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Kritik an 17. GWUP-Konferenz 2007 zum Thema »Psychotechniken«
Von Claus Fritzsche | 1.Mai 2007
(cf) - Die Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Para- wissenschaften (GWUP e.V.) trifft sich vom 17. bis 19. Mai 2007 zu ihrer jährlichen Konferenz im Justus-Liebig-Haus in Darmstadt. Das Motto »Psychotechniken« und die Beschreibung »Gesellschaft zur wissen- schaftlichen Untersuchung von« erwecken den irreführenden Eindruck, als ob es auf der Veranstaltung thematisch um zweifelhafte psychotherapeutische Methoden gehen würde und es sich beim Verein GWUP e.V. um eine Forschungsorganisation handeln würde. Keines von beiden ist jedoch der Fall.
Thema weitgehend verfehlt: Wer sich die Liste der Vorträge einmal genau anschaut, der muss lange suchen, um einen Vortrag über »Psychotechniken« zu finden. Da referiert Prof. Martin Lambeck … nicht über Psychotechniken. Da spricht Dr. Joe Nickell … nicht über Psychotechniken. Werner Walter klärt die Öffentlichkeit über UFO- Themen und Alien-Leichen auf … nicht jedoch über Psychotechniken. Besucher können sich bei Prof. Dr. Mahlon Wagner über Kreationismus und Intelligent Design … nicht jedoch über Psychotechniken informieren. Und was Mondkalender mit Psychotechniken zu tun haben, das weiß vielleicht nur Dr. Helmut Groschwitz, der über dieses Thema referiert. Bernd Harder scheint der Ansicht zu sein, das sein Thema „Wir basteln uns eine Verschwörungstheorie“ so weit dehnbar ist, dass man es irgendwie auch noch mit Psychotechniken in Verbindung bringen kann.
Aus Gründen der Fairness sei darauf verwiesen, dass es sehr wohl Vorträge gibt, welche man inhaltlich dem schwammigen und im wissenschaftlichen Sinne sehr unpräzisen Begriff »Psychotechniken« zuordnen kann: Von 18 Vorträgen gehen genau 3 Vorträge (17%) auf das Kongress-Thema im engeren Sinne ein. Und zwar jene von Ingo Heinemann („Der aktuelle Psychomarkt und die Notwendigkeit einer gesetzlichen Regelung“), Bärbel Schwertfeger („Auf der Suche nach einfachen Rezepten - Warum Manager oftmals auf fragwürdige Psycho- Angebote setzen.“) und Claudia Barth („Kosmisch-göttliche Ordnungs- muster: Bert Hellinger und seine ’systemische Familientherapie’“). Der Skeptiker-Verein GWUP e.V. bleibt sich damit treu: Auch sein 2006 vom 25. bis 27. Mai im Unperfekthaus und CinemaxX Essen veranstalteter Kongress unter dem Leitmotto »Gute Medizin/Schlechte Medizin« ging überwiegend auf Themen (Großstadtsagen, Wahrsager, Mariener- scheinungen, Chemtrails, Bibelcode, Parawissenschaft im Biologieun- terricht etc.) ein, welche weder etwas mit guter und schlechter Medizin noch mit Medizinwissenschaft zu tun haben.
Denkwürdig ist auch der Widerspruch, dass sich der Skeptiker-Verein in der Öffentlichkeit medientauglich als Wissenschaftsvereinigung (Gesellschaft zur „wissenschaftlichen Untersuchung von“) präsentiert, es sich bei den Referenten von GWUP-Kongressen jedoch in vielen Fällen um Laien und selbst ernannte Experten handelt, deren „wissen- schaftliche Untersuchungen“ wenig mit den Qualitätsstandards gemein haben, welche in der Scientific Community üblich sind. Die Hobby-Forschungsarbeiten beispielsweise von Dr. Rainer Wolf zum Thema „Homöopathie“ und Prof. Martin Lambeck zu seinem „Heiler- Test“ wurden bisher nicht in einer wissenschaftliche Mindeststandards erfüllenden Form publiziert und dokumentiert, so dass z. B. Methodik, Experimentaldesign, Untersuchungsergebnisse nicht oder nur sehr schwer von der Öffentlichkeit auf Richtigkeit geprüft, hinterfragt und diskutiert werden können. Vielleicht bevorzugen die Damen und Herren Skeptiker ja ein leichtgläubiges Publikum, welches möglichst wenig kritische Fragen stellt.
