Peter D. Zettel: »Zen«
Denken, Bewusstsein und Bewusstheit

In vielen Bereichen des täglichen Lebens macht sich der Mensch keine »Gedanken« über das, was er tut: Wer Hunger hat, holt sich etwas zu essen, ohne sich dabei zu fragen, warum er jetzt Hunger hat; er wird das tun, was für ihn richtig ist - er »weiß« intuitiv und er fragt nicht nach Ursachen und Hintergründen.

Wenn sich die Lebensumstände eines Menschen schwierig gestalten, er sich vielleicht sogar in seiner Existenz bedroht sieht, beginnt er »nachzudenken«: Er versucht die Situation »objektiv« wahrzuneh- men und wird damit zum außen stehenden Subjekt, zum Subjekt, das die Situation als etwas von sich Getrenntes wahrnimmt. Dies muss ganz klar gesehen und verinnerlicht werden: Mit dem Versuch, objek- tiv zu sein, stellt er sich gedanklich außerhalb der Situation. Denn deren Beobachter kann nicht Teil ihrer selbst sein, so wie das Auge sich selbst nicht sehen kann. Auch im Spiegel sieht das Auge niemals sich selbst, sondern immer nur das vom Spiegel erzeugte Abbild.

Unser Verstand trennt in Subjekt und Objekt
Weil aber verstandesmäßig-logisches Denken nur in Begriffen möglich ist, muss unser Denken die in Wirklichkeit nicht existierende Tren- nung in Subjekt und Objekt konstruieren. Durch die rein gedankliche Trennung der gesamten Situation in wahrnehmendes Subjekt und wahrgenommenes Objekt wird die Situation auf das »Problem« reduziert und der Mensch erlebt sich als getrennt, als selbst- und eigenständig und nicht mehr als Teil des Ganzen. (Siehe auch:
»Zeilinger und die Entdeckung des Subjekts« von Helmut Hille)

Die Physiker und Astronomen machen uns das Werden des Kosmos
mit der Theorie des Urknalls »nachvollziehbar und verständlich« und doch können sie die Frage nach dem Ursprung des Seins, nach dem Geist und dem Sinn, der Seele des Kosmos, damit auch nicht ansatz- weise erfahrbar machen. Die Urknalltheorie wird bei der Frage nach der Entstehung des Kosmos also nur den befriedigen, der sich mit einer mechanistischen Weltsicht abfindet, auch wenn alles Lebendige ein permanentes In-Frage-Stellen eines solchen Weltbildes, seiner Begrenztheit und Widersprüchlichkeit ist.

Wenn Beobachtung Realität aktiv kreiert
Wo man bereit ist, dieses reduzierte Weltbild aufzugeben, hat auch die moderne Physik, etwa in der
Quantenphysik, Hinweise und Fingerzeige auf den Urgrund des Seins: etwa in der Erkenntnis, dass auch die scheinbar unlebendige Materie der Atome »Bewusstsein«
hat und die Entwicklung einer Situation nicht als reines Ursache- Wirkungs-Phänomen verstanden werden kann, sondern, dass jede Situation eine Potenzialität und damit eine Vielzahl von Möglichkeiten hat, die von dem Beobachter nicht trennbar sind: Der Beobachter beeinflusst die Situation, ob er will oder nicht durch seine Vorstel- lungen und Erwartungen.

Auch wenn man sich selbst oder sein eigenes Verhalten als »Problem« wahrnimmt, geht durch diese Beobachtungen der Bezug zu sich selbst, zum eigenen Selbst, verloren. Die Folge ist, dass der Mensch nun versucht das Problem handhabbar zu machen und gedanklich zu verstehen. Er sucht nach einer psychologischen Methode, um Ursachen und Zusammenhänge zu beschreiben und um korrigierend eingreifen zu können. Methoden, die jedoch nicht in der Lage sein können, die Ganzheit der Situation zu erfassen, weil Methoden das nicht können, so wie die Methode »Auto fahren« das Wesen der Fortbewegung nicht erfahrbar macht.

