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Liebe Leserin, lieber Leser,
"Hallo", leben Sie noch?
Mein letzter Newsletter vom 12. März ist nun schon eine Weile her und damals machte ich mir so meine Gedanken, wer denn im Falle einer Vogelgrippe-Pandemie von Ihnen noch übrig bleiben würde.
Der in den Medien aufgebauten Bild- und Gefühlskulisse zu Folge, fing alles ja ganz klein an. Irgendwo in Asien, ganz weit weg, da gab es diese zu tiefst beängstigende Gefahr. Dann dauerte es einige Zeit, bis erste Berichte aus der Türkei zu sehen waren. "Huch" dachte ich mir, "das Ding kommt ja langsam näher!?" Und je näher es kam, um so stärker und emotionaler wurde auch die Medienberichterstattung. Und dann der absolute Hammer: Die Vogelgrippe landete auf der Insel Rügen, die Bundeskanzlerin auch. Wer die Insel verlassen wollte, wurde von ABC-Schutztrupps entseucht. Tiere wurden in Massen gekeult und in Zeitung, Radio und TV ging es im Studentakt Schlag auf Schlag weiter: Immer mehr Tiere waren betroffen, immer mehr Regionen. Hollywood zu Besuch in Hartz-IV-Land.
In Düsseldorf starben zeitnah zwei junge Mädchen, welche die glei- che Schule besuchten und lösten damit eine tiefe Beunruhigung in der ganzen Region aus. Viele Eltern dieser Schule hatten kein Ver- trauen in die Aussage der Schulleitung, wonach die beiden tragischen Sterbefälle absolut nichts mit der Vogelgrippe zu tun hatten und darüber hinaus auch noch durch unterschiedliche Ursachen zu er- klären waren. "Am Tag danach" blieben viele Schüler zu Hause. Den Fakten zum trotz breitete sich die Vogelgrippe "gefühlt" in der Region Düsseldorf aus.
Betrachte ich die über die Medien vermittelte Bilder- und Gefühlsku- lisse im Zeitverlauf, so lässt sich hier eine Kurve zeichnen, welche zunächst langsam und dann immer stärker und stärker ansteigt. Der Höhepunkt wurde erreicht, als die "gefühlt" dramatischen Berichte von der Insel Rügen von neuen Nachrichten abgelöst wurden, wo- nach das Virus nun plötzlich an unterschiedlichen Stellen im ganzen Bundesgebiet und in weiteren Tierarten identifiziert wurde. Wenn nun schon die Bundeswehr auf Rügen einmarschiert, Angela Merkel sich einschaltet, die Medien auf allen Kanälen fast nur noch ein Thema haben und wenn das alles nichts nutzt.
Wer bleibt dann am Ende von Ihnen noch übrig?
So, nun haben wir aber den 5. Juni und damit einige Wochen später. Ist Ihnen etwas aufgefallen? Ziemlich ruhig ist es geworden um die Vogelgrippe. Die menschliche Überlebensrate in "Mitteleuropa" liegt bei exakt 100%. Und was wir hier beobachten konnten, ist ein Phänomen der Kommunikationsgesellschaft zu Beginn des 3. Jahr- tausends:
Die Berichterstattung, sei es im Mittelalter von Mund zu Mund oder heute über Zeitung, Radio, TV und Internet, war zu keiner Zeit in der Lage, ein realistisches Abbild unserer Welt zu geben. Berichterstat- tung erfolgte und erfolgt immer gesteuert durch die unzähligen Filter eines Menschen, angefangen von seinen Wertvorstellungen und Überzeugungen bis hin zu seinen Grenzen, Realität überhaupt ge- danklich und über seine Sinne wahrnehmen zu können. Die moderne Neurobiologie geht hier sogar noch einen entscheidenden Schritt weiter, indem sie vermutet, dass Menschen als Individuum und als Gruppe "wahrgenommene Realität" kreativ und aktiv erzeugen. Übertragen auf die Berichterstattung zum Thema Vogelgrippe be- deutet dies, dass hier eine Bilder- und Gefühlskulisse geschaffen wurde, welche sich in hohem (!) Maße von den reinen Fakten ent- koppelte. Und schon der Begriff "Fakten" ist in diesem Zusammenhang irreführend. Jeder einzelne Tatbestand wirkt sich für uns erst dann aus, wenn er in irgendeiner Form MENSCHLICH INTERPRETIERT wird. Und über die angemessene Interpretation einer wie auch immer gelagerten Situation gehen die Meinungen gravierend auseinander.
