Die GWUP und Homöopathie:
Zwischen Wissenschaft und Agitation...
Es ist schon erstaunlich, zu welchen Erkenntnissen ein angeb- lich wissenschaftlich forschender Verein wie die GWUP in Sachen Homöopathie kommt, ohne tatsächlich über Forscher auf diesem Gebiet zu verfügen. psychophysik.com ist kein Mitglied der GWUP bekannt, welches zum Thema Homöopathie wissenschaftlich forscht und geprüfte wissenschaftliche Publikationen nachweisen kann. Eine diesbezügliche Anfrage blieb seitens der GWUP unbeantwortet.
Kennen Sie den Unterschied zwischen wissenschaftlicher Arbeit und politischer Agitation? Nun, das ist ganz einfach: Wissenschaftliche Arbeit zeichnet sich in erster Linie durch die Erforschung von Sach- verhalten aus. Fachliche Diskussionen dienen primär dem Erkenntnis- gewinn und verlaufen in der Sache kontrovers, auf menschlicher Ebene jedoch gewöhnlich respektvoll. Im Falle politischer Agitation ist es genau umgekehrt. Fachliche Diskussionen dienen weniger dem Erkenntnisgewinn, sondern eher der Durchsetzung politischer Inte- ressen. Elemente von Desinformation und Agitation werden in Kauf genommen, wenn es einem vermeintlich “guten” Zweck dient.
Was die Skeptiker-Organisation GWUP und ihren Umgang mit dem Thema Homöopathie angeht, so ist psychophysik.com einmal drei Fragen nachgegangen:
1. Über welche Homöopathie-Experten verfügt die GWUP?
2. Welche fachliche Qualität haben entsprechende GWUP-Beiträge?
3. Wie kommuniziert die GWUP ihre Forschungsarbeit?
Die folgenden Zeilen haben den Charakter einer stichprobenartigen Recherche und dienen daher nicht dem Ziel, ein abschließendes Urteil zu fällen. Sie zeichnen sich durch eine SKEPTISCHE Haltung gegen- über der GWUP aus und folgen der Logik des Heidelberger Soziologen Edgar Wunder, nach der Skepsis auch gegenüber Skeptikern selbst angebracht ist. Zu guter Letzt wurden sie geprägt durch die Ausfüh- rungen von Hornschuh & Westphal, welche die Reibungsfläche zwi- schen Wissenschaft und Medien (im Falle der GWUP lässt sich inten- sive politische Meinungs- und Medienarbeit beobachten) kritisch hinterfragen.

“Homöopathie-Experten” der GWUP
Die GWUP stellt sich selbst als Verein zur wissenschaftlichen Unter- suchung von Sachverhalten dar. Institutionen der wissenschaft- lichen Forschung publizieren in der Regel jährliche Rechenschaftsbe- richte über die Schwerpunkte und Ergebnisse ihrer Arbeit. Im Falle der GWUP gab es bis zuletzt keinerlei Publikation dieser Art und Edgar Wunder (ehemals führendes GWUP-Mitglied und heute Geschäftsfüh- rer der Gesellschaft für Anomalistik e.V.) kam für sich zu dem Fazit, dass der Mangel an einer wissenschaftlichen Kriterien genügenden Forschungsarbeit strukturelles Merkmal der Skeptiker-Bewegung zu sein scheint. Auf ihrer Homöopathie-Seite verweist die GWUP auf Literatur und Links, welche mehrheitlich von eigenen Mitgliedern oder Anhängern der Skeptiker-Bewegung stammen, nicht jedoch von forschenden Wissenschaftlern und es scheint keinerlei Schnittstelle zwischen der GWUP und dem Teil der Scientific Community zu geben, welcher die Homöopathie bzw. Komplementärmedizin auf wissen- schaftlicher Basis seriös erforscht. Skeptische Stimmen fragen sich vor diesem Hintergrund, wer sich innerhalb der GWUP mit welcher Berechtigung als “Homöopathie-Experte” ausgibt. Werfen Sie einen Blick auf das diesbezügliche “Kompetenzzentrum”:
Amardeo Sarma ist Geschäftsführer der GWUP. Er absolvierte ein Studium der Elektrotechnik mit dem Abschluss Diplom-Ingenieurr und zeichnet sich durch eine berufliche Laufbahn in der IT-Industrie aus. Auf der Homepage der GWUP wird er als Experte für Homöopathie vorgestellt. Sarma verfügt NICHT über eine themennahe Qualifikation (z.B. ein abgeschlossenes Medizin-Studium). Er kann keinerlei wissenschaftliche Forschungstätigkeit in themennahen Gebieten vorweisen. Es gibt von Sarma keinerlei geprüfte wissenschaftliche Publikationen zur Homöopathie oder zu themennahen Fachgebieten in anerkannten Wissenschafts-Medien. Sarma stellt sich weiterhin als Experte für das Turiner Grabtuch, Erdstrahlen und Wünschelruten dar und es ist nicht auszuschließen, dass er auch in Sachen Bermuda Dreieick, fliegende Untertassen oder Marsmännchen einen Experten- status genießt.
