Forschung & Forschung:
Ein Vergleich von GWUP und IGPP...

Geht es um die Untersuchung paranormaler Phänomene (Tele- pathie, Psychokinese, Hellsehen etc.), so suchen Journalisten regelmäßig bei zwei Institutionen Rat. Auf der einen Seite gibt es da die Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung
von Parawissenschaften e.V.
(GWUP) und auf der anderen Seite gibt es das Institut für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene (IGPP). Beide Organisationen nehmen für sich
in Anspruch, paranormale Phänomene wissenschaftlich zu
untersuchen und diesbezüglich kompetent und aussagefähig
zu sein. psychophysik.com wollte wissen, wie sich die Arbeitsschwerpunkte von GWUP und IGPP unterscheiden und hat bei der Recherche interessante Beobachtungen gemacht.

1.1 Forschung IGPP:

Die Forschungsarbeit des IGPP wird auf der Homepage des Instituts ausführlich dokumentiert. Ein Organigramm informiert über Vorstand, Institutsleitung, erweiterte Institutsleitung sowie diverse Abteilun- gen. Zum Institut gehört eine ca. 40.000 Bände umfassende Spezi- albibliothek "Parapsychologie und Grenzgebiete der Psychologie", die zu den größten Büchersammlungen dieser Art in Europa gehört und die jedes Jahr um ca. 1000 Bände wächst. Sie wird seit 1973 von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert und ist Bestandteil der Universitätsbibliothek Freiburg. Im Mittelpunkt steht die systemati- sche Erfassung des gesamten Spektrums der grenzwissenschaftli- chen Literatur. Die Bibliothek bezieht etwa 350 Zeitschriften und Mitteilungsblätter aus der ganzen Welt. Vollständig vorhanden sind alle internationalen Fachzeitschriften für parapsychologische For- schung und Anomalistik. Jahresberichte informieren über wissen- schaftliche Untersuchungen, Forschungsergebnisse, Publikationen, Lehrveranstaltungen, Kooperationen, externe Projekte und Medien- berichte. Der Tätigkeitsbericht 2002/2003 (PDF, 3,3MB) umfasst 109 Seiten.

1.2 Forschung GWUP:

Die Homepage der GWUP verfügt zwar über eine umfangreiche Auf- satzsammlung. Es gibt jedoch keinerlei Angaben, welche Rückschlüs- se auf eine systematische Forschungsarbeit zulassen. Die bisherigen Recherchen von psychophysik.com haben ergeben, dass seit Grün- dung der GWUP im Jahre 1987 noch nie ein Tätigkeitsbericht veröf- fentlicht wurde, welcher über die wissenschaftlichen Untersuchungen und Forschungsergebnisse des Vereins systematisch Auskunft und Rechenschaft gibt. Was es sehr wohl gibt, sind vereinzelte Experi- mente und Tests, wie beispielsweise die von der GWUP-Regional- gruppe Bamberg. Ob sich die “Forschungsarbeiten” z.B. der GWUP Regionalgruppe Bamberg mit denen des IGPP vergleichen lassen, das ist eine interessante Frage. Lässt der gewählte Stil Rückschlüsse auf die Qualität der Arbeit zu, so könnten Zweifel durchaus angebracht sein. Eine wissenschaftlichen Kriterien genügende Dokumentation ist, wenn es sie überhaupt gibt, zumindest sehr gut versteckt.

2.1 Presse- und Medienarbeit IGPP:

Die Presse- und Medienarbeit lässt sich mit einem einfachen Satz zusammenfassen: “Das IGPP nimmt gegenüber Medien zu Sachver- halten Stellung, wenn es darum gebeten wird.” Es veröffentlicht jedoch keinerlei Pressemitteilungen und vermeidet es, bewertende Aussagen vorzunehmen. Die Medienbeiträge des IGPP sind im jähr- lichen Tätigkeitsbericht aufgelistet und es handelt sich primär um (relativ wenige) Interviews mit Tageszeitungen, Magazinen, Rundfunk und TV.