Nun ist das Beispiel Vogelgrippe eines von unendlich vielen. In den Medien wird fast wöchentlich sprichwörtlich irgendeine Sau durchs Dorf gejagt. Mit einer gewissen zeitlichen Verzögerungen entsteht dann häufig ein vollkommen neues Bild, nach dem die ersten Ein- schätzungen und Bewertungen unangemessen und übertrieben waren. Dies gilt besonders dann, wenn sich Berichte, Bilder und Gefühle förmlich überschlagen. Eine vollkommen neue Qualität hat die Geschwindigkeit und Multimedialität, mit der sich Nachrichten inzwi- schen mittels Bild und Ton verbreiten. Die Überflutung mit dramati- schen Bildern und bedrohlichen Nachrichten führt zu einer Emotiona- lisierung, welche es im historischen Vergleich nie zuvor in dieser Dimension gab. Die Medien- und Kommunikationsgesellschaft erfordert daher, so meine persönliche Überzeugung, die Fähigkeit zum Umgang mit Nachrichten, Bildern und Gefühlen. Was für eine Fähigkeit das genau ist, das kann und will ich Ihnen an dieser Stelle nicht sagen. Vielleicht geht es um eine angemessene Balance zwischen konstruk- tiver Offenheit, vertrauensvoller Übernahme gelieferter Informationen auf der einen Seite und Distanz, Skepsis und Abgrenzung auf der anderen Seite. Die subjektiv richtige Balance muss jeder Mensch für sich selbst herausfinden.
Gut, dass Sie noch leben!
Ihr Claus Fritzsche
P.S. Übrigens, ist Ihnen die große inhaltliche Bandbreite des Begriffs "Fünflinge" (MP3) bewusst?
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HELMUT HILLE: ZEILINGER UND DIE ENTDECKUNG DES SUBJEKTS Helmut Hille ist Philosoph und sein Arbeitsschwerpunkt liegt im Bereich erkenntniskritischer Studien. Er hielt das folgende Referat während der 69. Jahrestagung der Deutschen Physikalischen Gesell- schaft (DPG) als Mitglied des DPG-Arbeitskreises Philosophie anläss- lich des Einsteinjahrs 2005 an der TU Berlin. Hille bezieht sich auf das Buch “Einsteins Schleier. Die neue Welt der Quantenphysik” und geht der Frage nach, inwiefern die naturwissenschaftliche Trennung zwi- schen Beobachter (Subjekt) und beobachtetem Objekt aus erkennt- nistheoretischer Sicht sinnvoll und haltbar ist.
Helmut Hille: Entdeckung des Subjekts
STIFTUNG WARENTEST: "DIE ANDERE MEDIZIN" Wenn schon der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie (BPI) in einem Akt diplomatischer Untertreibung die Ergebnisse der Stiftung Warentest mit “Verwunderung” zur Kenntnis nimmt und im DEUTSCHEN ÄRZTEBLATT eine vernichtende Kritik publiziert wird, wenn mit Prof. Karl Ludwig Resch ein Forscher seinem befreundeten Kollegen Prof. Edzard Ernst (Schlussgutachter des Buches) helfen will, ihn in Wirklichkeit jedoch schwer belastet, dann lohnt sich ein Blick in das Echo zum Buch “Die Andere Medizin”. Unterhaltungswert bekommt der Sachverhalt durch die Sprach- und Hilflosigkeit seitens der Stiftung Warentest. Anstatt die Argumente der Kritiker konstruk- tiv aufzunehmen und einen Dialog zu starten, verfällt die zu Neutra- lität verpflichtete Stiftung in eine Reaktion wie weiland Ex-Außenmi- nister Fischer in der Visa-Affaire.
