Fortsetzung von »Sinn gebende Unternehmenskultur«

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Loyale Kunden sterben aus

Die Erwartungshaltung der Kunden geht heute über Qualität, angemessenes Preisleistungsverhältnis und exzellenten Service weit hinaus. Die immer besser informierten und anspruchsvolleren Kunden kaufen da, wo ihre Vorstellungen am besten erfüllt werden und wo ihre Kaufentscheidung Sinnstiftung und emotionalen Mehrwert versprechen. Das untermauert auch die jüngst veröffentlichte Studie DELPHI 2017 »Was Menschen morgen bewegt«. Darin heißt es u. a., dass Verbraucher stärker als bisher erwarten, dass Marken sowohl Nutzen als auch Sinn stiftend sind.

Kunden werden außerdem zunehmend moralisch sensibel für unternehmerisches Handeln, das sich gegen Mitarbeiter oder gegen das Gemeinwohl richtet. Es mehren sich bereits die Fälle, wo Unternehmen für ihr Fehlverhalten durch Kaufboykott abgestraft oder durch Protestaktionen geächtet werden. (Quelle: Future Managementgroup AG) Dieser Aspekt darf nicht unterschätzt werden. Was nützen z.B. kurzfristige Vorteile durch Personal-Einsparungen oder eine rigide Preispolitik, wenn dadurch langfristig die Sympathien dahin sind und der Ruf geschädigt ist? Die Güterabwägung zwischen materieller und immaterieller Wertschöpfung muss in Zukunft sehr viel sorgfältiger und weitsichtiger erfolgen als je zuvor; ansonsten laufen Unternehmen Gefahr, sich den Ast abzusägen, auf dem sie sitzen.


Mitarbeiter – Die Ansprüche an Arbeitgeber steigen

Mitarbeiter/innen erwarten heute weit mehr vom ihrem Arbeitgeber als das Bekenntnis: „Bei uns steht der Mensch im Mittelpunkt“. Mitarbeiter/innen wollen Wertschätzung erfahren, einen sicheren Arbeitsplatz haben, sich weiter entwickeln dürfen, an der Entwicklung und am Erfolg partizipieren, sie wollen in einem starken Unternehmen arbeiten, das Kontinuität und attraktive Bedingungen bietet und ein gutes Image hat und sie wollen eine ausgewogene Work-Life-Balance.

Vor dem Hintergrund des demographischen Wandels und dem immer knapper werden Angebot an Fachkräften wird der Mitarbeiter, die Mitarbeiterin zum kostbarsten Gut überhaupt. Das Werte-Set der Mitarbeiter/innen setzt hingegen neue Maßstäbe an Führung. Um diesen gerecht zu werden, müssen Führungskräfte heute und in Zukunft handverlesen ausgesucht werden, bevor man sie auf die Menschheit loslässt. Fachliche und methodische Kompetenzen oder gute rhetorische Fähigkeiten reichen da bei weitem nicht mehr aus.

„Wer Leistung fordert, muss Sinn bieten“ forderte schon in den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts Dr. Walter Böckmann, der Vordenker der Sinnorientierung in Wirtschaft und Gesellschaft. Die Kunst der Führung besteht künftig mehr denn je darin, für jeden Mitarbeiter /jeder Mitarbeiterin individuelle Sinnangebote am Arbeitsplatz zu machen. Unternehmen, die das nicht genügend würdigen, werden im Kampf um die Talente das Nachsehen haben.


Unter Beobachtung

Die Gesellschaft schaut heute sehr viel genauer hin, was Unternehmen so treiben. Seitdem Heuschrecken in der Arbeitswelt von sich reden machen, seitdem Entlassungswellen, Finanz- und Korruptionsskandale die Wirtschaft und Gesellschaft erschüttern, geht es mit dem Image von Manager/innen steil bergab. Unternehmen tun daher gut daran, sich darauf zu besinnen, wie sie ihre Glaubwürdigkeit erhalten und wie sie ihr gesamtes Umfeld begeistern und so zum unwiderstehlichen Magneten für alle Stakeholder werden.