2.2 Presse- und Medienarbeit GWUP:

Liegt der Schwerpunkt des IGPP in der wissenschaftlichen Arbeit, so hat es den Anschein, dass die GWUP 98% ihrer Ressourcen für Medien- und Öffentlichkeitsarbeit einsetzt. Äußert sich das IGPP in der Regel nur dann, wenn es von Journalisten darum gebeten wird, so scheint dies auf Seiten der GWUP genau umgekehrt der Fall zu sein. Das Pressearchiv der GWUP-Homepage listet im Zeitraum 2002 bis Oktober 2005 sage und schreibe 235 Pressemitteilungen auf. Wer nun die Hoffnung hat, in diesen fast wöchentlich herausgegebenen Pressemitteilungen Auskünfte über die neuesten wissenschaftlichen Untersuchungen der GWUP zu erhalten, der wird bitter enttäuscht. Eine stichprobenartige Prüfung von psychophysik.com ergab, dass weniger als 2% der GWUP-Pressemitteilungen über eigene Experimente berichten. Kommt dieser Wert der Realität nahe, so wäre dies auch eine plausibele Erklärung für die fehlenden Forschungsberichte. Wo - von einigen wenigen Experimenten abgesehen - keine systematische und wissenschaftlichen Kriterien gerecht werdende Forschung stattfindet, da ist es auch ausgesprochen schwer, einen Tätigkeitsbericht zu füllen, der mit dem des IGPP vergleichbar wäre. Sollte es jedoch wider erwarten umfangreiche wissenschaftliche Arbeiten der GWUP tatsächlich geben, so stellt sich die Frage, warum dieser in der Pressearbeit so hyperaktive Verein ausgerechnet an dieser Stelle Informationen zurückhält, die seine Reputation fördern könnten.

3.1 Zielsetzung IGPP

Die Ziele des IGPP umfassen genau drei Bereiche: 1. Die interdiszi- plinäre Erforschung von Anomalien (außersinnliche Wahrnehmungen, veränderte Bewusstseinszustände, Psychokinese etc.), 2. Beratung und Hilfestellung für Menschen mit außergewöhnlichen Wahrnehmun- gen, 3. Wissenschaftliche Kooperationen mit in- und ausländischen Forschungsinstituten und Hochschulen. Mitarbeiter des IGPP bieten hier beispielsweise Lehrveranstaltungen an der Universität Freiburg an. Zusammengefasst lässt sich sagen, dass es sich beim IGPP um ein auf wissenschaftliche Forschung und menschliche Hilfestellung ausgerichtetes Institut handelt.

3.2 Zielsetzung GWUP

Schaut man sich im Gegenzug die Ziele der GWUP an, so beinhalten sie einen Aspekt, welcher zu größeren Konflikten mit dem Prinzip wissenschaftlicher Neutralität und Ergebnisoffenheit führen kann. Auf der einen Seite behauptet die GWUP, sie würde grenzwissenschaft- liche Aussagen mit wissenschaftlicher Methodik überprüfen. Wie unter Punkt 1.2 geschildert, muss der interessierte Beobachter jedoch lange suchen, um in der Flut von Aufsätzen und Pressemitteilungen überhaupt auf eigene Forschungsarbeit zu stoßen. Auf der anderen Seite enthalten die Ziele der GWUP eine politische Mission, welche dem Gebot der wissenschaftlichen Neutralität ganz klar widerspricht und bereits Ergebnisse unterstellt, bevor zur Diskussion stehende Sachverhalte überhaupt untersucht wurden. Die GWUP-Aussagen “Wer Informationen zu vermeintlich übersinnlichen oder paranormalen Phänomenen sucht, trifft meist auf einen unkritischen bis enthusiastisch-zustimmenden Umgang mit diesen Themen. Wir haben uns in der GWUP das Ziel gesetzt, ein Gegengewicht zu dieser erdrückenden Desinformation zu bilden.” muss unter wissenschaftlichen Kriterien als zu tiefst unseriös eingestuft werden. Erstens handelt es sich um eine Pauschalisierung, welche das Gegenteil einer vorsichtig abwägenden, neutralen Aussage darstellt. Dieses sprachliche Niveau kann bei JUGEND FORSCHT akzeptiert werden, nicht jedoch bei einem Verein mit wissenschaftlichem Anspruch. Zweitens enthält sie bereits vor der wissenschaftlichen Untersuchung eine Aussage dahingehend, dass die Mehrzahl von XY per GWUP-Dekret als falsch, ungültig und gefährlich eingestuft wird. Akzeptabel wäre eine bewertende Aussage dieser Art, wenn konkrete Forschungsarbeit einen solchen Schluss in Hinblick auf konkrete Sachverhalte zulassen würde. Eine pauschalisierende Präambel mit Vorverurteilung lässt jedoch Rückschlüsse darauf zu, wie es um die wissenschaftliche Qualität und Neutralität dieses Vereins bestellt ist.