Stiftung Warentest: "Die Andere Medizin"
H.Blog: "Die Andere Medizin": Hinter den Kulissen
H.BLOG: HOMÖOPATHIE & FORSCHUNG Im letzten Newsletter wurde noch "Jürgen Hofäckers H.Blog" ange- kündigt. Die endgültige Version heißt nun "H.Blog: Homöopathie & Forschung". H.Blog verfolgt das Ziel, eine Brücke zwischen der wissenschaftlichen Erforschung der Homöopathie und interessierten “Nichtforschern” zu bauen. Viele Medien berichten fragmentartig über die Homöopathie. Kein für Laien frei zugängliches Medium informiert bisher gezielt über die wissenschaftliche Erforschung der Homöopa- thie. Diese Lücke will H.Blog schließen und sich darüber hinaus auch zu themennahen Aspekten äußern. Mitbegründer des H.Blogs ist Jürgen Hofäcker. Dr. Christian Ullmann, langjähriger (inzwischen pensionierter) Redakteur der Südeutschen Zeitung und Herausgeber des Buches "Fakten über ,die andere Medizin" folgte nun als profun- der Kenner der Materie mit wissenschaftstheoretischem Hintergrund. Und mit Prof. Harald Walach steht ein Forscher, u.a. Herausgeber der renommierten Zeitschrift FORSCHENDE KOMPLEMENTÄRMEDIZIN, als Wissenschaftlicher Beirat beratend zur Verfügung.
Über H.Blog: Homöopathie & Forschung INTEGRAL.BLOG: INTUITION & NICHTWISSEN IM BUSINESS Vernunft und Wissen waren Helden, denen wir beinahe alles im Business untergeordnet hatten: Der Homo Oeconomicus beherrschte knapp 100 Jahre die postindustrielle Wirtschaftswelt, bevor er all- mählich in der Wissensgesellschaft altersschwach wird. Vernunft und Wissen flankierten und schirmten ihn ab vor den Attacken des Irra- tionalen und Nichtwissens. Unter Ausnutzung aller Informationen kam er rational zu einem berechenbaren Urteil, auf das Verlass war. Dieses Triumvirat kam jedoch in den letzten Jahren ins Straucheln. Mittlerweile spricht sich auch in der Betriebswirtschaftslehre herum, dass der bewusste, wissende und vernünftige Verstand längst nicht der Weisheit letzter Schluss ist. Zwei Aspekte lassen sich nicht mehr leugnen: Erstens hat sich unsere Datengrundlage dramatisch verän- dert. Wir haben infolge unserer IuK-Technologien längst viel zu viele Daten. Die Globalisierung trägt ihren Teil dazu bei, indem sie die Marktdynamik und Komplexität ohne Unterlass steigert. Das heutige und erst recht zukünftige Ausmaß an Daten und Komplexität ist nicht mehr beherrschbar. Zweitens wird immer deutlicher, das Menschen nicht den Regeln des virtuellen Homo Oeconomicus folgen. Sie treffen ihre Entscheidungen unter Einbindung unkontrollierbarer Gefühle und Intuitionen. Mehr noch: Diese Gefühle und Intuitionen sind die unbe- dingte Grundlage intelligenter Entscheidungen! Was wir in Zukunft also brauchen, sind Unternehmenskulturen, die Nichtwissen und Intuition konstruktiv in ihren Alltag integrieren.
integral.blog von Dr. Andreas Zeuch
"ICH SCHAFFS!": SOFT SKILLS FÜR KINDER Stellen Sie sich folgende Situation vor: Sie sind Mutter oder Vater eines lebhaften Jungen (Thomas, 7 Jahre) und seine Lehrerin spricht Sie wie folgend an: “Thomas verhält sich gegenüber seinen Mitschü- lern aggressiv.” Wie fällt Ihre spontane Reaktion auf solch einen Kommentar aus? Bedanken Sie sich für den wertvollen Hinweis? Oder fühlen Sie sich angegriffen und verweisen darauf, dass sich Thomas zu Hause ganz normal verhält, in der Klasse immer wieder Angriffen ausgesetzt ist bzw. das Verhalten von seinem Vater oder seiner Mutter (jedenfalls nicht von Ihnen) geerbt hat? - Stellen Sie sich nun vor, die Lehrerin Ihres Sohnes würde den Sachverhalt in vollkommen anderer Form ansprechen. Sie würde das problematische Verhalten Ihres Sohnes mit keinem Wort erwähnen und stattdessen mit Ihnen über Fähigkeiten sprechen, von denen sie meint, dass Thomas sie noch erlernen muss. Beispielsweise so: “Ich habe darüber nachge- dacht, was für Thomas im Moment am wichtigsten wäre zu lernen, damit er in der Schule erfolgreich und ausgeglichen ist. Mein Eindruck ist, dass es für ihn wichtig wäre, etwas mehr Selbstkontrolle zu entwickeln und ruhig zu bleiben, selbst wenn seine Mitschüler ihn provozieren. Was meinen Sie dazu?”