»Integrale Psychologie« als ganzheitliche Psychologie
Will die Psychologie die menschliche Psyche in ihrer Ganzheit begreifen, dann muss sie über den Alleingültigkeitsstreit verschiede- ner Schulrichtungen hinauswachsen. Sie muss ein integrales Modell entwickeln, welches allen ernstzunehmenden Philosophien und Theorien ihren Platz im Kosmos der menschlichen Psyche zuordnet und aufzeigt, welchen einzigartigen und unverzichtbaren Beitrag jede einzelne zu einem ganzheitlichen Verständnis des Bewusstseins und des menschlichen Lebens liefert. Genau das leistet die von Ken Wilber begründete Integrale Psychologie.

Sie basiert auf einem Modell, welches die Forschungsergebnisse und Erkenntnisse aller Schulen der "Wissenschaft von der Psyche" - von Ost bis West, vom Altertum bis in die Neuzeit - zum umfassenden Bild einer integralen Psychologie zusammenführt. Es ist damit eine neue Psychologie, die nicht nur heilen und korrigieren will, sondern die den Menschen anzuleiten vermag, seine psychische Gesundheit aktiv zu fördern und bisher schlummernde seelische Potenziale zu entwickeln.


Die Wiederentdeckung des Wesentlichen

Wesentlicher Bestandteil der integralen Psychologie ist die Höhen- psychologie, die man auch spirituelle Psychologie nennen kann. Sie hat einen wichtigen Vertreter in Victor Frankl, dem Begründer der "dritten Wiener Schule" der Psychotherapie nach Freuds Psychoana- lyse und der Individualpsychologie Adlers, der Logotherapie:

Nicht die Vergangenheit des Patienten wird analysiert. Die Logothe- rapie (gr. logos bedeutet Sinn und Wort) sucht vielmehr den Menschen für einen in die Zukunft weisenden Lebenssinn zu sensi- bilisieren. Frankl hatte festgestellt, dass innere Orientierungslosig- keit, Langweile und existenzielles Vakuum Krankheitssymptome der westlichen Gesellschaft sind. Philosophisches Studium, persönliche religiöse Erfahrung, und vor allem lebensgeschichtliche Ereignisse führten ihn zu den fundamentalen Existenzfragen, wie nach Leid, Schuld und Liebe. Das von ihm beschworene Heilungskonzept der kranken Gesellschaft von heute:

Verantwortung und Lebenssinn
Entdeckt der Mensch seine urpersönliche Verantwortung wieder, so bekommt sein Leben einen Sinn und sein Handeln erwächst nicht aus gedanklichen Konstrukten, sondern eben diesem Sinn. Schon Fechner, einer der Wegbereiter der Psychometrie, hielt die spirituelle Realität für ebenso wichtig wie die materielle Realität. Er sah beides als untrennbar an.

Wo aber kann der Mensch diese urpersönliche Verantwortung für das eigene Leben finden, wenn nicht in der Frage nach der Bedeutung der eigenen Existenz?

Es ist ein grundlegendes Bedürfnis des Menschen, die eigene Existenz mit einem Zweck, einem Ziel, einem Ideal zu verbinden, das er als größer, gewichtiger und zeitloser als die eigene Existenz erfährt; weil er so dem eigenen Gefühl der Sterblichkeit und Abgetrenntheit zu entkommen glaubt.

Dieses Bedürfnis ist nichts anderes als die Frage nach der Bedeutung der eigenen Existenz.

Die, die dieses innere Bedürfnis wahrnehmen und ihm nachgehen, sich auf die Suche nach der Wahrheit über die menschliche Existenz und damit auf die Suche nach sich selbst machen, wissen, dass sie Antworten auf ihre existenziellen Fragen weder in der Funktionalität ihrer Persönlichkeit noch in der psychischen Funktionalität, sondern nur im unmittelbaren Verständnis der eigenen Existenz finden können.

