Fortsetzung von »Sinn gebende Unternehmenskultur«

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Funktion und Einflussfaktoren der Unternehmenskultur

Jedes Unternehmen hat eine Unternehmenskultur, ob es nun will oder nicht. Es handelt sich dabei um die Summe aller Grundüberzeugungen, Werte, Normen, Denkweisen und Umgangstile der Menschen, die in einem  Unternehmen arbeiten. Sie werden an Neuzugänge weitergegeben als Maßstab für Problemlösungen bzw. für die Herangehensweise an Aufgaben und neue Herausforderungen.

Unternehmenskultur zeigt sich vordergründig im Erscheinungsbild und im Verhalten der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Und sie wird oft als das Credo des Unternehmens in Form eines Leitbildes zum Ausdruck gebracht. Fast immer gibt es auch Subkulturen – klassisches Beispiel: Innen- und Außendienst oder Zentrale und Zweigniederlassungen. Diese Subkulturen können sich sinnvoll ergänzen oder aber auch in Konkurrenz zueinander stehen bzw. sich gegenseitig torpedieren.

Darüber hinaus gibt es starke und schwache Kulturen, hoch entwickelte und unterentwickelte und es gibt auch einen Prozess des Wachsens, Werdens, Vergehens und des Neuanfangs, ähnlich wie bei den Kreisläufen in der Natur.

Welche Funktionen sind der Unternehmenskultur zuzuschreiben? Zunächst einmal gibt sie Orientierung. Sie hilft, Bewährtes zu bewahren und gibt so der Organisation Stabilität und Kontinuität. Man muss das Rad nicht immer wieder neu erfinden. Prozesse laufen deshalb schneller und effizienter ab. Und außerdem hat sie noch die Funktion der Sinngebung.

Unternehmenskultur hat einen starken Einfluss auf wesentliche Erfolgsfaktoren: den Grad der Identifikation mit dem Unternehmen, die damit verbundenen Akzeptanz- und Sympathiewerte, die Produktivität, den Innovationsgrad, die Kraft zur permanenten Neuausrichtung, den Führungsstil und schließlich alle organisationalen Strukturen und Prozesse.


Existenziell: Sinnerfahrung

Als veredelte Form kommt Unternehmenskultur in einer Sinn gebenden Unternehmenskultur zum Ausdruck. Unsere moderne Zeit mit ihrer Atmen beraubenden Dynamik, ihrer entfesselten Entwicklung, mit ihren neuen virtuellen Welten, mit dem Wandel der Werte und der immer kürzer werdenden Halbwertzeit von Planungen und Entscheidungen greifen tief in unser Leben ein und überfordern viele Menschen bei dem Versuch, sich anzupassen und mit der Turboentwicklung Schritt zu halten. Da wundert es nicht, dass psychische Erkrankungen auf dem Vormarsch sind und mittlerweile in den Gesundheitsreports der Krankenkassen die Ranglisten der Krankmeldungen anführen.

Bereits in den 30 Jahren des 20. Jahrhunderts wurde von dem weltweit anerkannten Wiener Psychiater und Neurologen Viktor Frankl eine Sinn- und Orientierungskrise der Moderne prognostiziert. Wie kein anderer hat sich Frankl mit der Sinnfrage befasst. Für ihn war das Kernproblem seiner Zeit eine - wie er es nannte  „existenzielle Frustration“, verursacht durch ein weltweit um sich greifendes vertieftes Gefühl der Sinnlosigkeit. Die von ihm begründete Sinntherapie, auch Logotherapie genannt, abgeleitet von dem griechischen Wort “Logos = der Sinn“, hat von ihrer Aktualität nichts verloren und wird heute weltweit angewendet.

Das Bedürfnis nach Sinn ist nach Frankl das menschlichste aller menschlichen Bedürfnisse. Es zeichnet den Menschen aus, dass die Befriedigung der Grundbedürfnisse ihm allein gerade nicht ausreicht. Wenn die Frage: „Wofür lohnt es sich zu leben“ unbeantwortet bleibt, dann ist die Gefahr groß, dass ein Mensch sich in den Gefühlen der Leere und Sinnlosigkeit verliert und an Leib und Seele erkrankt.

