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ScienceBlogs jagt die nächste Sau durchs Dorf. Lars Fischer von SciLogs jagt mit: »Homöopathie an der Uni Magdeburg.«
Von Claus Fritzsche | 22.Oktober 2009
Im Juli löste ScienceBlogger Christian Reinboth (Frischer Wind) mit seinem ansatzweise durchaus berechtigten Kommentar »Homöopathie-Werbung in der ÄrzteZeitung« einen Sturm im Wasserglas aus. Im August legte ScienceBlogger Jörg Rings (Diax’s Rake) nach und ging mit seinem Beitrag »Erfolg für junge Forscher: WHO warnt vor Homöopathie gegen HIV, Malaria etc.« einer Lobbyisten-Vereinigung der britischen Pharmaindustrie auf den Leim. Und aktuell jagt ScienceBlogger und Astronom Florian Freistetter (Astrodicticum simplex) unter der Überschrift »Homöopathie-Studium in Magdeburg: alles nicht so schlimm? Leider nicht…« die nächste Sau durchs Dorf. Wohlwollend begleitet von Lars Fischer (»Homöopathie an der Uni Magdeburg«), Koordinator von SciLogs, dem Blogportal der Spektrum der Wissenschaft Verlagsgesellschaft. Spannend: Damit schwappt das unterhaltsame Ideologie-und-Halbwissen-statt-Wissenschaft-Virus nun endlich von Hubert Burda Media (ScienceBlogs) auf Spektrum der Wissenschaft (SciLogs) über.

Seit Januar 2006 beschäftige ich mich nun schon in diesem Weblog mit der Frage, wie die Homöopathie aus wissenschaftlicher Sicht zu bewerten ist. In den letzten 3 1/2 Jahren begegnete ich bei meinen Recherchen u. a. vier Gruppen, die meine Vorliebe für die Lehre Samuel Hahnemanns aus sehr unterschiedlichen Motiven heraus teilen.
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Homöopathie-Anwender: Zur größten Gruppe, die sich mit Homöopathie beschäftigt, gehören nach meiner Erfahrung Anwender. Von seltenen Ausnahmen einmal abgesehen fühlen sich Homöopathie-Anwender im H.Blog nicht wohl. Sie suchen Wissen zu spezifischen anwendungsbezogenen Fragestellungen. Hier bietet das H.Blog keine Unterstützung. Auf der anderen Seite interessieren sich typische Homöopathie-Anwender - wenn überhaupt - dann in erster Linie aus Rechtfertigungs-Gründen für das Thema Homöopathie & Wissenschaft. Auch wenn sie keinerlei Faktenwissen zur Forschungslage haben, herrscht bei ihnen der Grundkonsens: »Homöopathie funktioniert!«. Zu diesem Urteil kommen sie auf der Grundlage eigener Erfahrungen, fremder Erzählungen und nicht selten auch einem intuitiven Gefühl. Massive Kritik an der Homöopathie, ob berechtigt oder unberechtigt, verunsichert sie schnell und führt wahlweise zu Verärgerung oder gerne auch zu Empörung.
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Homöopathie-Wissenschaftler: Als nächste winzig kleine Gruppe gibt es die auf sehr hohem fachlichen und intellektuellen Niveau forschenden und publizierenden Wissenschaftler wie z. B. in Deutschland Dr. Otto Weingärtner, Dipl. Stat. Rainer Lüdtke, Prof. Dr. med. Claudia Witt, Prof. Harald Walach oder PD Klaus Linde. Dieser Kreis »leidet« unter einem Phänomen, unter dem wahrscheinlich Spitzenforscher aller Disziplinen leiden. Er kann sich dem Rest der Welt fast nicht mehr verständlich machen. Der Rest der Welt - insbesondere Journalisten als Vermittler - sucht nach einfachen und plakativen Antworten auf hoch komplexe und vielschichtige Fragestellungen. Der Rest der Welt versteht nichts von medizinischer Forschungsmethodik, der Studienlage zur Homöopathie, von aktuellen forschungsmethodischen Diskussionen. Er versteht nicht, dass identische Fakten von unterschiedlichen wissenschaftlichen Fraktionen teils nur in Nuancen … teils fundamental unterschiedlich interpretiert werden. Sich in wissenschaftlichen Grenzbereichen bewegende Spitzenforscher leben sozusagen in einem Paralleluniversum, können sich allerdings manchmal für kurze Zeit in unsere Welt herüber- und wieder wegbeamen.
