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Homöopathie und UK-Pharmalobbyismus. DZVhÄ-Chef Curt Kösters: „Hut ab vor der Kampagnenfähigkeit dieser Leute!“
Von Claus Fritzsche | 31.Januar 2010
Insidern ist es schon seit Jahren bekannt. Inzwischen pfeifen es die Spatzen von den Dächern. Kreise innerhalb der britischen Pharmaindustrie sind in großer Sorge um ihre geschäftlichen Perspektiven. Bedrohlich ist für sie die immer professioneller werdende hochschulnahe CAM-Forschung. Als Folge der Arbeit von Organisationen wie z. B. The International Society for Complementary Medicine Research oder von Initiativen wie CAMbrella erhalten immer mehr komplementärmedizinische Therapieverfahren das Zertifikat „gemäß den Kriterien der evidenzbasierten Medizin wirksam“. Schlecht für das Geschäft, denken sich britische Pharmalobbyisten. Der Deutsche Zentralverein homöopathischer Ärzte (DZVhÄ) nennt in seinen aktuellen Homöopathischen Nachrichten erstmals Ross und Reiter (Sense About Science, Edzard Ernst, Merseyside Skeptics Society) und attestiert der unheiligen Allianz aus britischer Pharmaindustrie und britischer „Skeptiker“-Bewegung: „Hut ab vor der Kampagnenfähigkeit dieser Leute!“

Foto: Curt Kösters, 1. Vorsitzender des DZVhÄ
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NACHTRAG: „So geht Lobby“: Ein Ausschuss des britischen Unterhauses kam soeben zu dem Ergebnis, dass homöopathische Arzneien nichts weiter als ein Placebo seien. Die „Gutachter“ fordern den Gesetzgeber auf, Mittel aus dem Leistungskatalog des staatlichen Gesundheitsdienstes (National Health Service, NHS) zu streichen und weitere Forschung zu unterlassen. Hinterfragt man allerdings die Bewertungskriterien und das Zustandekommen des „Gutachtens“, so ergeben sich große Zweifel an der Aussagekraft. Das Dokument gibt den Stand der internationalen Forschung nicht korrekt wieder und repräsentiert in den wesentlichen Punkten nach unserer Meinung die persönliche Position einer einzigen Person: Prof. Edzard Ernst. Die Redaktion Heilpraxisnet.de befragte den Journalisten Claus Fritzsche nach seiner Einschätzung.
Seltsames „Gutachten“ (Evidence Check 2: Homeopathy): Interview mit Claus Fritzsche …
(English language:)
That’s how lobbying works: Edzard Ernst and the “Evidence Check 2: Homeopathy” (UK House of Commons)
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Der Deutsche Zentralverein homöopathischer Ärzte (DZVhÄ) nahm sich in der Januar-Ausgabe seiner Homöopathischen Nachrichten eines Themas an, welches in der Scientific Community schon seit langem bekannt ist und in Artikeln wie z. B. „The campaign against CAM“ oder „Gegen den Wind segeln“ (beide von Prof. Harald Walach) Gegenstand von Publikationen in wissenschaftlichen Journalen war. Der DZVhÄ schreibt:
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Demonstrative Überdosis
Kampagnen zur Homöopathie
In Großbritannien läuft nun schon seit etlichen Jahren eine gut organisierte Kampagne gegen die Homöopathie. Dahinter stehen Vereinigungen wie Sense About Science (SAS) und Einzelpersonen wie Edzard Ernst (Lehrstuhl Komplementärmedizin an der Universität Exeter). Eine publizistisch sehr professionelle Aktion kommt von der Merseyside Skeptics Society. Auf der Webseite www.1023.org.uk ist die Kampagne dokumentiert. Der Name der Website bezieht sich auf die Avogadro Zahl. Gezielt wurde zunächst der wichtigste englische Pharmagroßhändler Boots angegangen. Mit großer Empörung berichtet die 1023-Kampagne, dass die Firma homöopathische Mittel verkaufe, obwohl sie von deren Wirkung nicht überzeugt sei – nur weil sie von Kunden nachgefragt werden. Unterstützer können Kommentare einstellen oder den Protestbrief an Boots mit unterzeichnen. Als nächste Aktion wird nun zu einer landesweiten demonstrativen Überdosierung von homöopathischen Mitteln am 30. Januar um 10:23 aufgerufen.