Prof. Martin Lambeck weigerte sich zuletzt ohne Angabe von Gründen, zum Vorwurf der Falschaussage und Irreführung der Öffentlichkeit im Rahmen seines „Heiler-Tests“ von Dr. med. Herbert Koerner in Berlin Stellung zu nehmen, obwohl sich sein Vereinsfreund Volker Guiard und der ehemalige Redaktions-Leiter des GWUP- Vereinsorgans SKEPTIKER Stehphan Matthiesen zu einer moderierten und fairen Diskussion bereit erklärten. (Siehe zu diesem Thema auch der Absatz „Prof. Martin Lambeck schweigt“ am Ende des Artikels »Pseudowissenschaft bei ZEITWissen: Der „Heiler-Test“ von Prof. Martin Lambeck«). Bei Vorträgen auf GWUP-Kongressen handelt es sich in vielen Fällen nicht um Arbeiten mit wissenschaftlichem Anspruch, wie sie z. B. vom Institut für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene e.V. oder von der Parapsychologischen Beratungsstelle in Freiburg (unter Leitung von Dr. Walter von Lucadou) durchgeführt und publiziert werden, von laienhaften Aufsätzen zur komplemen- tärmedizinischen Forschung ganz zu schweigen.
Und so verwundert es auch nicht, dass es seitens des IGPP mega- byte-schwere Rechenschaftsberichte über die Forschungsarbeit des Instituts gibt, die Skeptiker-Vereinigung GWUP e.V. jedoch seit ihrer Gründung nie ein vergleichbares Dokument publizierte. Kein Wunder, liegt der Schwerpunkt der Vereinsarbeit doch in der Beeinflussung der öffentlichen Meinung u. a. durch eine Flut an Pressemeldungen, nicht jedoch in „wissenschaftlichen Untersuchungen“, wie dies der Vereinsname suggeriert. Publikationen in mittels Peer-Review geprüften wissenschaftlichen Fachmedien (ein wichtiger Indikator, der Rückschlüsse auf die wissenschaftliche Qualität von Autoren zulässt) beispielsweise zur Psychotherapieforschung, zur Anomalistik oder zur komplementärmedizinischen Forschung kann man bei GWUP-Autoren lange suchen. Vom selbst ernannten Homöopathie-Experten Dr. Rainer Wolf gibt es keine einzige Publikation in der Zeitschrift Forschende Komplementärmedizin oder Homeopathy, dafür jedoch einen Aufsatz im REGIOMONTANUSBOTEN, dem Organ der Nürnberger Astronomischen Arbeitsgemeinschaft e.V.. Dieses Organ mag, was die Astronomie angeht, unter Hobby-Sternforschern im Raum Nürnberg durchaus einen guten Ruf genießen. (Siehe auch: »Die GWUP und Homöopathie: Zwischen Wissenschaft und Agitation«)
Die am 18. Mai in Darmstadt referierende vermeintliche „Psycho- technik-Expertin“ Claudia Barth („Kosmisch-göttliche Ordnungsmuster: Bert Hellinger und seine ’systemische Familientherapie’“) arbeitet nicht an einem Forschungsinstitut, publiziert ihre Arbeiten nicht in wissenschaftlichen Fachmedien der Anomalistik oder Psychothera- pieforschung und verfügt auch nicht über eine wissenschaftlich forschende Qualifikation. Der Veranstaltungs-Flyer „Neofaschismus in Deutschland“ weist Claudia Barth übrigens als 35 Jahre alte und in München lebende Sozialpädagogin aus, welche in der politischen Jugendbildung tätig ist. Wer prüfen will, auf welcher Grundlage (Dokumentation von Untersuchungen und Methodik etc.) Claudia Barth zu Aussagen über Bert Hellinger kommt, der findet leider keine wissenschaftliche Mindeststandards einhaltende Dokumentation.