Erkenne dich selbst
Anders formuliert: Nur da, wo der Mensch den unmittelbaren, direkten Bezug zu sich selbst und zur eigenen Existenz verloren hat, muss er nach Antworten und Lösungen suchen, weil er die Situation in ihrer Ganzheit nicht mehr wahrnehmen kann, sich von ihr getrennt fühlt, den Bezug zur Situation und damit seine Handlungskompetenz verliert.

Manche sind sich dessen bewusst, manche nicht.

Doch wie kann es gelingen, den unmittelbaren, direkten Bezug zu sich selbst und zur eigenen Existenz (wieder-) zu finden? Die Antwort ist:


Es ist eine Frage der Bewusstheit.

Was aber ist Bewusstheit? Bewusstheit ist zuerst einmal ein Wort, das einen sehr komplexen Zustand der menschlichen Existenz zu beschreiben versucht, über den es wahrscheinlich keine einhellige Meinung gibt. Sich einer Sache bewusst zu sein bedeutet sie wahrzunehmen; aber auch, über sie nachzudenken. Bewusstsein ist somit erst einmal eine Funktion unseres Körpers, von Gehirn, Augen, Ohren und Händen etc. Wichtig ist es, auch den Verstand als eine körperliche Funktion der Wahrnehmung zu erkennen, mit der wir wie mit den Augen Bewusstsein erzeugen können: wir richten unsere Aufmerksamkeit auf etwas und nehmen so das »Sichtbare« war. Wenn wir uns dessen bewusst sind, dass wir Dinge mit unserem Verstand wie mit unseren Augen wahrnehmen, erkennen wir, dass wir in beiden Fällen immer nur die Oberfläche, eben das »Sichtbare« wahrnehmen. Die dahinter liegende Essenz, das Wesen der Dinge können wir mit diesen Körperfunktionen nicht wahrnehmen.

Dazu ist es notwendig, dass wir uns in den Raum der Bewusstheit, des transzendentalen Bewusstseins, begeben. Es ist keine Frage, dass es für jeden Menschen möglich ist, das Wesen der Dinge zu »spüren«, wobei ich mit »spüren« nicht die körperliche Wahrnehmung einer Berührung meine. Dieses innere Spüren wird leicht mit Gefühlen und Emotionen verwechselt, weil es sich in Gefühlen und Emotionen ausdrückt. Der Unterschied zu dem wahrgenommenen, dem sensorischen Gefühl wie zu dem durch Denken ausgelösten Gefühl (Wut, Angst, Ärger etc.) ist, dass das innere Spüren in einem über unseren Körper hinausgehenden, letztlich grenzenlosen Raum wahrgenommen wird.

Was ist Bewusstheit?
Ich bin mir bewusst, dass die Versuche Bewusstheit zu »erklären« jämmerlich und von vornherein zum Scheitern verurteilt sind, trotz- dem möchte ich versuchen, Ihnen einen, wenn auch holprigen, Eindruck hiervon zu vermitteln.

Was also lässt uns in den Raum des transzendentalen Bewusstseins eintreten?

Dazu ist es erforderlich, die Funktionen von
Denken, Verstand, Bewusstsein, Welt- und Selbstbild zu erkennen und die eigene Einstellung durch Selbstreflexion zu hinterfragen. Um in den trans- zendentalen Bewusstseinsraum eintreten zu können, müssen wir uns von falschen Vorstellungen befreien. Bewusstheit lässt sich nicht »machen«, nicht »herstellen« und es gibt dafür auch keine »Metho- de«. Sie ist außerhalb unserer willentlichen Einflussmöglichkeiten,
was aber nicht heißt, dass wir nicht den Raum dafür »vorbereiten« könnten.

Ein erster Schritt ist das innere "zu Ruhe kommen" - durch Meditation, bewusste Körperhaltung, regelmäßige Atmung und Klar- heit der Gedanken. Der »Effekt« dieser meditativen Haltungen ist, dass unsere körperlichen Wahrnehmungen (und auch das verstan- desmäßige Denken!) uns bewusster wird. Dieses Bewusstwerden unserer Wahrnehmung ist nicht nur ein Schritt der Öffnung hin zur Bewusstheit, sondern es »beruhigt« sensorische Wahrnehmung und damit verbundene gedankliche Aktivität.

