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Homöopathie: Neues Studiendesign belegt spezifische Effekte. »Homeopathic pathogenetic trials produce more specific than non-specific symptoms«

Von Claus Fritzsche | 17.Juni 2009

Das Journal Forschende Komplementärmedizin nahm sich in seiner Ausgabe Vol. 16, No. 2, 2009 zum 2. Mal eines neuen Forschungskonzepts an, welches der Fachwelt Rätsel aufgibt. Die Forscher Heribert Möllinger, Rainer Schneider und Harald Walach prüften nicht, ob die Einnahme homöopathischer Arzneimittel Probanden von ihren Beschwerden befreit. Sie untersuchten stattdessen, ob homöopathische Arzneimittel bei gesunden Menschen die Krankheitssymptome hervorrufen, die laut Materia medica homoeopathica vorhergesagt werden. Die Ergebnisse ihrer Studien sind spektakulär. Sie sprechen für die Existenz spezifischer Effekte und deutlich gegen die These, Homöopathie sei ein reines Placebophänomen.



Die Ähnlichkeitsregel (»Ähnliches werde durch Ähnliches geheilt«) gehört zu den Grundprinzipien der Homöopathie. Samuel Hahnemann entdeckte die Ähnlichkeitsregel während eines Selbstversuchs im Jahr 1790 (→ »Hahnemanns Selbstversuch mit der Chinarinde«). Prof. Dr. Robert Jütte schildert das historische Ereignis im Deutschen Ärzteblatt wie folgend:

»Hahnemann war bei der Übersetzung eines damaligen Standardwerks der Arzneimittellehre aufgefallen, dass der Verfasser, ein schottischer Arzt, die Wirkung der Chinarinde gegen Malaria auf die Stärkung des menschlichen Verdauungstrakts zurückführte. Da ihn diese Erklärung nicht überzeugte, kam Hahnemann auf die Idee, die Wirkung dieses Medikaments am eigenen gesunden Körper zu überprüfen. Dabei glaubte er, bei sich Symptome feststellen zu können, wie sie bei Wechselfieber, wie Malaria damals häufig genannt wurde, auftraten. Sechs Jahre lang prüfte Hahnemann seine erst später ausformulierte Hypothese, dass ›Ähnliches mit Ähnlichem‹ geheilt werden könne. Die Ergebnisse seiner Arzneiprüfungen und die Summe seiner Reflexionen über dieses Phänomen veröffentlichte er 1796 in einer der damals angesehensten medizinischen Zeitschriften, nämlich Hufelands ›Journal der practischen Arzneykunde“‹ Dieses Datum gilt gemeinhin als die Geburtsstunde der Homöopathie.« - Quelle: »Samuel Hahnemann: Mehr als nur ein Denkmal«, Deutsches Ärzteblatt 2005

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Das Simile-Prinzip

Die Ähnlichkeitsregel besagt stark vereinfacht, dass die Einnahme homöopathischer Arzneimittel bei Kranken genau die Symptome heilt, welche bei gesunden Menschen erzeugt werden. – Und wie wird nun festgestellt, welches homöopathische Arzneimittel welche Symptome bei Gesunden auslöst bzw. bei Kranken heilt? Dies geschieht im Rahmen einer homöopathischen Arzneimittelprüfung (HAMP). Der Deutsche Zentralverein homöopathischer Ärzte erläutert eine HAMP wie folgend: »Um festzustellen, welche Beschwerden oder Krankheiten ein Mittel erzeugen und damit auch heilen kann, werden von gesunden Menschen homöopathische Arzneimittel eingenommen. Alle Symptome dieser so künstlich erzeugten Krankheit werden vom Prüfer notiert. Die Sammlung verschiedener Prüfungen ergeben eine umfassende Beschreibung der Wirkung des Mittels, dass sogenannte Arzneimittelbild.« Die Konzeption, Durchführung und qualitative Kontrolle von HAMPs ist eine Wissenschaft für sich. Das Dokument »Homöopathische Arzneimittelprüfungen – Ergebnisse der Konsensus-Konferenzen des DZVhÄ« schildert die 2002 publizierten Ergebnisse einer Konferenz, auf der konzeptionelle Fragen rund um HAMPs diskutiert wurden.