Prof. Dr. Jürgen Windeler ist Spezialist für medizinische Biometrie und die Bewertung von Diagnose- und Therapieverfahren, seit Juli 2004 Leitender Arzt und stellvertretender Geschäftsführer beim Medizinischen Dienst der Spitzenverbände der Krankenkassen (MDS) in Essen. Windeler ist ein ausgewiesener Experte auf dem Gebiet der Evaluierung von Therapieverfahren - somit auch der Homöopathie - und verfügt über eine reichhaltige Publikationsliste, welche auf der GWUP-Homepage merkwürdigerweise nicht aufgeführt wird. Nach Einschätzung von Edgar Wunder ist er schon seit längerer Zeit ein “eher passives GWUP-Mitglied” und “nicht die Person, welche die öffentlichen GWUP-Stellungnahmen verfasst oder redigiert”. Es ist somit eine interessante Frage, ob Windeler über die Darstellung der Homöopathie auf der GWUP-Homepage und im Rahmen der Presse- arbeit dieses Vereins im Detail informiert ist und sie in allen Punkten so teilt.
Privatdozent Dr. Rainer Wolf tritt innerhalb der GWUP ebenfalls als Homöopathie-Experte auf. Wolf ist Biologe und Physiker und arbeitet am Biozentrum der Uni Würzburg als Spezialist für Elektronenmikro- skopie. Er kann eine sehenswerte Liste von Publikationen vorweisen, welche sich schwerpunktmäßig mit der Neuropsychologie von Wahr- nehmungen (Sehen, Sinnestäuschungen etc.) beschäftigt. Eine wis- senschaftliche Forschungstätigkeit von Wolf im Bereich der Homöo- pathie ist nicht bekannt. In anerkannten Wissenschafts-Medien gibt es von ihm keine einzige Veröffentlichung zur Homöopathie. Ein Fachartikel über Homöopathie wurde im REGIOMONTANUSBOTEN, dem Organ der Nürnberger Astronomischen Arbeitsgemeinschaft e.V., veröffentlicht. Dieses Organ mag, was die Astronomie angeht, unter Hobby-Sternforschern im Raum Nürnberg durchaus einen guten Ruf genießen.
Prof. Dr. Martin Lambeck war von 1970 bis 1997 Professor im Fachbereich Physik der TU-Berlin und verfügt über eine reichhaltige Liste von Publikationen auf den Gebieten Optik, Magnetismus, Werkstoffprüfung, Physik-Didaktik. Innerhalb der GWUP beschäftigt er sich schwerpunktmäßig mit den Grenzbereichen von Physik, Philosophie und Medizin. Was die Diskussion grenzwissenschaftlicher Themen angeht, so genießt Lambeck auch bei seinen Kontrahenten einen guten Ruf. Beliebt ist sein freundlicher, konstruktiver und sachlicher Diskussionsstil. Der hebt sich wohltuend von dem nicht selten aggressiven und dogmatischen Umgangston seiner Vereins- freunde ab. Eine wissenschaftliche Forschungstätigkeit von Lambeck im Bereich der Homöopathie ist nicht bekannt. In anerkannten Wissenschafts-Medien gibt es von ihm keine einzige qualitativ geprüfte Veröffentlichung zur Homöopathie. Ein reger fachlicher Austausch zwischen Lambeck und dem Teil der Scientific Community, welcher die Homöopathie seriös erforscht, ist nicht bekannt. Einen tiefen Einblick in seine Arbeitsweise bot Lambeck im Rahmen seines Projektes ”Harter Test für sanfte Heiler”, gemeinsam durchgeführt mit ZEITWissen Chefredakteur Christoph Drösser.
