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Antonie Peppler & Homöopathie bei Depression - Vorsicht!

Von Claus Fritzsche | 1.Dezember 2007

Die Heilpraktikerin und Homöopathin Antonie Peppler erklärte jüngst in einer Pressemeldung, was hinter der Depression aus ihrer persönlichen Sicht stecken kann und wie die von ihr begründete Kreative Homöopathie Patienten zu neuer Lebensdynamik verhelfen soll. Zitat aus der Pressemeldung von Antonie Peppler:

»…Peppler beginnt die Behandlung einer Depression mit der Suche nach dem Hauptmotiv, das den Patienten veranlasst, seine Lebensdynamik zu unterdrücken. Dies kann beispielsweise die Haltung »lieber sterben, als sich verändern« sein oder aber die Entscheidung, sich dem Leben zu verweigern, um die Unterstützung anderer zu erzwingen. Auch Selbstverachtung oder nicht formulierte Hass- oder Rachegefühle können Ursache einer Depression sein…«

Vergleicht man den therapeutischen Ansatz von Antonie Peppler mit jenem des Psychotherapeuten und erfahrenen Depressions-Experten Josef Giger-Bütler, so ist hier sehr große Vorsicht angebracht. Aus Sicht des Giger-Bütler-Modells hat Peppler die Hintergründe eines depressiven Musters noch nicht einmal im Ansatz erkannt und bietet stattdessen u. U. gefährliche Fehlinterpretationen an. Wer sich mit schweren Depressionen und Suizidgedanken auf eine Behandlung nach dem Konzept von Antonie Peppler einlassen will, der sollte sich diesen Schritt gut überlegen.

Zwei Bestseller von Giger-Bütler erklären, wie Depressionen aus seiner Sicht entstehen (»Sie haben es doch gut gemeint«) und wie Depressionen wieder geheilt werden können (»Endlich frei - Schritte aus der Depression«). Laut Giger-Bütler lassen sich Depressionen nur dann heilen, wenn den betreffenden Personen die Entstehungsgeschichte in ihrer Kindheit voll bewusst ist und sie aktiv an der Einübung neuer Wahrnehmungs- und Verhaltensmuster arbeiten. Die in der Pressemeldung von Antonie Peppler angesprochene »Haltung‚ lieber sterben als sich verändern« oder die »Entscheidung, sich dem Leben zu verweigern« muss aus Sicht des Giger-Bütler-Erklärungsmodells als gefährliche Fehleinschätzung eingestuft werden.

Ein depressives Muster entsteht laut Giger-Bütler (stark vereinfacht) dann, wenn in der frühkindlichen Prägung eines Menschen drei zentrale Faktoren zusammenkommen: 1. Ein unbewusst als existenzbedrohend erlebtes Elternumfeld (z. B. über einen längeren Zeitraum ausgetragene starke Konflikte zwischen den Eltern) und daraus resultierend ein Mangel an Urvertrauen. 2. Eine starke Verletzung des kindlichen Selbstwertgefühls (z. B. durch Eltern, welche Zuneigung von adäquatem Verhalten abhängig machen bzw. zu bedingungsloser Liebe nicht fähig sind). 3. Das Vorhandensein einer stark ausgeprägten Sensibilität (z. B. bei sehr empathischen, einfühlsamen Menschen).

In ihrem Urvertrauen und Selbstwertgefühl vom elterlichen Umfeld tief verletzte sensible Kinder tendieren dazu, die brüchige familiäre Situation durch helfendes, einfühlsames, umsorgendes, pflegeleichtes und bis zur Selbstverleugnung gehendes Verhalten auszugleichen, um ihr Überleben so zu sichern. Als erwachsene Menschen setzen sie dieses Muster fort und spielen unbewusst die Rolle des ewig hilfreichen, fürsorglichen, ausgleichenden, harmoniesüchtigen Menschen, der es (durch seine frühkindliche Konditionierung dazu gezwungen) allen Recht machen muss und in Beziehungen unter der ebenfalls frühkindlich konditionierten Angst leidet, permanent versagen zu können. Diese energieraubenden und einer kontinuierlichen Selbstverletzung gleichenden unbewussten Muster können laut Giger-Bütler viele Jahre und Jahrzehnte unbemerkt im Hintergrund wirken, bis sie dann in eine akute Depression bis hin zum totalen Zusammenbruch münden. Aus Sicht von Giger-Bütler ein unüberhörbares Signal, welches Veränderung förmlich erzwingt.