Im nächsten Schritt geht es darum, eine hilfreiche Einstellung zur Frage des gedanklichen Klärens zu bekommen. Wenn wir erkannt haben, dass Nachdenken Objekt und Subjekt »erzeugt«, können wir auch erkennen, dass jedes bewusste Wahrnehmen Objekt und Subjekt erzeugt. Die Aufforderung, dann doch »ganzheitlich zu denken« ist zwar esoterisch wertvoll, ansonsten sinnlos, weil denken nicht ganzheitlich sein kann. Wenn wir im Zuge der Wahrnehmung und des Bewusstwerdens oder -seins Subjekt und Objekt gedanklich erzeugt haben, hilft es wenig zu sagen: Ich will jetzt nicht mehr Subjekt und auch nicht Objekt sein. Dies wird nicht funktionieren. Was aber möglich ist, ist die Ausrichtung zu verändern:

Verlagerung der Aufmerksamkeit vom Objekt auf das Subjekt
Wenn ich in die Subjekt-Funktion und -Falle gekommen bin, richtet sich meine Aufmerksamkeit auf das »außen stehende« Objekt. Verändere ich diese Ausrichtung der Aufmerksamkeit weg vom Objekt hin zum Subjekt und damit auf das Zentrum des wahrnehmenden Subjekts, richtet sich die Aufmerksamkeit auf das wahrnehmende Bewusstsein, also wahrnehmendes Bewusstsein wahrnehmenden Bewusstseins - einfacher ausgedrückt: Bewusstheit.

Dazu bedarf es der richtigen Einstellung zum eigenen Verstand bzw. wir müssen verstehen, was der Verstand ist, wie erarbeitet und wo er hilfreich und wo er hinderlich ist.

Statt vieler Worte möchte ich Sie auffordern, folgende Frage zu beantworten: Was ist vier mal vier? Sechzehn. Jetzt fragen Sie sich und machen sich bewusst: Wie haben Sie diese Antwort gefunden?

Den Verstand aus neutraler Perspektive beobachten
Dass Sie darauf keine Antworten finden werden, genauso wenig wie auf die Frage, wie Sie Ihre Haare wachsen lassen, lässt Sie den Verstand wie alle anderen Funktionen ihres Körpers als eben das erkennen: eine Funktion. Eine solche Funktion sind aber nicht Sie selbst, denn alles, was Sie wahrnehmen können, können Sie nicht
sein weil Sie - Sie erinnern sich - sich nicht selbst wahrnehmen können, so wie das Auge sich nicht selbst wahrnehmen kann. Wenn Sie Ihren Verstand genau beobachten, erkennen Sie, dass ihr Verstand nichts Übergeordnetes und schon gar nicht Sie selbst ist. Anders ausgedrückt: Sie sind nicht Ihr Verstand, sondern Sie haben einen Verstand. Genauso, wie Sie Bewusstsein haben, aber Ihr Bewusstsein nicht sind.

Das, was wir gemeinhin unter »Ego« verstehen, ist die Illusion des nicht kontrollierten Verstandes, »Ich« zu sein. Ein Ego, das sich als vom Rest der Welt getrennt erlebt. Unkontrollierter Verstand und Ego sind daher identisch.

In unserer Gesellschaft legen wir großen Wert auf unseren Verstand, wir sind stolz darauf. Daher fällt es uns erst einmal schwer, den Verstand richtig einzuordnen und ihn in seine Grenzen zu verweisen. Dies gelingt uns am leichtesten dann, wenn wir uns bewusst machen, dass der in uns mit Begriffen arbeitende Verstand niemals die Gesamtheit einer Situation und damit niemals die Gesamtheit des Lebens erfassen kann.

Verstand: Zwischen Erkenntnis und Täuschung
Das größte Hindernis des unmittelbaren Wahrnehmens ist unsere Verstandestätigkeit. Wenn Sie einmal ein Objekt, etwa eine Blume, über einen längeren Zeitraum hin wahrnehmen und dabei nicht Ihren Gedanken folgen, sondern die Aufmerksamkeit immer wieder auf das Objekt der Betrachtung hin ausrichten, wird sich eine andere Wahrnehmung der Blume einstellen; Sie werden die Blume selbst spüren, Sie werden zur Blume.