Prof. Dr. med. Irmgard Oepen arbeitete von 1965 bis 1994 - u.a. als Blutgruppenserologin - am Institut für Rechtsmedizin in Marburg und war von 1987 bis 1996 Präsidentin der GWUP. Ähnlich wie Jürgen Windeler verfügt sie vor dem Hintergrund ihrer beruflichen Qualifikation über eine gute Ausgangsbasis, um sich dem Thema Homöopathie zu nähern und kann auf eine bemerkenswerte Liste von Publikationen verweisen. Wie bei allen hier aufgeführten “Experten” kann jedoch festgestellt werden: Oepen hat das Thema Homöopathie nie in der Praxis erforscht, weder im Rahmen systematischer Studien beispielsweise an einem wissenschaftlichen Institut noch als Therapeutin, die sie nie war. Es gibt von ihr keine qualitativ geprüfte Veröffentlichung zur Homöopathie in anerkannten Wissenschafts-Medien. Darüber hinaus zitiert die GWUP eine Oepen-Publikation aus dem Jahr 1991, wieder einmal aus der hauseigenen Publikations-Schmiede SKEPTIKER, welche als hoffnungslos veraltet gelten kann. Gab es vor zwanzig Jahren noch keine wissenschaftlich akzeptierte Homöopathie-Forschung, so hat sich hier bis heute viel verändert. Meta-Analysen machen nur dann Sinn, wenn sie halbwegs aktuell sind.
Dr. phil. Krista Federspiel studierte Germanistik, Psychologie, Volkskunde und Theaterwissenschaft in Wien und arbeitet schon seit vielen Jahren als Journalistin mit dem Schwerpunkt Sozialpolitik, Frauenpolitik, Recht, Jugend, Kinder, gesellschaftliche Randgruppen, Bildung und Konsumentenschutz. Zu ihren Spezialitäten gehört auch investigativer Journalismus. Federspiel verfügt über keine themen- nahe wissenschaftliche Qualifikation wie z.B. ein abgeschlossenes Medizinstudium. Es gibt von Federspiel keinerlei geprüfte wissen- schaftliche Publikationen zur Homöopathie oder zu angrenzenden Fachgebieten in anerkannten Wissenschafts-Medien. Federspiel hat keinen auf praktischen Erfahrungen basierenden wissenschaftlichen Zugang zur Homöopathie beispielsweise durch medizinische For- schung oder die Arbeit als Therapeutin. Gemeinsam mit Vera Herbst hat sie das “Handbuch - Die Andere Medizin” der Stiftung Warentest herausgegeben. Eine Pressemitteilung der DHU (Deutsche Homöo- pathie-Union) berichtet, dass die Stiftung Warentest eine vom Landgericht Hamburg erlassene Einstweilige Verfügung als endgültige Regelung anerkannt hat (Landgericht Hamburg; AZ: 120565/05) und den Vertrieb der 5. Auflage des Buches mit Wirkung vom 28.11.2005 eingestellt hat. Einen Überblick über die schwerwiegenden und in Teilen sogar gefährlichen Fehler dieses Buches finden interessierte Leser in einem eigenen Themenbereich.
Zwischenbilanz
Soweit dies aus der Distanz des Internets ersichtlich ist, zeichnen sich die vermeintlichen GWUP-Experten und ihre Beiträge durch folgendes gemeinsames Muster aus:
1. Kein “Experte” kann eine wissenschaftlichen Kriterien genügende Forschungstätigkeit im Bereich Homöopathie oder Komplementär- medizin nachweisen.
