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Prof. Edzard Ernst, »Visible Scientists« und politisches Strippenziehen

Von Claus Fritzsche | 29.Juli 2007

Unter der Überschrift »Die Bedeutung von Medien für die Reputation von Wissenschaftlern« schreiben Tillmann Hornschuh und Tim Westphal in einem 231 Seiten langen Arbeitsbericht der Universität Bielefeld:

»Wissenschaftler sind in den Massenmedien in den verschiedensten Formaten und Rollen präsent. Es wird über ihre Ergebnisse berichtet, ihre fachliche Expertise wird zu aktuellen Problemlagen und Geschehnissen nachgefragt, und sie nehmen zu gesellschaftlichen Entwicklungstendenzen Stellung. Dabei erreichen manche Wissenschaftler einen Status in den Medien, der dem von Prominenten aus Politik und Unterhaltung nicht unähnlich ist. Schon 1977 beschrieb Rae Goodell den „Visible Scientist“ als einen neuen Typus von Wissenschaftler, der das wissenschaftliche Labor und den Boden wissenschaftlicher Neutralität verlässt, in öffentlichen Debatten Partei ergreift und damit Zugang zu Gratifikationen und Reputation auch außerhalb der Wissenschaft erhält. Interessant ist dabei vor allem die Beobachtung Goodells, dass solche Visible Scientists nicht zwangsläufig auch eine hohe Reputation im Kreise ihrer Fachkollegen genießen. Prominenz können im Prinzip auch Außenseiter der wissenschaftlichen Szene erlangen. Die Erfolgsbedingungen von Wissenschaftlern in wissenschaftlichen Fachkontroversen und in öffentlichen Diskursen werden offenbar durch unterschiedliche Regeln bestimmt.«

Orakelt Prof. Edzard Ernst dieser Tage wieder einmal in einem politisch hoch motivierten Artikel für das Magazin stern »Die Wirkungen von Homöopathie beruhen mit allergrößter Wahrscheinlichkeit auf dem Placeboeffekt. Der reicht nicht, um die Methode auf breiter Ebene einzusetzen.«, so fühlt man sich an die Worte von Hornschuh und Westphal erinnert (stern 4/2007, »Hauptsache, es hilft?« Prof. Edzard Ernst). Ernst erweckt in seinem Artikel den irreführenden Eindruck, als würde hier ein „Experte für die wissenschaftliche Beurteilung alternativer Heilmethoden“ (O-Ton stern) Laien erklären, wie die Wissenschaft Homöopathie bewertet. Richtig ist hingegen, dass die Scientific Community hinsichtlich des Themas „Homöoapthie“ über ein erhebliches Meinungsspektrum mit unterschiedlichen Sichtweisen und Nuancen verfügt und Prof. Edzard Ernst hier eine von vielen Quellen ist. Seriöse Stimmen wie z. B. PD Dr. med. Dieter Melchart oder das Nachrichtenmagazin FOCUS (»Heilung aus dem Nichts? Neue Studien, neue Fakten«) schaffen es, die Vielschichtigkeit und Komplexität des Themas vorsichtig, differenziert und korrekt darzustellen. Manche „Experten“ und Redaktionen scheinen sich damit sehr schwer zu tun.

Interessant an den Ausführungen von Prof. Edzard Ernst im Magazin stern ist übrigens die Tatsache, dass er für die korrekte und neutrale Darstellung des wissenschaftlichen Meinungsspektrums wichtige Stimmen anderer „Experten für die wissenschaftliche Beurteilung alternativer Heilmethoden“ merkwürdigerweise verschweigt. So kommen z. B. Gudrun Bornhöft und Prof. Peter Matthiessen (Lehrstuhl für Medizintheorie und Komplementärmedizin der Universität Witten/ Herdecke) in ihrem Buch »Homöopathie in der Krankenversorgung« zu gänzlich anderen Ergebnissen. Das Werk fasst die Ergebnisse eines mehrjährigen Health Technology Assessments der Schweizer Regierung zusammen und wurde in der renommierten Zeitschrift Forschende Komplementärmedizin mit den Worten »Die Wirksamkeit der Homöopathie kann unter Berücksichtigung von internen und externen Validitätskriterien als belegt gelten, die professionelle sachgerechte Anwendung als sicher.« (Quelle: Forschende Komplementärmedizin 2006;13 (suppl 2):19–29.) umschrieben. Im Gegensatz zu Prof. Edzard Ernst dokumentieren Bornhöft und Matthiessen übrigens auch die Kriterien für den Bewertungsprozess.

Fazit: Prof. Edzard Ernst kann es scheinbar nicht sein lassen. Das politische Strippenziehen und die gezielte bis ins Tendenziöse hineingehende Beeinflussen der öffentlichen Meinung. Das hat er bereits in der gegen den „Smallwood Report“ gerichteten Kampagne „Full letter: doctors’ campaign against alternative therapies” sowie in der seine fachliche Reputation wenig fördernden Auseinandersetzung um das Buch »Die Andere Medizin« der Stiftung Warentest demonstriert. (Die massive Kritik z. B. von Kienle & Kiene im DEUTSCHEN ÄRZTEBLATT konnte Ernst bis heute nicht widerlegen.) Weitere Anekdoten zu diesem Thema finden sich hier im H.Blog unter der Überschrift »Prof. Edzard Ernst: Agent provocateur der komplementärmedizinischen Forschung?«.

Link zum Thema:

Health Technology Assessment (HTA) hat mehr Aussagekraft als Reviews experimenteller Studien

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Ein Kommentar to “Prof. Edzard Ernst, »Visible Scientists« und politisches Strippenziehen”

  1. Prof. Edzard Ernst verteidigt Buch “Die Andere Medizin” in Forschende Komplementärmedizin | H.Blog: Homöopathie & Forschung schreibt:
    23rd.August 2008 um 8:06 am

    [...] Prof. Edzard Ernst: Agent provocateur der komplementärmedizinischen Forschung? [...]

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