Fortsetzung von “Integrierte Leitbildentwicklung”

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Leitbildbetrachtungen

Allgemein ist unter einem Leitbild eine vorbildliche Lebensform als Orientierung für die individuelle Lebensgestaltung bzw. für eine ganze Organisation zu verstehen.

Das persönliche Lebensleitbild enthält Aussagen zum eigenen Selbstverständnis basierend  auf dem individuellen Wertesystem. Das berufsbezogene Leitbild –Rollenleitbild, z.B. Führungsleitbild, ist im Grunde eine wertebasierte Tätigkeitsbeschreibung, die vom Positi- onsinhaber auf Basis der eigenen beruflichen Werte und im Kontext der Unternehmenswerte entwickelt wird.

Das Unternehmensleitbild beinhaltet erstens Grundsätze zum Sinn und Zweck der unternehmerischen Tätigkeit, zweitens zu den allge- meinen Geschäftsprinzipien und drittens zum Umgang mit Mitarbei- tern, Kunden, Geschäftspartnern, Kapitalgebern, Mitbewerbern, Gesellschaft und Politik, etc. Abgesehen von den drei genannten Bereichen gibt es sehr unterschiedliche Auffassungen über die In- halte von Unternehmensleitbildern. Folglich kann man alle möglichen Arten von Leitbildern finden, die sich in Stil, Darstellung und Umfang deutlich voneinander unterscheiden. (Quelle: Jean Paul Thommen, Ann-Kristin Achleitner: Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, Gabler– Verlag)

Es gibt viele Wege, sich dem Thema „Leitbild“ zu nähern. Wer sich erst ein einmal einen Überblick verschaffen möchte, findet den
Begriff „Unternehmensleitbild“ z.B. in der Fachliteratur zur allgemei- nen Betriebswirtschaftslehre erläutert oder sehr ausführlich darge- stellt in einschlägiger Fachliteratur, die sich im weitesten Sinne mit Themen wie „Corporate Identity“, „Unternehmensethik“ und „Werterorientierte Unternehmensführung“ befasst. Für große Unternehmen sind Leitbilder längst zum obligatorischen Imagefaktor avanciert; bei kleineren Unternehmen sind Leitbilder noch nicht so selbstverständlich: In vielen Fällen existiert entweder gar kein Leitbild oder nur ein kurzes so genanntes Mission Statement, das diesen Zweck erfüllen soll. Ähnlich verhält es sich mit dem individuellen Leitbild für die berufliche Tätigkeit und dem ganz persönlichen Lebensleitbild, die meist nur auf Anregung z.B. im Rahmen einer Persönlichkeitsberatung, erstellt werden. Die häufigsten Gründe für das Fehlen von Leitbildern sind möglicherweise in mangelndem Bewusstsein für seine Bedeutung zu suchen oder einfach in zu wenig Zeit und Budget. Manche mag das Thema mit Blick auf seine Komplexität und Dimension auch eher abschrecken.


Leitbildentwicklung als Prozess verstehen

Wichtig ist der Hinweis, dass die Leitbildentwicklung als ein Prozess zu verstehen ist, der einmal in Gang gesetzt, einer eigenen Dynamik folgt und stete Achtsamkeit erfordert. So ist ein Leitbild keine singuläre Maßnahme; ein Leitbild versteht sich vielmehr als eine permanente Aufforderung zur Reflexion aller Handlungen in Bezug auf die selbst gesetzten Maßstäbe. Ohne eine solche (Selbst-) Reflexion kommt der Prozess zum Stillstand. Die ernsthafte Beschäftigung mit Werten und deren Reflexion geht nämlich weit über das Formulieren eines Lippenbekenntnisses hinaus und fordert die Beteiligten auf, ihre ganz persönlichen Werte zu reflektieren und zu ihrem Welt- und Menschenbild Stellung zu beziehen. Dieser Prozess ist nicht zu unterschätzen und erfordert viel Zeit und Kraft. Außerdem ist es wichtig, schon vor Beginn der Leitbildentwicklung zu klären, ob auch genügend Ressourcen für die Umsetzung und Pflege der später zu definierenden Leitlinien bereit stehen. Damit ist nicht nur der monetäre Aspekt gemeint. Das schönste Leitbild ist wert- und wirkungslos, wenn es nicht zum Ausdruck kommen kann. Die Qualität eines Leitbildes definiert sich nicht über Umfang und Aufmachung sondern vielmehr über seine Prägnanz und energetische Wirkkraft.


Es ist besser, hohe Grundsätze zu haben, die man befolgt, als noch höhere, die man außer Acht lässt.“ (Albert Schweitzer)


Leitbild als geistiges Kraftfeld

Der Wunsch nach einem Leitbild ist in erster Linie eine Frage der Stils und der Kultur.


Die Unternehmenskultur manifestiert sich im Unternehmens- leitbild, welches die gewünschte Unternehmensidentität (Corporate Identity) widerspiegelt.


Das Unternehmensleitbild ist der sichtbar gemachte Unternehmens- geist, sozusagen die geistige Signatur des Unternehmens bzw. der Organisation. Es ist vom ersten Tag an da, auch wenn es nirgends geschrieben steht, es ist die gelebte Philosophie der Menschen, die das Unternehmen repräsentieren. Es äußert sich in der Art und
Weise, wie Mitarbeiter/innen miteinander umgehen und kommuni- zieren, wie sie im Team zusammen arbeiten, wie sie gemeinsam Herausforderungen bewältigen, wie sie sich nach außen verhalten z. B. im Umgang mit Kunden und Geschäftspartnern, wie sie über das Übernehmen sprechen, welche Geschichten sie davon in ihrem privaten Umfeld erzählen. Es ist Ausdruck des praktizierten Füh- rungsstils und wird in allen unternehmerischen Entscheidungen und auf allen Ebenen des unternehmerischen Handelns sichtbar.