2. Kein “Experte” verfügt über qualitativ geprüfte wissenschaftliche Publikationen zum Thema Homöopathie oder Komplementärmedizin in anerkannten Wissenschafts-Medien.
3. Kein “Experte” hat einen auf praktischen Erfahrungen basierenden Zugang zur Homöopathie, sei es durch die Durchführung klinischer Studien an einem Forschungsinstitut oder durch therapeutische Erfahrungen.
4. Die Veröffentlichungen der GWUP zum Thema Homöopathie spielen sich primär in der eigenen Szene ab und sind von dem Teil der Scien- tific Communitiy isoliert, welcher sich forschend mit Homöopathie bzw. Komplementärmedizin beschäftigt. Sehr viele zitierte Beiträge entstammen dem eigenen Vereinsblatt SKEPTIKER oder fachfremden Medien. Kein einziger Beitrag entstammt Wissenschafts-Medien wie z.B. FORSCHENDE KOMPLEMENTÄRMEDIZIN, Homeopathy, Comple- mentary Therapies in Medicine oder Natural Standard.
5. Viele der “Experten” geben Anlass zu großem Zweifel daran, ob sie vor dem Hintergrund ihrer fachfremden Qualifikation (z.B. Informatik, Mathematik, Physik, Geophysik) über ausreichend Grundlagenwissen verfügen, um an einer interdisziplinären Fachdiskussion teilnehmen zu können. psychophysik.com konnte auch nach langer Recherche keine personellen Berührungspunkte zwischen der GWUP und dem Teil der Scientific Community finden, welcher die Homöopathie wissenschaft- lich erforscht und sich beispielsweise in einer Vereinigung wie der Intertnational Society for Complementary Medicine Research organi- siert. Und es gehört schon ein hohes Maß an Chuzpe dazu, wenn GWUP-Geschäftsführer, Telekom- und IT-Experte Amardeo Sarma auf der GWUP-Homepage als Arbeitsschwerpunkt neben Wünschelru- ten, Erdstrahlen und Turiner Grabtuch so ganz nebenbei auch noch die Homöopathie angibt und ahnungslosen Journalisten so einen Expertenstatus auf diesem Gebiet suggeriert, der über den eines interessierten Laien hinausgeht.
6. Soweit es sich bei den “Fachbeiträgen” um Meta-Analysen han- delt, geben sie den Stand der Forschung nicht korrekt wieder. Es gibt gute Gründe, die Homöopathie kontrovers zu diskutieren und viele kritische Gedanken innerhalb der GWUP-Artikel haben durchaus ihre Berechtigung. Die vorgenommenen Meta-Analysen geben jedoch nicht korrekt wieder, in welcher Bandbreite Forschungsergebnisse heute von (echten) Experten interpretiert werden. In einer pole- misierenden Pressemeldung vom 27.03.07 behauptet die GWUP ohne jeglichen Beleg und ohne irgendeine Quellenangabe »die evidenz- basierten Studien zur Homöopathie fielen ingesamt zu Ungunsten der Hahnemann'schen Lehre aus«, verschweigt dabei jedoch die im Buch »Homöopathie in der Krankenversorgung« von Gudrun Bornhöft und Prof. Peter Matthiessen (Universität Witten/Herdecke, Lehrstuhl für Medizintheorie und Komplementärmedizin) zusammengefassten Ergebnisse eines umfassenden HTA-Berichts. Das im Auftrag der Schweizer Regierung erstellte Health Technology Assessment kommt zu Aussagen, welche die Homöopathie insgesamt in ein ausgespro- chen positives Licht stellen und ist Stand 2007 eines der aktuellsten und umfassendsten Grundlagenwerke zur »Forschungslage Homöopathie«. Auf ihrer Homöopathie-Webseite erwähnt die GWUP das Schweizer HTA mit keinem Wort und verweist stattdessen auf hoffnungslos veraltete Quellen, welche zu großen Teilen populär- wissenschaftlicher bzw. nicht-wissenschaftlicher Natur sind (z.B. GEO, SKEPTIKER) oder aus qualitativ nicht geprüften Medien stammen. Da die GWUP keine Rechenschaft darüber ablegt, nach welchen Kriterien sie bestimmte Quellen zitiert und andere wiederum verschweigt, erfüllt sie hier den Tatbestand der willkürlichen und hoch selektiven Studienauswahl und verstößt damit in laienhafter und unprofessioneller Weise gegen die Grundsätze Evidenzbasierter Medizin (EbM).