Echte Gewahrwerdung kommt also nicht umhin, den Verstand um Ruhe zu »bitten«, um die Grenzen des Verstandes zu entdecken. Sie werden entdecken, woher es kommt, dass der nicht relativierte Verstand einen Menschen daran hindert, er selbst zu sein, also authentisch und spontan er selbst zu sein.

Weil der Verstand letztlich nichts Eigenständiges ist, ist er sehr wohl in der Lage, sich seiner eigenen Grenzen bewusst zu sein. Das ist das Faszinierende an unserem Verstand. Er wird nur dann zum Herrscher unsere Gedanken, wenn wir ihm die Kontrolle überlassen.

Machen Sie sich bitte in diesem Zusammenhang bewusst, dass Sie
die Frage, wer wir, d. h. Sie sind, letztlich nicht beantworten können. Das braucht Sie jedoch nicht zu irritieren, denn wenn Sie wie oben beschrieben die Aufmerksamkeit auf das wahrnehmende Subjekt, den Wahrnehmenden, richten, also Bewusstsein des Bewusstseins und damit Bewusstheit erzeugen, treten Sie unmittelbar ein in die Erfahrung des »Ich bin«, des ursprünglichen »Ich«, der Essenz oder Grundlage Ihrer sichtbaren Existenz, Ihrer Person.

Die Folge davon wird sein,

   * dass Bewusstsein, Denken und Bewusstheit nicht mehr eins sein
  
* werden,
   * dass Ihre Bewusstheit über Bewusstsein zur Selbsterkenntnis
  
* und unmittelbaren Wahrnehmung führen wird,
   * dass Sie sich von den Bildern ihres Verstandes lösen werden und
  
* sich damit Ihr Ich-Bild neu bilden wird,
   * Dass Sie aufhören, sich ständig Fragen zur Erklärung der
  
* Situation stellen und vor allen Dingen,
   * dass Sie die Situation unmittelbarer wahrnehmen werden.

Bewusstheit: Freiheit von Denken, Urteilen und Bewertungen
Bewusstheit bedeutet, anzunehmen, was gerade da ist - was sich gerade zeigt. Das heißt, dass in der betreffenden Situation kein Urteilen, kein Denken, keine Bewertung und damit keine Ablehnung da ist. Ablehnung besteht aus Bewerten, Vergleichen und Herstellen von Bezügen (Erinnerungen) und ist damit niemals die Wirklichkeit selbst.

Durch die damit einhergehende gesteigerte Präsenz tritt die
Resonanz, die Sie mit allem, was in der Situation enthalten ist,
haben, unmittelbar in Ihr Bewusstsein.

An dieser Stelle kommt meist die Frage: "Und was muss ich jetzt tun?" Die Antwort ist: "Nichts."

Wir haben in unserer modernen Gesellschaft »gelernt«, dass man wenn man etwas erreichen will, auch etwas tun muss. Etwas erreichen setzt voraus, sich anzustrengen. Ich möchte dies mit einem Bild verdeutlichen:

Stellen Sie sich vor, ein Hamster rennt in einem Hamsterrad so schnell, dass er schon ganz außer Atem ist. Darum erzählen Sie ihm, wie schön es ist, nicht mehr in dem Hamsterrad zu rennen und statt dessen etwas Angenehmeres zu tun. "Aber," erwidert Ihnen der Hamster, "wie soll ich das denn anstellen?" Sie werden ihm zurufen: "Bleib einfach stehen!" Vielleicht haben Sie schon die Antwort des Hamsters: "Aber das Rad dreht sich so schnell, wenn ich nicht aufhören zu rennen, falle ich auf die Nase!"

Das Leben vieler Menschen lässt sich mit dem des Hamsters in seinem Rad vergleichen: Sie merken nicht mehr, dass sie selbst es sind, die das Hamsterrad am Laufen halten und nicht das Hamsterrad sie.