→ Claudia Witt & Klaus Linde: Homöopathieforschung (2008)
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»Pharmazeutische Homöopathie-Bekämpfer«: Eine weitere relativ kleine Gruppe, welche sich seit einigen Jahren sehr engagiert mit der Homöopathie (und Komplementärmedizin allgemein) beschäftigt, findet sich in Teilen der britischen Pharmaindustrie. Hier werden Homöopathie und Komplementärmedizin allem Anschein nach zunehmend als Wachstumsbremse, Wettbewerber und Gefahr für das eigene Geschäft betrachtet. Was zunächst nur ein Verdacht war wird immer häufiger Gegenstand wissenschaftlicher Publikationen. Von Prof. Harald Walach gibt es diesbezüglich u. a. die Artikel »The campaign against CAM« und »Gegen den Wind segeln«. Aus diesem Umfeld stammt übrigens auch die kürzlich im Deutschen Ärzteblatt veröffentlichte Meldung »WHO warnt vor Homöopathie«. Die hier zitierten angeblichen Wissenschaftler der britischen Stiftung Sense about Science sind eine fantasievolle Inszenierung. Zu den Finanziers von Sense about Science gehören u. a. GlaxoSmithKline, Pfizer und die Association of the British Pharmaceutial Industry (ABPI). Chef von Sense about Science ist Tracey Brown, die nicht aus der Forschung sondern aus der PR-Branche kommt. Ihr PR-Hintergrund wird auf der Sense-about-Science-Homepage (na so eine Überraschung!) kryptisch dargestellt: »a more commercial environment to set up a risk research unit.« Zuvor war Tracey Brown Senior Analyst bei Regester Larkin und verantwortete hier u. a. Krisen-PR (»risk research«) für Kunden aus der Chemie- und Pharmaindustrie. Slogan: »Regester Larkin is a specialist reputation strategy and management consultancy.« Honi soit qui mal y pense …
Nachtrag im H.Blog: Homöopathie und UK-Pharmalobbyismus. DZVhÄ-Chef Curt Kösters: „Hut ab vor der Kampagnenfähigkeit dieser Leute!“
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Dogmatische Homöopathie-Hasser: Die vierte Gruppe besteht im deutschsprachigen Raum aus einem harten Kern von rund 100 Personen, die überwiegend aus der Skeptiker- und Atheisten-Szene kommen. Sie organisieren sich in Vereinen wie z. B. der GWUP, engagieren sich als militante Einzelkämpfer in illegalen Hass-Portalen wie z. B. Esowatch oder tummeln sich beim zu Hubert Burda Media gehörenden Blogger-Portal ScienceBlogs. Die typischen Merkmale dieser Gruppe hat der Heidelberger Soziologe Edgar Wunder sehr schön in seinem Artikel »Das Skeptiker-Syndrom« beschrieben. Diese Gruppe macht speziell im Internet sehr viel Wind, ist jedoch unterm Strich harmlos und einflusslos. Warum dies so ist, das erläutert der folgende Kommentar im Blog von Marcus Anhäuser. Die Aktivitäten der dogmatischen Homöopathie-Hasser beschränken sich darauf, Andersdenkende mit einem szenetypischen Slang persönlich anzugreifen und menschlich abzuwerten (Dummköpfe, Idioten etc.). Hinterfragt man allerdings den wissenschaftlich klingenden Sprachnebel, so verbirgt sich dahinter ein hohes Maß an Unwissenheit, Voreingenommenheit und Dummheit. Homöopathie dient in dieser Szene auch als Projektionsfläche und Boxsack, um subtile Frustration und Unzufriedenheit an irgendetwas abzureagieren oder um die Sehnsucht nach Anerkennung und öffentlicher Beachtung (wenn auch vergeblich) zu befriedigen.
Nachtrag bei GWUP.WATCH: Ideologie und Agitation bei ScienceBlogs. Florian Freistetter und Lars Fischer: Homöopathie an der Uni Magdeburg
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Homöopathie an der Uni Magdeburg?
