizin findet immer mehr Anhänger. Der Initiativkreis des Dialogforums Pluralismus in der Medizin, in dem u. a. Prof. Dr. med. Jörg-Dietrich Hoppe (Präsident der Bundesärztekammer) Mitglied ist, engagiert sich für die Integrative Medizin. In Berlin fand vom 7. bis 8. November 2008 der hochkarätig besetzte »1. Europäischen Kongress für Integrative Medizin« statt. Das Deutsche Ärzteblatt publizierte schon 2004 einen Beitrag, in dem unter der Überschrift »Verständnis und Zusammenarbeit müssen vertieft werden« für Integrative Medizin und einen Diskurs auf gleicher Augenhöhe geworben wurde. Um integrative Ansätze in der Betrachtung und Heilung von Krebs geht es auch Andreas Thies, Herausgeber des Krebscafes.

Was spricht für eine Verknüpfung von moderner Schulmedizin und wissenschaftlich erforschter Alternativ- und Komplementärmedizin? Nun, die großen Stärken der Schulmedizin bestehen a) auf dem Gebiet der Diagnose und b) in der sehr effektiven Durchführung lebenserhaltender Maßnahmen. Der Mainstream der Medizin ist ausgesprochen erfolgreich darin, KrankheitsSYMPTOME zu erkennen, zu beseitigen, akut und schwer erkrankte Menschen vor dem Sterben zu bewahren. Die großen Schwachstellen der Schulmedizin liegen u. a. in folgenden Bereichen:

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Symptomorientierung:

Die moderne Schulmedizin ist überwiegend symptomorientiert und macht sich über die Hintergründe und Entstehungsgeschichte einer Krankheit – in einer Behandlungssituation – nicht viele Gedanken. Sie sieht ihre Aufgabe beispielsweise dann als erfüllt an, wenn eine Chemotherapie den Tumor beseitigt hat oder wenn cholesterinsenkende Medikamente einen überhöhten Cholesterinspiegel auf ein vertretbares Niveau senken. Die Alternativmedizin betrachtet diese Sichtweise als falsch und verfolgt das Konzept der Salutogenese. Aus Sicht der Salutogenese sind Krankheitssymtome wichtige Signale des Körpers, die es zu decodieren gilt, um nicht nur ein Symptom zu unterdrücken sondern die Ursache einer Krankheit zu finden und dauerhaft zu heilen.

Insbesondere bei chronischen Krankheiten ist es mit der Beseitigung von Symptomen nicht getan, wenn sich beispielsweise psychosomatische Effekte über Jahre und Jahrzehnte hinweg im Körper festgesetzt haben. Gerade mit chronischen Krankheiten ist die Schulmedizin in vielen Fällen komplett überfordert, während die Alternativ- und Komplementärmedizin hier im Einzelfall (nicht pauschal) große Erfolge vorweisen kann.

Wird die Ursache einer Krankheit auf den Ebenen Körper (z. B. Ernährung, Bewegung, Sport …), Emotionen (z. B. langjährige bewusste oder unbewusste seelische Konflikte, subtile Verletzungen und Traumata, aufgestaute Frustration und unterdrückte Aggressionen), Geist (z. B. negative Glaubenssysteme über die eigene Person, negatives Selbstbild), Beziehungen (z. B. langjährige Konflikte) nicht erkannt und geheilt, so besteht eine große Wahrscheinlichkeit, dass Stressoren sich ein anderes Organ suchen (Symptomverlagerung) oder die Krankheit nach einer bestimmten Zeit wieder auflebt. Symptomorientierung ist aus Sicht der Salutogenese so, als sollte ein Feuer durch Demontage des Feuermelders gelöscht werden. Krankheitssymptome (= WIRKUNG) sind Signale des Körpers, die darüber informieren, dass Stressoren (=URSACHE) pathogen bzw. krankmachend wirken.

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Standardisierung:

Die Entstehung von Krankheiten z. B. durch körperliche, emotionale und/oder geistige Stressoren erfolgt zu einem erheblichen Teil INDIVIDUELL. Der gleiche Stressor kann bei Frau Müller das Herz schwächen und bei Herrn Mayer den Magen angreifen. Individuelle Krankheits- und Heilungsaspekte sind in der Schulmedizin weitestgehend unbekannt. Der Mensch wird hier als standardisierter Bio-Roboter in vereinheitlichten klinischen Studien als Norm-Produkt behandelt und überwiegend auf seinen Körper reduziert. Schulmediziner untersuchen in der Regel die kranke Lunge, den trägen Darm oder die geschwächte Leber, ohne sich für die individuelle Entstehungsgeschichte, für den Menschen, sein Leben und seine Gefühle zu interessieren. Dafür bleibt keine Zeit, das wird nicht bezahlt und Gefühle, Kognitives & Co. gehören in die Obhut der Kollegen aus der Psychotherapie.

Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen hat den Mangel an Individualisierung in der Medizin schon in seinem Gutachten 2003 reklamiert: »Abgesehen von den quantitativen und qualitativen Mängeln der vorhandenen Leitlinien besteht das prinzipielle Problem, dass die auf populationsbezogenen empirischen Befunden basierenden Leitlinien in ihrer praktischen Anwendung auf den individuellen Patienten bezogen werden müssen. Dies erfordert die Integration der zum jeweiligen Zeitpunkt besten verfügbaren wissenschaftlichen (externen) Evidenz mit den Erfahrungen des einzelnen Arztes (interne Evidenz).« (→SVR: Gutachten 2003. Kurzfassung, Seite 87) Bis es jedoch zu einer Weiterentwicklung von Evidence-based Medicine hin zu einer (Individualität beachtenden) Cognition-based Medicine kommt, dürfte mindestens noch eine Mediziner-Generation vergehen.

(Siehe auch: www.abgeordnetenwatch.de: Biggi Bender (MdB), Gesundheitspolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen zum Thema: Chancen und Grenzen sowohl der Evidenz- als auch Cognition-based Medicine)

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Selbstheilung:

Körpereigene Selbstheilungsmechanismen sind aus schulmedizinischer Sicht etwas, was bei kleinen Wehwehchen und Schnupfen hilft, ansonsten jedoch im medizinischen Alltag weitgehend ignoriert wird. Der Verweis auf die Selbstheilungskräfte ist für konservative Mediziner alter Schule schon fast eine Zumutung, fast so schlimm, als würde man Krebs mit Fencheltee behandeln wollen. Erkenntnisse der modernen Placeboforschung und Psychoimmunologie, wonach Erwartungshaltung, Glaube, Selbstvertrauen, die menschliche Beziehung zwischen Patient und Therapeut im Einzelfall ähnlich wirksam sein können wie hoch effektive Arzneimittel und medizinische Eingriffe, setzen sich zwar langsam durch … haben jedoch im medizinischen Alltag noch relativ wenige Konsequenzen. Wie stark unspezifische Faktoren und Erwartungshaltung wirken können, das zeigt z. B. auf Seite 14 eines Vortrags von Prof. Stefan Willich ein spannender Vergleich (→ Exkurs). Siehe auch: »Wundermittel im Kopf« von Jörg Blech (SPIEGEL ONLINE).

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+++++ EXKURS: »Placebo wirkt stärker als Verum« +++++

Naproxen ist ein Arzneistoff, der schmerzlindernd, fiebersenkend und entzündungshemmend wirkt. Im Rahmen einer randomisierten klinischen Studie wurde geprüft, welche Wirkung Verum und Placebo auslösen, wenn die Probanden über die Einnahme a) informiert waren, eingewilligt haben (»with consent«) bzw. wenn sie b) Verum und Placebo ohne ihr Wissen erhielten (»without information«). Es stellte sich heraus, dass die Wirkung von Placebo mit Einwilligung (Die Probanden wissen, dass sie ein Mittel erhalten, sind jedoch nicht darüber informiert, dass es ein Scheinmedikament bzw. Placebo ist.) nach 180 Minuten erheblich stärker war als die Wirkung von Naproxen (Verum) ohne Wissen (Die Probanden haben den echten Wirkstoff erhalten, wussten dies jedoch nicht.)

Quelle:

Kaptchuk TJ:  The double-blind randomized controlled trial: Gold standard or golden calf? Journal of Clinical Epidemiology 2001, 54:541-549

Bergmann JF, Chassany O, Gandiol J, Deblos P, Kanis JA, Segrestaa JM, Caulin C, Dahan R: A randomised clinical trial of the effect of informed consent on the analgesic activity of placebo and naproxen in cancer patients. Clinical Trials and Meta-Analysis 1994, 29:41-47.