Werttreiber der Zukunft

Fazit: In der sinnorientierten Unternehmenskultur ist der Mensch der Erfolgsfaktor Nr.1 und durch nichts zu ersetzen. Alle Anstrengungen müssen darauf abzielen, jedem Mitarbeiter und jeder Mitarbeiterin individuelle Sinnangebote zu machen. Dies ist die Quelle, aus der künftig Motivation und Spitzenleistung gespeist werden.

Die materielle und immaterielle Güterabwägung wird zur täglichen Herausforderung. Wertekonflikte müssen immer wieder neu reflektiert werden. Entscheidungen sind weitsichtig nach dem Säen- und Ernten-Prinzip vorzubereiten und zu treffen. Höchste Achtsamkeit und ein Gespür für den Zeitgeist gehören ebenso dazu wie eine in der Mitte der Gesellschaft verankerte Sicht auf die Herausforderungen unserer Zeit.

Im Zuge der Ethisierung gewinnt die ethische Kompetenz immer mehr an Bedeutung. Unternehmen werden an ihren Taten gemessen, denn diese lassen direkte Schlüsse auf ihr Welt– und Menschenbild und auf ihre gelebten Werte zu.

Begeisterung ist das Zauberwort für Erfolg. Unternehmen, denen es gelingt, immer wieder die Flamme der Begeisterung bei allen ihren Stakeholdern zu entfachen, können gelassen in die Zukunft sehen.


Schule der Sinnstifter

Eine Schlüsselrolle kommt in der sinnorientierten Unternehmenskultur
zweifellos den Führungskräften zu. Um dem Anspruch als Sinnstifter gerecht zu werden, ist permanente Persönlichkeitsbildung zur Förderung der ethischen, sozialen und emotionalen Kompetenz unerlässlich. Selbsterkenntnis steht dabei ganz oben auf dem Lehrplan.

Nur wer für sich herausgefunden hat, wo er steht und wofür kann für andere die Weichen stellen. Sinnvollerweise münden die Selbsterkenntnisse in einem persönlichen Lebensleitbild und in einem werteorientierten Tätigkeitsleitbild. Optimal ist es, wenn dann mit allen Mitarbeiter/innen ein solches werteorientiertes Tätigkeitsleitbild erstellt wird. Das dauert natürlich etwas länger und macht mehr Mühe. Aber die Mitarbeiter/innen erfahren so weit mehr Wertschätzung und ihre Arbeit und Aufgaben bekommen wesentlich mehr Tiefe mit einem solchem Leitbild, als wenn sie, wie in den meisten Stellenbeschreibungen üblich, auf ihre bloße Funktion reduziert werden.

Aus der Schuler der Sinnstifter kommen ferner die Architekten neuer sinnorientierter Berufs- und Arbeitswelten und – besonders wichtig- leidenschaftliche Talentsucher und Talententwickler. Letzteres sollte die  die vornehmste und wichtigste Aufgabe einer Führungskraft werden.


Prozess der Sinnorientierten Unternehmenskultur

Wie kann es gelingen, eine sinnorientierte Unternehmenskultur zu initiieren?

Zunächst muss ein Unternehmen sich darüber klar werden, welchen Sinnbeitrag es leisten will, welche Sinnvision es hat. Diese Vision findet dann in einem integrierten Leitbild mit bekundeten Werten und ethischem Selbstverständnis ihren sichtbaren Ausdruck. Das unter Mitwirkung bzw. Berücksichtigung der Stakeholder erstellte Leitbild gibt den Rahmen für die Corporate Identity vor mit Richtlinien für Corporate Design, Corporate Behaviour und Corporate Communications.

Dann gilt es, das Leitbild zum Leben zu erwecken und durch geeignete Strategien zur Implementierung in allen Bereichen des Unternehmens zu verankern. Besonders das Personalmanagement ist hier gefordert. Gilt es doch, durch geeignete Führungssysteme, Auswahlverfahren und Personalentwicklungsmaßnahmen genau die Menschen in das Unternehmen zu holen, weiter zu entwickeln und ans Unternehmen zu binden, die den Prozess der Sinnorientierung unterstützen und fördern.

