Newsletter Nr. 30

3. September 2006

Liebe Leserin,
lieber Leser,

die Wochenzeitung DIE ZEIT publizierte Anfang August einen wun- derbaren Artikel über die “Droge Arzt”.

Gut, das ist vielleicht eine missverständliche Umschreibung. Der Beitrag hatte die Überschrift
“Die Heilkraft des Vertrauens” und ging auf die große Bedeutung psychischer Faktoren, insbesondere des Arzt-Patienten-Verhältnisses, in der Medizin ein. Ulrich Schnabel streifte in seinem Artikel ein spannendes Thema:

“In den vergangenen Jahrzehnten haben Neurobiologen, Immunologen und Hormonspezialisten erforscht, auf welch vielfältige Weise be- wusste und unbewusste Hirnaktivitäten das körperliche Geschehen beeinflussen. Zwei wichtige Mechanismen spielen dabei eine Rolle: zum einen die Erwartungshaltung des Patienten, zum anderen die klassische Konditionierung. Wer also positiv gestimmt zum Arzt geht und glaubt, dass ihm geholfen wird, fühlt sich bereits besser.”

Vieles deutet darauf hin, dass hier ein großes Potential besteht, Menschen zu mehr Gesundheit und Lebensqualität zu verhelfen und im Gesundheitswesen Milliarden Euro einzusparen. Ulrich Schnabel verweist darauf, dass gerade Menschen mit psychosomatischen Störungen “allzuleicht in einen Strudel von Facharztkonsultationen” geraten, infolgedessen Ärzte in einem Akt von Hilflosigkeit immer neue technische Hilfsmittel einsetzen, hier eine Computertomografie, da ein Blutbild und dort ein Ultraschall machen lassen, anstatt ganz einfach ‘mal zu fragen: “Wie steht es im Beruf und in der Partner- schaft”?

Spreche ich von einem spannenden Thema, so meine ich weniger den nötigen Umdenkprozess in der Ausbildung von Medizinern oder die Eigendynamik von leistungserbringenden Stellen (Krankenhäuser, Fachärzte etc.), die auch an ihre finanzielle Existenz denken müssen. Mich persönlich elektrisieren die Begriffe Erwartungshaltung und klassische Konditionierung. Und ich frage mich:

Dürfen die das?

Dürfen Ärzte die Erwartungshaltung ihrer Patienten beeinflussen? Sie wie Pawlowsche Humde konditionieren? Nun, meiner Meinung nach enthält diese Frage bereits eine falsche Grundannahme. Genauso, wie ein Mensch nicht nicht intuitiv sein kann, gibt es im Normalfall keine Menschen, welche frei von Erwartungshaltung sind. Oder anders aus- gedrückt: Erwartungshaltung und Formen der Konditionierung sind Einflussfaktoren, welche immer in irgendeiner Weise aktiv sind. Es stellt sich somit ausschließlich die Frage, ob man sie ignoriert und die daraus resultierenden Effekte dem Zufall überlässt oder ob man sie bewusst und zum Wohle des Patienten einsetzt.

In der Theorie klingt das einfach. In der Praxis ist es eine gewaltige Herausforderung. Der Grat zwischen gut gemeinter Hilfe und gefähr- licher Manipulation ist schmal! Ich persönlich favorisiere den Weg, die Frage “Konditionieren oder nicht?” jedem Menschen selbst zu über- lassen. Lesetipp:
“Das Geheimnis der Selbstheilung” von Nina Ruge und dem Immunologen Dr. med. Lutz Bannasch.

In den letzten Wochen hat noch ein weiterer Beitrag des ZEIT Verlags meine Aufmerksamkeit gefunden. Unter dem Titel “Harter Test für sanfte Heiler” forderte der pensionierte Physiker Prof. Martin Lambeck im Magazin ZEITWissen jene Heiler heraus, die “behaupten, von außen mit bisher nicht bekannten Kräften auf den Körper zu wirken”. Als neugieriger Mensch hat mich hier die Frage interessiert, wie sich Herr Lambeck seinem Untersuchungsziel methodisch genä- hert hat.

Das Ergebnis meiner Recherchen finden Sie unter der Überschrift:
“Pseudowissenschaft bei ZEITWissen: Der “Heiler-Test” von Prof. Martin Lambeck...”

