Fortsetzung »Evolution des Bewusstseins« (Peter D. Zettel)

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DER WEG DER ZEN-PRAXIS

Einer der mittlerweile stark vom Mainstream okkupierten Wege der Bewusstheit ist der Zen-Weg. Es geht ihm nicht viel anders als dem Yoga, das von einer spirituellen Tradition der Transzendenz und Transformation zum gymnastischen Gesundheitsangebot reduziert wurde. Ich denke viele, vielleicht die meisten Menschen assoziieren mit Zen (nur) Meditation, Achtsamkeit, mentale Stärke, innere Ruhe, Gelassenheit und Friedfertigkeit.

Doch das ist nicht Ziel des Zen. Meister Dogen sagt dazu:

»Den Weg zu studieren heißt sich selbst zu studieren, sich selbst zu studieren heißt sich selbst vergessen. Sich selbst zu vergessen bedeutet eins zu werden mit allen Existenzen.«

Das ist nun wirklich etwas ganz anderes als mentale Stärke oder Achtsamkeit. Es ist nichts anderes als vollkommene Bewusstheit und Vollendung.

Ich vermute, dass die meisten Menschen, die sich für Zen interessieren, sich dessen nicht bewusst sind. Sie suchen nach der Stärkung des eigenen Ich und nicht wie das Zen nach dessen Überwindung.

Die Essenz des Zen ist der Buddha-Geist, der erwachte Geist, vollkommene Bewusstheit. Der Name Zen leitet sich ja aus dem Chinesischen Chán ab. Das Schriftzeichen, mit dem Chán und Zen ausgedrückt werden (?), bedeutet auch Geist.

Zen taugt nicht zum Marketinginstrument und ist auch keine Methode der Persönlichkeitsentwicklung, sondern ein Weg der Bewusstheit und des Erwachens, der Evolution des Geistes.

Die häufigsten Einwände gegen eine grundlegende Zen-Praxis sind:

o Mir geht es doch gut, warum sollte ich etwas ändern?
o Hier bei uns im Westen funktioniert das nicht.
o Ich muss erst mal meine Probleme lösen.
o Meine Kunden / Partner haben dafür kein Verständnis.

Das erste und zweite Argument kommt meist von Menschen, die Zen noch nie wirklich praktiziert haben und zeugt von einer gewissen Arroganz, Ignoranz oder schlichtweg Kurzsichtigkeit gegenüber einer alten Tradition, deren Praktizierende immer wieder Besonderes geleistet haben. Und es hat wohl auch etwas mit der Boomer- Haltung zu tun.

Das dritte und vierte Argument zeugt von Unkenntnis der Potentiale der Zen-Praxis und wohl auch von der mangelnden Bereitschaft, sich selbst in allem Tun zu hinterfragen.

Nun ist Zen weit davon entfernt, jemandem die Welt erklären oder gar die Welt retten zu wollen. Wer sich für diesen Weg der Bewusstheit interessiert, sollte sich darüber Gedanken machen, ob er einen solchen Weg auch wirklich gehen will oder sich in seinem Leben nur ein wenig besser einrichten will.

»Die wenigsten Coaches und Berater und auch die wenigsten Therapeuten  haben ein Verständnis für das eigentliche Anliegen des Zen - und können es auch, der Enge ihres Gesichtswinkels wegen, nicht haben.

Aber es ist ihnen ein Leichtes, das im Sinne ihrer eigenen Blickrichtung Unzureichende in den Texten und Gedanken zu entdecken, ohne eigene Wege  anbieten zu können, die zu Einsichten und Antworten auf die Frage nach dem Ursprung des Lebens und der eigenen Existenz führen.«

Auch wenn diese Sätze anklagend klingen, sind sie doch wichtig, denn nur wenn einem dieser Umstand bewusst wird, kann man die eigene, innere Haltung erweitern hin zu einem Sich-Einlassen.

Der Weg der Bewusstheit, des Zen und der Mystik ist der Weg von der Effizienz und Effektivität zur Hingabe und dem Sich-Weihen, von der Ich-Zentriertheit der eigenen Person zum Bewusstsein der Einheit des Seins, von der Individualität zur Demut.

Wer nach innerer Freiheit und vollkommener Bewusstheit sucht, wird sie finden. Wer Erleichterung sucht, wird enttäuscht sein.


DANACH IST DAVOR

Der Weg der Bewusstheit ist ein stetiger Prozess und die einmal gemachte Erfahrung schützt uns nicht davor, wieder nicht-bewusst zu werden und in alte Muster zurückzukehren.

Die wirkliche Herausforderung besteht nicht in der Erfahrung des Numinosen und der bewussten Einsicht in das Wesen der Dinge, sondern in der Integration des Erfahrenen in das tägliche Leben.

