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Seit dem 15. Januar 2010 gibt es im bayerischen Memmingen eine Kinder-Universität für Nachhaltigkeit, KUniNA genannt. Kinder-Universitäten gibt es in fast jeder Großstadt. Hier finden von Zeit zu Zeit Vorlesungen statt, in denen rund 300 bis 500 Kinder und Jugendliche im Hörsaal von Professoren Wissen vermittelt bekommen. Die KUniNA in Memmingen geht einen anderen Weg. Den Initiatoren dieses Projekts geht es weniger um Wissen und mehr um ein besseres Verständnis für die Vernetzung unserer Welt. Im Vordergrund stehen Themen wie Ökologie, Ökonomie, Gesellschaft und Politik. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Heranführung an Themen wie Persönlichkeitsentwicklung, Konfliktlösung, Kommunikation, Toleranz und Wertschätzung.
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Herr Klein, Sie haben in Memmingen Deutschlands erste Kinder-Uni für Nachhaltigkeit (KUniNA) eröffnet. Was ist eine Kinderuniversität?
Matthias Klein: Im Jahr 2002 wurde die erste Kinder-Universität in Tübingen eröffnet. Kinder-Unis sind in vielen großen Städten in Deutschland, Österreich und der Schweiz mittlerweile an „richtige“ Unis angegliedert. An diesen Kinder-Unis finden ab und zu Vorlesungen statt, in denen einige Hundert Kinder einem Professor zuhören, der Ihnen in zwei Stunden erzählt, wie gewisse Dinge funktionieren.
Was unterscheidet Ihr Projekt KUniNA von herkömmlichen Kinderuniversitäten?
Matthias Klein: Unser Projekt unterscheidet sich gänzlich von den herkömmlichen Kinder-Unis. Zum einen setzen wir nicht auf die Vermittlung von Fachwissen im Sinne eines Frontalunterrichts. Vielmehr wollen wir durch Projekte und Planspiele, bei denen die Kinder Hauptakteure sind, ein tieferes Verständnis von der Vernetzung der Welt vermitteln. So wie es auf der Welt verschiedene Bedürfnis- und Interessengruppen gibt, so werden wir in den Planspielen diese Interessengruppen auf die Studentengruppen abbilden - Gruppengröße pro Kurs 15 Kinder.
Steht ausschließlich Wissen im Vordergrund?
Matthias Klein: Nein, ein zweiter wesentlicher Unterschied und für uns umso wichtiger ist, dass es uns in gleichem Maße auf das Entwickeln der eigenen Persönlichkeit der Kinder ankommt. In meinem Unternehmen Q.U.E.S.T.O Prosulting arbeite ich überwiegend mit Managern und sehe, dass oftmals erst im Erwachsenenalter wichtige Aspekte wie Selbstreflexion, Wirkung auf andere, Umgang mit Konflikten etc. zum Thema werden. Warum erst so spät? Gerade diesen Bereich wollen wir mit den Kindern erleben. Daher werden die Gruppen der KUniNA auch immer von erfahrenen Facilitators begleitet. Das heißt: raus aus der Inhaltsebene, rein in die Metaebene.
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Können Sie das konkretisieren?
Matthias Klein: Wir sehen eine große Kernkompetenz für wirklich alle Bereiche des Lebens in der zu entwickelnden Fähigkeit, von sich selbst Abstand nehmen zu können. Wenn wir uns selbst gegenübertreten können, uns beobachten können bei unserem Tun und bei unserem Denken. Wie denken wir? Was sind unsere Muster? Was macht mich wütend? Fragen dieser Art lassen sich nur individuell beantworten. Das ist ein Lernprozess, mit dem man nicht früh genug beginnen kann. Die Fähigkeit zur Selbstwahrnehmung und Selbstreflexion sollte eine Kernkompetenz von Führungskräften sein. Im Alltag vieler Unternehmen und Organisationen zeigt sich jedoch, dass nur wenige Führungskräfte diese Kompetenz tatsächlich besitzen.
Die sogenannten Soft Skills haben an Ihrer Kinder-Uni somit einen hohen Stellenwert?
