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Prof. Edzard Ernst verteidigt Buch “Die Andere Medizin” in Forschende Komplementärmedizin
Von Claus Fritzsche | 15.Oktober 2006
Prof. Edzard Ernst hat sich nach monatelangem Schweigen endlich dazu durchringen können, zur massiven Kritik am Ratgeber “Die Andere Medizin” Stellung zu nehmen. In einem Leserbrief an die Zeitschrift Forschende Komplementärmedizin geht er auf die Kritik von Prof. Karl Ludwig Resch ein, welche dieser zuvor an gleicher Stelle unter der Überschrift “Die Andere Medizin: Gut gemeint - schlecht gemacht” publizierte.
Wer nun hofft, Prof. Edzard Ernst würde endlich einmal zu der schier unübersichtlich großen Anzahl an Fehlern und Grotesken im Detail Stellung nehmen, auf die beispielsweise Kienle & Kiene unter dem Titel “Stiftung Warentest: Die Andere Medizin - Evidenz- oder Eminenzbasiert” im DEUTSCHEN ÄRZTEBLATT aufmerksam machten oder Dr. Christian Ullmann in seinem Buch “Fakten über die ‘andere Medizin”, der wird leider enttäuscht. Ernst beschränkt sich zu großen Teilen auf wolkige und allgemein gehaltene Aussagen, in denen er eine aus seiner Sicht einseitige Darstellung und einen von ihm als polemisch-aggressiv wahrgenommenen Ton der Kontroverse beklagt, einer Argumentation auf der Ebene der Fakten und Details bzw. des “Kleingedruckten” jedoch konsequent aus dem Wege geht.
Kritisieren Kienle & Kiene, um nur eines von vielen Beispielen zu nennen, dass die Autoren des Buches im Falle der Anthroposophischen Medizin von 178 klinischen Studien nur 3 Studien zur Beurteilung herausgreifen, ohne Kriterien für diese Auswahl zu nennen, so steht hier der Vorwurf willkürlicher Studienselektion im Raume. Wo Menschen arbeiten, da können auch Fehler passieren. Insbesondere, wenn sich hier allem Anschein nach wissenschaftliche Mitarbeiter von Prof. Edzard Ernst in ein für sie fremdes Themengebiet hineinwagten. Werden diese Fehler jedoch von Kollegen erkannt und daraufhin übergangen, so gilt dieses Verhalten in Forscherkreisen als schweres Delikt und ein Verstoß gegen die Grundsätze “Guter wissenschaftlicher Praxis” der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG). Weisen Kienle & Kiene sachlich nüchtern darauf hin, dass die Aussage der Buchautoren, es lägen bisher keine kontrollierten Studien vor, welche die Wirksamkeit der individualisierten, komplexen Anthroposophischen Medizin überprüften, schlicht und ergreifend falsch ist, so hat Prof. Edzard Ernst mit seinem Leserbrief in der Forschenden Komplementärmedizin eine weitere Chance verstreichen lassen, auf derart gravierende Kritik einzugehen.
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Prof. Edzard Ernst im H.Blog
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NEU: stern GESUND LEBEN, »Sucht« und Prof. Edzard Ernsts Eminenz-basierte Medizin
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»Die Andere Medizin«: Leserbrief von Prof. Edzard Ernst + Replik von Dr. Kienle & Dr. Kiene
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Damit fördert Ernst den bisherigen Eindruck, dass die Stiftung Warentest, die Autoren Federspiel und Herbst und er selbst alle Hebel in Bewegung setzen, um einer detaillierten Diskussion der Kritik (Punkt für Punkt) aus dem Wege zu gehen. Liest man die im Anschluss an Ernsts Leserbrief abgedruckte Replik von Prof. Karl Ludwig Resch, so korrigiert er an dieser Stelle nochmals einen grundsätzlichen Fehler des Buches “Die Andere Medizin”: “Auch wenn sich das bei anderen Publikationen der Stiftung Warentest «bewährt» haben mag: «nicht belegt» mit «nicht geeignet » zu übersetzen, ist wenig hilfreich, um es vorsichtig auszudrücken … Das Fehlen des Nachweises für einen Effekt ist nicht der Nachweis für das Fehlen eines Effekts.” Mit anderen Worten: Ist eine Therapieform gemäß den Maßstäben der Autoren nicht wissenschaftlich erforscht, so wird sie als “nicht geeignet” eingestuft. Methodisch korrekt wäre es, die Frage der Wirksamkeit offen zu lassen und darauf zu verweisen, dass entsprechende Therapiemethoden über ein Forschungsdefizit verfügen. Ob sich nicht erforschte Therapiemethoden als geeignet oder nicht geeignet erweisen, dies ist eine Frage, welche die jeweilige Forschungsarbeit faktenbasiert und nicht Prof. Edzard Ernst & Co. autoritär entscheiden.
Fazit: Die Stiftung Warentest, Krista Federspiel und Vera Herbst sowie Prof. Edzard Ernst stehen noch immer in der Pflicht, auf die gravierende fachliche Kritik am Ratgeber “Die Andere Medizin” - insbesondere von Kienle & Kiene und von Dr. Christian Ullmann - im Detail einzugehen. Und zwar Kritikpunkt für Kritikpunkt, angefangen vom Vorwurf fehlerhafter Wiedergabe von Studien wie im Falle der Hypnotherapie über den Vorwurf willkürlicher Studienselektion bis hin zum Vorwurf potentiell gefährlicher und verbrauchergefährdender Aussagen von Dr. Christian Ullmann. Bestätigt sich ein großer Teil der Kritik, deutliche Anzeichen dafür gibt es, so führt kein Weg an der Publizierung eines Erratums vorbei. Und die Stiftung Warentest wäre gut beraten, ihren Ratgeber in der jetzigen Fassung freiwillig - ohne den Druck einer einstweiligen Verfügung wie im Falle DHU - vom Markt zu nehmen. Das noch vor zwei Jahren tadellose Renommee von Prof. Edzard Ernst gilt unter Forscherkollegen inzwischen als schwer angeschlagen. Zur Zeit profitiert er noch davon, dass Journalisten populär- bzw. nichtwissenschaftlicher Medien ein … freundlich formuliert … rudimentäres Wissen darüber haben, was sich genau hinter den Kulissen der komplementärmedizinischen Forscherszene abspielt. Mit der Zeit kann sich jedoch herumsprechen, dass sog. Visible Scientists im Kreise ihrer Kollegen nicht automatisch als Könner ihres Fachs eingestuft werden.
Links zum Thema:
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Themen: Claus Fritzsche |








30th.April 2007 um 5:38 pm
[...] Unter der Überschrift “Placebos in Quellwasser” teilte Prof. Edzard Ernst den Lesern des Magazins Stern (Heft 4, 2006) jüngst polemisch mit: “Freunde der Bach-Blütentherapie müssen jetzt ganz tapfer sein: Die klinische Forschung zu den Mitteln kommt zu einem verheerenden Ergebnis.” [...]