Damit es überhaupt zu diesem Prozess kommt, braucht es Persönlichkeiten, Vorbilder aus der Schule der Sinnstifter, die die Philosophie von New Leadership vorleben. Die Initiierung des Prozesses ist die größte Hürde auf dem Weg zu einer sinnorientierten Unternehmenskultur. Einer / eine muss damit anfangen, muss die Erkenntnis mitbringen, dass es dieser Weg ist, der zum nachhaltigen Erfolg führt und entsprechende Ursachen setzen. Dazu ist zu sagen, dass es sicher 1000 mal wirkungsvoller ist, die Zeichen der Zeit zu erkennen und sich unverzüglich daran zu machen, eine sinnorientierte Unternehmenskultur zu entwickeln, als sie später aus einem ökonomischen Zwang heraus initiieren zu müssen.

Schließlich bedarf es noch einer Kontrollinstanz, nennen wir sie Leitbildkommission, die als Hüterin der Kultur darüber wacht, dass der Sinngenerator nicht zum Stillstand kommt und schädliche Einflüsse abgewendet werden. Und damit schließt sich der Kreis.


Mit Sinn zum Erfolg

Unternehmenserfolg ist künftig immer mehr eine Frage der geistigen Signatur der Unternehmensführung. Unternehmen, die sich sinnorientiert tief verwurzeln, haben die Kraft zu wachsen, reich zu blühen, viele Früchte anzusetzen und auch die Stärke, ihre Früchte zur Reife zu bringen. Damit fahren sie eine reiche Ernte ein, können sich multiplizieren und werden so zum Segen für sich selbst und für ihre Umwelt.


Quellen:

Böckmann, Walter: Wer Leistung fordert, muss Sinn bieten. 1984 Econ Verlag?

Böschemeyer, Uwe: Worauf es ankommt. Werte als Wegweiser, Piper Verlag 2003

Frankl, Viktor E.: Logotherapie und Existenzanalyse, Texte aus sechs Jahrzehnten, Beltz Verlag 2002

Greiner, Gabriela: Unternehmenskultur als kritischer Erfolgsfaktor bei Integrationsprozessen in Spitälern, Lizentiatsarbeit der Rechts- und Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Bern, 2001

Future Managementgroup AG:
www.futuremanagementgroup.com

Inqua-Bericht: Mitarbeiterorientierte Unternehmenskultur, Heft 22, S.13-22 (Kurzfassung Vortrag von Prof. Dr. Sonja. A. Sackmann: Unternehmenskultur(en)- begriff, Funktionen Wirkungen) 2006

Peters, Tom:
Re-Imagine Spitzenleistungen in chaotischen  Zeiten, Dorling Kindersley Limited London 2003

Pircher-Friederich, Anna Maria: Mit Sinn zum nachhaltigen Erfolg, Erich Schmidt Verlag 2007

Schein, Edgar: Unternehmenskultur: Ein Handbuch für Führungskräfte, Frankfurt/New York 1995



© 2008 Dr. Brigitte Wolter - brandinvest
Coaching Frankfurt



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Zur Person:
Dr. Brigitte Wolter war über 20 Jahre lang im Management tätig, davon zwei Jahre als Projektleiterin in einer Werbeagentur, 10 Jahre bei der Hoechst AG als Kommunikationsmanagerin und Leiterin der Werbeabteilung der Hoechst-Tochter Behringwerke AG und acht Jahre als Leiterin der Abteilung Corporate Communications und Public Affairs von Chiron Vaccines-Behring, einem internationalen Pharma- bzw. Biotechnologiekonzern.

Seit 2003 arbeitet Dr. Wolter selbständig als Management Coach und bietet unter der Marke brandinvest® [brandinvest = investieren Sie in Ihre Persönlichkeit/ in die Persönlichkeit Ihres Unternehmens] professionelles Coaching bei Entwicklungs- und Veränderungspro- zessen im persönlichen und unternehmerischen Umfeld an. Ihre Klientel profitiert von ihrer langjährigen Management- und Führungs- erfahrung sowie ihrer üergreifenden Methodenkompetenz und Expertise als zertifizierter Coach der Wirtschaft und ausgebildete Mentaltrainerin.


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