Newsletter Nr. 34

Mittwoch, 26. März 2008

Liebe Leserin,
lieber Leser,

schön gehört, jetzt geht’s der Realität ans Leder.

Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung (FAS) publizierte am 2. März einen ganzseitigen Artikel über den französischen Physiker und Philosophen Bernard d’Espagnat. Unter der Überschrift »Die Realität ist nicht in den Dingen - Viele Naturwissenschaftler glauben, was sie erforschen, sei schon die Wirklichkeit. Der französische Physiker und Philosoph Bernard d’Espagnat hat da ernste Zweifel« ging Ulf von Rauchhaupt hier auf die Diskussion der Ergebnisse von
Alain Aspect ein, nach denen die Bell-Ungleichung tatsächlich verletzt und Einsteins Zweifel an der Quantentheorie unzutreffend sind.

Bell war bereit, die Einsteinsche Lokalität (diese besagt, dass Wechselwirkungen zwischen zwei Ereignissen, die an verschiedenen Orten ablaufen, höchstens mit Lichtgeschwindigkeit übertragen werden können) der Physik zu opfern, um den Realismus zu retten und viele Wissenschaftsphilosophen folgten ihm darin bis heute. Ulf von Rauchhaupt schreibt dazu in der FAS: »Das ist in den Augen d’Espagnats zutiefst inkonsistent. ›Der einzige Weg, den Realismus der Quantentheorie zu retten, ist also, die Relativitätstheorie nichtrealistisch zu interpretieren.‹ Dieses Dilemma lässt für ihn nur den einen Schluss zu: den Realismus aufzugeben. Was wir wahr- nehmen, mit was für einem apparativen Aufwand auch immer, gibt
es ohne uns und unsere Apparate nicht. Zur Realität als solcher schweigt die Physik.«

Um seine Sichtweise zu veranschaulichen, vergleicht Bernard d’Espagnat die Gegenstände der Wissenschaft - beispielsweise Quantenobjekte - mit einem Regenbogen. Zitat: »Das ist auch kein Objekt an sich. Denn wenn wir uns bewegen, bewegt sich auch der Regenbogen. Verschieden positionierte Beobachter sehen seine Basis an verschiedenen Orten. Es ist daher klar, dass der Regenbogen von uns abhängt. Trotzdem hängt er nicht ausschließlich von uns ab. Seine Erscheinung ist auch davon abhängig, dass die Sonne scheint und es Regentröpfchen gibt. Genauso ist das mit Quantenobjekten - und wenn wir davon ausgehen, dass die Quantentheorie universell ist, mit schlechthin allen Objekten. Die Eigenschaften, die wir an ihnen wahrnehmen, hängen in Wahrheit von unserem Blick auf sie ab.«

Eine ähnliche Sichtweise vertritt übrigens auch der Wiener Quantenphysiker Prof. Anton Zeilinger. In einem
Gespräch mit der Tageszeitung Die Presse sagte er: »Die Physiker sind eher bereit, die Lokalität aufzugeben als den Realismus. Unsere Arbeitshypothese ist, dass es umgekehrt ist: dass wir Vorstellungen von der Realität auf- geben müssen. Die Experimente sagen: Wir müssen auf einen an- schaulichen Realismus verzichten. Wenn ein Realismus übrig bleibt, dann muss er offenbar ziemlich verrückt sein.« Siehe auch: »Realität auf dem Prüfstand«, Österreichische Akademie der Wissenschaften.

Auch der Physiker John Archibald Wheeler liebäugelt mit einer Sichtweise, nach der es Realität an sich nicht gibt und die statt- dessen erst durch den Vorgang der Beobachtung kreiert wird. Von Wheeler stammt eine Version des
anthropischen Prinzips, die Wikipedia wie folgend zitiert: »Grob gesprochen wird eine Messung als Beobachtung eines bewussten Wesens interpretiert, und die damit verbundene Reduktion der Wellenfunktion wird als ›Realisation‹ der Welt in einem definiten Zustand aufgefasst. Der Beobachter wäre demnach also ein wesentlicher Bestandteil der physikalischen Beschreibung der Welt; erst durch seine Beobachtung würde die Welt ›Realität‹ annehmen.«

Da stellt sich natürlich die Frage, ob alles dies irgendeinen kon- kreten Bezug zu unserem Leben hat. Aus meiner persönlichen Sicht ist der Alltagsbezug riesig, sobald mir bewusst wird, dass sich hinter BEOBACHTUNG, WAHRNEHMUNG, INTERPRETATION, ÜBERZEUGUNG, GLAUBE und ERWARTUNG subtile Prozesse verstecken, die »Realität« nicht nur abbilden, sondern zu großen Teilen auch selbst erschaffen. Drei Beispiele zur Veranschaulichung:

Placeboeffekt: Was wir über unseren Körper als Realität zu wissen glauben, an unserem Körper als Realtiät beobachten, führt zu einem subtilen Prozess, der diese vermeintliche Realität in verschleierter Form in erheblichem Umfang selbst erst entstehen lässt und aktiv kreiert. Siehe auch:
»Der Placeboeffekt und seine Neuinterpretation in der medizinischen Forschung.« Der Arzt Fabrizio Benedetti stellte kürzlich fest, dass selbst ein pharmazeutischer Wirkstoff (konkret: Morphin) dann weniger wirkt, wenn ein Patient nicht weiß, dass er ihn bekommt.

Psychologie: Es gibt eine ganze Reihe von psychologischen Mechanismen wie z. B.
Projektion, Konditionierung, Wahrnehmungs- filter und -automatismen, die auf eine Realität hinter der Realität hindeuten. In meinem E-Book Psychophysik 2.0 gehe ich hier z. B. auf das Phänomen der sich selbst erfüllenden Prophezeiung ein, bei dem die von uns erwartete Realität von uns selbst aktiv geschaffen wird. Wir glauben, Realität zu beobachten, schaffen diese jedoch selbst.

Soziologie: Die genannten Mechanismen gelten selbstverständlich nicht nur für den einzelnen Menschen, sondern auch für das Zusammenspiel vieler Menschen. Der »Krieg gegen den Terror« eines George W. Bush ist aus meiner Sicht ein Musterbeispiel für eine soziologische Variante der sich selbst erfüllenden Prophezeiung, bei der die Bush-Administration einen großen Teil des Scherbenhaufens, vor dem sie schützen wollte, selbst verursacht hat. Der »Terror« scheint umso größer zu werden, umso mehr Aufmerksamkeit (d. h. Beobachtung) man ihm schenkt. Stellen Sie sich vor, Osama bin Laden wäre so, wie er nun ‘mal ist, aber niemand - die gesamte Weltpresse inklusive - würde ihm Raum zur medialen Selbstdarstellung zur Verfügung stellen.

Speziell Menschen mit stark materialistisch geprägten Wahrneh- mungsmustern werden sich an dieser Stelle vielleicht fragen, was die Messung eines physikalischen Gerätes mit einem psychologischen Phänomen zu tun haben soll. D’Espagnat und Wheeler haben die Antwort bereits gegeben. Die Welt ist nicht blau, rot oder grün, nur weil wir sie durch ein vermeintlich objektiv messendes Objektiv mit blauer, roter oder grüner Linse betrachten. D’Espagnat: »Was wir wahrnehmen, mit was für einem apparativen Aufwand auch immer, gibt es ohne uns und unsere Apparate nicht. Zur Realität als solcher schweigt die Physik.«

Vielleicht sollte ich meine Bemerkung, jetzt geht’s der Realität ans Leder, anders formulieren: Passen Sie auf, wenn Sie das nächste Mal etwas BEOBACHTEN, WAHRNEHMEN, INTERPRETIEREN, GLAUBEN oder ERWARTEN. Ob in Gedanken, gefühlt oder mit einem Messgerät: Es könnte sein, dass sie »es« damit erst kreieren, ohne sich dessen bewusst zu sein.

Ob nun mit oder ohne Realität: Ich wünsche Ihnen viel Freude bei der Lektüre dieses Newsletters!

Ihr Claus Fritzsche




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DR. WALTER VON LUCADOU: DIE MAGIE DER PSEUDOMASCHINE
In vielen Bereichen der Komplementär- oder Alternativ-Medizin und Psychologie aber auch in der Alltagstechnik spielen Pseudomaschinen eine nicht zu unterschätzende Rolle. »Pseudomaschinen« werden definiert als technische Apparate und/oder als damit verbundene technische Handlungsanleitungen, denen eine objektive rein physi- kalische Wirkung zugeschrieben wird, die sich aber bei genauerer Betrachtung auf psycho-physikalische Systeme beziehen und somit verborgene subjektive Komponenten enthalten. Bei manchen Pseu- domaschinen können physikalische und psychologische Wirkungen eindeutig voneinander separiert werden; sie werden als »klassische Pseudomaschinen« bezeichnet. Bei »nichtklassischen Pseudoma- schinen« ist eine solche Separation nicht möglich, sie sind Beispiele für »verschränkte« psychophysikalische Systeme.

