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Lars Fischer im Münchhausen-Test: »Homöopathie an der Uni Magdeburg« (FISCHBLOG bei Scilogs.de)

Von Claus Fritzsche | 3.November 2009

Lars Fischer ist Chemiker, Blogger und verdient sein Geld seit Februar 2007 als freier Wissenschafts-Journalist. Mit über 600 Einträgen hat er sich zunächst im FISCHBLOG I. einen Namen gemacht. Dann zog er zu Wissenslogs um, dem Blogportal der Spektrum der Wissenschaft Verlagsgesellschaft. Hier arbeitet er nun als Blog-Koordinator von SciLogs. Lars Fischer versteht es, Themen wie z. B. »Ghostwriting in der Pharmaforschung« webgerecht zu präsentieren. Er hat eine gute »Schreibe« und wirkt fachlich sicher, solange es um das Thema Chemie geht. Sehr dünn wird die Luft für Lars Fischer allerdings, wenn er fachfremd über Medizinforschung referiert und wie zuletzt im Falle »Homöopathie an der Uni Magdeburg« keine emotionale Distanz zum Thema hat. Für mich ein willkommener Anlass, den Blogger mit losem Mundwerk einem kleinen Münchhausen-Test zu unterziehen.



»Wer Wissenschaft verkürzt oder vereinfacht, betrügt den Leser um das Wissen um seine eigene Grenzen und den Reichtum der Welt«, schreibt Lars Fischer in naiv romantischer Verklärung, um Tag für Tag gegen seine eigenen unrealistischen Ansprüche zu verstoßen. Wissenschafts-Journalisten sind Menschen, welche kleine Teile unserer Realität in verkürzter Form und aus ihrer jeweiligen subjektiven Perspektive heraus zusammenfassen. Starke Verkürzung und Vereinfachung ist ihr Beruf, ihre Stärke und zugleich ihre große Schwäche. Wer als Wissenschafts-Journalist ein breites Themen-Spektrum abdeckt, dessen Kernkompetenz liegt mitunter eher auf dem Gebiet des Infotainments und weniger in der Fähigkeit, komplexe Themen präzise und differenziert darzustellen. Populärwissenschaftlich orientierte Journalisten profitieren von einem starken Wissensgefälle zwischen einer in der Regel fachunkundigen Leserschaft auf der einen Seite und den zum Glück nicht mitlesenden Experten auf der anderen Seite. Wer sich ein Bild davon machen will, wie kritisch Wissenschaftler selbst die Medialisierung der Wissenschaft sehen, der sollte einmal den Arbeitsbericht »Die Bedeutung von Medien für die Reputation von Wissenschaftlern« von Peter Weingart, Petra Pansegrau und Matthias Winterhager studieren. Hier geht es zwar primär um die Problematik sogenannter Visible Scientists. Der Konflikt zwischen Wissenschaft (will Präzision) und Journalismus (will eine Story) wird jedoch auch mit diesem Fokus sehr schön vermittelt.

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Homöopathie an der Uni Magdeburg!?

Sprache ist ein Multifunktions-Instrument. Sie kann genutzt werden, um komplexe Sachverhalte leicht verständlich und präzise zu vermitteln. Sprache lässt sich auch einsetzen, um Menschen zu verletzen und Gewalt auszuüben. Sprache eignet sich auch zur Manipulation, um Dinge zu verstecken und Aspekte verzerrt darzustellen. Lese ich den Artikel »Homöopathie an der Uni Magdeburg« von Lars Fischer, so geht mir alles dies durch den Kopf. Fischer bezieht sich in seinem Kommentar auf einen Beitrag von »Kollege Freistetter«, Blogger bei den zu Hubert Burda Media gehörenden ScienceBlogs. Wer die folgenden Zeilen besser verstehen will, der sollte zunächst meinen Kommentar

Teil1: ScienceBlogs jagt die nächste Sau durchs Dorf. Lars Fischer von SciLogs jagt mit: »Homöopathie an der Uni Magdeburg.«

lesen. Warum? Nun, der Artikel von Lars Fischer steht nicht isoliert im Raum. Es ist vielmehr so, dass Fischer bei Scilogs.de eine ganze Serie von ähnlichen Artikeln im World Wide Web flankiert, die sich wohlwollend als Kampagne und weniger wohlwollend als Agitation beschreiben lassen.

Was teilt uns Lars Fischer mit?