»Der eigene Gedanke ist genau wie das Echo eines Tons im leeren Raum - ohne Substanz. Zu denken, dass der eigene Gedanke ein festes Fundament besitzt, das ist Unwissenheit.«
Lin-chi

Dieses Zitat beschreibt exakt das Dilemma des modernen Menschen: Er ist sich der Bedeutung und Funktion seines Denkens nicht mehr bewusst. Zum einen glauben wir, wir müssten denken, wenn wir etwa einem Problem lösen oder etwas verstehen wollen; zum anderen sehen wir den Zusammenhang zwischen Gedanken und Gefühlen nicht mehr. Die Menschen halten ihre Gefühle für wahr, wirklich und echt. Wenn man aber, z. B. in einer Meditation, den dem Gefühle zu Grunde liegenden Gedanken erkennt und diesen Gedanken verstummen lässt, indem man ihn beobachtet, wie er aus dem Nichts entsteht und wieder in das Nichts vergeht, dann ändert sich auch das Gefühl sehr schnell - es endet einfach. Was bleibt ist Ruhe, Gelassenheit und etwas, was ich Glückseligkeit nenne - es ist einfach vollkommen so, wie es gerade ist.

Wenn sich unser Denken verselbständigt...
Ideen sind vielen Menschen wichtiger geworden als Handlungen. Viele Dinge tun wir nicht mehr wirklich, sondern nur noch im Kopf. Spätestens nach dem Aufstehen unter der Dusche laufen die ersten Szenarien ab. Wir beschäftigen uns mit dem Gespräch mit Herrn Maier, führen es sogar so, als stünde Herr Maier mit unter der Dusche. Können wir dann wirklich noch duschen, das Duschen genießen? Wenn wir innehalten und unser Denken beobachten erkennen wir sehr schnell, wie unser Denken geschieht und vor allen Dingen, wie es uns kontrolliert und beherrscht: Tu dies, mach das. Wer ist hier eigentlich der Herr im Haus: Sie oder Ihr Denken? Wieso maßt sich das Denken an, uns zu sagen, was wir tun sollen? Ständig sind wir gedanklich mit Dingen beschäftigt, die nichts mit dem zu tun haben, was wir gerade tun. Daher ist es kein Wunder, dass die Gedanken der Befürchtungen, der Unsicherheit und der Angst leicht die Handlungen der Menschen bestimmen. Sie fühlen sich getrieben und treiben sich doch nur selbst mit ihren Gedanken an.

Wenn Sie jetzt versucht sind, mir zu widersprechen, dann bitte ich Sie, nur einmal einen Gedanken genau anzuschauen, ihm nicht zu folgen: Sie werden sofort seine Unbeständigkeit erkennen. Gedanken sind nicht wirklich, aber sie erzeugen Bilder der Wirklichkeit in uns, wenn wir ihnen unsere Aufmerksamkeit schenken, und diese Bilder werden dann zur Wirklichkeit, weil sie unser Handeln beeinflussen.

Wer sich in den Zustand vollkommen Aufmerksamkeit begibt, der wird das Kommen und Gehen seiner Gedanken, ihre Unbeständigkeit erkennen, wird erkennen, wie das Gefühle und letztlich die Handlungen beeinflusst. Alleine durch dieses aufmerksame Gewahrsein kommt der Geist zu Ruhe und wir sind nicht mehr in Kontakt mit den Konstrukten unseres Gedanken, sondern mit dem Leben selbst.