Ebenso lassen sich die Aussagen von Prof. Martin Lambeck zu seinem „Heiler-Test“ in ZeitWissen nicht auf Richtigkeit überprüfen. Und der von Krista Federspiel und Vera Herbst publizierte Ratgeber »Die Andere Medizin« gibt keine Rechenschaft darüber ab, welche klinischen Studien nach welchen Kriterien gewählt, ausselektiert und ver- sehentlich oder absichtlich übersehen wurden. Das heißt mit anderen Worten: Wir können den Botschaften von Claudia Barth, Martin Lambeck und Krista Federspiel Glauben schenken … oder auch nicht. Sauber überprüfen können wir die hier genannten Beispiele mangels ent- sprechender Dokumentation - sowie im Falle Lambeck und Federspiel mangels uneingeschränkter Auskunftsbereitschaft - nicht. Genau dies jedoch sind Indikatoren, welche auf einen pseudowissenschaftlichen oder zumindest sehr fragwürdigen Charakter der jeweiligen Arbeiten hindeuten. Mit den von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) aufgestellten Regeln „Guter wissenschaftlicher Praxis“ hat alles dies eher wenig zu tun.
Wo Aussagen, Untersuchungen und Methodik nicht sauber und gemäß den DFG-Regeln dokumentiert werden, eine Prüfung von Thesen somit nur schwer oder sogar nicht möglich ist und eine kritische Hinterfragung wie im Falle Lambeck/„Heiler-Test“ und Federspiel/DAM in Teilen sogar gezielt boykottiert wird (Belege dazu auf Anfrage), da spricht vieles für die Annahme, dass sich hinter dem Deckmantel „Wissenschaft“ in Wirklichkeit weltanschaulich motivierter Dogmatismus versteckt. In diese Richtung deutet übrigens auch die massive Kritik ehemaliger GWUP-Mitglieder hin, welche im Internet zu finden ist. Da gibt es z. B. den Artikel »Das Skeptiker-Syndrom«, in welchem der Heidelberger Soziologe Edgar Wunder (Gründungsmitglied der GWUP und heute Geschäftsführer der Gesellschaft für Anomalistik e.V.) seine Erfahrungen mit dem Skeptiker-Verein schildert. In seinem Aufsatz »Vom Regen in die Traufe« kommt das ehemalige GWUP-Mitglied Rudolf Henke zu Aussagen, welche die Kritik von Edgar Wunder bestätigen. Und auch Stephan Matthiesen, von 1999 bis 2003 Redaktions-Leiter des GWUP-Vereinsorgans SKEPTIKER, kommt auf seiner Homepage zu der wenig schmeichelhaften Aussage:
„…Zwar ist ein fairer und sachlicher Umgang ein Leitziel der Skeptikerbewegung, doch Rhethorik und Wirklichkeit liegen selbst bei einflussreichen „Skeptikern“ weit auseinander: Menschen mit anderen Blickwinkeln werden nicht als Gesprächspartner, sondern als „Gegner“ gesehen, die man auch persönlich angreifen und lächerlich machen kann — emotionale Schlagworte ersetzen fundierte Argumente und der konstruktive Austausch wird verhindert. So begeistert man zwar die eigene Klientel, erreicht aber keinesfalls diejenigen, die man eigentlich erreichen möchte, und erzeugt ein Grabendenken, das schon wegen seiner inhärenten Aggressivität problematisch ist…“
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Links zum Thema:
GWUP & Pseudowissenschaft: Fallbeispiele
(openPR) GWUP & Homöopathie: Kritik an der Pressearbeit der Skeptiker
(openPR) GWUP: Zweifel an der Seriösität der Skeptiker
GWUP: Zwischen Wissenschaft und Demagogie
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20th.Mai 2007 um 10:18 am
Hier nur ein Kommentar zum Thema “Homöopathie”.