Bitte erlauben Sie mir, den Kommentar »Homöopathie an der Uni Magdeburg« von Lars Fischer stark verkürzt und absichtlich überspitzt zusammenzufassen. Fischer teilt seinen Lesern sinngemäß mit:

  1. Nach wissenschaftlichen Kriterien durchgeführte Studien zur Überprüfung der Homöopathie gehen zuverlässig negativ aus.
  2. An der Uni Magdeburg wird ein Masterstudiengang Homöopathie eingerichtet.
  3. Homöopathie ist bereits mehrfach mit eindeutigen Ergebnissen wissenschaftlich geprüft worden. [siehe Link]
  4. Prof. Helmut Weiß von der Uni Magdeburg ist ein Idiot, weil er Physik, Chemie und nach wissenschaftlichen Kriterien durchgeführte medizinische Studien ignoriert.
  5. Das Konzept der Homöopathie kann physikalisch nicht funktionieren.
  6. Die ganze Sache ist ein Skandal!

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Argumentation oder Beschimpfung?

Rein stilistisch fällt mir in der Darstellung von Lars Fischer zunächst einmal auf, dass er vollkommen unstrukturiert und mit abrupten Gedankensprüngen referiert. Die von ihm verlinkte Meta-Analyse von Shang et al. 2005 wird mit keinem Wort erläutert und soll vielleicht einer fachunkundigen Leserschaft Kompetenz suggerieren. Er stellt eine Fülle von Behauptungen auf, ohne sie näher zu erläutern geschweige denn durch wissenschaftliche Quellen zu belegen. Durch den ganzen Text zieht sich ein aggressiver bis kriegerischer Grundton, der keine andere Sichtweise zulässt und klare Fronten festlegt. Auf der einen Seite gibt es die Uni Magdeburg, die es verdient, bis aufs Messer bekämpft zu werden. Auf der anderen Seite gibt es den Menschen-Retter Lars Fischer, der das Wissen und die Wahrheit für sich gepachtet hat. Wer sich parallel noch die Tweets von Lars Fischer zumutet, der erfährt hier, dass Herr Fischblog sein journalistisches Meisterwerk mit Hilfe bloggender Gesinnungsgenossen auf Platz 1 für die Google-Suche »Uni Magdeburg« hieven will … und dass die Titanic mal wieder über den Penis von Bild-Chef Kai Diekmann lästern soll.

Was ich in Teil 1 meiner ScienceBlogs-Serie über Florian Freistetter geschrieben habe, das gilt meines Erachtens auch hier: Sprechen wir nun über Homöopathie an der Uni Magdeburg und das, was sich Lars Fischer diesbezüglich so alles zusammenreimt, dann sollten wir seine Aussagen besser nicht auf die Goldwaage legen. Es geht hier aus meiner Sicht um altkluge Dampfplauderei eines streng dogmatischen Fanatikers.

Da sich selbst hinter destruktiver Schaumschlägerei manches konstruktive Potenzial versteckt, möchte ich die Gelegenheit nutzen, nachfolgend einmal die Kontroverse aus meiner Sicht darzustellen. Dabei ist es nicht meine Absicht, dem einen Dogma ein weiteres Dogma hinzuzufügen. Mein Ziel ist es, Leserinnen und Lesern durch Vorstellen von wissenschaftlichen Quellen die Möglichkeit zu geben, sich ihre eigene Meinung zu bilden. Bitte nehmen Sie es mir nicht übel, wenn ich dabei - von Blogger zu Blogger und ganz Mensch - die Stilform Retourkutsche wähle. Frei nach dem Motto: »Die Irrtümer des Lars Fischer.«

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Irrtum Nr. 1: Von einem theoretischen Modell auf ein empirisches Phänomen schließen

Es ist epistemologisch und wissenschaftstheoretisch nicht zulässig, von einem theoretischen Modell (homöopathische Hochpotenzen enthalten keine Atome der Ursprungssubstanz) auf ein empirisches Phänomen (daher können sie nicht wirken) zu schließen. Wäre es zulässig, dann dürfte es das quantenphysikalische Phänomen der Verschränkung nicht geben. Verhalten sich beispielsweise verschränkte Photonen über eine Distanz von 144 Kilometern so, als würde es sich um ein System handeln, so ist dies ein klarer Verstoß gegen unser kausal deterministisches naturwissenschaftliches Weltbild. Weil Zwillings-Photonen in praktischen Experimenten jedoch keine Rücksicht auf unsere Plausibilitäts-Vorstellungen genommen haben,  musste die Physik - vom Phänomen auf das Modell schließend - ihre Theorie an die Realität anpassen und Sonderregeln für den subatomaren Raum schaffen. Gleiches gilt auch für die Homöopathie. Auch hier darf nur vom Phänomen auf das Modell geschlossen werden.