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Neues Forschungskonzept

Ein neues Forschungskonzept – sog. Homeopathic pathogenetic trialsnutzt nun den HAMP-Mechanismus, um die Wirkungsweise der Homöopathie zu untersuchen. Homeopathic pathogenetic trials gehen der Frage nach, ob homöopathische Arzneimittel bei gesunden Menschen tatsächlich (reliabel und valide gemessen) spezifische Krankheitssymptome auslösen. Der neue Ansatz der Homöopathie-Forschung ist insofern hochgradig spannend, weil er die »Placebo-Hypothese« massiv stützen oder entkräften kann. Werden kranke Probanden nach Einnahme homöopathischer Arzneimittel von ihren Beschwerden befreit, so kann dies viele Gründe haben, die mit dem Homöopathikum selbst nichts zu tun haben müssen. Wie die Naproxen-Studie von Bergmann JF et al. sehr schön zeigt, gilt diese Regel ebenso für Arzneimittel mit pharmakologischem Wirkstoff. Unspezifische Faktoren wie z. B. Patienten-Überzeugungen können sowohl in der Homöopathie als auch bei der Einnahme von Arzneimitteln mit pharmakologischen Wirkstoffen viel stärker als die spezifischen Faktoren wirken. Beispielsweise dann, wenn die Kopfschmerzen nach wenigen Minuten nachlassen, obwohl der pharmakologische Wirkstoff der Kopfschmerztablette noch nicht aktiv war (→ »Tamiflu und andere Amulette«, SZ).

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Symptome gezielt auslösen

Ein Placeboeffekt kann jedoch mit sehr großer Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen werden, wenn gesunde Probanden unter den Bedingungen einer kontrollierten und doppelt verblindeten klinischen Studie aus einem riesigen Fundus an möglichen Krankheitssymtomen exakt die für das Homöopathikum typischen Symptome entwickeln. Ihnen ist schließlich nicht bekannt, welche Krankheitssymptome genau von ihnen erwartet werden: Halsschmerzen, Schweißausbrüche, Mundgeruch, Blähungen, Rückenschmerzen, Bluthochdruck, starke negative Emotionen oder viele hundert weiterer Symptome. Weder den Probanden noch den behandelnden Therapeuten sind die Symptome bekannt, welche einem homöopahtischen Arzneimittel zugeschrieben und im Rahmen eines doppelt verblindeten und randomisierten Homeopathic pathogenetic trials erwartet bzw. untersucht werden.

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Homeopathic pathogenetic trials

Drei bisher publizierte wissenschaftliche Arbeiten kommen zu dem verblüffenden Schluss, dass Homeopathic pathogenetic trials signifikant mehr spezifische als unspezifische Krankheitssymptome erzeugen:

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A Double-Blind, Randomized, Homeopathic Pathogenetic Trial with Healthy Persons: Comparing Two High Potencies

H. Möllinger; R. Schneider; M. Löffel; H. Walach

Intervention: 21 gesunde Probanden einer drei-armigen, randomisierten, doppelt verblindeten Pilotstudie erhielten per Zufallsverfahren entweder (1) Calendula officinalis (Ringelblume), (2) Ferrum muriaticum (Eisenchlorid) oder (3) Placebo.

Ergebnis: Calendula officinalis und Ferrum muriaticum zeigten beide deutlich mehr spezifische Symptome als Placebo.

Forschende Komplementärmedizin, 2004;11:274-280 (DOI: 10.1159/000082120)

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Homeopathic pathogenetic trials produce more specific than non-specific symptoms: results from two double-blind placebo controlled trials

H. Walach, H. Möllinger, J. Sherr, R. Schneider

Abstract: We conducted two parallel, blinded homeopathic pathogenetic trials conducted at two different sites to determine whether symptoms reported by healthy volunteers were significantly different for homeopathic remedies than for placebos. Study 1 used a two-armed design, testing ozone against placebo. Study 2 used a three-armed design, testing ozone and iridium against placebo. We found significantly more remedy-specific symptoms in provers taking ozone or iridium than in provers taking placebo in the three-armed trial and in both trials pooled for ozone and placebo. We, therefore, conclude that homeopathic remedies produce more symptoms typical for a remedy than non-typical symptoms. The results furthermore suggest a somewhat non-classical pattern because symptoms of one remedy appear to be mimicked in the other trial arm. This might be indicative of entanglement in homeopathic systems.

