Zwischen Medienspektakel und Forschung:
Die GWUP wird selbst zum Testobjekt...

In ihrer PR-Arbeit ist die Skeptiker-Organisation GWUP sehr gewissenhaft. Mit der Einhaltung wissenschaftlicher Regeln scheint sie es jedoch nicht so genau zu nehmen. 2004 versprach die GWUP öffentlich die Auszahlung von 1 Mio. Dollar für jede Person, der es gelänge, in einem kontrollierten Test paranormale Fähigkeiten nachzuweisen. Kein Interesse hatte die GWUP jedoch an einem unabhängige Beobachter, dem die Teilnahme verwehrt wurde. Für die Gesellschaft für Anomalistik e.V. Anlass, die Arbeit der GWUP einmal ins Visier zu nehmen.

Eines muss man der Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften e.V. (GWUP) lassen: Ihre Medienarbeit ist exzellent. Sie verfügt über gute Medienkontakte und genießt unter vielen Journalisten den Ruf, Experte für die Bewertung para- und pseudowissenschaftlicher Sachverhalte zu sein. Auf ihrer Internetseite
www.gwup.org wirbt sie mit 700 Wissenschaftlern und wissenschaftlich Interessierten, welche sich für sorgfältige Untersuchungen parawissenschaftlicher Behauptungen einsetzen.

Das renommierte
Institut für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene (IGPP) ist im vergleich dazu ein “Nichts”. Zumindest, was den Bereich Medien- und PR-Arbeit angeht. Schaltet sich die GWUP, wie z.B. in der Diskussion um die spektakulären Homöopathie-Experimente von Prof. Karen Nieber in Leipzig geschehen, aktiv in die mediale Diskussion ein, so ist das IGPP im Vergleich dazu fast nicht existent. Es veranstaltet auch keine medienwirksamen Spektakel, im Rahmen dessen Preisgelder von 1 Mio. Dollar ausgeschrieben werden, sollte sich das IGPP in irgendwelchen Annahmen und Thesen täuschen. Politische Meinungsarbeit und ergebnisoffene Forschung gelten unter seriösen Wissenschaftlern als unvereinbar.

Fragt man in gewöhnlich gut informierten Kreisen nach den Gründen dieser Medienabstinenz, so ist eine schon fast langweilige Antwort zu hören: Man konzentriere sich auf wissenschaftliche Forschung. Was diesen Punkt angeht, so eröffnet sich auf Seiten der GWUP eine Nebelwand. Zunächst einmal verschweigt die GWUP, wie viele der 700 als vereinsnah zitierten Personen “wissenschaftliche Interessierte” und wie viel “forschende Wissenschaftler” sind. Darüber hinaus ist ein Forschungsbericht (das IGPP publiziert im Internet 100 Seiten lange jährliche Rechenschaftsberichte) auf der GWUP-Homepage nicht verfügbar. Nanu?

Anfang 2004 versprach die GWUP in einem öffentlichen Aufruf die Auszahlung eines Preisgeldes von 1 Million Dollar für jede Person, der es gelänge, in einem kontrollierten Test paranormale Fähigkeiten nachzuweisen. Bei den inzwischen abgeschlossenen Versuchsreihen wurde einem unabhängigen Beobachter, der den korrekten Ablauf der Experimente kritisch verfolgen wollte, durch die GWUP die Teilnahme verweigert. Die
Gesellschaft für Anomalistik e.V. nimmt dies nun zum Anlass, die medienwirksame Aktion der GWUP kritisch zu untersuchen und zu dokumentieren. In einem öffentlichen Aufruf sucht sie nach Personen, welche als Probanden an den GWUP-Experimenten teilgenommen haben oder welche sich bei der GWUP beworben haben, deren Teilnahme dann jedoch nicht zustande kam.

Wird in der Forschung zum Teil ein großer Aufwand betrieben, um beispielsweise durch Doppelblind-Studien den Einfluss des Versuchsleiters auf ein Experiment zu neutralisieren, so ließ die GWUP, was die neutrale Kontrolle des Versuchsdesigns angeht (u.a. die Kriterien für die Zulassung und Ablehnung von Probanden), keinen Raum für folgenschwere Überraschungen. Verständlich, geht es doch um 1 Mio. Dollar eigenes Geld und sehen mit solchen Feinheiten nicht vertraute Journalisten über das eine oder andere Detail  hinweg.

James Randis Interessenkonflikt:
Interessant an den AGB's von James Randi ist übrigens, dass er mit seinem Preis gleich zwei Ziele anstrebt: 1. Einen Sachverhalt "negativ" zu beweisen. 2. Sein Preisgeld NICHT auszuzahlen. Den damit verbundenen Interessenkonflikt könnte er leicht lösen. Und zwar durch Delegation der Preisüberwachung an ein neutrales - von ihm selbst unabhängiges - Gutachter-Gremium sowie durch Überweisung seines Preisgeldes auf ein notariell verwaltetes Treuhandkonto. Genau dies macht er jedoch nicht. Und Herr Randi wird seine Gründe dafür haben...


Die AGB’s von James Randi: Eine Analyse von Michael Prescott

Edgar Wunder: “Das Skeptiker-Syndrom

paranormal & perinormal: James Randi bereitet sich schon einmal auf eine mögliche zukünftige Auszahlung seines Preises vor

Loyd Auerback: “RANDI’S CHALLENGE: A Big “So What!”



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GWUP.WATCH: ein GWUP-kritisches Weblog

Seit März 2009 hat der Skeptiker-Verein GWUP e. V. in Form von GWUP.WATCH einen kritischen Begleiter gefunden. Das GWUP-kritische Weblog demonstriert, dass auch Skeptiker Skepsis verdienen. Hier eine kleine Auswahl lesenswerter Beiträge:

GWUP.WATCH: Atlasmedizin: Prof. Martin Lambeck als Heckenschütze bei Esowatch?

GWUP.WATCH: Prof. Dr. Ulrich Berger und Esowatch: legal, illegal, scheißegal

GWUP.WATCH: GWUP-Konferenz 2009: Interview mit Amardeo Sarma