Matthias Klein: Genauso ist es. Gerade in diesem Bereich sehen wir uns als Innovator. Die von mir angesprochenen Soft Skills sind weder in Schulen noch in sonstigen Einrichtungen ein großes Thema. Häufig sind auch die Lehrkräfte nicht entsprechend ausgebildet und qualifiziert. Die Initiatoren, Dozenten und Unterstützer der Kinder-Uni Memmingen glauben, auch durch die Wirtschaftskrise angestoßen, dass rund um Aspekte wie Soft Skills, Persönlichkeitsentwicklung, Selbstreflexion, wertschätzender Umgang mit der eigenen Person und mit Mitmenschen etc. ein sehr großer Entwicklungsbedarf besteht.
Wer darf Ihre Kinder-Uni besuchen?
Matthias Klein: Der dritte wesentliche Punkt ist, dass wir Kinder aller Bildungsniveaus aufnehmen. Uns geht es nicht um Eliteförderung. Bildung hängt in Deutschland leider auch vom Geldbeutel ab. Diesen Fatalismus wollen wir durchbrechen. Bildung heißt für uns vor allem: Toleranz, Empathie, Wertschätzung seiner andersartigen Mitmenschen, die gleichwertig sind, ein Recht auf Achtung und Respekt haben.
Bei Ihrer Eröffnungsveranstaltung gehörte der bekannte Neurobiologe, Arzt und Psychotherapeut Prof. Joachim Bauer zum Kreis der Referenten. Was genau verbindet den Herausgeber von Büchern wie z. B. »Warum ich fühle, was du fühlst« oder »Das kooperative Gen« mit der Kinder-Uni Memmingen?
Matthias Klein: Prof. Joachim Bauer, den ich schon privat getroffen habe und der auch im Bereich Schulen sehr viel macht, war so freundlich, die Eröffnung der KUniNA ehrenamtlich zu begleiten. Er ist genau dort Spezialist, wo Bedarf herrscht: Erfahrungslernen (siehe hierzu auch: Spiegelneuronen), Kooperation statt Konkurrenz, Integration statt Diskriminierung und Einfühlung statt Bewertung. Prof. Bauer vermittelt fundiert und wissenschaftlich begründet, was wir in Unternehmen bei Führungskräften seit Jahren „predigen“: Menschlichkeit.
Und je früher Menschen sich damit auseinandersetzen, desto nachhaltiger ist die Persönlichkeitsentwicklung. Es geht uns nicht um Moralisieren. Vielmehr um die Erkenntnis, dass jedes individuelle Handeln große Wirkungen in der Welt hat.
Wer sind die Köpfe hinter der KUniNA?
Matthias Klein: Die Kinder-Uni Memmingen wird von Menschen vorangetrieben, die eine besondere Vision verbindet. Zum Team gehören Michael Katzenberger, ein Architekt aus Memmingen, Mandy Mittank, Personalreferentin eines Memminger Unternehmens, Peter Stütz, selbstständiger Unternehmensberater, Alexander Bohn, Apotheker in Memmingen. Wir sind alle hoch motiviert und haben in den Phasen seit der Ideengenerierung viel über uns selbst lernen können. Wir wollen einen aus unserer Sicht wichtigen Beitrag leisten, um die uns anvertrauten Kinder zu fördern und unsere Welt lebenswerter zu machen.
Hat die Kinder-Universität Memmingen einen Bezug zu Ihrem Unternehmen Q.U.E.S.T.O Prosulting?
Matthias Klein: Bei Q.U.E.S.T.O Prosulting dreht sich alles um das Erfahrungslernen und die Entwicklung von Führungskompetenzen. Dieser Aspekt findet sich auch in der Arbeit der KUniNA wieder. Bei Interesse bieten wir unsere für Unternehmen und Führungskräfte konzipierten All-embracing Leadership Seminare in Kooperation mit der Kinder-Uni Memmingen an. In diesem Fall werden 10 Prozent der Erlöse an die Kinder-Uni abgeführt. Auf diese Weise verbinden wir die Bildung erwachsener Führungskräfte mit der Bildung zukünftiger Führungskräfte. Besser geht es doch nicht, oder?
Herr Klein, vielen Dank für dieses Interview.
Links zum Thema:
KUniNA: Kinde-Universität für Nachhaltigkeit, Memmingen
Q.U.E.S.T.O PROSULTING: Führungskompetenz durch reales Führen in einer komplexen Führungssimulation entwickeln
Interview: Matthias Klein im Gespräch mit Prof. Dr. med. Joachim Bauer: »Menschen benötigen ein Minimum an sozialer Akzeptanz, andernfalls werden sie krank.«
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