Journal of Psychopharmacology, Vol. 22, No. 5, 543-552 (2008) – (DOI: 10.1177/0269881108091259)

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Homeopathic Pathogenetic Trials Produce Specific Symptoms Different from Placebo

H. Möllinger, R. Schneider, H. Walach

Intervention: 25 gesunde Probanden einer drei-armigen, randomisierten, doppelt verblindeten Studie erhielten per Zufallsverfahren entweder (1) Natrium muriaticum (Natriumchlorid, Kochsalz), (2) Arsenicum album (arsenige Säure) oder (3) Placebo.

Ergebnis: Bei den gesunden Probanden, welche Arsenicum album einnahmen, zeigten sich im Durchschnitt 6 Symptome, welche typisch für Arsenicum album sind. Bei den gesunden Probanden, welche Natrium muriaticum einnahmen, zeigten sich im Durchschnitt 5 Symptome, welche typisch für Natrium muriaticum sind. In der Placebo-Kontrollgruppe zeigten sich 11 nicht-spezifische Symptome. Die Unterschiede waren insgesamt signifikant (Kruskall-Wallis-Test, p = 0.0002,) und sie unterschieden sich signifikant von der Placebo-Kontrollgruppe (Mann-Whitney-Test, p = 0.001).

Forschende Komplementärmedizin 2009;16:105-110 (DOI: 10.1159/000209386)

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Themen: Claus Fritzsche | 16 Kommentare »

16 Kommentare to “Homöopathie: Neues Studiendesign belegt spezifische Effekte. »Homeopathic pathogenetic trials produce more specific than non-specific symptoms«”

  1. Drei Ansätze zur Erklärung der Homöopathie | H.Blog: Homöopathie & Forschung schreibt:
    17th.Juni 2009 um 5:35 pm

    [...] NACHTRAG: Siehe auch hier im H.Blog »Homöopathie: Neues Studiendesign belegt spezifische Effekte. ›Homeopathic pathogenetic trials p… [...]

  2. Samuel Hahnemann - Radio-People schreibt:
    17th.Juni 2009 um 9:03 pm

    [...] Homöopathie: Neues Studiendesign belegt spezifische Effekte. »Homeopathic pathogenetic trials prod… H.Blog: Homöopathie & Forschung – PeopleRank: 6 – Vor 9 Stunden … Samuel Hahnemann entdeckte die Ähnlichkeitsregel während eines Selbstversuchs im Jahr 1790 (→ »Hahnemanns Selbstversuch mit der Chinarinde«). Prof. Dr. Robert Jütte schildert das historische Ereignis im Deutschen Ärzteblatt wie folgend: »Hahnemann… + voten [...]

  3. Nach dem »Homöopathie-Paradoxon« nun auch das »Akupunktur-Paradoxon« | H.Blog: Homöopathie & Forschung schreibt:
    18th.Juni 2009 um 8:05 am

    [...] NACHTRAG: Siehe auch hier im H.Blog »Homöopathie: Neues Studiendesign belegt spezifische Effekte. ›Homeopathic pathogenetic trials p… [...]

  4. »Homöopathie für Schmeißfliegen«. Ein Brandbrief von Michael Malzahn. | H.Blog: Homöopathie & Forschung schreibt:
    19th.Juni 2009 um 11:19 am

    [...] H.Blog: Homöopathie: Neues Studiendesign belegt spezifische Effekte. »Homeopathic pathogenetic tri… [...]

  5. FOCUS: »Homöopathie wirkt«. BILDblog, Stefan Niggemeier & die interne/externe Validität klinischer Studie | H.Blog: Homöopathie & Forschung schreibt:
    20th.Juni 2009 um 10:04 am

    [...] spezifischer Effekte spricht weiterhin die 2008 im Journal of Psychopharmacology publizierte Arbeit »Homeopathic pathogenetic trials produce more specific than non-specific symptoms: results from two… von H. Walach, H. Möllinger, J. Sherr und R. [...]

  6. NEU: Klassische Quantenhomöopathie mit Master Degree. Homöopathie und Quantenphysik? Quatsch mit seriösem Hintergrund. | H.Blog: Homöopathie & Forschung schreibt:
    27th.November 2009 um 12:33 pm

    [...] H.Blog: Homöopathie: Neues Studiendesign belegt spezifische Effekte. »Homeopathic pathogenetic tri… [...]

  7. Coup: Prof. Dr. Dr. Harald Walach übernimmt Professur an der Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder) | H.Blog: Homöopathie & Forschung schreibt:
    12th.Januar 2010 um 6:27 pm

    [...] Wirksamkeitsparadox in der Komplementärmedizin) und hat die Homöopathie-Forschung mit einem neuen Forschungsdesign sowie einem quantenphysikalischen Erklärungsansatz [...]