Der Heilungsprozess kann laut Giger-Bütler erst dann einsetzen, wenn die Entstehungsgeschichte des depressiven Musters in der frühen Kindheit bewusst geworden ist und depressive Menschen frei von jeglichem Erwartungsdruck und in kleinen Schritten neue Verhaltensmuster einüben. In »Endlich frei - Schritte aus der Depression« heißt es dazu auf Seite 190:

»Die depressiven Menschen haben nie wirklich zu sich finden können. Weil sie als Kinder alles taten zur Stabilisierung des Umfeldes mit dem Preis des Ich-Verlustes, ist der Weg aus der Depression ein Weg hin zum Ich. Es geht beim Ausstieg aus der Depression um ein Neu- oder Wiederfinden der eigenen Person, der eigenen Identität und der eigenen Persönlichkeit. Das ist nur möglich, wenn sie sich neu entdecken, sich kennen lernen, sich spüren und begreifen. Der Prozess bedeutet auch, Sicherheit und Vertrauen in sich finden, sich als selbständige Person erfahren, Boden bekommen und Stärke und Frieden finden. Er beinhaltet ebenso, Gelassenheit und Ruhe finden, Macht und Einfluss über sich gewinnen, unabhängig werden von anderen, Mittelpunkt des Handelns werden, wertvoll, liebenswert und wichtig werden für sich.«

Fazit: Unter chronischen Depressionen leidende Menschen erleben im wahrsten Sinne des Wortes die Hölle auf Erden, für Außenstehende nicht wirklich nachvollziehbare Qualen. Wird ihnen in dieser Situation von Antonie Peppler u. a. die vermeintliche Erklärung präsentiert, sie hätten angeblich ein unbewusstes Muster »lieber sterben, als sich verändern« oder sie hätten unbewusst die Entscheidung getroffen, sich dem Leben zu verweigern, um die Unterstützung anderer zu erzwingen, so kommen sie vom Regen in die Traufe. Josef Giger-Bütler vermittelt ihnen im Gegensatz dazu das Gefühl, ENDLICH einmal verstanden zu werden und bietet keinen einfachen und schnellen, jedoch einen realistischen Ausweg aus der Depression.

Frau Peppler hat sich inzwischen in einem Kommentar zu Wort gemeldet, der meine Vorbehalte nicht ausräumt und meine Skepsis noch weiter stützt.

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Exkurs »Depression, Trauma & Somatic Experiencing«:
Zeigen depressive Menschen mehrere der folgenden Symptome

so spricht dies für die Möglichkeit, dass ein sog. Posttraumatisches Belastungssyndrom (PTBS) der Auslöser der Depressionen ist. Was ist darunter zu verstehen? Geraten Tiere in eine starke Stress-Situation (z. B. Kampf ums Überleben), so reagieren sie über die Wege Angriff, Flucht und Erstarrung. Ist die Stress-Situation vorüber, so verfügen sie über Wege, die »Stress-Energie« relativ schnell wieder abzubauen. Im Falle von Angriff und Flucht wird die »Stress-Energie« durch kraftraubende Bewegung abgebaut. Im Falle von Erstarrung reagieren Tiere, sobald sie wieder in Sicherheit sind, durch starkes Körperzittern und schnelles Atmen. Die im Körper gespeicherte »Energie« wird so ebenfalls abgeleitet.