Auf eine per E-Mail an Herrn Lambeck gerichtete Bitte, meinen Artikel noch vor der Publizierung einer Prüfung zu unterziehen, habe ich leider keine Antwort erhalten. Ganz anders ZEITWissen Chefredakteur Christoph Drösser, der mir am 25. August umgehend antwortete, dass er mein Angebot einer inhaltlichen Prüfung gerne annimmt. Nach Zusendung eines Textentwurfs habe ich von ihm jedoch nichts mehr gehört.

Viel Spaß bei der Lektüre wünscht Ihnen

Ihr Claus Fritzsche



P.S. Vielleicht ergibt sich ja einmal die Gelegenheit, über die “Heilkraft des Vertrauens in der Politik” zu philosophieren. Bis es soweit ist, verweise ich gerne auf das Video:
“Bush’s Desperate Soundbites”?




FOTOGRAFIE: SEBASTIAN UNTERREITMEIER

Fotografie von Sebastian Unterreitmeiner


PLACEBOEFFEKT: MYSTERIUM BEWUSSTSEIN
Spricht man umgangssprachlich von einem Placeboeffekt, so entsteht leicht der Eindruck, wir hätten es hier mit einem bekannten und gut erschlossenen Phänomen zu tun. Placeboeffekt? Ist das nicht die Wirkung einer Pille ohne pharmazeutische Wirkstoffe? Besser wäre es, von der Wirkung menschlicher Erwartungshaltung zu sprechen. Und die ist ebenso wie das Phänomen “Bewusstsein” nach wie vor ein unbekanntes Mysterium. Wir wissen heute nur, dass die Wirkung von Erwartungshaltung beispielsweise auf körperliche Prozesse oder die Entstehung von Gefühlen von der Art und Weise abhängt, wie ein Mensch sich selbst und seine Umwelt bewusst und unbewusst inter- pretiert. Bekannt ist auch, dass unterschiedliche Menschen auf die gleichen Ereignisse und Reize vollkommen unterschiedlich reagieren. Unendlich viele Einflussfaktoren von der Konstitution eines Menschen über seine Persönlichkeitsmerkmale bis hin zu seiner Historie scheinen hier eine Rolle zu spielen. Oder auch nicht. Alles dies ist in etwa so erkenntnisfördernd wie die Aussage “Räder drehen sich. Und zwar unterschiedlich schnell. Manchmal aber auch nicht.”

Dr. Christian Ullmann: Homöopathie und Placeboverdacht
Prof. Harald Walach: Komplementärmedizin und Bewusstsein
Claus Fritzsche: Placeboeffekt in der Psychotherapie


DR. BRIGITTE WOLTER: WERTEORIENTIERTES COACHING
Manager werden in einer globalisierten und schnelllebigen Zeit mit Leistungsanforderungen konfrontiert, welche nicht selten über die körperliche, geistige und seelische Belastungsgrenze hinausgehen. Jetlag, Schlafentzug, stundenlanges Sitzen, ungesunde Ernährung gehören genauso dazu wie psychischer Stress und Sinnkrisen als Folge eines nicht enden wollenden Changemanagements, in welchem Menschen die Rolle austauschbarer Produktionsfaktoren zu spielen scheinen. Vorausschauende Manager entscheiden sich vor diesem Hintergrund immer häufiger dafür, sich selbst und ihr ganzes Unter- nehmen einem professionellen Coaching-Prozess zu unterziehen.
Ein Beitrag von Dr. Brigitte Wolter, brandinvest Corporate Coaching, die im psychophysik.com Redaktions-Team ab sofort das Ressort “Coaching für Management und Unternehmen” betreut.

Werteorientiertes Coaching für Manager


LESETIPP: “DIE MILLIONÄRSDENKE - REICHTUM VON INNEN”
Freunde von Kurt Tepperwein, Erhard F. Freitag, Joseph Murphy & Co. können ab sofort auf eine neue 495 Seiten schwere Anleitung für den Umgang mit Gedanken, Überzeugungen und Unterbewusstsein zugreifen. Auch wenn Cover und Titel ein wenig an MLM und Trivial- literatur der Marke “Tschaka, du schaffst es!” erinnern, so hat es die erstmals in deutscher Sprache verfügbare Übersetzung eines Best- sellers der slowenischen Autoren Nikola Grubisa und Boris Vene in sich: Es handelt sich um ein praxisorientieres Arbeitsbuch, in wel- chem es um die Entwicklung jener “weichen Faktoren” (Soft Skills) geht, die einen Menschen magnetisch für Erfolg machen. Ignoriert man das kleine Kapitkel “Geldangelegenheiten”, so hätte das in den Bereich der esoterischen Literatur gehörende Buch auch den Titel “Der Klinsmann-Effekt: Anleitung zum Selbermachen” tragen können.

