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“Wir brauchen Wissenschaftler, die Anomalien aushalten können - ebenso dringend, wie Esoteriker wissenschaftliches Argumentieren lernen müssen. Wie ich einerseits auf rätselhafte Phänomene auf- merksam zu machen versuche, die der akademische Wissenschafts- betrieb übersieht, verkennt oder totschweigt - wie zum Beispiel Geistiges Heilen -, so warne ich andererseits davor, sie voreilig als ‘gegeben’ hinzunehmen.” Es ist schon eine Weile her, dass der Philosoph und Psychologe Dr. Harald Wiesendanger diese Worte in einem Interview gegenüber der Ärzte Zeitung äußerte. Sie scheinen jedoch in keinerlei Hinsicht an Aktualität verloren zu haben. Schulme- dizinisch schwer oder nicht zu erklärende Heilphänomene aus dem Fundus der Alternativmedizin aber auch Täuschung und Betrug unter dem Label “Wunderheilung” führen nach wie vor zu heftigen Kontro- versen. Wer im Umfeld alternativer und mitunter auch rätselhafter Heilmethoden die Spreu vom Weizen trennen will, der findet in der Regel drei Herangehensweisen:
Wissenschaft Zunächst einmal gibt es den Weg, alternative Heilverfahren mit etablierten wissenschaftlichen Methoden zu untersuchen. Wer sich für diese Variante interessiert, der wird bei einer Gesellschaft wie z.B. der International Society for Complementary Medicine Research fündig. Hier findet er Forscher, welche die Alternativ- und Komple- mentärmedizin nach wissenschaftlichen Kriterien untersuchen und ihre Ergebnisse in Fachzeitschriften wie z.B. Forschende Komple- mentärmedizin, Homeopathy, Complementary Therapies in Medi- cine oder Natural Standard publizieren und zur Diskussion stellen.
Esoterik In Kreisen echter oder vermeintlicher Heiler und “Wunderheiler” gibt es darüber hinaus nicht wenige Personen, welche einer genaueren Überprüfung ihrer Arbeit lieber aus dem Wege gehen und deren Vorgehensweise Anlass für berechtigte Zweifel an ihrer Seriösität gibt.
Komplementär-Esoterik Zum guten Schluss gibt es noch eine dritte Gruppe, welche in ihrer Selbstdarstellung vorgibt, rätselhafte Phänomene und Anomalien kritisch und wissenschaftlich untersuchen zu wollen, deren Vorge- hensweise jedoch eher an Komplementär-Esoterik erinnert. Sowohl Selbstdarstellung als auch Experimente erwecken gegenüber Laien die Illusion, hier würde wissenschaftlich gearbeitet. Man nutzt ge- schickt wissenschaftliche Titel und wissenschaftlich klingende Fachbegriffe. Unterzieht man jedoch Aussagen, Methodik und Dokumentation einer genauen Prüfung, so versteckt sich dahinter zu großen Teilen Pseudowissenschaft und ein negatives Glaubenssys- tem. Lesenswert sind in diesem Zusammenhang die Erfahrungsbe- richte der ehemaligen GWUP-Mitglieder Edgar Wunder und Rudolf Henke. Der von Prof. Martin Lambeck durchgeführte und im Magazin ZEITWissen publizierte “Heiler-Test” erweckt den Eindruck, in diese Kategorie zu gehören.
Was genau geschah am 21. April 2006 in Berlin, als sich mit GWUP- Mitglied Prof. Martin Lambeck, ZEITWissen Chefredakteur Christoph Drösser, einem Vertreter der VDI-nachrichten und weiteren Perso- nen insgesamt neun Menschen in Berlin Karlshorst trafen, um Dr. med. Herbert Koerner einem “Heiler-Test” zu unterziehen? Um diese Frage zu beantworten, soll nachfolgend zunächst die Darstellung von Christoph Drösser in seinem Artikel wiedergegeben werden, um in einem nächsten Schritt Dr. med. Herbert Koerner die Möglichkeit zu geben, seine Sichtweise zu schildern.