7. Die Homöopathie-Webseite der GWUP erweckt übrigens den Ein- druck, als wenn sie zumindest in Teilen von Laien verfasst worden wäre. Neben durchaus substantiellen Artikeln beispielsweise von Prof. Jürgen Windeler finden sich hier auch reizende Stilblüten. So z.B. die Warnung vor Vergiftungen durch homöopathische Präparate mit niedriger Verdünnung. O-Ton GWUP: “In der Verwendung giftiger Substanzen in mäßiger, aber pharmazeutisch wirksamer Verdünnung liegt eines der Risiken der Homöopathie. Neben pflanzlichen Substan- zen werden auch .... sowie ‘Hundescheiße’(!) verwendet.” Würde die GWUP tatsächlich in signifikantem Umfang wissenschaftliche Unter- suchungen durchführen, wie dies ihr Name der Öffentlichkeit sugge- riert (siehe auch Forschung & Forschung), so könnte sie diese These von der toxischen Wirkung homöopathischer Präparate mit niedriger Potenz ja einmal durch eigene Experimente nachweisen und den Gesetzgeber auf eine bisher ignorierte Gefahr für die Bevölkerung hinweisen.
Wie verträglich sind wissenschaftliche Forschung und politischer Lobbyismus?
Zu den Merkwürdigkeiten der GWUP gehört ihre Angewohnheit, sich ohne Not dem Verdacht auszusetzen, sie würde die Rolle von Staatsanwalt, Richter und Gesetzgeber in einer Person übernehmen. Der nachfolgende Link verweist auf ein offizielles Dokument der GWUP, im Rahmen dessen sie u.a. dazu auffordert, die “bisherige, kritiklose Unterstützung der Homöopathie” zu stoppen. In einer Pressemitteilung vom 2. Mai 2005 greift sie die Förderung der Homöopathie massiv an und verweist auf die Unterstützung von “Wissenschaftlern aus aller Welt”, ohne diese im Detail zu belegen.
Politisches Engagement gehört zu den Grundpfeilern einer pluralis- tischen Demokratie. Die Presse- und Medienarbeit der GWUP und die Thematisierung einer von ihr unterstellten “bisherigen, kritiklosen Unterstützung der Homöopathie” ist aus politischer Sicht vollkommen legitim, ob sie nun korrekt ist oder auch nicht. Es stellt sich nur die Frage, wie sie die Homöopathie unbefangen, ergebnisoffen und hoch motiviert wissenschaftlich erforschen will, wenn sie sich in dieser Form politisch festlegt und - dies nur nebenbei - über keine aktiven Forscher auf diesem Gebiet verfügt.
Fazit
Die GWUP muss sich entscheiden, ob sie eine nach wissenschaftli- chen Kriterien forschende Institution sein will oder ob sie es vorzieht, eine politische Interessenvertretung zu sein. Beide Wege sind legitim. Entscheidet sie sich für den Weg wissenschaftlicher Forschung, so muss sie auch tatsächlich forschen, über wissenschaftlichen Kriterien genügende Forscher verfügen und die Ergebnisse ihrer Forschungs- arbeit im Rahmen eines jährlichen Rechenschaftsberichts publizieren. Wählt die GWUP hingegen den Weg der politischen Interessenver- tretung, so muss sie dies nach außen auch deutlich kommunizieren und darf nicht den Eindruck erwecken, “Stimme der Wissenschaft” zu sein. Wissenschaftliche Forschung und politischer Lobbyismus sind Gegenpole, welche zu Interessenkonflikten führen und daher unver- einbar sind. Was das Thema “Homöopathie” angeht, so kann fest- gehalten werden, dass die Namensgebung “Gesellschaft zur wissen- schaftlichen Untersuchung von” eine Erwartungshaltung aufbaut, welche ausgesprochen medientauglich ist, mit der Realität allem An- schein nach jedoch kollidiert (siehe FORSCHUNG & FORSCHUNG).