Alleine der Anfängergeist bewahrt uns davor zu glauben, etwas erreicht zu haben und (wieder) den Verlockungen des Egos zu verfallen. Denn das Ego stirbt nie, weil es ja in Wirklichkeit auch nie wirklich existierte, ist es doch immer wieder nur Ausdruck der eigenen Selbstverleugnung, die in der illusionären Vorstellung besteht, es gäbe da ein »Ich«.

Der Anfängergeist macht uns immer wieder bewusst, dass wir in jedem Moment wieder von neuem den Weg gehen und uns nie der Illusion hingeben dürfen, »es« erreicht zu haben. Der Anfängergeist hilft uns in der Haltung des »Nicht-Wissens« zu bleiben.


WAS IST DAS EGO?

So wie es den Teufel nicht wirklich gibt, so gibt es auch kein wirkliches Ego. Der Teufel ist nichts anderes als die (Ver-) Leugnung Gottes, so wie das Ego die (Ver-) Leugnung des eigenen wahren Wesens ist.

Weder Teufel noch Ego sind existent, und dabei doch, manchmal sehr schmerzlich, real und wirklich. Und darum ist der Satz von Ken Wilber, das Ego müsse man rösten, nicht trösten, von so elementarer Bedeutung.

Wir sollten für unsere Unvollkommenheit keine Gnade walten lassen, keine Rechtfertigung und kein Akzeptieren ins Feld führen, denn sie zerstört uns und hindert uns an einem wahrhaftigen Leben.

Das Ego entfaltet sich in der Illusion eines eigenständigen, aus sich selbst heraus existierenden »Ich«. Dies zu erkennen ist von elementarer Bedeutung.


ZENDO UND SENSEI

Nur ein Buddha kann einen Buddha erkennen.

Es stellt sich immer wieder die Frage, ob man sich einem Meister oder Sensei anschließen sollte. Das hängt davon ab, ob man a) eine/n findet und ob man sich b) auf eine Arbeitsplattform verständigen kann.

Wie findet man eine/n Lehrer/in Sensei? Indem man sie/ihn erkennt. Einem bewussten Menschen zu begegnen ist, als würde sich ein Fenster in eine andere Dimension des Seins öffnen. Nur meist werden wir uns dessen nicht bewusst, das ist das einzige Problem dabei. Dahinter steht die Erkenntnis, dass wir alle Buddha-Natur haben, nur dass einige sie leben und einige eben nicht.

Hier ein paar Beispiele aus solchen Begegnungen:

»Als ich ihn fragte, ob  er die Antwort auf die Fragen an das Leben wisse, schaute er mich nur an, antwortete aber nicht. In diesem Moment wusste ich: Ja er weiß es.«

»Sie saß schräg vor mir auf einer Bühne, als sich unsere Augen begegneten. In diesem Augenblick, als ich sie ansah, war ich von einem solchen tiefen Frieden erfüllt, dass ich in Tränen ausbrach.«

»Es war, als hätte ich in das Buch Gottes geschaut.«

Das ist im wahrsten Sinn des Wortes der Beginn der Selbst-Erkenntnis.

Das einzige Problem ist, dass viele Menschen sich die Sicht aus diesem Fenster der Einsicht und der Bewusstheit leicht wieder durch die Interpretationen ihres Alltagsbewusstsein vernebeln lassen. Und sie beginnen, wieder mit ihrem alten Maß an Bewusstheit zu messen, das leider viel zu kurz und unzureichend ist.

So sehen sie dann in ihrem Lehrer den „Menschen wie Du und Ich“, fangen an zu nörgeln und zu kritisieren und bauen Widerstände auf, die sie sehr erfolgreich daran hindern, ihren eigenen Geist zuklären und zu entfalten. Sicher, ein bewusster Mensch, ein Lehrender sollte seine Psyche geklärt haben. Sollte! Aber Sie haben in ihrem Lehrer/in oder Sensei  keine/n Heilige/n zu erwarten, sondern einen bewussten Menschen und sonst nichts. Schon der Buddha lehrte, man solle nicht die Person verehren, sondern vielmehr die Weisheit, die eine Person lehren kann, und in der Annahme der Weisheit liegt der Weg zur eigenen Entfaltung, nicht in der Kritik an der Menschlichkeit dessen, der sie lehrt.

Darum ist es so elementar wichtig, sich auf eine gute Arbeitsbeziehung zu verständigen: Dialog statt Diskussion, sich einlassen können, nicht diskutieren, nicht glauben aber auch nicht in Frage stellen, sondern verifizieren. Auch die Teilnahme an einem Zendo ist hilfreich. Für die »richtige« Gruppe gelten dieselben Regeln wie für den Sensei.