Der Streit um die homöopathischen Hochpotenzen weckt Emotionen
Curt Kösters, 1. Vorsitzender des DZVhÄ, kommentiert: „Hut ab vor der Kampagnenfähigkeit dieser Leute! Das kommt wesentlich moderner daher als vergleichbare deutsche Publikationen. Die Marburger Erklärung von 1992 etwa war noch im Sprachduktus der Heiligen Inquisition verfasst: ‘Der Fachbereich Humanmedizin der Philipps-Universität Marburg verwirft die ‚Homöopathie’ als eine Irrlehre’. Da roch man doch schon den Scheiterhaufen. Auch wenn gerade mal 1.500 gesammelte Unterstützer für die 1023-Kampagne nicht weltbewegend sind, das publizistische Echo in den britischen Medien ist gut. Die 1023-Kampagne ist so professionell wie moderne Werbe- oder Wahlkampagnen. Dahinter steckt entweder viel Geld oder viel Engagement – oder beides.“ Auch aus der Sicht der homöopathischen Ärzte gibt es zur Homöopathie durchaus offene Fragen; es herrscht keine Angst vor den Antworten. Bemerkenswert ist, dass sich diese selbst ernannten Skeptiker in aller Regel mit Händen und Füßen gegen eine weitere Forschung wenden. Sie gebärden sich als geistige Nachfolger der Aufklärung, sind augenscheinlich Dogmatiker, die glauben, die Wissenschaft sei ein in sich geschlossenes und widerspruchsfreies Lehrgebäude.
Macht es nach, aber macht es genau nach! (S. Hahnemann)
Etwaige Nachahmer der britischen „mass homeopathic overdose“-Aktion weist Curt Kösters darauf hin, dass es in der Homöopathie nicht die Masse macht, sondern die Häufigkeit. „Sie können in der Tat mehrere Flaschen einer Hochpotenz zu sich nehmen und werden in aller Regel – wenn das Mittel nicht zufällig für Sie passt – nichts davon merken“, sagt Kösters. „Wenn Sie wirklich etwas erleben wollen“, rät er, „nehmen Sie vielleicht eine Woche lang mehrmals täglich einige Kügelchen zu sich. Verwenden Sie dafür beispielsweise Schwefel (Sulfur) in einer C 30 (also weit jenseits der Avogadroschen Zahl) und die Wahrscheinlichkeit, dass das eine oder andere wirklich interessante Phänomen auftritt ist bei häufigerer Einnahme deutlich höher.“ Wer Zweifel hat, ob das Phänomen mit der Einnahme von Sulfur zusammenhängt, sollte den Versuch nach einigen Wochen wiederholen. Verantwortung kann Curt Kösters für diesen unkontrollierten Selbstversuch nicht übernehmen – aber eigentlich kann ja auch nichts passieren, weil ja bekanntlic h nichts drin ist.
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Video zum Thema:
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„Homöopathie auf der Intensivstation“: hoch professionell gemachtes Video, welches alle Klischees der Skeptiker-Bewegung bedient und sehr wahrscheinlich mit Geldern der britischen Pharmaindustrie produziert wurde. [Nachtrag: Vielen Dank an einen Kommentator aus Großbritannien, der die Pharma-These an folgender Stelle korrigiert.]
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WHO warnt vor Homöopathie?
„WHO warnt vor Homöopathie“ meldete das Deutsche Ärzteblatt am 21. August 2009 und ging damit einer von britischen Pharmalobbyisten geschickt gemachten Anti-CAM-Kampagne auf den Leim. Die hier zitierten angeblichen Wissenschaftler der britischen Stiftung Sense about Science sind eine fantasievolle Inszenierung. Zu den Finanziers von Sense about Science gehören u. a. GlaxoSmithKline, Pfizer und die Association of the British Pharmaceutial Industry (ABPI). Chef von Sense about Science ist Tracey Brown, die nicht aus der Forschung sondern aus der PR-Branche kommt. Ihr PR-Hintergrund wird auf der Sense-about-Science-Homepage (na so eine Überraschung!) verschlüsselt dargestellt. Noch vor einiger Zeit stand auf der SAS-Homepage zu ihrer beruflichen Vergangenheit: „a more commercial environment to set up a risk research unit.“ Diese Formulierung wurde inzwischen in „and a year setting up a commercially based risk analysis centre“ geändert. Die Beschreibung verschweigt, dass Tracey Brown Senior Analyst bei Regester Larkin war und hier u. a. Krisen-PR (»risk research«) für Kunden aus der Chemie- und Pharmaindustrie verantwortete. Slogan der PR-Firma: »Regester Larkin is a specialist reputation strategy and management consultancy.« Mit anderen Worten: Tracey Brown ist PR-Profi und arbeitete in einem Unternehmen, welches auch PR-Abwehr-Strategien konzipiert und umsetzt.
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Links zum Thema „Kampagnen“:
Lars Fischer im Münchhausen-Test: »Homöopathie an der Uni Magdeburg« (FISCHBLOG bei Scilogs.de)
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Themen: Claus Fritzsche |








31st.Januar 2010 um 6:32 pm
Solche Kampagnen machen mich ziemlich wütend. Was soll das? Anstatt zusammen zu arbeiten zum Wohle der Menschen wird sich wieder mal nur bekämpft. Schade.
