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“Nachtrag”.

Prof. Dr. Harald Walach zur Homepage
”Pseudowissenschaften an der Uni Leipzig”

Die GWUP zitiert auf ihrer Homepage eine Webseite mit dem Titel Pseudowissenschaften an der Universität Leipzig”, welche die spektakulären Homöopathie-Experimente der Professoren Karen Nieber und Wolfgang Süß als Wissenschafts-Skandal präsentiert. Zu den Merkwürdigkeiten dieses Links gehört die Tatsache, dass die GWUP hier eigene Anhänger zitiert, ohne über diesen Sachverhalt aufzuklären. Seltsam: Nieber und Süß erhalten keine Möglichkeit, zu den Vorwürfen Stellung zu nehmen. psychophysik.com hat mit Prof. Harald Walach, Mitarbeiter der Universität Freiburg und langjähriger Forscher des SAMUELI INSTITUTE, einen Experten darum gebeten, die fachliche Qualität dieser Homepage zu prüfen. Haben die Urheber, ein Mathematiker, ein Geophysiker und ein Chemiker, alle im Ruhestand, neben ihrem aggressiven Stil zumindest fachlich etwas zu bieten?

Brief von Prof. Harald Walach (Anschreiben, JPG, 231 KB)

UNIVERSITY FREIBURG HOSPITAL
Institut für Umweltmedizin und Krankenhaushygiene

SAMUELI INSTITUT OF INFORMATIONS BIOLOGY (SIIB)
SIIB EUROPA

Koordinator: Prof. Dr. Dr. Harald Walach
Tel. 0761 / 270 5497
Fax. 0761 / 270 7224

                                                                         12.05.05

Sehr geehrter Herr Fritzsche,

besten Dank für Ihre Unterlagen. Aufgrund ausgedehnter Reisetätigkeiten und anderer Dinge komme ich erst jetzt dazu, Ihnen zu antworten. Meine Antwort wird wahrscheinlich auch kürzer ausfallen als die Kommentare, da ich nicht alles im Detail nachvollziehen kann.

Ich wollte meine Beurteilung und meine Kommentare in zwei hauptsächliche Teile trennen: 1. Momente des Konsens, 2. Momente des Dissens. Fangen wir mit letzterem an, Momente des Dissens.

Was mich an dem gesamten Kommentar, seinem Duktus und seinen Voraussetzungen stört, ist die implizite Theorie und Auffassung von Wissenschaft, die dahinter steht. Sie ist aus meiner Sicht voll von neopositivistischen Vorurteilen, die dazu führen, dass die Autoren Wissenschaft als ein quasidogmatisches System verstehen, in dem es unerschütterliche Regeln, unerschütterliche Grundsätze und unerschütterliche Gegebenheiten gibt. Dies ist gegen die moderne und neuere Ansicht von der Wissenschaft als einem hochkomplexen sozialen Prozess, in dem es einen Austausch zwischen materieller Umwelt und in ihr agierender Wissenschaftler inmitten eines Interessengefüges und inmitten eines Zugangs zu Ressourcen und Kommunikationsmitteln gibt. Die beste Referenz hierfür ist Bruno Latour, „
Die Hoffnung der Pandora“, Frankfurt: Suhrkamp 2000. Die Autoren lassen ein Wissenschaftsbild erkennen, das ungefähr um die Zeit von 1940 stehen geblieben ist. Dies halte ich nicht für eine gute Voraussetzung, um anderer Leute Arbeit wirklich unvoreingenommen beurteilen zu können. Hieraus ergibt sich auch der doktrinäre und dogmatische Duktus des Textes, mit dem ich in dieser Form in keiner Weise einverstanden bin. Ich denke, die Autoren tun gut daran, wenn sie ihre eigenen Voraussetzungen reflektieren, wenn sie sich Rechenschaft über die Motive abgeben, mit denen sie arbeiten, und wenn sie diese mindestens genauso transparent machen wie sie die vermeintlichen oder wirklichen Fehler anderer transparent machen.

Ich erkenne in der Art der Formulierung und in der Art der Voraussetzung, die die Autoren machen, neben einer durchaus begrüßenswerten und auch von mir unterstützten Form der Skepsis und der Durchdringung von Fakten auch Motive, die ich etwa folgendermaßen umreißen will: Es scheint den Autoren darum zu tun zu sein, ein vermeintlich wahres wissenschaftliches Weltbild gegen vermeintliche Obskurantismen und Dinge zu retten, von denen sie a priori glauben, sie können nicht existieren und sie sind nicht vorhanden. Dieser aprioristische und dogmatische Zugang zur Wissenschaft ist aus meiner Sicht etwas vom Störendsten wenn es darum geht, Wissenschaft vor allem an den Rändern voranzubringen. Es ist historisch längst erwiesen und leicht belegbar, dass die entscheidenden Veränderungen immer von den Rändern und von den phänomenologischen Randerscheinungen innerhalb der Wissenschaft und von den so genannten Anomalien ausgehen. Ich lege Ihnen ein Paper bei, das wir hierzu verfasst und publiziert haben.

Insofern ist es ein heuristischer Unsinn zu sagen, es gibt bestimmte Phänomene a priori nicht, weil sie mit dem Bestand der bisher existierenden Wissenschaft nicht vereinbar sind. Wenn diese Haltung grundsätzlich stimmen würde, hätten wir keine einzige der wissenschaftlichen Umwälzungen erlebt, die zu dem heutigen modernen naturwissenschaftlichen Weltbild geführt haben, um das es den Autoren anscheinen zu tun ist.

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