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PROF. URS BAUMANN: PHYSIK & TRANSZENDENZ
Der Theologe Prof. Urs Baumann über ein grundsätzliches Problem aller Wissenschaft: »Nicht nur Philosophie und Theologie, sondern auch die empirischen Naturwissenschaften betreiben keine voraus- setzungslose Wissenschaft. Wissenschaftliche Objektivität findet
ihre Grenze stets an der vorgestellten Welt des forschenden Geistes. Alle Wahrheit, alle Erkenntnis ist eine Frage der Perspektive, die wir einnehmen. Nur das Vorstellbare wird auch tatsächlich gedacht. Ich suche, was ich zu finden hoffe. Nicht gesuchte Entdeckungen machen ratlos oder sie werden archiviert, zumal wenn sie das eigene ›wissenschaftliche Glaubenssystem‹, das heißt den Kosmos der eigenen Vorannahmen, Theorien und Verfahrensweisen in Frage stellen.« Baumann befindet sich somit in bester Gesellschaft mit der Realismus-Kritik von d’Espagnat, Zeilinger und Wheeler.

Prof. Urs Baumann: Physik & Transzendenz


MATTHIAS WENKE: IM GEHIRN GIBT ES KEINE GEDANKEN
Wenn Hirnforscher das Gehirn als »Parasiten im Körper« bezeichnen und behaupten, längst bewiesen zu haben, dass »das Bewusstsein voll im Rahmen der Naturgesetze« stattfände (Roth 2006) oder dozieren, Bewusstsein sei nur ein »Emergenzprodukt« neuronaler Prozesse (Singer 2006), wenn Psychiater zur »Erklärung« der ver- schiedensten psychischen Erscheinungen vom Stimmenhören bis zur Depression immer wieder nur auf »Stoffwechselstörungen im Gehirn« verweisen (Spitzer 2007), und sogar wenn selbsternannte »Neuro- theologen« von einem »Gottes-Modul im Gehirn« sprechen (Hotz 1997) erlebt man leider nichts als ergebene Hingabe. Derartige Redeweisen werden wissenschaftsgläubig bestaunt, mitwissend benickt und of noch populärjournalistisch verbreitet, und man übersieht völlig, dass zu ihrem unbestreitbaren empirischen Gehalt meist eine gefährliche Reduktion mitgedacht wird, welche Ursache und Wirkung vertauscht und erkenntnistheoretisch unhaltbar ist.

Matthias Wenke über Reduktionismus und naiven Biologismus


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Eine vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) in Auftrag gegebene - kürzlich der Öffentlichkeit vorgestellte - Studie kommt zu dem Ergebnis, dass Unternehmen bis zu einem Drittel ihres Finanz- erfolgs durch eine mitarbeiterorientierte Unternehmenskultur bestim- men. Die von der Psychonomics AG und dem Great Place to Work Institute Deutschland in Kooperation mit der Universität Köln durch- geführte repräsentative Studie »Unternehmenskultur, Arbeitsqualität und Mitarbeiterengagement in den Unternehmen in Deutschland« befragte zwischen Mai und Oktober 2006 37.151 Mitarbeiter in den zwölf unternehmens- und mitarbeiterstärksten Branchen in Deutschland. Wer sich in den 256 Seiten langen Abschlussbericht hineinwagt, der findet eine beeindruckende Bestandsaufnahme, die den kontinuierlich steigenden Wert »weicher Faktoren« im Zeitalter von Globalisierung und Web 2.0 dokumentiert.

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Die Verlagsgruppe Elsevier, u. a. Herausgeber der renommierten medizinischen Fachzeitschrift THE LANCET, publizierte 2006 ein Buch des Biologen und Biophysikers James L. Oschman, das die materiell orientierten Grundlagen des medizinwissenschaftlichen Mainstreams in Frage stellt und so ganz nebenbei auch für die Homöopathie-Grundla- genforschung von großem Interesse ist. Nachfolgend eine Rezension dieses Buches von Harald Wacker aus Bad Liebenzell: »Da mich dieses Buch ungemein fasziniert hat, weil daraus deutlich wird, dass ein Paradigmenwechsel in Bezug auf energetisches Arbeiten bereits stattgefunden hat, möchte ich auf die vielen von Oschman zusam- mengetragenen wissenschaftlichen Arbeiten hinweisen, die zusam- menfassen, was in den letzten 15 Jahren an neuen Erkenntnissen gewonnen wurde. Wie Marco Bischof in seinem Vorwort schreibt, ist die Existenz von Energiefeldern im menschlichen Körper im letzten Jahrzehnt von einer esoterischen Spekulation zu einer unzweifel- haften wissenschaftlichen Tatsache geworden und das Phänomen der bioenergetischen Felder hat sich mittlerweile zu einem wichtigen und weiter expandierenden Gegenstand biomedizinischer Forschung entwickelt...«

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