Als interessierter Laie und potentieller Patient erhebe ich vor allem den Anspruch, von einem Heiler behandelt zu werden, der weiss, was er tut und sich auch der Wirkmechanismen der von ihm angewandeten Verfahren bewusst ist. Bei Homöopathie ist dies nicht der Fall. Die behauptete Informationsübertragung von n-fach verdünnten Wirkstoff auf das Lösungsmittel existiert nicht. Sie ist für die Erklärung der Wirksamkeit von Homöopathie auch nicht erforderlich. Dass Homöopathie häufig Wirkung zeigt, liegt an einem ganz anderen Effekt: Dadurch, dass sich der Behandler im Vergleich zum “Schulmediziner” mehr Zeit im diagnostischen Gespräch nimmt, fühlt sich der Patient besser aufgehoben. Dies bewirkt dann eine subjektive Steigerung des Wohlbefindens. Auch die offensichtliche Sanftheit des Vefahrens, denn wo nichts ist, ist auch keine Nebenwirkung zu verzeichnen. trägt zum Wohlbefinden bei. Es ist viel plausibler , das Gehirn als Mittler des Gesundungsprozesses anzunehmen als irgendwelche ominöse Übertragung unbekannter Energien. Das Gehirn beherbergt bekanntlich nicht nur das Bewusstsein, sondern steuert körperliche Vorgänge auf vielfältige Weise. Dass eine Verbindung zwischen psychischer und physischer Befindlichkeit durch das Zentralorgan der Informationsverarbeitung im Körper hergestellt wird, wird wohl niemand ernsthaft bezweifeln. Wir haben es mit psychosomatischen Effekten zu tun. Der Patient weiss in der Regel nicht um die absurde Theorie, die der Homöopathie zugrunde liegt. Ist auch egal, wenn es nur hilft. Aber es würde ebenso helfen, ein gemeinsames Gebet zu sprechen. Es kommt nur darauf an, was der Patient erwartet. Deshalb werden einfach gestrickte Menschen eher gesund, wenn der Arzt einen weissen Kittel als Zeichen seines Standes trägt, auch wenn er dies für seine konkrete Tätigkeit gar nicht müsste. Patienten wiederum, die sich als mündig und auf gleicher Augenhöhe mit dem Arzt verstehen, mögen lieber Zivilisten. Homöopathie lässt sich demnach als eine Art Schamanismus begreifen. Apotheker geben das indirekt häufig zu. Wenn man sie fragt, ob sie den behaupteten Wirkmechanismus homöopathischer Präparate für wahr halten, sagen sie meistens, sie wüssten das nicht, aber der Patient verlangt es halt. Und das ist es, worum es bei der Homöopathie wirklich geht. Der Zauber wird begeleitet von der Gabe an sich wirkungsloser Präparate, an denen sich aber viel Geld verdienen lässt. Der Erfolg der Homöopathie besteht in einer Allianz von Unwissenheit auf Seiten der Patienten und wirtschaftlichen Interessen auf Seiten der Behandler, aber besonders auf Seiten der Hersteller homöopatischer Präparate. Bezeichnend ist die Bezeichnung “Deutsche Homöopathische Union” für einen ganz normalen auf Gewinnerzielung ausgerichtetn Industriebetrieb. Sie suggeriert, dass es sich um eine idealistische oder dem gesellschaftlichen Wohl verpflichtete Institution handelt, was ganz und gar nicht der Fall ist. Die DHU macht gelegentlich Veranstaltungen in größeren Sälen, zu denen alle Interessierten eingeladen werden. Da kommen dann jede Menge Frauen ab 40, in aller Regel ohne männliche Begeleitung. Sie hängen an den Lippen eines Redners, der mit dem Charme eines Staubsaugervertreters und mit dem Unfehlbarkeitsanspruch eines Vorstadtpastors die neuesten Erkenntnise auf dem Feld der Homöopathie anpreist. Immerhin ein Dr. med! Solange wirtschaftlicher Erfolg und Unaufgeklärtheit des Publikums positiv korrelieren, ist eine Besserung der Zustände leider nicht zu erwarten.
20th.Mai 2007 um 11:58 am
Sie sprechen wertvolle und wichtige Punkte an, äußern sich jedoch ebenso hoch spekulativ und angreifbar:
Gegen einen Placeboeffekt im umgangsprachlich genutzten Sinne sprechen im Falle der Homöopathie Phänomene, auf die Dipl.-Stat. R. Lüdtke und Dr. H. Albrecht in Ihrem Artikel unter
http://www.psychophysik.com/html/ak03-gwup07.html
aufmerksam machen. Zitat:
“Schließlich sollte nicht unerwähnt bleiben, dass es auch im Bereich der Veterinärmedizin weit über 100 randomisierte Therapiestudien zur Wirksamkeit homöopathischer Arzneimittel gibt (von denen 55 % positiv verlaufen sind). Placeboeffekte sind in diesem Bereich sicherlich nicht auszuschließen. Wie sich aber die von der DPhG beschworene persönliche Zuwendung, die Überzeugung und der Glaube (!) im Schweinestall unter den Bedingungen der modernen Massentierhaltung an mehr als 4.000 Tieren ,verabreicht über das Trinkwasser, unter Doppelblindbedingungen gegenüber Placebo bzw. Antibiotika durchsetzen kann [24], ist jedenfalls höchst erklärungsbedürftig.”