Trauma-Heilung: Das Erwachen des Tigers.
Unsere Fähigkeit, traumatische Erfahrung zu transformieren
von Peter A. Levine (Autor), Ann Frederick (Autor), Theo Kiedorf (Übersetzer), Hildegard Höhr (Übersetzer)
SYNTHESIS-Verlag, 20,50 EURO - Buch bei Amazon kaufen …

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Der Trauma-Experte Peter A. Levine vertritt die Sichtweise, dass Menschen ein mit dem Tierreich vergleichbarer Mechanismus fehlt, um die im Körper gespeicherte »Energie« überwältigender Erlebnisse wieder abzubauen. Reagieren Menschen auf traumatisierende Erlebnisse mit Erstarrung, so wird die gewaltige »Stress-Energie« im Körper gespeichert und die betroffenen Körperregionen erstarren. Peter A. Levine definiert Traumata als alle emotional belastenden Erlebnisse eines Menschen, die nicht verarbeitet werden und zu einer Art »Energie-Eintrag« im Körper führen. Es benötigt somit nicht Krieg und Vergewaltigung, um ein PTBS auszulösen. Wird ein sensibles Kind viele Jahre lang von den Eltern abwertend behandelt, so kann dies aus Sicht von Peter A. Levine ebenfalls zu einem PTBS führen.

Vor dem Hintergrund dieses Erklärungsansatzes und langjähriger Erfahrung in der Arbeit mit schwer traumatisierten Patienten hat Peter A. Levine ein realtiv einfaches therapeutisches Konzept entwickelt, welches er Somatic Experiencing nennt. Ziel ist es, durch eine Art Achtsamkeits-Meditation (»ganzheitliches inneres Empfinden«) die im Körper gespeicherten Energien kontrolliert, langsam und Schritt für Schritt zu entladen. Somatic Experiencing zeichnet sich dadurch aus, dass kognitive Elemente wie z. B. die Analyse der belastenden Erlebnisse und das Einüben neuer Denk- und Verhaltensmuster keine Rolle spielen, da sie keinen nennenswerten Beitrag zur »Energie-Entladung« im Körper leisten.

Die »Energie-Entladung« findet stattdessen dadurch statt, dass der Patient in Form von absichtsloser Aufmerksamkeit (d. h. ohne jegliche Interpretation) seine schmerzhaften Körpergefühle intensiv wahrnimmt und zwischen angenehmen und schmerzhaften Gefühlen pendelt. Die positiven Gefühle (sogenannte Ressourcen) müssen unter Krafteinsatz und Mitarbeit der Patienten »erarbeitet« werden. Genau hier liegt auch der Unterschied zu ähnlichen Methoden wie z. B. Focusing und Akzeptanz- und Commitment-Therapie (ACT), die das Wechseln der Polarität gewöhnlich nicht beinhalten. Das Wechseln der Polarität scheint das zentrale Element und Know-how von Peter A. Levine zu sein. Vielleicht ist es ein Weg, die im Körper gespeicherte »Stress-Energie« schneller zu entladen, als dies bei der absichtslosen Wahrnehmung ausschließlich von Schmerz und Taubheit der Fall ist.

Ein weiterer therapeutischer Ansatz mit dem Namen Somatische Integration® verfolgt ähnlich wie Somatic Experiencing das Ziel, im Körper gespeicherte Energien und Blockaden zu lösen und die Selbstregulation (Selbstheilung) zu aktivieren. Erfolg die »Entladung« bei Peter A. Levine durch die Kraft des absichtslos beobachtenden und intensiv fühlenden »Bewusstseins«, so betont Somatische Integration® in stärkerem Maße die Arbeit am und mit dem Körper … beispielsweise durch die Anwendung von Techniken der Craniosacralen Osteopathie und Viszerale und Myofasciale Osteopathie-Techniken. Patienten profitieren von Somatic Experiencing dadurch, dass sie Handlungsmacht zurückerhalten, weniger vom Therapeuten abhängig sind und insbesondere nicht mehr fragwürdigen psychoanalytischen Kreuzverhören ausgesetzt sind. Die Stärke von Somatic Experiencing liegt vielleicht in der stärkeren Einwirkung auf den Körper. Wahrscheinlich macht es Sinn, beide Verfahren zu kombinieren.