Ein Experiment:

Es wird Sie vielleicht verwundern, an dieser Stelle nun einen Verweis auf die Enzyklopädie WIKIPEDIA zu finden. psychophysik.com lädt Sie jedoch zu einem kleinen Experiment ein, welches Ihnen im positiven Fall neben Erkenntnisgewinn vielleicht sogar ein klein wenig Unterhal- tung bietet. Die im Internet frei verfügbare Enzyklopädie WIKIPEDIA wird gewöhnlich nur zur Informations-Recherche genutzt. Sie können mit Hilfe von WIKIPEDIA jedoch auch wertvolle Informationen darüber erhalten, welche Themen beispielsweise weltanschaulich umstritten sind und wie die Protagonisten der jeweiligen Parteien miteinander umgehen. Manche Beiträge unter WIKIPEDIA sind hart umkämpft, andere sind hingegen wenig umstritten.

4.1 WIKIPEDIA: “IGPP”

Beginnen wir zunächst mit dem langweiligen Teil. Über diesen Link hier finden Sie den Wiki-Eintrag des IGPP. Wollen Sie prüfen, ob es zu einem Thema unter WIKIPEDIA große Kontroversen gibt, so werden Sie an zwei Stellen fündig: 1. Der Text selbst enthält Kritik und Gegenkritik. 2. Unter Versionen/Autoren finden Sie eine Chronik möglicher Korrekturen, Anpassungen aber auch möglicher “kriegeri- scher Auseinandersetzungen”. Zumindest bis zur Publizierung dieses Beitrags Ende Oktober 2005 strahlt der gesamte Eintrag Seriösität aus. Es wird keine Kritik am IGPP geäußert und es gibt auch keine großen Wettkämpfe um Änderungen.

4.2 WIKIPEDIA: “GWUP”

Ganz anders beim Wiki-Eintrag der GWUP: Zunächst einmal finden Sie hier einen großen Unterpunkt “Kritik an der GWUP”, was schon etwas auffällig ist. Folgen Sie dann unten dem Link “Kritik an der Arbeit von GWUP, CSICOP und anderer Skeptikerorganisationen”, so kommen Sie auf die Seite www.skeptizismus.de, welche Aspekte dieses Vereins zeigt, die deutlich von der Selbstwahrnehmung und Selbstdarstellung der GWUP abweichen. Richtig spannend wird es jedoch, wenn Sie einmal den Bereich Versionen/Autoren prüfen. Hier gibt es eine Menge Kritik an der GWUP, welche zunächst z.B. durch Textbeiträge oder Links geäußert wird und schon nach ganz kurzer Zeit wieder gelöscht wird. Im Gegensatz zum IGPP finden hier größere Auseinandersetzungen statt. Unter dem Pseudonym Rumsfeld-2 (tiefenpsychologische Analysen bitte per Mail einreichen) wurde nun der Versuch unternommen, einen kleinen kritischen Link einzufügen. Das Resultat sehen Sie in diesem Screenshot. Bereits 9 Minuten nach Speicherung ist eine Person mit dem Pseudonym Nina so nett, ihn mit der Bemerkung “Weblinks: eh schon zu viele und der ist uninteressant” wieder zu löschen. Ordnung muss sein! Neueinträge des gleichen kritischen Links werden anschließend jedes Mal innerhalb von wenigen Minuten von Nina gelöscht, wobei sich die Argumentation im Verlaufe ändert. Gerne hätte Rumsfeld-2 gewusst, ob Ninas Vorstellung von “viel, wenig” und “interessant, uninteressant” über ein objektives Messkriterium, so eine Art Nina-Standard, verfügt.