Wer von einem “Placeboeffekt” spricht, der sollte auch in der Lage sein, diesen “Placeboeffekt” wissenschaftlich solide zu belegen. Dies dürfte jedoch sehr schwer werden, solange das Phänomen “Geist/Bewusstsein” sowie Aspekte der Psychoneuroimmunologie noch weiße Landkarten der Forschung sind. Im MANIFEST unter Gehirn & Geist heißt es dazu:
http://www.gehirn-und-geist.de/artikel/852357&_z=798884
“…Zweifellos wissen wir also heute sehr viel mehr über das Gehirn als noch vor z.ehn Jahren. Zwischen dem Wissen über die obere und untere Organisationsebene des Gehirns klafft aber nach wie vor eine große Erkenntnislücke. Über die mittlere Ebene - also das Geschehen innerhalb kleinerer und größerer Zellverbände, das letztlich den Prozessen auf der obersten Ebene zu Grunde liegt - wissen wir noch erschreckend wenig. Auch darüber, mit welchen Codes einzelne oder wenige Nervenzellen untereinander kommunizieren (wahrscheinlich benutzen sie gleichzeitig mehrere solcher Codes), existieren allenfalls plausible Vermutungen. Völlig unbekannt ist zudem, was abläuft, wenn hundert Millionen oder gar einige Milliarden Nervenzellen miteinander »reden«…”
Solange die Homöopathie so verblüffende Erfolge in der Massentierhaltung zeigt und das Phänomen “Bewusstsein” noch so viele Rätsel aufgibt, gibt es noch einige Fragen zu klären und ist ein (wie in Ihrem Falle auf Spekulationen basierendes) Vor-Urteil verfrüht.
Es gibt übrigens auch Menschen (laut GfK ca. 20% der Bundesbürger),
http://www.psychophysik.com/h-blog/?p=61
welche die nicht selten spektakulären Heilerfolge im Kontext einer homöopathischen Behandlung mit positiven Gefühlen betrachten … ohne den Wirkmechanismus zu kennen. Und was hier unter “spektakulär” zu verstehen ist, das wurde vom Nachrichtenmagazin FOCUS in einem aufwendig recherchierten Artikel
http://www.dhu.de/presse/pm_040506.htm
dargestellt, welcher im Ton sachlich bleibt und ohne die bei Ihnen zwischen den Zeilen durchklingenden Emotionen auskommt. Man könnte fast meinen, die aktenkundigen Erfolge im Rahmen von Homöopathie-Behandlungen würden SIE PERSÖNLICH ÄRGERN. Aber vielleicht ist es ja kein Zufall, dass Ihre Wortmeldung ausgerechnet unter einem kritischen Kommentar zur 17. GWUP-Konferenz steht.
Dieser schillernde Verein verschweigt ja auch das von 1999 bis 2005 im Auftrag der Schweizer Regierung durchgeführte und im Buch »Homöopathie in der Krankenversorgung«
http://www.psychophysik.com/h-blog/?p=54
von Gudrun Bornhöft und Prof. Peter Matthiessen (Lehrstuhl für Medizintheorie und Komplementärmedizin der Universität Witten/ Herdecke) dokumentierte sehr aufwendige Health Technology Assessments, wonach der therapeutische Nutzen der Homöopathie evident ist. Das Fazit des HTAs lautet: „Die Wirksamkeit der Homöopathie kann unter Berücksichtigung von internen und externen Validitätskriterien als belegt gelten, die professionelle sachgerechte Anwendung als sicher. “ (Quelle: Forschende Komplementärmedizin 2006;13 (suppl 2):19–29.)
Warum verschweigt die GWUP diese wichtige Quelle? Vielleicht, weil Dogmatiker größere Probleme damit haben, wenn die subjektiv wahrgenommene Welt von der realen Welt abweicht.
