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Das Wirksamkeitsparadox in der Alternativ- und Komplementärmedizin

Von Claus Fritzsche | 17.Mai 2007

Die etablierte klinische Forschung geht davon aus, dass bei einem Vergleich von Verum- mit Placebogruppe nur die spezfischen Effekte (z.B. der Wirkstoff eines pharmazeutischen Präparats) therapeutisch wertvoll sind, während die unspezifischen Effekte (z. B. der Glaube an den Erfolg der Therapie) therapeutisch wertlos oder zumindest zu vernachlässigen sind. Weiterhin geht die etablierte klinische Forschung davon aus, dass bei einem Verum-Placebo-Vergleich die unspezifischen Effekte bei allen Studienteilnehmern konstant sind, während die spezifischen Effekte (Gruppe A: mit Wirkstoff, Gruppe B: ohne Wirkstoff) variieren.

Genau hier sieht Prof. Harald Walach jedoch einen fatalen Irrtum, sobald es um die Analyse von komplementärmedizinischen Therapien geht, in welchen nicht ein Wirkstoff sondern stattdessen ein Reiz Selbstheilungsreaktionen stimuliert. Unterstellt man bei allen die Selbstregulation anregenden Therapien, dass sowohl bei Verum- als auch bei Placebogruppe die unspezifischen Effekte (Glaube, Vertrauen, Erwartungshaltung etc.) die Hauptgrößen für den therapeutischen Effekt darstellen, so erweisen sich randomisierte Doppelblindstudien als vollkommen ungeeignet, dieses Phänomen (Selbstheilung) präzise abzubilden und so ist es unzulässig, das Ergebnis „nicht besser als Placebo“ als „wirkungslos“ zu interpretieren.

Beide Gruppen können sehr wohl therapeutisch wertvoll sein und sie können wie im Falle der Homöopathie-Outcome-Studie der Berliner Charité und der berühmten gerac-Akupunkturstudie sogar effektiver sein als konventionelle Therapien. Genau dies ist ein Indiz dafür, dass auch in konventionellen Therapien der Wirkstoff primär der temporären Symptomunterdrückung dient (zeitlich so lange, wie der Wirkstoff einen Effekt auslöst), die eigentliche Heilung jedoch wieder auf der Ebene der Selbstregulationsfähigkeit eines Menschen zu suchen ist und mit dem Wirkstoff selbst wenig zu tun hat.

Und hier spielen die großen Stärken der Alternativ- und Komplementärmedizin eine zentrale, vielleicht sogar die für Heilung entscheidende Rolle: sich für Patienten Zeit nehmen, Mitgefühl zeigen, Krankheit ganzheitlich betrachten und neben körperlichen auch emotionale und psychische Einflüsse einbeziehen usw. usw.

Link zum Thema:

Prof. Dr. Harald Walach: »Das Wirksamkeitsparadox in der Komplementärmedizin«

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Themen: Claus Fritzsche |

2 Kommentare to “Das Wirksamkeitsparadox in der Alternativ- und Komplementärmedizin”

  1. H.Blog: Der Placebo-Effekt: Vom schwarzen Schaf zum geliebten Kind der Medizin schreibt:
    24th.Juli 2007 um 8:46 am

    [...] Das Wirksamkeitsparadox in der Alternativ- und Komplementärmedizin [...]

  2. Der Placeboeffekt und seine Neuinterpretation in der medizinischen Forschung schreibt:
    2nd.Dezember 2007 um 12:38 pm

    [...] Der blinde Bereich der pharmakologischen Forschung Unter der Überschrift »Das Wirksamkeitsparadox in der Alternativ- und Komplementärmedizin« wurde auf einen brisanten Artikel von Prof. Harald Walach in der Zeitschrift Forschende Komplementärmedizin aufmerksam gemacht. Walach weist darauf hin, dass die Bewertung „nicht besser als Placebo“ im Kontext komplementärmedizinischer Studien anders gewertet werden muss als im Rahmen von pharmakologischen Wirksamkeitstests. Unterstellt man bei allen die Selbstregulation anregenden Therapien, dass sowohl bei Verum- als auch bei Placebogruppe die unspezifischen Effekte (Glaube, Vertrauen, Erwartungshaltung etc.) die Hauptgrößen für den therapeutischen Effekt darstellen, so erweisen sich randomisierte Doppelblindstudien als vollkommen ungeeignet, dieses Phänomen (Selbstheilung) präzise abzubilden und so ist es unzulässig, das Ergebnis „nicht besser als Placebo“ als „wirkungslos“ zu interpretieren. Beide Gruppen können sehr wohl therapeutisch wertvoll sein und sie können wie im Falle der Homöopathie-Outcome-Studie der Berliner Charité sogar effektiver sein als konventionelle Therapien. [...]

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