Um es kurz zu machen, der kritische Link von Rumsfeld-2 wurde erfolgreich abgewehrt und der Beitrag wurde vom Administrator gesperrt. Rumsfeld-2 hat ein ähnliches Spiel dann noch bei einem weiteren für die GWUP bedeutenden Reizwort namens “Homöopathie” versucht, erneut mit dem gleichen Resultat. Innerhalb weniger Minuten wird ein kritischer Link gelöscht und schon nach kurzer Zeit erfolgt die Sperrung. Wie durch ein Wunder ist auch hier Nina wieder die Person, welche für Ordnung sorgt. Aus Gründen der Fairness soll nicht verschwiegen werden, dass ihr Hinweis auf “fehlende Relevanz” beim Eintrag “Homöopathie” berechtigt ist. Nichtsdestotrotz drängt sich Rumsfeld-2 der Eindruck auf, dass hier so eine Art “Wachdienst” mit erstklassigen Reaktionszeiten und 24-Stunden-Verfügbarkeit existiert und ganz zum Schluss gewinnt, wer sich die Zeit für endlose Schein-Diskussionen nimmt und zum richtigen Zeitpunkt Rückenwind von der Admin-Seite erhält.

Ob das inhaltliche Anliegen von Rumsfeld-2 oder die Sichtweise von Nina nun ihre Berechtigung haben oder nicht, dass soll an dieser Stelle nicht geklärt werden. Interessant ist jedoch, wie deutlich sich das “Hintergrundrauschen” des Wikipedia-Eintrags von IGPP und GWUP unterscheidet. Mitunter lässt das Vorhandensein von RAUCH durchaus Rückschlüsse auf die Existenz von FEUER zu.

Machen Sie mit bei Wikipedia:

Bei Interesse können sie übrigens auf die weitere Gestaltung des Wikipedia-Eintrags “GWUP” konstruktiv Einfluss nehmen. Eine gültige E-Mail-Adresse bietet Ihnen die Möglichkeit, sich innerhalb von 3 Minuten zu registrieren. Ist ein Beitrag FREI, so können Sie ihn selbst editieren. Ist ein Beitrag z.B. wegen eines so genannten Edit Wars GESPERRT, so benötigen Sie Geduld und langen Atem.



Links zum Thema:

Heinz Koch über Wikipedia und weltanschaulich umstrittene Themen

NEU: Wikipedia, Agitprop und Nina Gerlach

 


GWUP, Skeptiker, Pseudowissenschaft & Agitation:

Wikipedia: GWUP, Skeptiker, Wikipedia - Admin FOSSA: »Die GWUP ist entgegen ihres Namens keine wissenschaftliche Standesorganisation, sondern ein Verein, der Aktivisten der Skeptikerbewegung organisiert.«

Komplementärmedizin: Charité, Outcome-Studien, Rouven Schäfer und Prof. Dr. Ulrich Berger von der GWUP

Aggressivität: (Stephan Matthiesen) Mein Standpunkt als Skeptiker-Redaktionsleiter: »Zwar ist ein fairer und sachlicher Umgang ein Leitziel der Skeptikerbewegung, doch Rhethorik und Wirklichkeit liegen selbst bei einflussreichen „Skeptikern“ weit auseinander: Menschen mit anderen Blickwinkeln werden nicht als Gesprächspartner, sondern als „Gegner“ gesehen, die man auch persönlich angreifen und lächerlich machen kann — emotionale Schlagworte ersetzen fundierte Argumente und der konstruktive Austausch wird verhindert.«

Insiderbericht: (Rudolf Henke) »Mir fiel schon bald auf, dass drei der damaligen fünf GWUP-Fachressorts - nämlich die Bereiche Astrologie, UFOs und Okkultismus - von wissenschaftlichen Laien geleitet wurden ... Doch im Laufe der Zeit mußte nicht nur ich feststellen, dass es den Betreffenden nicht nur erheblich an wissenschaftlichem Grundlagenwissen mangelte, sondern dass alle drei ihre Tätigkeit mit einem missionarischen Eifer betrieben, der mich abstieß.«

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