20th.Mai 2007 um 2:32 pm
Tag Herr Fritzsche,
Die Erfolge der Homöopathie in der Massentierhaltung bestreite ich. Ich habe selbst nicht die Zeit, diesen Untersuchungen auf den Grund zu gehen, bin mir aber sicher, dass sich methodische Fehler finden werden. Alleine schon die Information, dass 55% der Studien positiv verlaufen sind, deutet darauf hin, dass kein Effekt existiert. Bei 85% könnte man drüber reden.
Die Erfolge der Homöopathie beim Menschen bestreite ich hingegen aus den von mir genannten Gründen überhaupt nicht. Doch die intellektuelle Redlichkeit erfordert es , hier nicht über geheimnisvolle Informationsübertragung zu spekulieren, sondern bekannte und plausible Beziehungen zwischen Bewusstsein -> Unbewusstem -> Körper als Erklärung heranzuziehen.
“Gehirn und Geist” lese ich selbst, erlaube mir aber, aus dem Gelesenen andere Schlüsse zu ziehen als Sie.
Ihre Einstellung zur GWUP, obwohl sattsam bekannt, interessiert mich überhaupt nicht. Mich interessiert nur Wahrhaftigkeit in der Wissenschaft.
21st.Mai 2007 um 8:30 am
Lieber Peter Ofenbäck,
es steht Ihnen frei, Aussagen jeglicher Art - also auch die erwähnten Studien der Massentierhaltung - kritisch zu hinterfragen.
Sobald Sie jedoch schon zu Beginn Ihrer Hinterfragung die Antwort - ohne eine systematisch Auseinandersetzung - vorwegnehmen, Ihre Sichtweise nicht als Hypothese sondern als Faktum betrachten, verwechseln Sie KRITISCH mit NEGATIV GLAUBEND und befinden Sie sich mitten im RELIGIÖSEN.
Sie bestätigen damit exakt die Aussage des GWUP-Gründungsmitglieds und heutigen Geschäftsführers der Gesellschaft für Anomalistik Edgar Wunder, der in seinem Artikel “Das Skeptiker-Syndrom” darauf hinweist, dass eine Vielzahl von GWUP-Mitgliedern Anhänger eines negativen Glaubenssystems zu paranormalen Fragen sind.
http://www.psychophysik.com/html/re-061-skeptizismus.html
Damit unterscheiden Sie sich von Esoterikern nur in der Polarität. Die einen sind Paranormalem gegenüber positiv glaubend, Sie im Gegenzug negativ glaubend. Und beide Seiten haben in vielen Fällen eine sehr geringe Distanz zu sich selbst und ihren Wahrnehmungsfiltern.
Unter Wahrhaftigkeit in der Wissenschaft verstehe ich persönlich, wichtige Informationen wie das erwähnte HTA der Schweizer Regierung oder die Experimente in der Massentierhaltung NICHT AUSZUSELEKTIEREN und DER ÖFFENTLICHKEIT VORZUENTHALTEN, weil sie mit dem eigenen Glaubenssystem nicht kompatibel sind. Das sind Verhaltensweisen des Mittelalters, die noch dazu Rückschlüsse auf Ihr geringes Selbstvertrauen zulassen.
Eine wissenschaftlich wahrhaftige Auseinandersetzung würde voraussetzen, dass Sie und Ihre Vereinskollegen sich in wissenschaftlich forschender Form mit diesen Themen beschäftigen. Dazu sind Sie jedoch nicht in der Lage, weil Sie über keine Mitglieder mit wissenschaftlich forschender Qualifikation aus dem CAM-Umfeld verfügen und weil Ihr negatives Glaubenssystem - darauf weist Edgar Wunder hin - Forschung für überflüssig hält, wenn Sie doch die Wahrheit ohnehin schon wissen. Mit Wissenschaft hat dies allerdings wenig zu tun.
Danke für diesen wertvollen Einblick in Ihre Gedanken- und Glaubenswelt, Herr Ofenbläck.