Die Perspektive ZEITWissen Folgt man den Schilderungen von Christoph Drösser, so findet zu- nächst ein Vortest statt, bei dem Herbert Koerner Dinge macht, welche ein wenig an Reiki erinnern. Er stellt sich vor eine Probandin hin, welche ihre gespreizten Hände zu ihm ausrichtet. Von Koerner ausgehende “Informationsenergie” soll, so die Theorie, von der Probandin als Kribbeln in den Fingern wahrgenommen werden und nachlassen, wenn Koerner sich um 90 Grad zur Seite dreht und der Probandin die Seite zuwendet. O-Ton Drösser: “Bei fast jedem Menschen kribbelt es nach einigen Sekunden in den Fingern, wenn er diese ungewöhnliche Körperhaltung einnimmt. Aber ändert sich das, wenn der Arzt sich dreht? Frau Walther sitzt auf dem Stuhl, schließt die Augen, Koerner steht in etwa eineinhalb Metern Abstand vor ihr. Nach einigen Momenten berichtet sie von Kribbelgefühl. Als der Arzt sich (geräuschvoll) zur Seite dreht, dauert es eine Weile, dann lässt das Gefühl nach. Koerner dreht sich zurück. ‘Und jetzt?’ Das Kribbeln ist wieder da.”
In einem nächsten Schritt führt Koerner eine Maßnahme zur Linde- rung psychischer Probleme durch. Er fragt die Probandin Frau Wal- ther, ob es etwas gäbe, was sie traurig macht oder ärgert. Die Antwort lautet “Zur Genüge”. Anschließend stellt sich Koerner frontal vor sie hin, legt ihren Kopf an seinen Brustkorb, stößt einen unter- drückten Schrei aus und “Siehe da - die Patientin berichtet, dass das Problem zwar noch existiert, das belastende Gefühl aber ver- schwunden ist.”
Nach der gleichen Methode behandelt Koerner Frau Walther in Hin- blick auf ein körperliches Leiden. Als Folge einer Fußverletzung am Morgen des 21. April hatte sie Schmerzen am linken Knöchel. O-Ton Drösser “Koerner will den ‘Schmerz herausschießen’, aber der Erfolg bleibt aus.” Anschließend will er den Schmerz ins Knie verlagern, was auch nicht funktioniert. Koerner weist darauf hin, dass diese Aus- sage falsch ist und eine Tonaufzeichnung der gesamten Veranstal- tung zur Klärung von Meinungsverschiedenheiten genutzt werden könne. Laut Koerner sprach Frau Walther von einer deutlichen Lin- derung ihres Schmerzes und bestätigte auch die angekündigte Schmerzverlagerung.
Koerner weigert sich, einen Blindtest durchzuführen Nun kommen zwei weitere Probanden auf den Stuhl. “Aber bei Herrn Maennig und Herrn Andersen zeigen sich weder beim Kribbel-Versuch noch bei der Schmerz- und Psychotherapie eindeutige Ergebnisse. Mal fühlen sich die Männer ein bisschen besser, dann wieder nicht.” Koerner weist darauf hin, dass Herr Andersen eindeutig positive Reaktionen bestätigte und sich dies durch die Tonaufzeichnungen der Veranstaltung belegen lässt. Laut Drösser werden die “skepti- schen Beobachter” nun langsam unruhig, da die bisherigen Vorfüh- rungen nur ein Vorspiel für den eigentlichen Test sein sollten. Danach soll Koerner hinter einer Türe stehen und den Probanden nach einem zufälligen Muster entweder die Vorderseite zuwenden oder seitlich stehen. Ohne Kenntnis der Körperstellung sollen die Probanden nun sagen, ob sie etwas bemerken oder nicht. Zur Überraschung von Lambeck und Drösser weigert sich Koerner jedoch, diesen Blindtest durchzuführen. Folgt man den Orignaltext des Artikels, so “windet” sich Koerner und bringt einige scheinheilige Argumente vor, warum er diesen Teil des Experiments ablehnt. Die Stimmung im Raume schlägt um in Enttäuschung auf Seiten der Skeptiker und in Vorwürfe hin- sichtlich überzogener Anforderungen auf Seiten des Arztes. Koerner verweist darauf, dass es im Vorfeld keinerlei Absprache zu einem Blindversuch gegeben habe.
Die Stimmung scheint vollends zu eskalieren, als eine “Maschine” bzw. ein “Informationsapparat” von Koerner ins Spiel kommt und Lambeck mit lauter Stimme darauf hinweist “Dies ist keine Patent- schrift”. Drösser wählt den Begriff “Maschine” für einen Versuchs- aufbau, bei dem zwei mit Wasser gefüllte Pilsgläser in einer Entfer- nung von ca. 40 Zentimeter zueinander auf einem Tisch stehen. In diesen Gläsern schwimmen kleinere Kölschgläser. Koerner demon- striert nun eine “geheimnisvolle Informationsübertragung”, indem er eines der Kölschgläser im Uhrzeigersinn dreht. Gerade als die Drehung dieses Kölschglases nachlässt, passiert erstaunliches: Das zweite Kölschglas, welches nicht berührt wurde, dreht sich “... ein paar Grad nur, aber ein Zweifel ist ausgeschlossen”.