Reaktionen aus dem Umfeld der GWUP
Ziel dieses Beitrags ist es, das wissenschaftliche Fundament der GWUP zum Thema Homöopathie kritisch zu untersuchen, nicht je- doch, das Thema “Homöopathie” selbst zu erschließen. Die bis- herige Resonanz diverser GWUP-Anhänger auf diesen Artikel lässt die Vermutung zu, dass dieser Aspekt schwer zu vermitteln ist. Bei der Lektüre der folgenden - in Teilen anonymen - Wortmeldungen aus dem Milieu von GWUP-Anhängern (Megawatt, Hobe-Blog, Wikipedia, kidmed.de) erfährt die bisherige Schilderung eine interessante Ab- rundung. Der O-Ton hinter den Kulissen eröffnet neue Welten, wel- che auf der offiziellen Homepage der GWUP nur zwischen den Zeilen durchklingen. Vielleicht sehen die Verfasser ihre Rolle weniger auf der Ebene wissenschaftlicher Forschung und stattdessen eher im Gebiete eines “Kampfes der Weltanschauungen”.
Die Regionalgruppe Bamberg der GWUP berichtet von einem Vortrag des “Homöopathie-Experten” PD Dr. Rainer Wolf am 11. Februar 2005 (Thema: “Homöopathie: Mehr als nur Placebo-Effekt?”). Die Schilde- rung des Vortrags auf der Webseite der Regionalgruppe Bamberg ist reich an Polemik und sinnentstellenden Vereinfachungen. Eine diffe- renzierte, professionelle und wissenschaftliche Herangehensweise an das Thema ist schwer zu erkennen. “Homöopathie ist keine Wissen- schaft, sondern eine reine Glaubenssache”, so das mit einem Logik- fehler versehene falsche Fazit des Vortrags von Wolf. (Die Homöo- pathie ist selbstverständlich eine Heilmethode und keine Wissen- schaft, lässt sich jedoch wissenschaftlich erforschen. Nach aktu- ellem Stand der Wissenschaft ist die Unterstellung einer pauschalen Wirksamkeit ebenso falsch wie die Unterstellung einer pauschalen Unwirksamkeit. Positive oder negative Aussagen zum Wirkmecha- nismus haben bisher eher spekulativen Charakter.) Keine Glaubens- sache ist hingegen das Faktum, dass Rainer Wolf selbst weder über die langjährigen praktischen Erfahrungen eines Arztes und Homöo- pathen verfügt, noch in der wissenschaftlichen Erforschung der Homöopathie beispielsweise in Form von klinischen Studien bisher aktiv war und es von Wolf keine qualitativ geprüften Publikationen zur Homöopathie in anerkannten Wissenschafts-Medien (siehe oben unter Punkt 4.) gibt. Es ist daher eine hoch interessante Frage, welches Fundament die Fachkompetenz von Rainer Wolf auf dem Gebiete der “wissenschaftlichen Untersuchung” der Homöopathie begründet und den in der Pressearbeit seines Vereins erhobenen Anspruch einer “Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von” rechtfertigt.
In einem Artikel mit der Überschrift “Ein homöopathischer Knockout- Test”, publiziert in der Vereinszeitschrift skeptiker 3/05, demonstrier- te er jüngst eine Kostprobe seiner Fach- und Methodikkompetenz: Wolf berichtet davon, dass er mehrfach ohne jegliche Wirkung ho- möopathische Hochpotenzen eingenommen hat, welche nach Aussa- ge einiger Homöopathen bei gesunden Menschen schädliche “Neben- wirkungen” haben sollen. Daraus schließt er, dass die Homöopathie ein reines Placebo-Phänomen sei. Sieht man einmal davon ab, dass es im Heilsystem der Homöopathie nur “Wirkungen”, jedoch keine “Nebenwirkungen” gibt (Rainer Wolf scheint das theoretische Grund- konzept der Homöopathie noch nicht verstanden zu haben) so lässt sich mit dieser Methodik auch beweisen, dass der Mensch nicht zum Mond fliegen kann: Ein Sprung aus dem Fenster, ein unsanfter Fall auf den Boden und der Beweis ist erbracht. Mit Aussagen dieser Qualität lassen sich im Vereinsorgan der Nürnberger Hobby-Stern- forscher und auf Kameradschaftsabenden der GWUP sicherlich Punkte sammeln. Für eine geprüfte Publikation in wissenschaftlichen Fachmedien wie z.B. FORSCHENDE KOMPLEMENTÄRMEDIZIN, Homeopathy, Complementary Therapies in Medicine oder Natural Standard reicht dieses Niveau - freundlich formuliert - jedoch nicht aus.