P. S. Ihre Kritik an den 55% statt 85% interpretiere ich als einen GWUP-typischen Mangel an wissenschaftlich methodischem Wissen. Hinter den 55% kann sich sowohl Bias (statistische Verzerrung) als auch ein reales Phänomen mit niedriger Effektstärke verbergen. Nach Ihrer Logik wäre Wasser nicht in der Lage grobe Felsen zu runden Kieselsteinen zu schleifen, was sich ja leicht beweisen ließe, in dem man 1000 Liter Wasser auf einen groben Felsblock schüttet. Da passiert zunächst nichts. Wenn Sie genau wissen wollen, ob es sich hier um Bias oder ein reales Phänomen mit niedriger Effektstärke handelt, dann müssen Sie systematisch und mit wissenschaftlichen Ressourcen forschen … und nicht religiös glauben. Aber genau dies können und wollen Sie nicht. Wenn Sie auf solch einem wackeligen Fundament auch noch einen öffentlichen Feldzug gegen die “Homöopathie” veranstalten (die Erfolge der Homöopathie gleichzeitig nicht bestreiten), forschende Wissenschaft mit missionarischer Politik verwechseln, dann betrachte ich dies als Einladung, mich zu artikulieren.
3rd.Juni 2007 um 2:50 pm
Ok, Herr Fritzsche, wenn es Ihnen beliebt und Sie den Aufwand nicht scheuen, lade ich Sie zu einem Diskussionsabend zum Thema “evidenzbasierte Medizin” am 19.06.2007 im http://www.unperfekthaus.de ein. Meinen Respekt haben Sie insofern, als Sie offensichtlich zu den Leuten gehören, die sich Gedanken machen. Aber ich bin anderer Meinung, ja sogar anderer Überzeugung als Sie. Umso mehr lohnt sich ein Gedankenaustausch. CU?
5th.Juni 2007 um 7:59 am
Lieber Peter Ofenbäck,
ergänzend zu meiner E-Mail noch der folgende Kommentar:
Es wäre für mich in einem ersten Schritt schon hilfreich, wenn Sie zu meinen letzten Aussagen hinsichtlich diverser Homöopathie-Versuchen in der Massentierhaltung sowie zu meiner Kritik an Ihren Aussagen, Stellung nehmen würden. Wenn Sie mir ausweichen, dann betrachte ich dies als Bestätigung meiner Argumente.
Solange die GWUP in so eklatanter Weise gegen die Grundsätze der “evidenzbasierten Medizin” verstößt, weiß ich ehrlich gesagt auch nicht, was ich in solch einer Diskussion von Ihnen lernen kann.
Ein gravierender Verstoß gegen die Grundsätze der “evidenzbasierten Medizin” ist z. B. die Unterschlagung und fehlerhafte Wiedergabe von Studien, wie dies im Buch “Die Andere Medizin” geschehen ist und u. a. von Kienle & Kiene im DEUTSCHEN ÄRZTEBLATT dokumentiert wurde:
http://www.psychophysik.com/html/ak03-gwup09.html
Der in Ihrer Zeitschrift SKEPTIKER 3/05 auf Seite 120 beschriebene “homöopathische Knockout-Test” verstößt ebenso gegen die methodischen Bedingungen der “evidenzbasierten Medizin”. In dem Artikel von PD Dr. Rainer Wolf haben Repräsentanten der GWUP homöopathische Hochpotenzen eingenommen, welche angeblich “Nebenwirkungen” haben sollen, haben keine “Nebenwirkungen” festgestellt und interpretieren dies als Beweis, dass die Homöopathie ein Placebophänomen ist.
Gemäß den ebm-Grundsätzen hätte dieser Versuch in doppel-verblindeter Form und unter Einsatz von Probanden, welche die Ziele und Hintergründe des Versuchs nicht kennen, stattfinden müssen. Das Prinzip der Doppelblind-Studien wurde ja gerade aus dem Grund eingeführt, weil bekannt ist, das Experimentatoren und die volle Information aller Beteiligten über das Design eines Experimentes, einen Effekt selbst formen können.