Prof. Martin Lambeck: “Gekoppelte Oszillation” An dieser Stelle macht Martin Lambeck eine - wie sich noch heraus- stellen wird - folgenschwere Aussage. Drösser schreibt, dass Martin Lambeck “nicht sonderlich beeindruckt” ist und dass er das Phäno- men “Gekoppelte Oszillation” nennt. Dieses Phänomen sei in der Physik gut bekannt und zeige sich beispielsweise dann, wenn zwei Pendel nebeneinander an einer starren Stange aufgehängt sind und das Schwingen des einen Pendels mit zeitlicher Verzögerung auch das zweite Pendel zum Schwingen bringt. Im vorliegenden Fall habe sich, so Lambeck, die Drehung des einen Glases über den Tisch auf das andere Glas übertragen. Um die Richtigkeit dieser Aussage zu beweisen, werden die Gläser nun auf zwei verschiedene Tische gestellt. Erneut wird ein Kölschglas per Hand zum Drehen gebracht. Und was tut sich? Bewegt sich das zweite Glas? Nein! Koerner ist überrascht, hat von gekoppelter Oszillation noch nie etwas gehört und wird von Seiten der Skeptiker gefragt, warum er sich nicht um eine herkömmliche Erklärung des Phänomens bemüht habe, warum er nicht einmal Versuche gemacht habe, bei denen kein Mensch im Raum war und der Vorgang per Video überwacht wurde?
Der Artikel schließt mit dem Hinweis, dass Koerner natürlich für jeden Fehlschlag eine Erklärung hat und die Nichtdrehung des Glases beim zweiten Versuchs mit zwei getrennten Tischen durch “chaotisches psychisches Potenzial” erklärt. Warum er keine Blindversuche durch- geführt habe? Das will er schnell nachholen, “erklärt Koerner eifrig”. Die letzten zwei Sätze in Drössers Darstellung der Geschehnisse am 21. April 2006 lauten: “Martin Lambeck hat die Gläser keinen Moment lang aus den Augen gelassen (gemeint ist der zweite Versuch mit getrennten Tischen, Anm. d. Red.). ‘Da’, ruft er, ‘es hat sich be- wegt’!”
Fazit aus der Perspektive ZEITWissen Wer sich ein klein wenig mit den Denk-, Sicht- und Vorgehensweisen von Mitgliedern und Anhängern der GWUP auskennt, mit ihrer Motiva- tion und Zielsetzung, der wird schnell zu dem Ergebnis kommen, dass es sich hier um eine “skeptische Sternstunde” handelte. Anhänger der GWUP sehen sich selbst als wichtigen Eckpfeiler der Scientific Community, der wissenschaftliche Werte verteidigt und vor Scharla- tanen und Esoterikern beschützt. Ein Teil dieser vermeintlichen Skeptiker (echte Skeptiker verwechseln “kritisch” nicht mit “negativ glaubend”) scheint ein starkes Bedürfnis danach zu haben, vom eigenen Denkschema abweichende Menschen medienwirksam als Betrüger an den Pranger zu stellen und darüber hinaus noch einen möglichst großen Schwall Spott und Häme nachzuwerfen. Wird in der Öffentlichkeit ein sympathischer Mensch wie Prof. Martin Lambeck präsentiert, so gibt es hinter den PR- und Medienkulissen ebenso eine Hardcore-Fraktion, welche im Internet - gewöhnlich anonym - ganz anders zur Sache geht. Der sprachliche Duktus in den diversen Diskussionsforen zwischen Anhängern der GWUP und Kontrahenten ist geprägt von Aggression, Zynismus, Spott und Häme (siehe auch: Wikipedia und weltanschauliche Kämpfe). Man pflegt das Selbstbild einsamer Inseln der Wahrheit und Erkenntnis in einem Meer von Un- wissen und Wahnsinn. Genau dieses Klischee bedient der Artikel von Christoph Drösser in geradezu perfekter Form. Dr. med. Koerner wird als komischer Kauz bloßgestellt, dessen von Lambeck nicht bezwei- felte Erfolge wahrscheinlich auf Suggestiveffekten beruhen oder her- kömmlich erklärt werden können. Mit eigenen Probanden scheinen seine seltsamen Experimente zu funktionieren. Lässt man jedoch einmal kritische Skeptiker heran, so bricht das Wolkenkuckucksheim schnell in sich zusammen. Und hinter “Wundermaschinen” versteckt sich ganz einfache Physik und eine herkömmliche Erklärung. Etwas mehr naturwissenschaftliche Bildung und Herr Koerner, dieser Depp, hätte auch selbst darauf kommen können. Medienwirksame Aktionen dieser Art lassen GWUP-Herzen schneller schlagen.