GWUP, Skeptiker, Pseudowissenschaft & Agitation:
Wikipedia: GWUP, Skeptiker, Wikipedia - Admin FOSSA: »Die GWUP ist entgegen ihres Namens keine wissenschaftliche Standesorganisation, sondern ein Verein, der Aktivisten der Skeptikerbewegung organisiert.« NEU: Wikipedia, Agitprop und Nina Gerlach
Aggressivität: (Stephan Matthiesen) Mein Standpunkt als Skeptiker-Redaktionsleiter: »Zwar ist ein fairer und sachlicher Umgang ein Leitziel der Skeptikerbewegung, doch Rhethorik und Wirklichkeit liegen selbst bei einflussreichen „Skeptikern“ weit auseinander: Menschen mit anderen Blickwinkeln werden nicht als Gesprächspartner, sondern als „Gegner“ gesehen, die man auch persönlich angreifen und lächerlich machen kann — emotionale Schlagworte ersetzen fundierte Argumente und der konstruktive Austausch wird verhindert.«
Insiderbericht: (Rudolf Henke) »Mir fiel schon bald auf, dass drei der damaligen fünf GWUP-Fachressorts - nämlich die Bereiche Astrologie, UFOs und Okkultismus - von wissenschaftlichen Laien geleitet wurden ... Doch im Laufe der Zeit mußte nicht nur ich feststellen, dass es den Betreffenden nicht nur erheblich an wissenschaftlichem Grundlagenwissen mangelte, sondern dass alle drei ihre Tätigkeit mit einem missionarischen Eifer betrieben, der mich abstieß.«
Pseudowissenschaft: (BIRNE HELENE) Der Redakteur eines großen deutschen Nachrichtenmagazins vertraute mir vor einiger Zeit einmal ganz offen an, dass er in der Berichterstattung der Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften e.V. (GWUP) „einen leichten Hang zur Demagogie“ wahrnimmt, so dass er „Autoren aus dieser Ecke etwas skeptisch gegenüber steht“...
+ + + Aktuelle psychophysik.com-Meldung + + +
GWUP kritisiert neue Professur für Komplementärmedizin an der Charité
Der zur Skeptikerbewegung gehörende Verein GWUP e. V. veröffentlichte eine Pressemeldung mit der Schlagzeile: “GWUP kritisiert neue Professur für Komplementärmedizin an der Charité”.
Auf der Internetseite von openPR behauptet der Verein, erste Aussagen von Beteiligten und Wortführern der Charité, wie Stefan Willich, würden angeblich wenig Gutes für das Festhalten an wissenschaftliche Standards verheißen. “Wissenschaftliche Methoden sollen offenbar solange den Bedürfnissen der Alternativmedizin angepasst werden, bis sie die Resultate erzielen, die sich die Vertreter der ‘Komplementärmedizin’ wünschen.” Konkrete Belege für diese ehrabschneidende Behauptung liefern die Skeptiker in ihrer Pressemeldung nicht, für eine angeblich wissenschaftliche Vereinigung ein ungewöhnlicher Vorgang. Mehr Details unter:
READERS EDITION: GWUP und Komplementärmedizin: “Hilfe Skeptiker!”
H.Blog: Charité, Outcome-Studien, Rouven Schäfer und Prof. Dr. Ulrich Berger von der GWUP