1st.Februar 2010 um 11:30 am
Ich finde, solche Kampagnen haben auch ihren Reiz und ihre ganz eigene Ästhetik.
Das muss man auch ‘mal (frei nach Curt Kösters: “Hut ab vor der Kampagnenfähigkeit dieser Leute!”) loben dürfen. Immerhin strengen sich die Berufs-”Skeptiker” sehr an, opfern ihre Freizeit und verfassen speziell unter Twitter ausgesprochen kreative Tweets. Und sie arbeiten ehrenamtlich selbst dann noch weiter, wenn sie vor lauter Homöophobie schon Schaum vorm Mund haben.
Würde es die Welt nicht verschönern, wenn wir dieses Engagement mehr wertschätzen und würdigen könnten?
1st.Februar 2010 um 11:48 am
[...] Kreise innerhalb der britischen Pharmaindustrie sind in großer Sorge um ihre geschäftlichen Perspektiven. Bedrohlich ist für sie die immer professioneller werdende hochschulnahe CAM-Forschung … Schlecht für das Geschäft, denken sich britische Pharmalobbyisten.
Mehr hier bei Claus Fritsche… [...]
1st.Februar 2010 um 5:04 pm
[...] britischen Pharmalobbyisten und britischen „Skeptikern“. Siehe hierzu auch der H.Blog-Artikel „Homöopathie und UK-Pharmalobbyismus“, in dem es u.a. um die 10:23 Campaign [...]
2nd.Februar 2010 um 8:53 am
[...] Inzwischen pfeifen es die Spatzen von den Dächern:
Kreise innerhalb der britischen Pharmaindustrie sind in großer Sorge um ihre geschäftlichen Perspektiven. Bedrohlich ist für sie die immer professioneller werdende hochschulnahe CAM-Forschung. Als Folge der Arbeit von Organisationen wie z. B. The International Society for Complementary Medicine Research oder von Initiativen wie CAMbrella erhalten immer mehr komplementärmedizinische Therapieverfahren das Zertifikat „gemäß den Kriterien der evidenzbasierten Medizin wirksam“.
Schlecht für das Geschäft, denken sich britische Pharmalobbyisten.
Mehr hier bei Claus Fritsche… [...]
7th.Februar 2010 um 10:46 am
[...] H.Blog: Homöopathie und UK-Pharmalobbyismus. DZVhÄ-Chef Curt Kösters: „Hut ab vor der Kampagnen… [...]
28th.Februar 2010 um 11:39 am
[...] In Großbritannien entschied man sich nun dafür, eine Bewertung der Homöopathie nach dem Prinzip „Peter Sawicki“ nicht in einem wissenschaftlichen Gremium und stattdessen in den Hinterzimmern des britischen Unterhauses auszukungeln. Es gabe eine öffentliche Anhörung, die - so viel ist sicher - reinen Alibi-Charakter hatte. Die Entscheidung selbst wurde von politischen Strippenziehern und für die Öffentlichkeit nicht transparent getroffen. Siehe zu diesem Thema auch hier im H.Blog: Homöopathie und UK-Pharmalobbyismus. DZVhÄ-Chef Curt Kösters: „Hut ab vor der Kampagnenfähigke…. [...]
3rd.März 2010 um 3:13 am
Was den Homeopathic A&E sketch, den ihr oben zeigt, angeht, ist ein kommentar vielleicht hilfreich:
Mitchell & Webb sind in Grossbritannien weithin beliebte & bekannte komiker, die pharmagelder fuer diese produktion sicher nicht brauchten: dies hier ist nur einer von vielen ihrer sketche, teil einer hit-fernsehserie.
Allerdings: in den letzten jahren haben Britische komiker homeopathie als billge lacher-quelle fuer sich entdeckt, und viele von ihnen unterstuetzen aktiv die sich als jung und hip darstellenden ‘erz-skeptiker’ wie Ben Goldacre & Simon Singh. Die beiden & ihre vielen fans popularisieren einen dogmatischen neo-rationalismus ohne rationalitaet, der hier gross in mode ist.
Wenn man in Youtube das wort ‘homeopathy’ eingibt, findet man neben den Herren Mitchell & Webb eine ganze reihe von komikern, die zwar unqualifiziert aber haeufig durchaus amuesant die homoeopathie durch den kakao ziehen. Viel spass!
3rd.März 2010 um 11:33 am
[...] Homöopathie und UK-Pharmalobbyismus. DZVhÄ-Chef Curt Kösters: „Hut ab vor der Kampagnenfähigke… [...]
13th.Juli 2010 um 8:59 am
[...] [Anmerkung der H.Blog-Redaktion: Siehe hierzu auch der Beitrag „Homöopathie und UK-Pharmalobbyismus. DZVhÄ-Chef Curt Kösters: ‚Hut ab vor der Kampagnenfähi...] [...]