Die Perspektive Dr. med. Herbert Koerner Befragt man nun Herbert Koerner nach seiner Sicht der Dinge, so beginnen die Ungereimtheiten bereits mit der Entstehungsgeschichte des Artikels “Harter Test für sanfte Heiler”, den Martin Lambeck in der Ausgabe 2/2006 des Magazins ZEITWissen publizierte. In seinem Artikel berichtet Lambeck von Recherchen mit dem Ziel, Aussagen von Ärzten zu überprüfen, welche “mit Hilfe von ‘physikalischen Methoden’ angeblich herausfinden, welches Medikament bei ihren Patienten am besten wirkt”. Nach Aussage von Koerner hat Lambeck ihm persönlich bestätigt, dass der folgende Text die Passage enthält, in welcher Lambeck die Praxis Dr. med. Herbert Koerner besuchte. Im O-Ton des Lambeck-Artikels ist hier zu lesen:
“Die Ärztin Y führte mir ein Gerät vor, das ähnlich wie EAV funkti- oniert, aber von einer anderen Firma hergestellt wird. Sie untersuch- te mich ausführlich an Händen und Füßen und stellte interessante Einzelheiten über meine »Leber- und Pankreasmeridiane«, meine Gal- lenblase und meinen »Energiemangel« fest. Ich erhielt ein umfang- reiches, farbig gedrucktes Messprotokoll meiner »Meridianwerte«. Ein Medikamententest war aber nicht möglich - die zugehörige Software war noch nicht eingetroffen.
Der Prospekt des Gerätes erklärte dessen Wirkungsweise mit der Quantenphysik, zwei Heisenberg-Zitaten, einer »Gravitationswelle mit 20-facher Lichtgeschwindigkeit« und einer »stehenden Vakuumkom- pressionswelle im hyperbolisch-logarithmischen Maßstab«. Offenbar spekulierte der Verfasser auf das weit verbreitete Missverständnis, die Quantenphysik erlaube jede beliebige Behauptung.”
Koerner weist nun darauf hin, dass “Y” zunächst einmal keine Ärztin war, sondern eine Mitarbeiterin in seiner Praxis. Interessant findet Koerner, dass Lambeck den Namen und Hersteller des von ihm er- wähnten Gerätes nicht nennt, um Lesern eine Überprüfung seiner Aussagen zu ermöglichen. Das Gerät, welches Lambeck in Koerners Praxis damals begutachten konnte, hat den Namen PROGNOS. Die Aussage, der Hersteller würde die Wirkungsweise des Gerätes mit der Quantenphysik erklären, ist in dieser Form falsch oder zumindest missverständlich. Die Wirkungsweise von PROGNOS wurde durch Ex- perimente in der russischen Raumfahrt empirisch, jedoch nicht theo- retisch, abgeleitet (siehe auch: “Computer-Meridian-Diagnose”). Der Hersteller wirbt sehr wohl mit der überprüfbaren Aussage, dass der russische Kosmonaut Waleri Poljakow am 22. März 1995 nach 438 Tagen im All für eine internationale Sensation sorgte, als er nach dem längsten Aufenthalt eines Menschen im All ohne fremde Hilfe aus der Sojus-Kapsel ausstieg, nach dem er während seines langen Auf- enthalts im All mit einem Vorgängermodell des PROGNOS-Systems arbeitete. Auf der Suche nach Erklärungen für diesen ungewöhnli- chen und gut dokumentierten Erfolg verweist MedPrevent, Lizenz- nehmer der PROGNOS-Technologie, auf unterschiedliche Theorien und Erklärungsmodelle, ohne diese jedoch als gesichertes Wissen auszuweisen und ohne daraus die Funktion des Gerätes abzuleiten. Es besteht hier somit der Verdacht, dass Lambeck Fakten in einer verfälschenden Form aus dem Zusammenhang gerissen hat, um die von ihm kritisch hinterfragten Therapieformen und Personen der Lächerlichkeit preiszugeben (Siehe auch: PROGNOS-Flyer der Firma MedPrevent.) Kann man Lambeck dies alles vielleicht noch nachse- hen, so gibt die folgende Aussage Anlass zu der Frage, ob Lambeck hier Informationen vorsätzlich in einer Form verfälscht hat, die nach den “Grundsätzen guter wissenschaftlicher Praxis” ein schweres Delikt darstellt:
Koerner macht keine “Medikamenten-Tests” In seinem Artikel “Harter Test für sanfte Heiler” schreibt Lambeck zur vermeintlichen Ärztin Y: “Ein Medikamententest war aber nicht mög- lich - die zugehörige Software war noch nicht eingetroffen”. Nach Aussage von Koerner ist diese Darstellung haarsträubender Unsinn. Im Gespräch ging es laut Koerner um eine Software von Prof. Fritz- Albert Popp, der eine Methode entwickelt hat, die körpereigene Regulation durch die Analyse der elektrischen Hautleitfähigkeit zu beschreiben. Diese Software hat jedoch mit den von Lambeck hin- terfragten “Medikamententests” absolut nichts zu tun. Koerner legt Wert auf die Feststellung, dass er gegenüber Lambeck unmissver- ständlich zum Ausdruck brachte, in seiner Praxis weder Bioresonanz- therapie noch “Medikamententests” durchzuführen und dies dadurch erklärte, dass die von ihm entwickelte Schmerztherapie nach grund- sätzlich anderen Prinzipien funktioniert. Die Aussage “die zugehörige Software war noch nicht eingetroffen” klingt vor diesem Hintergrund nach einer bewusst vorgenommenen Verfälschung. In Koerners Praxis hätte nie eine Software für “Medikamententests” eintreffen können, da sie nie bestellt wurde und aus den erwähnten Gründen auch nicht zum Einsatz kommt. In der Veranstaltung am 21. April ging es vor diesem Hintergrund, welch ein überraschendes Wunder, daher auch nicht um “Medikamententests”.
Vielleicht lässt sich die Darstellung ja so interpretieren, dass Martin Lambeck wenig Motivation hatte, zu viel Aufwand für die Untersu- chung eines therapeutischen Verfahrens zu betreiben, das von ihm a priori als Humbug eingestuft wird. Eine codierte Umschreibung als “Ärztin Y” bietet hier vielfältige Möglichkeiten, die von Lambeck beobachtete Realität mit der von ihm gewünschten Realität kreativ in Einklang zu bringen. Sollte Lambeck mit dieser Interpretation nicht zufrieden sein, so ist er herzlich eingeladen, genau zu dokumentie- ren, wer denn jene ominöse “Ärztin Y” dann aus seiner Sicht ist. Koerner ist sich seiner Darstellung sicher, da Lambeck ihm nach dem Erscheinen des Aufrufs in ZEITWissen persönlich mitteilte, dass die mit “Ärztin Y” umschriebene Passage den Besuch in seiner Praxis beschreibt und die restlichen Angaben (Ausdruck eines farbig ge- druckten Messprotokolls, Hinweis auf Software, der Besuch selbst) mit den damaligen Geschehnissen korrekt übereinstimmen. Irritierend findet Koerner auch den Sachverhalt, dass Lambeck ihn weder beim ersten Besuch in seiner Praxis noch rechtzeitig vor der Publizierung darüber informierte, dass er - wenn auch in verschlüsselter Form - Gegenstand einer Darstellung in ZEITWissen werden würde.
Ergänzend zu den Ausführungen von Koerner sei die Frage erlaubt, wie Lambeck vor diesem Hintergrund und nach dem Besuch von nur drei Praxen die Chuzpe haben kann, sich selbst im Magazin ZEIT Wissen mit der Schlagzeile “Selbst hoch gebildete Menschen ver- trauen esoterischer Pseudomedizin” als urteilsfähige Instanz darzu- stellen. Hätte Lambeck statt nur drei beispielsweise 500 Ärzte nach einer genau dokumentierten und öffentlich zugänglichen Methode geprüft und seine Ergebnisse in einer wissenschaftlichen Kriterien gerecht werdenden Form publiziert, so hätten die betroffenen Per- sonen sowie die Öffentlichkeit die Möglichkeit gehabt, die Qualität seiner Arbeit zu prüfen, zu diskutieren und zu kommentieren. Be- wertet man die Aussagen Lambecks (seinem eigenen nicht gerade bescheidenen Anspruch gerecht werdend) nach wissenschaftlichen Kriterien, so verstößt er hier u.a. gegen folgende von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) aufgestellten Regeln “Guter wissen- schaftlicher Praxis”:
Fehlende Dokumentation: Lambeck stellt Aussagen auf, ohne diese so zu dokumentieren, dass sie von der Öffentlichkeit auf ihre Richtigkeit hin überprüft werden können.