Bewusstheit: Das Hamsterrad »Denken« verlassen
Wer sein Denken genau betrachtet, wer sich die Frage nach dem Anfang des Denkens stellt, der tritt ein in die Weite und Energie des transzendentalen Raumes des kosmischen Bewusstseins. Was sollten Sie also tun? Nichts anderes, als bereit sein, anzuhalten und bereit sein, zuberkennen, dass Ihr Denken Sie in einem Hamsterrad gefangen gehalten hat, das es selbst zum Laufen gebracht hat. Weil diese Erkenntnis über diese unsinnige Art des Lebens uns an uns selbst (ver-) zweifeln lässt, fällt es uns immer wieder so schwer, diese alten Gewohnheiten zu lassen. Es scheint uns beschämend, wahrnehmen zu müssen, Unsinniges getan zu haben. Und dann ist da auch noch, dass vielen Menschen von klein auf eingetrichtert wurde, wie wertlos sie doch sind, wie anstrengend das Leben ist, dass man kämpfen muss, um zu überleben. Und jetzt soll das alles nicht stimmen? Ein Kunde von mir sagt immer wieder, meine »Lehre« sei zu erkennen, dass alles im Grunde ganz einfach, ganz leicht ist. Und doch kann er es nicht lassen, Dinge zu verkomplizieren. Warum? Weil sich nur lieben kann, wer sich für liebenswert hält und weil nur der das Leben leicht nimmt, der nicht glaubt, dass man das Leben dann auf die leichte Schulter nimmt, wo doch das Leben hart ist.

Frage Sie mal die Blume in Ihrem Garten oder Ihre Katze, ob das Leben hart ist. Beide werden Sie ungläubig anstarren.

Aber, das ist nicht unsere persönliche Schuld, dass wir immer weiter im Hamsterrad rennen, weil jeder durch die gesellschaftlichen Umstände geprägt ist, in denen er aufgewachsen ist. Wem jedoch einmal die Einsicht in diese Zusammenhänge geschenkt wurde, der wird immer mehr darunter leiden, wenn er nicht die Einsicht entsprechend handelt. Mein erster Lehrer hat immer gesagt: »Jetzt, wo ihr es wisst, werdet ihr danach handeln müssen, wenn ihr nicht leiden wollt.»

Sie fragen sich jetzt, wie Sie den Zustand transzendentalen Bewusstseins erreichen können?

Durch Achtsamkeit, Bewusstheit, Konzentration, innere Sammlung, Kontemplation und Meditation, Klarheit der Gedanken, Klarheit der Sprache und Wesentlichkeit.

Sie fragen nach dem Weg dorthin?

Praktizieren Sie »Zen«, gehen Sie den achtfachen Pfad und handeln Sie nach dem Prinzip des wu-wei.

Im Guanzi heißt es:

»Das Meer weist kein Wasser zurück, deshalb ist es so groß. Der Berg weist keine Erde zurück, deshalb ist er so hoch. Ein weiser Herrscher verachtet keinen Menschen, deshalb ist sein Volk so groß.«

Buchempfehlungen von Peter D. Zettel

Peter D. Zettel

Viele versuchen ihr Leben zu meistern,
statt Meister des Lebens zu sein.

Seit 1981 ist es mein Beruf, Menschen zu beraten und sie zu unterstützen, Schwierig- keiten zu bewältigen und ihr Leben zu meistern. Dabei musste ich zunehmend erkennen, dass dieses "Das-Leben-Meistern" ganz offensichtlich nicht genügt - Erfolge waren selten von Dauer, grundsätzliche Entwicklungen die Ausnahme statt die Regel.
 

Ich begann zu verstehen, dass methodisches Wissen, sei es das des Anwalts, des Mediators oder des Coachs prinzipiell nicht geeignet ist, Antworten auf existenzielle Fragen zu finden. Genau das ist es aber, worum es den Menschen wirklich geht: Meister des eigenen Lebens sein zu können.

Jeder neue Weg, den ich erlernte und in meinen Beratungen nutzen konnte, brachte mich und vor allem meine Kunden weiter, aber letztlich nicht zu wirklich vollkommenen Lösungen. Heute habe ich mit DAOZEN einen Weg gefunden, der zu grundsätzlichen Lösungen führen kann.

Ich erkannte, dass ein Mensch erst dann seinem Wesen und seiner Bestimmung gerecht werden kann, wenn er sich selbst gefunden hat, denn erst dann kommt er wirklich in die Lage, sein ganzes Potenzial zu leben.

www.zettel.net
www.tao-der-philosophie.de