Jane Roberts: Gespräche mit Seth
Eine Buchrezension von Markus Schmidt

Das Buch “Gespräche mit Seth” von Jane Roberts ist in zwei Teile aufgeteilt: Teil I: Realität, Wahrnehmung, Seele und Teil II.: Tod, Reinkarnation, Natur, Schöpfung und Gott. Es beschreibt eine Sicht auf die Welt, das viele esoterische und psychologische Themen
streift (Leben, Tod, Reinkarnation, Träume, Bewusstseinszustände, Gottesmythen und Götter), diese Themen aber auch miteinander verbindet und unter der großen zentralen Aussage "Jedes Wesen schafft sich seine einene Realität" zusammenfasst.

Gespräche mit Seth ist ein gechanneltes Buch. Die Sprache ist recht nüchtern, d.h. heißt, ganz ohne die bei gechannelten Büchern oft vorhandene Schwülstigkeit ("oh höret", "und ich sage euch", "es wird geschehen"). Die Autorin Jane Roberts spricht für ein Wesen, das sich selbst Seth nennt und Seth diktiert ein vollständiges Buch. Zuvor hatte Seth ca. 7 Jahre lang nur für die Fam. Jane Roberts und Robert Butts mehr oder minder privates Material diktiert.

Bewertung:

Gleich vorweg: Dieses Buch ist eine Klasse für sich und verweist 95% der esoterischen und spirituellen Literatur was Vollständigkeit, Diffe- renziertheit, undogmatisches Auftreten und Schlüssigkeit angeht, eindeutig auf die hinteren Ränge. Dafür kann es wegen seiner Nüch- ternheit überhaupt nicht in der Kategorie "Wohlfühlfaktor" punkten.

Gott ist in jedem Menschen und Wesen
Es füllt schlüssig die Lücke, welche die Erleuchtungs-Literatur zwischen der pyhsischen Welt und dem Alles-ist-Gott-Erlebnis lässt. Ja, auch hier wird dargestellt, dass die Welt, wie wir sie kennen, nicht alles ist. Aber wenn man lernt, die Illusion zu durchschauen, ist dort nicht gleich das große Nichts. Stattdessen neue Fülle und Vielfalt der Lebens- und Entfaltunsmöglichkeiten. Die Welt - sprich Illusion - ist weder gottbestimmt noch vorbestimmt, sondern eine eigene Schöpfung, in der jeder den Weg bestimmt. Jeder ist der Schöpfer und die Fähigkeit dazu ist das eigentliche, was gemeinhin als "Gott ist in jedem Menschen und Wesen" gemeint ist.

Diese Weltsicht ist, obwohl sie von der Illusion handelt, absolut lebens- und individualitätsbejahend und der Ausblick auf das Dahinter und Darüberhinaus schließt nicht ein Auslöschen und Gleichmachen des eigenen Selbst ein, auch kein Auflösen in der großen Seele Gottes, sondern ganz im Gegenteil eine Vergrößerung und Vertiefung der Individualität, eine Vergrößerung der eigenen Schöpfungsmög- lichkeiten und -fähigkeiten.

Abseits des esoterischen Mainstreams
Ein durchwegs aktiver, positiver, individualistischer Ansatz, der aber über die materielle Welt, wie wir sie kennen, weit hinausgeht. Die Erleuchtungs- und Ego-Überwindungsfraktion wird hier Zeter und Mordio schreien: Von wegen Stärkung des Ego, Entfernung von Gott ... aber hier liegt genau der fundamentale Unterschied des Seth-Materials zum aktuellen esoterischen Mainstream.

Soll heißen, die früher im esoterischen und spirituellen Zeitgeist so populären Ideen der Ego-Auflösung, Dualitätsverneinung, Erleuch- tung, usw. finden nicht statt, sondern werden statt dessen implizit in einen größeren Kontext gestellt.

Die Stärke des Buches liegt nicht so sehr in seiner Betrachtung der Einzelthemen, sondern in der Form, wie diese ineinander verklammert werden. So wird z.B. die Idee der Reinkarnation unter dem Gesichts- punkt der Zeitlosigkeit betrachtet (etwas, das ich bisher nirgends sonst gefunden habe und was sehr interessante Auswirkungen auf die Idee des Karma hat), verschiedene Religionen von ihrer dogma- tischen Hülle befreit usw.

Keine leichtverdauliche Kost
Die Schwäche des Buches liegt gleichzeitig in seiner Stärke, nämlich dass das Buch keine leichtverdauliche Kost ist und ein großes Maß an gedanklicher Flexibilität und eine heftige Portion Freigeist erfordert. Wobei Freigeist eben nicht nur bedeutet, über die Wissenschaft hinauszudenken, sondern auch die meisten der momentan populären religiösen und spirituellen Lehren als "irgend wie zu zu eng und unfle- xibel" zu erkennen, oder besser erkennen zu wollen.

Eine weitere kritische Hürde sind die kursiven Passagen aus dem tägl. Leben, die das Buch streckenweise zerfasert wirken lassen, weil man gleichzeitig zwei Handlungsstränge liest. (Überspringen des kursiven Texts ist aber relativ unproblematisch, auch wenn dann die eine oder andere Bemerkung etwas kryptsich wirkt).

Fazit:

Das Buch ist ein Muss für alle, denen die sonstige Esoterik zu kleinteilig, zu dogmatisch, zu blumig oder schlichtweg zu unschlüssig wirkt. Es ist wertvoll für alle, die ein Problem damit haben, dass sich nach dem Tod alles in Gott auflöst, die mit Karma und Sünde irgendwie schwer klarkommen, die zu viel Spaß am Verstand haben, um ihn schlecht reden zu lassen und für all jene, denen die mit fernöstlicher oder religiöser Folklore beladenen Wege irgendwie suspekt vorkommen.

Nicht fündig wird, wer schnelle praktische Lebensberatung, einfache klare Antworten, blumige Sprache, esoterische Romantik oder den Reiz fernöstlicher Spiritualität sucht.

Weiterhin sei ggf. das Buch
"Die Natur der Persönlichen Realität" von Jane Roberts empfohlen, welches etwas größeren Praxisbezug und einen etwas leichteren philosophischen Unterbau hat.

Dieses Buch enthält die weltberühmten Botschaften von Seth, einem „Energieper- sönlichkeitskern, der nicht mehr in der physischen Form zentriert ist“. Jane Roberts erhielt diese Botschaften in Trance, ihr Ehemann Robert F. Butts hat sie aufnotiert.

Jane Roberts
Gespräche mit Seth
Von der ewigen Gültigkeit der Seele

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