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Links zum Thema:

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Universität Tübingen: Achtsamkeitsbasierte Therapie & Beratung zum effektiven Umgang mit Depressionen

Interview mit Dr. Josef Giger-Bütler

Leseprobe des Giger-Bütler-Buchs »Endlich frei - Schritte aus der Depression«

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Themen: Claus Fritzsche |

6 Kommentare to “Antonie Peppler & Homöopathie bei Depression - Vorsicht!”

  1. Depression: Antonie Peppler versus Giger-Bütler »Endlich frei - Schritte aus der Depression« schreibt:
    4th.Dezember 2007 um 9:00 pm

    [...] KORREKTUR-HINWEIS: Ein freundlicher Leser hat meine Auseinan- dersetzung mit der Kreativen Homöopathie von Antonie Peppler im Falle des Krankheitsbildes »Depression« (konstruktiv) kritisiert und mich überzeugt. Ich habe den Beitrag »Antonie Peppler & Homöopathie bei Depression - Vorsicht!« daher nochmals überarbeitet, um meine Sichtweise mit weniger Polemik und mehr sachlichen Argumenten deutlich zu machen. Ich vermute, dass Frau Peppler ihre therapeutische Vorgehensweise in bester Absicht anbietet. Nichtsdestotrotz halte ich ihre tiefenpsychologischen Erklärungsversuche nicht nur für falsch sondern auch für gefährlich und schädlich. [...]

  2. Antonie Peppler schreibt:
    10th.Juli 2008 um 12:08 am

    Sehr geehrt Britta Danger,

    mit großem Erstaunen habe ich Ihre Kommentare zu meiner kurz gehaltenen Pressemeldung gelesen. Leider ist mir unklar geblieben,was an meiner Homöopathischen Therapie gefährlich und schädlich sein soll. Viele ehemals depressive Patienten, die ich in den letzten 25 Jahren behandelt habe, werden dies vermutlich auch nicht verstehen.

    In meiner Behandlung geht es nicht nur um das Auffinden und die Erklärung der Schicksale der Patienten, dies zu erkennen dient in meiner Arbeit als Basis einer vollständigen Anamnese, es geht speziell um die Veränderung der Lebenseinstellung des Patienten. Dies muss er im Sinne der Eigenverantwortlichkeit immer selbst tun. Dazu bekommt er Hilfestellung in Gesprächen und der Kreativen Homöopathie.Diese Veränderung geschieht über eine Enttraumatisierung in weitestem Sinne, mit deren Hilfe der Patient/in seine bisherige Denkstruktur und seine geprägten Muster aufweicht.

    Im September 2008 geht das Buch über die Grundlagen der Kreativen Homöopathie in Druck. Dieses Buch beinhaltet viele aufschlussreiche Details, die in einer kurzen Pressemeldung nicht zu überbringen sind. Gerne sende ich Ihnen ein Exemplar nach Fertigstellung zu. Denn ich bin sicher, dass es lohnt, sich mit dem Thema einmal fundiert auseinanderzusetzen.

    Weiteres finden Sie unter http://www.CKH.de

    Mit freundlichen Grüßen

    Antonie Peppler

  3. H.Blog schreibt:
    10th.Juli 2008 um 7:42 am

    Hallo Frau Peppler,

    zunächst einmal wurde dieser Beitrag von mir - Claus Fritzsche - und nicht von Britta Danger verfasst.

    Ich persönlich reibe mich an verschiedenen Aussagen, Thesen und Behauptungen von Ihnen, die ich - vorsichtig formuliert - für gewagt und spekulativ halte. Sie schreiben u. a.

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    “… Dies kann beispielsweise die Haltung »lieber sterben, als sich verändern« sein oder aber die Entscheidung, sich dem Leben zu verweigern, um die Unterstützung anderer zu erzwingen. Auch Selbstverachtung oder nicht formulierte Hass- oder Rachegefühle können Ursache einer Depression sein…”

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    Wie kommen Sie zu diesen Erkenntnissen? Woher wissen Sie, dass es sich bei “nicht formulierten Hass- oder Rachegefühlen” um URSACHEN handelt? Es kann sich hier doch genauso um die FOLGE einer TIEFEREN URSACHE (siehe Argumentation von Giger-Bütler) handeln, welche sich außerhalb Ihres Radars befindet. Wie stellen Sie sicher, dass es sich hier nicht um eine reine Spekulation von Ihnen handelt? Ich persönlich halte Ihre Aussage für Kaffeesatzleserei und noch dazu für eine gefährlich Spekulation. Warum, das habe ich detailliert erläutert:

    “Ein depressives Muster entsteht laut Giger-Bütler (stark vereinfacht) dann, wenn in der frühkindlichen Prägung eines Menschen drei zentrale Faktoren zusammenkommen: 1. Ein unbewusst als existenzbedrohend erlebtes Elternumfeld (z. B. über einen längeren Zeitraum ausgetragene starke Konflikte zwischen den Eltern) und daraus resultierend ein Mangel an Urvertrauen. 2. Eine starke Verletzung des kindlichen Selbstwertgefühls (z. B. durch Eltern, welche Zuneigung von adäquatem Verhalten abhängig machen bzw. zu bedingungsloser Liebe nicht fähig sind). 3. Das Vorhandensein einer stark ausgeprägten Sensibilität (z. B. bei sehr empathischen, einfühlsamen Menschen).”

    Die von Giger-Bütler geschilderten Rahmenbedingungen mögen dazu führen, dass Sie, Frau Peppler, als Therapeutin den subjektiven Eindruck haben, ein Mensch hätte die Haltung »lieber sterben, als sich verändern«. Aus meiner persönlichen Sicht ist das jedoch deshalb eine gefährliche Fehlinterpretation, weil Ihre Patienten so nicht wirklich die URSACHEN hinter den SYMPTOMEN erfahren. Krankheiten und Krankheitssymptome können dann wertvoll sein, wenn ich die Hintergründe und Ursachen verstehe und auf dieser Basis einen neuen Weg mit neuem Bewusstsein einschlagen kann. Redet mir jedoch Frau Peppler ein, ich hätte die Haltung, »lieber sterben, als mich zu verändern«, dann (meine These:) helfen Sie aktiv mit, ein NEUES DESTRUKTIVES GLAUBENS-MUSTER zu etablieren.

    Ihre anderen Aussagen hinsichtlich der Veränderung der Lebens- einstellung hin zu Eigenverantwortlichkeit teile ich vollkommen. Ihre diesbezüglichen Aussagen sind - so meine ich - auch nicht wirklich neu. Die etablierte kognitive Verhaltenstherapie hat einen ähnlichen Ansatz (neue entfaltungsfördernde kognitive Muster und Gefühle etablieren). In meiner Wahrnehmung verquicken Sie jedoch sinnvolle “Bausteine” mit solchen, die ich persönlich für sehr fragwürdig … ja sogar gefährlich … halte. Zumindest dann, wenn sich schwer depressive Menschen mit Suizidgefährdung Ihnen anvertrauen.

    Ihre Erfolgserlebnisse in der Behandlung von depressiven Patienten in 25 Jahren würde ich gerne hinterfragen:

    1. SELBSTEINSCHÄTZUNG: In der Medizinforschung gibt es die Auffassung, dass die Selbsteinschätzung eines Arzten über seine therapeutischen Fähigkeiten und Erfolge einen großen blinden Bereich haben. Ärzte neigen subjektiv dazu, ihre Erfolge überzubewerten und ihre Misserfolge unterzubewerten. Aus diesem Grunde nutzt die moderne Medizin (auch die INTEGRATIVE MEDIZIN, welche Schul- und Alternativmedizin sinnvoll verbindet) unabhängige wissenschaftliche Studien, um subjektive Erfahrungsberichte von Therapeuten zu hinterfragen.

    2. UNSPEZIFISCHE FAKTOREN: Therapeutische Erfolge stellen sich auch dann ein, wenn die therapeutische Maßnahme und Analyse bedeutungslos ist. Lesen Sie dazu einfach ‘mal die Rezension des Buches “Klient, Therapeut und das unbekannte Dritte - Placeboeffekte in der Psychotherapie” von Nadine Reiband. Dieses Buch stellt eine Zusammenfassung der modernen Psychotherapie-Forschung dar und stellt die These auf, dass “unspezifische Faktoren” wie z. B. die starke Überzeugtheit eines Therapeuten von seiner Methode (vielleicht wie bei Ihnen?) und der starke Glaube von Patienten an die Fähigkeit des Therapeuten usw. einen sehr (!) großen Teil der Wirkung in der Psychotherapie ausmachen.