www.i-bux.com: “Die Millionärsdenke - Reichtum von innen”


RÜCKWÄRTSSPRACHE: TOR ZUM UNTERBEWUSSTSEIN?
Im Oktober 1983 fiel dem damaligen Fernsehtechniker David John Oates ein Walkman in die Toilette. Bei dem Versuch, ihn zu repa- rieren, baute er ihn versehentlich fehlerhaft zusammen und das Gerät spielte nur noch rückwärts. Sechs Monate später, im April 1984, erreichten Oates Gerüchte von versteckten Rückwärtsbotschaften, welche angeblich in Musikdateien enthalten sein sollen. Er wieder- belebte seinen defekten Walkman, machte sich auf die Suche, wurde zu seiner Überraschung fündig und es begann eine Entdeckungsreise in die Welt des Unbewussten, welche bis zum heutigen Tag anhält.

Rückwärtssprache: Tor zum Unterbewusstsein?


RÜDIGER KEUCHEL: GOOD NEWS ARE HUMAN NEWS
Rüdiger Keuchel berät seit mehr als 20 Jahren Unternehmen und Institutionen im PR-Bereich. Im Frühjahr 2006 startete er mit humannews.de den ersten Online-Pressedienst, der ausschließlich auf komplementärmedizinische und spirituelle Themen ausgerichtet ist. humannews.de bietet Dienstleistern, Herstellern und Verbänden aus den Bereichen alternative Medizin und Spiritualität/Esoterik die kostengünstige und effiziente Verbreitung ihrer Pressemeldungen an rund 7.500 Medizin- und Gesundheitsredaktionen sowie an die wachsende Zahl deutschsprachiger esoterischer Zeitschriften. Darüber hinaus kann die redaktionelle Aufbereitung der Informationen beauftragt werden. Die Erstellung von Infografiken komplettiert das Angebot. Interessenten können sich unter www.humannews.de für den wöchentlich erscheinenden, kostenlosen Online-Newsletter registrieren.

humannews.de-Nachrichten auf psychophysik.com
Interview mit Rüdiger Keuchel, Gründer von humannews.de


H.BLOG: HOMÖOPATHIE & FORSCHUNG
Jürgen Hofäcker macht auf einen Beitrag von Dr. Stefan Schmidt- Troschke (Lehrstuhl für Medizintheorie und Komplementärmedizin des Gemeinschaftskrankenhauses Herdecke) in der Zeitschrift Forschende Komplementärmedizin aufmerksam, in welchem dieser der Frage nachgeht, warum zwei aktuelle Studien zur homöopathischen Behandlung von ADHS zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen. Jürgen Hofäcker stößt dabei auf die Frage nach dem Einfluss unspe- zifischer Faktoren wie z.B. der Wirkung des Therapeuten und der Erwartungshaltung des Patienten. - Vor dem Hintergrund des in der Zeitschrift The Lancet mehr geforderten als begründeten “Endes der Homöopathie” geht Dr. Christian Ullmann einem Sinneswandel von PD Dr. med. Klaus Linde vom Zentrum für naturheilkundliche Forschung der Technischen Universität München nach: Lindes Eingeständnis gravierender Mängel seiner 1997er Meta-Studie zur Homöopathie. Was auf den ersten Blick wie ein Schritt hin zu Erkenntnisgewinn aussieht, hinterlässt aus der Sicht von Ullmann mehr Fragen als Antworten.

(jh) Stefan Schmidt-Troschke zu zwei ADHS-Homöopathie-Studien
(cu) Klaus Lindes spätes Eingeständnis zur Homöopathie


INTEGRAL.BLOG: DR. ANDREAS ZEUCH ÜBER “NICHTWISSEN”
Geben Sie ‘Nichtwissen’ bei Google ein: 4.520.000 Treffer in 0,4 Sekunden. Noch Fragen? - Im Sommer 1984 verliert eine Kuh auf einer englischen Weide die Kontrolle über ihre Beine. Sie torkelt, taumelt, knickt ein und stürzt zu Boden. Kurze Zeit später ist sie tot. Als Todesursache wird eine scrapieähnliche Krankheit festgestellt, die einige Jahre später auch Laien in ganz Europa als BSE bekannt wird. Seitdem entwickelte sich eine Dynamik, die ein Lehrstück über die Bedeutung von Nichtwissen im Business darstellt.

Dr. Andreas Zeuch über “Nichtwissen”






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