Doch bitte verwechseln Sie den Dialog mit Ihrem Sensei nicht mit: „Ich fühle mich wohl, denn ich habe mal wieder ein Gespräch und tue etwas für mich!“ Ein guter Sensei wird Ihnen ziemlich auf die Nerven gehen. Denn das ist sein Job: Sie ständig aus Ihren Überzeugungen und Ihrer ganz persönlichen Komfortzone des Normalen herauszuholen.


DER WIDERSTAND: BOOMERITIS

Viele Menschen haben und erleben solche Momente der klaren Sicht und des vollkommenen Bewusstseins. So authentisch diese Zustände auch sind, sie werden doch sofort vom Verstand erfasst und durch das eigene Wissen interpretiert.

So wird authentische Spiritualität aus unserem kulturellen Verständnis heraus dann als anti-hierarchisch, relativistisch, und hauptsächlich als eine Angelegenheit des Miteinander, Unter- und Nebeneinander verstanden; »konzentriert auf sorgenden Dialog, eine demokratische Zurückweisung jeglichen Rangunterschiedes zwischen Lehrer und Schüler (der Sangha ist der Buddha), Ablehnung jeglicher Graduierung und Bewertung, Ermutigen einer Vielfalt von gleichermaßen gültigen Wahrheiten; Feststellen einer Pluralität von spirituellen Endgültigkeiten, Herunterspielen von Erleuchtung, da jegliche ‚höheren' Zustände irgendjemand marginalisieren könnten.

Der spirituellen Lehrers wird lediglich als ein gleichgestellter Freund gesehen, mit dem man den nichthierarchischen spirituellen Weg geht, Hand in Hand als Gleichwertige, wobei auf eine intensive Disziplin verzichtet werden kann und geleugnet wird, dass das Erwachen etwas anderes sei, als eben die Wäsche mit irgendeiner Art von Aufmerksamkeit zu waschen.« (Joan Hazelton)

Lesen Sie dazu die Artikel von E. Debold
»Die Boomeritis & ich«  und »Boomeritis-Buddhismus« von Joan Hazelton.

Was hier so angenehm klingt, verhindert die Evolution des Bewusstseins. Es sind Gedanken, die der Individualität und dem eigenständigen, über sich selbst bestimmenden „Ich“ entspringen. Doch genau das ist die Illusion, die uns ein Weg der Bewusstheit nehmen will. Es ist das größte Paradoxon, das wir in unserem Leben meistern und lösen müssen: In der Aufgabe unseres „Ichs“ uns selbst zu finden.


MEISTERSCHAFT

Meisterschaft liegt im Inneren, sie hat nichts Äußerliches an sich. Sie ist weder Legitimation noch Befähigung, sondern der Ausdruck vollkommener innerer Freiheit.

Das Einzige, was es zu tun gibt, ist vollkommen bewusst zu sein.

Dann - und nur dann - können wir wahrhaftig sein, was wir sind.

Gedanken und Philosophie des Dao-Zen gehen von der Erkenntnis aus, dass das Alltagsbewusstsein der Menschen sie daran hindert, zu sehen, was wirklich ist und sie dadurch den Kontakt zur Wirklichkeit verloren haben. Darum ist es notwendig, sich aus dem Netz der eigenen Gedanken, Konditionierungen, falschen Wahrnehmungen, mentalen Konstrukte und Tagträume zu befreien.

Nur der vollkommen bewusste Mensch erfährt den gegenwärtigen Augenblick und nur so ist er in der Lage, das Leben in seiner ganzen Fülle wahrzunehmen und wirklich zu sehen, was ist.

»Hör auf etwas sein zu wollen, sondern sei, was du bist!«


EPILOG: DER MYTHOS DES HEILIGEN GRAL

Der folgende Text wurde von Ekkehard Roepert geschrieben:

»Alles was durch Hervorhebung gekennzeichnet ist, sind die Themen des Amfortas-Projektes, die wir mit Sensei Peter üben, aussitzen, durcharbeiten, durchstehen und durchgehen wollen.

Parzival illustriert die Geschichte des Erwachens, das in der Begegnung mit Amfortas geschieht.

Wie viele, die etwas anderes erleben wollen, als eine Wiederholung ihrer Konditionierungen, bewegt sich Parzival erst mal orientierungslos durch die Welt. Weil er aus seinen Konditionierungen heraus handelt, macht er das, was sein Leid fördert. Er küsst die Frauen wie seine Mutter, hält sich an die höfischen Regeln und ist daher nicht offen für die Welt, etc. Er empfindet seine Suche nach dem Gral selbst als Kreisbewegung. Eines seiner großen Probleme: Parzival gehorcht den Verhaltensregeln seiner Mutter, die für ihn und von ihm vor allem eines will: Sicherheit.