Ben Furman: "Ich schaffs!"
JAHN & DUNNE: "AN DEN RÄNDERN DES REALEN" Physik und Metaphysik gelten gemeinhin als streng gegensätzliche Disziplinen, zwischen denen es keinerlei Berührungspunkte gibt. Robert G. Jahn und Brenda J. Dunne sind bei ihren bis dato über siebenundzwanzig Jahre währenden Experimenten zum Princeton Engineering Anomalies Research Program zu Ergebnissen gelangt, welche zu einem Umdenken diesbezüglich anregen. Ihre provokante These lautet, vorsichtig ausgedrückt: Zwischen menschlichem Bewusstsein auf der einen Seite sowie physikalischen Geräten und technischen Systemen auf der anderen kann es zu Wechselwirkungen kommen, welche die Versuchsergebnisse so stark beeinflussen, dass sie sich statistisch signifikant von dem unterscheiden, was man angesichts der bekannten physikalischen Gesetze erwarten dürfte. So wird beispielsweise die Normalverteilung eines Zufallszahlenge- nerators gering, jedoch signifikant durchbrochen.
Neu aufgelegt: "An den Rändern des Realen"
HEINZ KOCH: Wikipedia und weltanschauliche Kämpfe Wikipedia-Inhalte sind mit Vorsicht zu genießen. Wer da recherchiert, sollte sich keinesfalls darauf allein verlassen. In so manchen Fällen ist Zweifeln angeraten. Zwar tönt die Wikipedia-Eigenwerbung: „Die Wikipedia ist ein Projekt zum Aufbau einer freien Enzyklopädie in mehr als 200 Sprachen. Jeder kann mit seinem Wissen beitragen. Seit Mai 2001 entstanden so 399.025 Artikel in deutscher Sprache. Gute Autorinnen und Autoren sind stets willkommen.“ - Aber sooo will- kommen scheinen in verschiedenen Fällen „gute Autorinnen und Autoren“ gar nicht zu sein. Dementsprechend fällt noch längst nicht jeder Artikel gut aus. Beim Link „Über Wikipedia“ findet man: “Die Wikipedia ist eine Enzyklopädie, die nicht von einer festen, bezahlten Redaktion, sondern von freiwilligen Autoren verfasst wird. Der Name Wikipedia setzt sich zusammen aus Wiki, dem hawaiianischen Wort für „schnell“, und Enzyklopädie. Ein Wiki ist eine Website, deren Seiten jeder leicht und ohne technische Vorkenntnisse direkt im Browser ändern kann.“ Da liegt der Hase im Pfeffer! Wer will, der kann ran. Heinz Koch: Vorsicht Wikipedia!
FOTOGRAFIE: "Second View" von Ulrich Soeder Fotografie ist eine Frage der Haltung. Bilder sagen über den Gegen- stand hinaus im Wesentlichen etwas über die Haltung des Fotografie- renden aus. Entsteht Kunst, und damit auch die Fotografie, aus der Unfähigkeit heraus, die Welt zu akzeptieren, wie sie ist? Oder besteht Kunst gerade darin, in die Welt einzutauchen und sie anzunehmen, so wie sie ist, mit der unabdingbaren Achtung für das, was passiert? Nach Cartier-Bresson „müssen Kopf, Auge und Herz beim Fotografie- ren auf eine Linie gebracht werden ... Dann kommt man mit großer Kraft daher und schafft es, sich selbst zu vergessen.“
"Seconde View" von Ulrich Soeder (Voraussetzung: DSL, Flash)
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