    Aus meiner Sicht ist es vor dem Hintergrund von Punkt 1. und 2. grob fahrlässig, von Ihrer subjektiven Einschätzung eigener therapeutischer Erfolge in der Behandlung depressiver Patienten auf die GÜLTIGKEIT IHRES THERAPEUTISCHEN MODELLS zu schließen.

    Frage: Verfügen Sie über eine qualifizierte psychotherapeutische Ausbildung? Um zu vermeiden, dass Therapeuten eigene blinde Bereiche, destruktive Muster, innere Konflikte, entfaltungshemmende Überzeu- gungen etc. auf Patienten PROJIZIEREN, gibt es in der Psychotherapie das Verfahren der SUPERVISION. Nutzen Sie Supervision für Ihre eigene Qualitätssicherung? Lassen Sie eine Hinterfragung Ihrer Vorstellungen grundsätzlich zu?

    Viele Grüße

    Claus Fritzsche

    P. S. Wenn Sie sich mit meiner Kritik FUNDIERT auseinandersetzen wollen, dann empfehle ich Ihnen die beiden Bücher von Josef Giger-Bütler zu studieren. Allerdings nur dann, wenn Sie von Ihrem eigenen Denken abweichende Konzepte und Modelle gedanklich an sich heranlassen.

  4. Ach, du dickes Ei! Wortmeldungen im H.Blog | H.Blog: Homöopathie & Forschung schreibt:
    11th.August 2008 um 10:30 am

    [...] Antonie Peppler & Homöopathie bei Depression - Vorsicht! +++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++ Antonie Peppler, Erfinderin und geschickte Vermarkterin der »Kreativen Homöopathie nach Antonie Peppler«, äußert sich zu einem kritischen H.Blog-Beitrag wie folgend: »Sehr geehrt Britta Danger, mit großem Erstaunen habe ich Ihre Kommentare zu meiner kurz gehaltenen Pressemeldung gelesen. Leider ist mir unklar geblieben, was an meiner Homöopathischen Therapie gefährlich und schädlich sein soll. Viele ehemals depressive Patienten, die ich in den letzten 25 Jahren behandelt habe, werden dies vermutlich auch nicht verstehen … « (lesen Sie den vollständigen Kommentar hier). [...]

  5. Homöopathie bei Depression - Vorsicht! | H.Blog: Homöopathie & Forschung schreibt:
    21st.Oktober 2008 um 8:25 am

    [...] H.Blog-Artikel »Antonie Peppler & Homöopathie bei Depression - Vorsicht!« gehört zu den gut besuchten Beiträgen dieses Weblogs. Bis zu 10 Besucher gelangen täglich via [...]

  6. »Homöopathie für Schmeißfliegen«. Ein Brandbrief von Michael Malzahn. | H.Blog: Homöopathie & Forschung schreibt:
    19th.Juni 2009 um 11:14 am

    [...] »ESOTERIK«-HOMÖOPATHIE: Auf der anderen Seite gibt es die interessante Entwicklung, dass der »Informationsmedizin« oder einer diffusen Wohlfühl-Esoterik nahestehende »Privatgelehrte« eigene (wissenschaftlich weder erforschte noch belegte) Konzepte mit dem Label Homöopathie versehen, um die Lehre Hahnemanns PR-technisch für sich zu nutzen. So hat beispielsweise die Neue Homöopathie nach Erich Körbler mit dem Simile-Prinzip absolut nichts zu tun. Und ob nun die auf den Körper gemalten Symbole (physikalisch) oder eher die Überzeugungen eines bemalten Patienten (geistig) wirken, das weiß niemand so recht. Es geht bei Körbler ebenso wie bei der Kreativen Homöopathie nach Antonie Peppler und anderen Homöopathie-Derivaten um viel Glaube. Die jeweiligen Protagonisten sind von sich und der Richtigkeit ihrer Thesen felsenfest überzeugt und erfüllen so bereits eine wichtige Voraussetzung, um bei ihren Anhängern starke Placeboeffekte auslösen zu können. Wer sich allerdings mit schweren Depressionen und Suizidgedanken in die Hände von Antonie Peppler wagt, der begibt sich nach meiner persönlichen Einschätzung in große Gefahr (→ »Antonie Peppler & Homöopathie bei Depression - Vorsicht!«). [...]

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