Er soll bei ihr bleiben oder zumindest immer wieder zu ihr zurückkommen. Weil Parzival in seinem höfischen Kokon lebt, stellt er keine Fragen, die die Gewohnheiten in Frage stellen. Er fragt vor allem nicht nach dem Leid anderer, er zeigt kein Mitgefühl; ist nur damit beschäftigt, seinen Ruhm zu mehren und heldenhaft Frauen zu retten.

Weil er nicht wirklich weiß, wonach er sucht, verpasst er seine Chance, als er Amfortas begegnet. Amfortas ist der durch Leiden wissend gewordene Sohn des Titurel. Titurel ist der Ahnherr des Grals. Das oberste Gesetz des Grals lautet: Liebe statt Kampf.

Amfortas hat selbst gegen dieses Gesetz verstoßen. Jetzt ist er einem tödlichen Leiden ausgesetzt, könnte aber, von Parzival gerettet werden - durch eine einzige Frage: »Woran leidest Du?«

Der unbewusste Antrieb der Parzival-Energie in uns ist die Sehnsucht, Amfortas von seiner Wunde zu heilen. Oder uns selbst zu heilen, indem wir Amfortas verstehen. Doch um das zu erkennen, müssen wir wie Parzival erkennen, wer wir sind.

Wir müssen mit Parzival die Fragen klären: Wie verhindern wir durch Etikette und »höfliches« Benehmen den direkten Zugang zur Wirklichkeit? Und wie befreien wir uns von Konditionierungen, die uns am Sein hindern?

Wichtigste Übung dabei ist das: DA SEIN. Erst als Parzival DA ist, in der Gralsburg bewusst angekommen ist, können die ruhen, die seine Hilfe brauchen. Parzival ist deshalb so lange nicht DA, weil er seine Vergangenheit nicht kennt und nicht klärt. Daher: Klärung. Daher manchmal wohl auch so einfache Fragen von Dir, wie: Wann ist Dein Großvater geboren, wer war in welchem Krieg, etc.

Parzival ist lange nicht fähig, auf seine Potentiale zu blicken. Er ist beleidigt. »Für mich gibt es keine Osterfest«, sagt er. Er ist nicht mit Zen-Denken vertraut und dem Wissen der Bedingtheit aller Dinge. Ergo glaubt er nicht an den Wandel, an die Leerheit der Dinge und daher nicht an »sein Osterfest«.

Wichtigste Lektion Parzivals ist, die Kultur des Namaste zu lernen. Nur so kann er wie Amfortas durch sein eigenes Leid wissend werden.

Auf der körperlichen Ebene kann die Verbeugung (das Namaste) nur gelingen, wenn man sich vorher ganz aufrichtet. Eine vollkommene Verbeugung gelingt nur aus der vollkommenen Aufrichtung.

Aufrecht sein hat darüber hinaus den Vorteil, den Kopf oben zu tragen, was sich unerschrocken und geradlinig anfühlt. Wer sich zur vollen Größe aufrichtet, nimmt den Raum ein, der ihm zusteht. Für mich ist das die Grundübung des friedvollen Kriegers: Die universale Haltung der Aufrichtigkeit und Wahrhaftigkeit zu praktizieren. Ist auch eine Grundübung des Thai Chi.

Namaste!«

Peter D. Zettel

Viele versuchen ihr Leben zu meistern,
statt Meister des Lebens zu sein.

Seit 1981 ist es mein Beruf, Menschen zu beraten und sie zu unterstützen, Schwierig- keiten zu bewältigen und ihr Leben zu meistern. Dabei musste ich zunehmend erkennen, dass dieses "Das-Leben-Meistern" ganz offensichtlich nicht genügt - Erfolge waren selten von Dauer, grundsätzliche Entwicklungen die Ausnahme statt die Regel.
 

Ich begann zu verstehen, dass methodisches Wissen, sei es das des Anwalts, des Mediators oder des Coachs prinzipiell nicht geeignet ist, Antworten auf existenzielle Fragen zu finden. Genau das ist es aber, worum es den Menschen wirklich geht: Meister des eigenen Lebens sein zu können.

Jeder neue Weg, den ich erlernte und in meinen Beratungen nutzen konnte, brachte mich und vor allem meine Kunden weiter, aber letztlich nicht zu wirklich vollkommenen Lösungen. Heute habe ich mit DAOZEN einen Weg gefunden, der zu grundsätzlichen Lösungen führen kann.

Ich erkannte, dass ein Mensch erst dann seinem Wesen und seiner Bestimmung gerecht werden kann, wenn er sich selbst gefunden hat, denn erst dann kommt er wirklich in die Lage, sein ganzes Potenzial zu leben.

www.zettel.net
www.tao-der-philosophie.de




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