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Auch der italienische Neurowissenschaftler Fabrizio Benedetti konnte dieses Phänomen in mehreren Studien nachweisen. Er weist darauf hin, dass der Effekt zu einem großen Teil durch die persönliche Beziehung zwischen Therapeut und Patient aufgebaut wird. 3sat schreibt dazu: »Ohne Wissen und die daraus resultierende Erwartung gibt es keinen Placebo-Effekt. Eine entscheidende Rolle spielt dabei auch die Kommunikation zwischen Arzt und Patient. Der Turiner Hirnforscher Fabrizio Benedetti sagt: ›Wir wissen heute, dass das Verhältnis zwischen Arzt und Patient wichtig ist, weil dabei im Gehirn körpereigene Schmerzmittel ausgeschüttet und die Nervenaktivität in bestimmten Hirnarealen nachhaltig verändert werden kann.‹ «

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Nebenwirkungen:

Moderne medizinische Maßnahmen zur Behandlung akuter Krankheiten sind nicht nur effektiv, sie richtigen unter Umständen auch großen Schaden an. Der H.Blog-Beitrag »Arzneimittel: Todesursache Nr. 3 in Deutschland« listet hier nur eine Kategorie (Arzneimittel) auf. Die gute Nachricht: Es gibt auch einen klaren Trend hin zu einer »sanften Schulmedizin«. Moderne schulmedizinische Therapieverfahren und Maßnahmen werden immer erfolgreicher darin, die Kollateralschäden von Eingriffen auf ein Minimum zu senken. (Arzneimittel mit pflanzlichen Wirkstoffen können übrigens ebenso gravierende schädliche Nebenwirkungen haben.)


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Zurück zum Weblog Krebscafe von Andreas Thies. Welchen Beitrag kann Integrative Medizin bzw. können komplementärmedizinische Therapieansätze leisten, wenn ein Mensch Krebs hat? Nun, Patienten können eine schulmedizinische Therapie alternativmedizinisch begleiten, um so von den Stärken beider Systeme zu profitieren und ihre Heilungschancen erheblich zu steigern. Und wie sieht dies genau aus? Schauen Sie einfach einmal im Krebscafe vorbei. Hier eine kleine Themenauswahl:

Krebscafe: Ganzheitliche Krebsberatung – Ein Interview mit Elke Linder
Andreas Thies: »Krebsbetroffene, die sich für alternative Therapien interessieren, stehen oft alleine da, denn noch beschränkt sich das Therapieangebot der Ärzte, die Krebs diagnostizieren, auf konventionelle Methoden, wie Chemotherapie, Bestrahlung oder Operationen. So müssen sich Patienten eigenverantwortlich auf die Suche nach Alternativen oder unterstützenden Maßnahmen begeben. Keine leichte Aufgabe im Dschungel der Angebote. Zumal im Angesicht der gesundheitlichen Bedrohung meist die Energie und geistige Klarheit für solch eine Recherchearbeit fehlen. Zum Glück gibt es seit eingen Jahren ganzheitliche Krebsberater wie Elke Linder.«Link zum vollständigen Beitrag …

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Krebscafe: Spontanheilungen – Wie häufig sind sie wirklich?
Andreas Thies: »Laut einer norwegischen Studie verschwindet vermutlich mindestens jeder fünfte durch eine Mammographie gefundene Brustkrebs von selbst. Mich überrascht dieses Studienergebnisse in keinster Weise. Bemerkenswerter finde ich, dass Erkenntnisse dieser Art mittlerweile ein breites Medienecho erzeugen und offensichtlich salonfähig werden.«Link zum vollständigen Beitrag …

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Krebscafe: Ja zum Jetzt
Andreas Thies: »Positives Denken ist in. Optimismus erlebt gerade einen Höhenflug. In den Zeiten von Erfolg, Gewinnertum und The Secret traut man sich kaum mehr, Fehlschläge einzugestehen oder den jetzigen Zustand zu akzeptieren. Dabei ist es enorm wichtig, Ja zum Jetzt zu sagen, um wie ein Phoenix aus der Asche aufzuerstehen.«Link zum vollständigen Beitrag …

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Themen: Claus Fritzsche | 1 Kommentar »

Ein Kommentar to “Diagnose »Krebs«, Integrative Medizin, sanfte und ganzheitliche Heilung”

  1. Krebscafe Blog » Links zum Wochenende (12.12.08): Wieder gesund werden... - Alternative Krebstherapie schreibt:
    12th.Dezember 2008 um 10:02 am

    [...] Das Krebscafé in den Medien: Diagnose "Krebs", Integrative Medizin, sanfte und ganzheitliche Heilung. [...]

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