Kommen wir nach diesem etwas langatmigen Vorspann zurück zum eingangs erwähnten Artikel »Homöopathie-Studium in Magdeburg: alles nicht so schlimm? Leider nicht…« von Florian Freistetter, dann ist ein Aspekt sehr wichtig. Der Astronom gehört zu Gruppe vier und ist Anhänger einer streng dogmatischen weltanschaulichen Bewegung, die sich selbst Skeptiker nennen. Bei ScienceBlogs verlinkt er daher auch auf das Weblog der GWUP. Die von einer Gruppe Wissenschaftlern herausgegebene Webseite skeptizismus.de schreibt über sog. Skeptiker:
»Um glaubwürdiger zu wirken, präsentieren sich “Skeptiker”-Organisationen im Zuge ihrer öffentlichen Selbstdarstellung nach Außen hin oft als “Vertreter der Wissenschaft”, “neutrale Untersucher” oder gar als “unvoreingenommen”. Immer wieder fallen z.B. Journalisten auf diese Fassade herein, hinter der bei genauerem Hinsehen wenig steckt. Die über Presseerklärungen bekannt gemachten vermeintlichen “wissenschaftlichen Untersuchungen” der Gruppen entpuppen sich in aller Regel nur als inszenierte PR-Maßnahmen zur Selbstvermarktung, um auf sich aufmerksam zu machen.«
Quelle: Skeptizismus.de - »Skeptiker«-Organisationen: Selbstdarstellung und Rhetorik
Der von Florian Freistetter per Link empfohlene Verein GWUP ist zuletzt u. a. durch seine primitive Rufmord-Kampagne gegen Prof. Dr. Stefan N. Willich, Direktor des Instituts für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitsökonomie an der Berliner Charité, aufgefallen. Anlässlich der Einrichtung einer von der Essener Carl und Veronica Carstens-Stiftung finanzierten Professur für Komplementärmedizin veröffentlichte die GWUP eine Pressemeldung, beklagte in reißerischer Sprache einen Kniefall vor der alternativmedizinischen Lobby und ließ die Öffentlichkeit wissen: »Wissenschaftliche Methoden sollen offenbar solange den Bedürfnissen der Alternativmedizin angepasst werden, bis sie die Resultate erzielen, die sich die Vertreter der Komplementärmedizin wünschen.« Schade nur, dass Vereinsvorstand Amardeo Sarma bis heute nicht erläutert hat, welche Fakten und Argumente ihn zu dieser ehrabschneidenden Aussage veranlasst haben. Siehe zu diesem Thema auch das folgende Satire-Interview mit Amardeo Sarma bei GWUP.WATCH.
Sprechen wir nun über Homöopathie an der Uni Magdeburg und das, was sich ScienceBlogger Florian Freistetter diesbezüglich so alles zusammenreimt, dann sollten wir seine Aussagen besser nicht auf die Goldwaage legen. Es geht hier aus meiner Sicht um altkluge Dampfplauderei eines streng dogmatischen Fanatikers, wie auch die folgenden Tweets von Florian Freistetter zeigen:

Ob Florian Freistetter berühmt wird, das weiß ich nicht. Seine Sehnsucht nach Anerkennung und Beachtung kann ich wahrscheinlich auch nur begrenzt befriedigen. Sicher ist jedoch, dass dieser Beitrag jetzt erst einmal endet und in Kürze fortgesetzt wird. Dann geht es allerdings schwerpunktmäßig um Lars Fischer, die Qualität seiner Argumente und die Frage, an welchen Merkmalen ein seriöser Wissenschafts-Journalist zu erkennen ist.
Fortsetzung dieses Beitrags:
Teil 2: ScienceBlogs jagt die nächste Sau durchs Dorf. Lars Fischer von SciLogs jagt mit: »Homöopathie an der Uni Magdeburg.«
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ScienceBlogs bisher im H.Blog:
Schleichwerbung in der Ärzte Zeitung? Ideologie bei ScienceBlogs?
ScienceBlogs, Ärzte Zeitung und DHU: Interview mit Dr. med. Thomas Kron (Ex-Chefredakteur)
ScienceBlogs, BILDblog, Henryk M. Broder und die Fehler der Anderen
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22nd.Oktober 2009 um 10:00 pm
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22nd.Oktober 2009 um 10:12 pm
Ich würd ja gerne mit ihnen diskutieren. Naja, eigentlich ist “gerne” übertrieben. Aber sie löschen ja in ihrem Blog sowieso immer meine Kommentare, also wird das nix werden.
23rd.Oktober 2009 um 9:18 am
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26th.Oktober 2009 um 9:11 am
[...] Zwei neue Kommentare über die Thematik ScienceBlogs, Ideologie und Dogmatik: H.Blog: ScienceBlogs jagt die nächste Sau durchs Dorf. Lars Fischer von SciLogs jagt mit: »Homöop… und GWUP.WATCH: Ideologie und Agitation bei ScienceBlogs. Florian Freistetter + Lars Fischer: [...]
3rd.November 2009 um 9:32 pm
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4th.November 2009 um 5:45 pm
@ Florian Freistetter,
Sie wollen mit Herrn Fritzsche diskutieren? Worüber eigentlich?
Ihnen und Ihren Esowatch-Cyber-Mobbing-Freunden mangelt es an jeglicher Diskussionskultur.
Leute wie Peter Artmann oder Bert Ehgartner wurden regelrecht von ScienceBlogs vertrieben und von Ihren Esowatch-Freunden gezielt im Internet hingerichtet, nur weil sie andere Meinungen als die von Freistetter, Rings oder Berger vertraten.
Was für eine gehässige Mobbing-Clique.
6th.November 2009 um 1:49 am
Ein typischer Floriankommentar-nichtssagend und abwertend habe auch mehrmals versucht mich mit diesen Sektenanhängern wissenschaftlich auseinanderzusetzen . Bevor ich wusste was das für ein Verein ist.!
23rd.November 2009 um 10:48 am
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31st.Januar 2010 um 1:46 pm
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