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Irrtum Nr. 2: Wissenschaftliche  Prüfungen der Homöopathie kommen zu eindeutig (negativen) Ergebnissen

Lars Fischer schreibt sachlich falsch und altklug belehrend: »Nun ist Homöopathie bereits mehrfach ausführlich wissenschaftlich überprüft worden, mit eindeutigen Ergebnissen. Damit sollte das Thema für eine Universität gegessen sein. Ist es aber offenbar nicht.« Dabei verlinkt er auf die Übersichtsarbeit von Shang et al. 2005, ohne sie näher zu erläutern. PD Dr. Klaus Linde vom Zentrum für naturheilkundliche Forschung der TU München und vom Deutschen Cochrane Zentrum sowie Prof. Dr. med. Claudia M. Witt vom Institut für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitsökonomie der Charité (übrigens auch President Elect. der International Society for Complementary Medicine Research) schreiben im Kapitel 13 Wissenschaftliche Grundlagen und Forschung des im März 2008 publizierten Kursbuch Homöopathie:

»Gegenwärtig sind über 300 kontrollierte Studien zur Wirksamkeit der Homöopathie publiziert, allerdings weniger als ein Drittel davon in Zeitschriften mit einem Gutachtersystem (Lüdtke 2005). Von diesem Drittel wurde nur der kleinere Anteil in konventionellen Zeitschriften veröffentlicht, der größere erschien in Zeitschriften, die auf Forschung und Wissenschaft in der Komplementärmedizin spezialisiert sind. Darüber hinaus liegen viele Studien nur als Abstracts in Proceedingbänden komplementärmedizinischer Forschungskongresse vor (Lüdtke 2005). Placebokontrollierte klinische Studien zur Homöoapthie wurden nur bei einer selektierten Auswahl von Diagnosen (z. B. allergische Rhinitis, Migräne) durchgeführt. Die bisherigen systematischen Übersichtsarbeiten, die die Ergebnisse der placebokontrollierten Studien zusammenfassen (Kleijnen 1997, Linde 1997, Shang 2005), zeigen kein einheitliches Ergebnis, so dass die Frage nach der Überlegenheit homöopathischer Arzneimittel über Placebo noch nicht abschließend geklärt ist.«

Quelle: K. Linde, C. M. Witt in Kursbuch Homöopathie, 2008, S. 318

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Bedingt durch den zu frühen Redaktionsschluss des Kursbuch Homöopathie fehlt in der Darstellung von Klaus Linde und Claudia Witt eine weitere wichtige Übersichtsarbeit, welche im Dezember 2008 publiziert wurde und auf die Dr. med. Michael Teut, Prof. Dr. med. Benno Brinkhaus und Prof. Dr. med. Stefan N. Willich in einem Leserbrief hinweisen:

»Ob homöopathische Arzneimittel spezifische arzneibezogene Therapieeffekte verursachen, ist nicht eindeutig geklärt. Dazu liegen 2 hochrangig publizierte Übersichtsarbeiten vor, die zu widersprüchlichen Ergebnissen kommen [6, 7] und deren Methodik kritisch beurteilt wurde [8] … [8] Lüdtke R., Rutten AL.The conclusions on the effectiveness of homeopathy highly depend on the set of analyzed trials, J Clin Epidemiol 2008; 61: 1197-1204«

Quelle: Deutsche Medizinische Wochenschrift 2009; 134: 708-710

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Lars Fischer zitiert selektiv & falsch

Sieht man einmal davon ab, dass die Darstellung von Lars Fischer durch große Wissenslücken, fehlende fachliche Kompetenz und emotionale Verstrickung geprägt ist, so macht er in seinem Kommentar »Homöopathie an der Uni Magdeburg« folgende Fehler, die in einem wissenschaftlichen Kontext als unseriös eingestuft werden:

  1. Lars Fischer zitiert selektiv bzw. unvollständig. Wer auf die Arbeit von Shang et al. 2005 verweist (vermutlich, ohne sie überhaupt beurteilen zu können), der muss auch auf die Übersichtsarbeiten von Kleijnen 1997, Linde 1997und Lüdtke/Rutten 2008 verweisen.
  2. Wahrscheinlich in Unkenntnis der Fakten zitiert Lars Fischer auch noch falsch. Lüdtke/Rutten haben 2008 auf grobe handwerkliche Fehler der Arbeit von Shang et al. 2005 verwiesen, welche den THE LANCET herausgebenden Verlag Elsevier zur Veröffentlichung der folgenden Pressemeldung »New evidence for Homeopathy« veranlassten. Die von Lars Fischer behaupteten jedoch nicht belegten eindeutigen Ergebnisse gibt es nicht.

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Re-Analyse von Shang et al. 2005

Wer sich für die Hintergründe der Re-Analyse von Shang et al. 2005 durch R. Lüdtke, A.L.B. Rutten 2008 interessiert, der findet hier im H.Blog eine kurze und eine lange Kommentierung:

KURZ: Zweifelhafte Meta-Analysen: Wie evident ist die Evidenzbasierte Medizin?

LANG: The Lancet & Homöopathie: 2 Studien weisen auf grobe Fehler der Meta-Analyse von Shang et al. 2005 hin

Eine leicht verständliche - wenn auch stark verkürzte - Erläuterung bietet auch mein Interview mit Curt Kösters vom Deutschen Zentralverein homöopathischer Ärzte (DZVhÄ).

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Reaktion von Lars Fischer:

Ich habe mir erlaubt, im Fischblog von Lars Fischer an folgender Stelle via Kommentar auf diesen Beitrag zu verlinken. Lars Fischer reagiert darauf mit folgenden Worten:

»Immer noch am Hausieren? Wo wir grad beim Thema selektives Zitieren sind: Wie ist eigentlich die Auswahl meiner Tweets in dem Post zustande gekommen? Fortgeschrittene geistige Verwirrung, wie üblich? Zur Erinnerung: Du bist derjenige, der dafür bekannt ist, kritische Kommentare zu löschen (und sogar die eigenen, weil sie dir peinlich sind).«

In einem zweiten Kommentar betonte ich im Fischblog von Lars Fischer, dass meine obige Textpassage »Lars Fischer zitiert selektiv & falsch« sowie die dort genannten Argumente auch dann Gültigkeit haben, wenn ich der Web2.0-Löschkönig wäre. Dieser zweite Kommentar wurde von Lars Fischer gelöscht. Seinen rauhen bis aggressiven Umgangston (auch gegenüber anderen Diskussions-Teilnehmern) interpretiere ich als Bestätigung meiner Annahme, dass es hier um wissenschafts- und journalismusferne Motive geht.


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3 Kommentare to “Lars Fischer im Münchhausen-Test: »Homöopathie an der Uni Magdeburg« (FISCHBLOG bei Scilogs.de)”

  1. Teil 2: ScienceBlogs jagt die nächste Sau durchs Dorf. Lars Fischer von SciLogs jagt mit: »Homöopathie an der Uni Magdeburg.« | H.Blog: Homöopathie & Forschung schreibt:
    3rd.November 2009 um 9:36 pm

    [...] Sau durchs Dorf. Lars Fischer von SciLogs jagt mit: »Homöopathie an der Uni Magdeburg.« | Home | Lars Fischer im Münchhausen-Test: »Homöopathie an der Uni Magdeburg« (FISCHBLOG bei Scilogs.de) [...]

  2. Oliver schreibt:
    25th.November 2009 um 2:07 pm

    Herzlichen Dank für diese zutreffende Analyse.

  3. Schleichwerbung in der Ärzte Zeitung? Ideologie bei ScienceBlogs? | H.Blog: Homöopathie & Forschung schreibt:
    1st.Januar 2010 um 12:15 pm

    [...] Nachtrag: Zwei neue Kommentare über die Thematik ScienceBlogs, Ideologie und Dogmatik: H.Blog: ScienceBlogs jagt die nächste Sau durchs Dorf. Lars Fischer von SciLogs jagt mit: »Homöopathie an der Uni Magdeburg.« und H.Blog: Lars Fischer im Münchhausen-Test: »Homöopathie an der Uni Magdeburg« (FISCHBLOG bei Scil… [...]

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