Um sich der Sinnfrage zu nähern, müssen wir sie nach Frankl aus einer ganz neuen Perspektive betrachten: Nicht wir sind es, die fragen, vielmehr sind wir die vom Leben Befragten und müssen, jeder für sich selbst, die Antwort auf konkrete Lebensfragen geben. Lebenssinn ist also immer etwas Einmaliges und höchst Individuelles. Er kann nicht verabreicht werden, er muss von jedem selbst immer wieder aufs Neue gefunden werden.


Quellen der Sinnschöpfung

Sinnsuche kann Arbeit sein. Die Fleißigen stellen sich in den Dienst des Lebens, suchen nach ihren Lebensaufgaben, sehen sich als Gestalter. Sie haben sich innerlich befreit von blockierenden Überzeugungen und sich damit frei gemacht für „Das sich Einlassen auf andere Menschen, auf Aufgaben und neue Herausforderungen“. Zu der „Freiheit von und für“ kommt als weitere Dimension der Sinnschöpfung die Verantwortung; das heißt, das Handeln immer wieder zu reflektieren, wozu auch gehört, das eigene Menschen- und Weltbild ethisch zu hinterfragen.

Voraussetzung für dieses Hinterfragen sind wiederum die Fähigkeiten, zu sich selbst auf Distanz gehen zu können (Selbstdistanz) und sich geistig ganz einer Sache bzw. einem Menschen zu zuwenden (Selbsttranszendenz).   
Die zentrale Frage zur Sinnschöpfung lautet also nicht“ Was kann das Leben mir geben?“ sondern: “Was will das Leben von mir?“ In dem ich Verantwortung für mein Leben übernehme und es in den Dienst an andere Menschen und mir bestimmte Aufgaben stelle, erfahre ich Sinn. Das ist auch die Grundhaltung, mit der Führungskräfte in ihrer Rolle als Sinnstifter in der sinnorientierten Unternehmenskultur ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern begegnen. Und diese müssen erkennen, dass der Preis für Freiheit Verantwortung ist.


Werte als Wegweiser

Wer nach dem Sinn sucht, kommt automatisch mit seinen Werten in Verbindung. Was sind Werte? Hier ein Definitionsversuch:

„Werte sind Orientierungen, Ideen, Haltungen, die für einen einzelnen, eine Gruppe oder Gesellschaft als wichtig und erstrebenswert gelten und die maßgeblich Handeln und Urteilen beeinflussen.“


Unternehmen bekommen viele Fragen

Der Shareholder Value ist ein wichtiger Wert für Unternehmen. Dennoch hat er als alleiniger Richtwert seine Berechtigung verloren. Vielmehr setzt sich immer mehr das Stakeholder-Konzept durch. Denn Unternehmen wirtschaften nicht auf einem fernen Planeten, sondern mitten unter uns. Und die Fragen nach dem Warum und Wofür kommen aus dem gesamten Umfeld des Unternehmens:

- Warum bietet ein Unternehmen eine bestimmte Dienstleistung, eine bestimmte Produktpalette an – wozu soll sie gut sein?

- Warum soll ich ausgerechnet das Produkt von dieser Firma kaufen? Welchen Beitrag leistet diese Firma für das Gemeinwohl?

- Wie verantwortlich geht das Unternehmen mit den Umweltressourcen um?

- Welcher Stil prägt die Zusammenarbeit mit Lieferanten und Netzwerkpartnern?
Warum ist es sinnvoll, mit dieser Firma zu kooperieren?

- Was bedeutet es, mit dieser Firma im Wettbewerb zu sein?

- Wie sieht es mit der finanziellen Wertschöpfung aus?

Für diese und viele andere Fragen der Stakeholder müssen Unternehmen heute und in Zukunft gute Antworten parat haben. Die Frage ist: Wie gut sind sie darauf vorbereitet?


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