Gegen diese (zum kleinen 1 x 1 der medizinischen Forschung gehörenden) Minimalregeln wurden bei Ihrem “Knockout-Test” in haarsträubender Weise verstoßen. Auch im dubiosen “Heiler-Test” von Prof. Martin Lambeck an Dr. med. Herbert Koerner waren die Probanden in die Hintergründe des Experimentaldesigns eingeweiht und noch dazu parteiisch:
http://www.psychophysik.com/html/ak03-gwup051.html
Wie der von Ihnen im SKEPTIKER 3/05 angedachte (und methodisch falsch umgesetzte, weil nicht doppelverblindete) Versuch unter seriösen Bedingungen … und dabei vollkommen ebm-konform … aussehen kann, das wurde übrigens 2004 in der FORSCHENDEN KOMPLEMENTÄRMEDIZIN (im Gegensatz zum SKEPTIKER eine echte, mittels Peer-Review qualitativ geprüfte Wissenschafts-Zeitschrift) unter dem Titel “A Double-Blind, Randomized, Homeopathic Pathogenetic Trial with Healthy Persons: Comparing Two High Potencies” publiziert:
http://content.karger.com/ProdukteDB/produkte.asp?doi=82120
Und das Resultat war - ganz im Gegensatz zu Ihren Versuchen - positiv: “…The results showed that both remedies “produced” significantly more symptoms than placebo…”
Fazit: Es reicht nicht aus, den Begriff “evidenzbasierte Medizin” nur in den Mund zu nehmen…
Claus Fritzsche
P. S. Ihr Hinweis, dass 55% erfolgreiche Homöopathie-Studien in der Massentierhaltung auf einen “fehlenden Effekt” hindeuten, weil ein echter Effekt zu Ergebnissen von mindestens 85% führen müsste, ist übrigens nicht nur wegen der fehlenden Information zur Effektstärke Jägerlatein. Lasse ich diesen Punkt einmal außer Acht, so wäre Ihre Aussage nur dann korrekt, wenn eine Nichtbehandlung in der Massentierhaltung ebenfalls zu Erfolgsquoten von um die 50% führen würde. Führt eine Nichtbehandlung jedoch zu keinem positiven Effekt (fast keiner Selbstheilung ohne Intervention), so wäre eine Erfolgsquote von 55% geradezu sensationell.
Ich habe mir übrigens sagen lassen, dass die Interpretation medizinischer Studien eine Wissenschaft für sich ist und genaue Kenntnisse der Rahmenbedingungen einer Studie sowie solides methodisches Wissen erfordert, über welches weder Sie noch ich verfügen. Es kann sich daher lohnen, auf vorschnelle und von Halb- bzw. Unwissen getragene wertende Aussagen zu verzichten und stattdessen lieber einmal verschiedene Experten zu befragen. Im Idealfall auch Experten mit kontroversen Sichtweisen…
24th.Juli 2007 um 8:33 am
[...] Interessant ist übrigens der folgende argumentative Umgang mit dem »Homöopathie-Paradoxon«. Peter Ofenbäck, Vertreter der GWUP Rhein-Ruhr, argumentiert in einem H.Blog-Kommentar wie folgend: „Die Erfolge der Homöopathie in der Massentierhaltung bestreite ich. Ich habe selbst nicht die Zeit, diesen Untersuchungen auf den Grund zu gehen, bin mir aber sicher, dass sich methodische Fehler finden werden. Alleine schon die Information, dass 55% der Studien positiv verlaufen sind, deutet darauf hin, dass kein Effekt existiert. Bei 85% könnte man drüber reden.“ Herr Ofenbäck kommt somit zu einem Urteil, obwohl er nach eigenen Angaben keine Zeit hat, diesen Untersuchungen auf den Grund zu gehen, die Details der Studien nicht kennt und wahrscheinlich auch fachlich nicht in der Lage ist, sie zu beurteilen. [...]
1st.August 2007 um 10:49 am
[...] Interessant ist übrigens der folgende argumentative Umgang mit dem »Homöopathie-Paradoxon«. Peter Ofenbäck, Vertreter der GWUP Rhein-Ruhr, argumentiert in einem H.Blog-Kommentar wie folgend: „Die Erfolge der Homöopathie in der Massentierhaltung bestreite ich. Ich habe selbst nicht die Zeit, diesen Untersuchungen auf den Grund zu gehen, bin mir aber sicher, dass sich methodische Fehler finden werden. Alleine schon die Information, dass 55% der Studien positiv verlaufen sind, deutet darauf hin, dass kein Effekt existiert. Bei 85% könnte man drüber reden.” Herr Ofenbäck kommt somit zu einem Urteil, obwohl er nach eigenen Angaben keine Zeit hat, diesen Untersuchungen auf den Grund zu gehen, die Details der Studien nicht kennt und wahrscheinlich auch fachlich nicht in der Lage ist, sie zu beurteilen. Lesetipp zum Thema: »Klinische Studien und Metaanalysen in der Homöopathie« von Dr. Friedrich Dellmour. [...]