Wozu braucht es dann noch der schriftlichen Fixierung? Wem nutzt der ganze Aufwand für ein Leitbild? An dieser Stelle sei darauf hingewiesen, dass es durchaus auch kritische Töne zum Thema Leitbild gibt. So schreibt Peter Fuchs in der taz: “...überall verpasst man sich Leitbilder ... Das ist nicht sonderlich tragisch, denn irgendwie muß man ja die Zeit hinschlachten, die dem Menschen gegeben ist, und was eignet sich besser dafür als das gemeinsame Erzeugen von Leitbildern, die bezeichnen, was man nicht ist, aber werden will? Es geht um Richtschnüre, Vor- und Maßgaben für Zukünftiges, um Ideale, Missionen, Messages, die zu verfertigen nicht allzu schädlich scheint, da die Bilder des Zukünftigen mangels Realitätskontaktes immer nur flach ausfallen können.” (Fuchs 2000)

Wenn das Motiv für das Entwickeln eines Leitbildes darin besteht, unverbindliche Zukunftsvisionen mit sich gut anhörenden Werten zur Schau zur stellen, etwa, weil die anderen es ja auch tun oder „um die Braut zu schmücken“, dann ist in der Tat die ganze Arbeit umsonst. Denn alles Wissen ohne Tun ist wertlos. 


Ein Unternehmen ist umso attraktiver, je intensiver und bewusster die Unternehmenskultur er- und gelebt wird und je mehr Wertschätzung der Leitbildprozess erfährt.


Außerdem macht es mehr Sinn, wenn Leitbilder für die Gegenwart entwickelt werden und nicht für die Zukunft. Wir leben in der Gegenwart und erschaffen die Zukunft, die ja nichts anderes ist, als die Gegenwart von morgen. Wenn ich heute nach bestimmten Werten Ursachen setze, werde ich in der Gegenwart von morgen die entsprechenden Ergebnisse ernten. Das Ursache–/Wirkungsprinzip ist daher für das Entwickeln eines Leitbildes von elementarer Bedeutung.


Leitbilder sind keine Sonntagsreden. Die Orientierung am Leitbild muss in allen Aspekten sofort beginnen und nicht irgendwann in ferner Zukunft.


Was in der Gegenwart nicht verursacht wird, kann niemals Realität werden. Und damit kommen wir zurück zu der Frage: Warum ist ein schriftlich fixiertes Leitbild sinnvoll und für wen? Es ist allgemein bekannt, dass gebündelte Energie wirksamer ist, als verstreute Energie. Jede Mitarbeiterin, jeder Mitarbeiter im Unternehmen hat ein bestimmtes Bild vom Unternehmen, basierend auf der erlebten Realität im Unternehmen sowie dem eigenem Welt- und Menschenbild mit den dazu gehörenden Werten. Jeder Mensch stellt selbst ein Energiefeld dar und ist im ständigen energetischen Austausch mit seiner Umwelt. Seit Einstein wissen wir, dass Materie sichtbar gewordene Energie ist und dass geistige Energie Materie erschafft. Wenn nun diese erschaffende Energie bezogen auf das Unternehmen keinen Anhaltspunkt hat, worauf sie sich fokussieren kann und soll, dann treten alle möglichen Situationen und Dinge in Erscheinung, auch solche, die für das unternehmerische Handeln von Nachteil sind, wie etwa Ineffizienz, mangelnde strategische Ausrichtung, Defizite in der Kommunikation etc. Ein für alle gültiges Leitbild mit klar ausformulierten Leitlinien steckt hingegen den Rahmen für die schöpferischen Prozesse jedes einzelnen im Unternehmen ab.

Ein Leitbild als energetische Quelle für Inspirationen, Ideen und konkretes Handeln ist wie ein Generator, von dem die Kräfte im Unternehmen gespeist werden. Energetisch heißt, sehr bewusst, mit Achtsamkeit und Weitsicht einen Energiezustand zu erzeugen, welcher ein Klima der Leistungsfreude hervorbringt.

Dem entsprechend sind die Vorteile, die von einem „energetischen“ Leitbild ausgehen, folgende:

• Erhöhung der Effektivität durch Konzentration auf das Wesentliche, d.h. auf die Kernwerte des Unternehmens, die es zu verwirklichen gilt

• Bündelung der Energien im Unternehmen und zwar von vielen diffus wirkenden Energien hin zu synergetisch wirkenden Kräften mit einem klaren Fokus

• Sinngebung und Inspiration für alle Mitarbeiter/innen durch Zielklarheit, Ordnung, Verbindlichkeit und Verantwortlichkeit

• Effizienzsteigerung durch klare Vorgaben für das Verhalten in Bezug auf den Führungsstil, die interne und externe Zusammenarbeit sowie die Abwicklung von Projekten

• Stärkung des Wir-Gefühls und der Identifikation mit dem Unternehmen

• Stärkung des Vertrauens und Erhöhung der Glaubwürdigkeit durch Transparenz und Konsistenz in allen Erscheinungsformen

• Kulturstiftende und –fördernde Impulse

• Magnetische Anziehungskraft für qualifizierte Arbeitskräfte,
Kunden, Konsumenten, Geschäftspartner sowie allen Menschen, die auf der gleichen energetischen Frequenz senden (Gesetz der Reso- nanz – ich ziehe das an, was meiner gegenwärtigen energetischen Schwingung entspricht), d.h. Steigerung der Unternehmensattrak- tivität.


Unternehmen mit einem starken Leitbild sind nachweislich erfolgreicher und attraktiver als solche ohne Leitbild.


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