  8. Coup der Uni Frankfurt (Oder): Prof. Dr. Dr. Harald Walach übernimmt Professur für Forschungsmethodik komplementärer Medizin und Heilkunde | Neuraltherapie.Blog schreibt:
    15th.Januar 2010 um 9:49 am

    [...] Wirksamkeitsparadox in der Komplementärmedizin) und hat die Homöopathie-Forschung mit einem neuen Forschungsdesign sowie einem quantenphysikalischen Erklärungsansatz [...]

  9. That’s how lobbying works: Edzard Ernst and the “Evidence Check 2: Homeopathy” (UK House of Commons) | Neuraltherapie.Blog schreibt:
    26th.März 2010 um 12:58 pm

    [...] the Homeopathic Pathogenetic Trials conducted by Harald Walach et al. and presented in my blog “New Study Design Documents Specific Effects”. The present results of the placebo-controlled, double-blind HAMP studies are spectacular and [...]

  10. Alters-Starrsinn? Edzard Ernst und ein peinliches Interview mit dem DZVhÄ | H.Blog: Homöopathie & Forschung schreibt:
    5th.Mai 2010 um 9:40 am

    [...] werden können. Wer sich für Details interessiert, dem empfehle ich meinen Blogbeitrag Neues Studiendesign belegt spezifische Effekte. »Homeopathic pathogenetic trials produce more speci…. Spektakulär an diesen Studien ist folgender Sachverhalt: Probanden klassischer Studien zur [...]

  11. Carstens-Stiftung korrigiert SPIEGEL „Homöopathie – die große Illusion“. Agitation, Stimmungsmache und eine erschreckende Unkenntnis der Sachlage. | H.Blog: Homöopathie & Forschung schreibt:
    13th.Juli 2010 um 9:00 am

    [...] Homöopathie: Neues Studiendesign belegt spezifische Effekte. „Homeopathic pathogenetic trials pro… [...]

  12. „Organon 2010“: 200 Jahre Grundlagen der Homöopathie – Veranstaltungsreihe des DZVhÄ (→ Grundlagenforschung) | DZVhÄ Homöopathie.Blog schreibt:
    8th.September 2010 um 8:29 am

    [...] Ansatz, in dem das Phänomen der sog. Verschränkung eine Rolle spielt. Begleitende experimentelle Studien zeigten bereits spektakuläre Effekte. Stephan Baumgartner verfolgt ein physikalisches [...]

  13. Homöopathische Arzneimittelprüfung aus wissenschaftlicher Sicht. Vorträge von Dr. med. Michael Teut und Dipl.-Stat. Rainer Lüdtke. (→ Organon 2010-Veranstaltung) | DZVhÄ Homöopathie.Blog schreibt:
    2nd.November 2010 um 11:10 am

    [...] ernüchternd ist, begibt er sich auf die Suche nach einer Nische – und findet sie mithilfe der Arzneimittelprüfung von Wallach, Sherr und Möllliger aus dem Jahr 2008. In ihrer Studie messen die Wissenschaftler die Zahl der für die Arznei [...]

  14. Journalistische Piraterie und Komplementärmedizin | CAM Media.Watch schreibt:
    16th.August 2011 um 10:13 am

    [...] [Anmerkung der Redaktion: siehe zu diesem Thema auch der Artikel: Homöopathie: Neues Studiendesign belegt spezifische Effekte.] [...]

  15. Voll daneben: Markus C. Schulte von Drachs Antworten auf kritische Fragen des DZVhÄ. (→ Sueddeutsche.de) | CAM Media.Watch schreibt:
    1st.März 2012 um 5:35 pm

    [...] habe in meiner Replik darauf hingewiesen, dass neuere Daten, z. B. meine eigenen Arzneimittelprüfungen, deutliche und spezifische Unterschiede zwischen Placebo und Homöopathika erkennen lassen. Ich [...]

  16. Homöopathie: Neues Studiendesign belegt spezifische Effekte. »Homeopathic pathogenetic trials produce more specific than non-specific symptoms« | H.Blog: Homöopathie & Forschung « Wachsamerkranich's Blog schreibt:
    13th.März 2012 um 7:09 am

    [...] http://www.psychophysik.com/h-blog/?p=6308 Share this:TwitterFacebookGefällt mir:Gefällt mirSei der Erste, dem dieser post gefällt. [...]

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