Fehlende Methodik: Lambeck lässt vollkommen unklar, nach wel- chen Kriterien und welcher Methodik er die von ihm besuchten Ärzte einer Prüfung unterzogen hat, um schon im Vorfeld seines Aufrufs zu seinem abschließenden Urteil (“Selbst hoch gebildete Menschen ver- trauen esoterischer Pseudomedizin”) zu kommen.
Falschaussagen: Es besteht der begründete Verdacht, dass Lam- beck Informationen vorsätzlich verfälschte und konstruierte.
Fragwürdige Schlüsse: Aus einer Stichprobe von drei untersuchten Ärzten, von denen nur zwei das zur Diskussion gestellte Verfahren des “Medikamententests” praktizieren, lässt sich keine wie auch immer geartete allgemeine Aussage ableiten. Wissenschaftlich üblich ist es übrigens, das Urteil eines Tests (“Pseudomedizin”) nicht schon vor der Durchführung dieses Tests bekanntzugeben.
Hätte sich Lambeck in seiner früheren Tätigkeit als Professor im Fachbereich Physik der TU Berlin “Knaller” dieser Art geleistet, so hätte er sehr wahrscheinlich mit Disziplinarmaßnahmen rechnen müssen.
Hintergründe des Treffens am 21. April 2006 Wechselt man nun zur Vorgeschichte des Artikels “Der Heiler mit dem sechsten Sinn”, so legt Koerner Wert auf die Feststellung, dass die Initiative für das Treffen am 21. April von Lambeck und nicht von ihm selbst ausging. Als Lambeck in ZEITWissen 2/2006 als “Heiler” titu- lierte “praktizierende Ärzte” herausforderte, die “behaupteten, von außen mit bisher nicht bekannten Kräften auf den Körper zu wirken”, da meldete sich keine einzige Person, welche sich für ein Experiment zur Verfügung stellte. Ob dies als Indiz für mangelnde Kompetenz der Ärzte oder mangelndes Vertrauen in die wissenschaftliche Kompetenz und Neutralität von Herrn Lambeck zu verstehen ist, soll an dieser Stelle einmal offen gelassen werden. In dieser Situation rief Lambeck nun bei Koerner an. Da die bis dahin privat geführten Gespräche über medizinisch physikalische Grenzphänomene mit Lambeck aus Sicht von Koerner immer sehr anregend und konstruktiv abgelaufen waren, zeigte sich Koerner offen für eine Demonstration seiner Arbeitsweise und eine in ZEITWissen publizierte Auseinandersetzung. Beide Seiten einigten sich per E-Mail auf ein Versuchskonzept, welches, wie sich später herausstellte, mit unterschiedlicher Motivation betrachtet wurde.
Unprofessionelle Abstimmung des Experimentaldesigns Der Physiker Martin Lambeck interessierte sich primär für die Frage, ob sich Einflussgrößen außerhalb der bekannten Physik beobachten lassen und vertrat allem Anschein nach die Sichtweise, dass sich diese Frage durch ein ganz einfaches Experiment, ohne medizinwis- senschaftliches Know-how und ohne medizinwissenschaftliche Res- sourcen klären lässt. Der Mediziner Herbert Koerner brachte gleich zwei Aspekte ins Spiel: Auf der einen Seite die Funktionsweise seiner Schmerztherapie und auf der anderen Seite Einflussgrößen außerhalb der bekannten Physik. Wie Koerner heute verwundert feststellt, gab es seitens Lambeck keinerlei vertiefende Diskussion des Experimen- taldesigns. Aus wissenschaftlicher Sicht wäre es von großem Inte- resse gewesen, noch vor der Durchführung der Experimente zu klären, was genau mit Hilfe welches Versuchs gemessen werden soll und ob dies methodisch überhaupt sinnvoll und zulässig ist. Führt beispielsweise die Einnahme eines homöopathischen Präparats zu einer Heilreaktion, so kann daraus noch lange nicht geschlossen werden, dass das Homöopathikum für die Heilreaktion kausal verant- wortlich ist. Dieses Beispiel zeigt, dass die Hinterfragung und Prüfung von Messungen und Versuchen immer dann von großer Bedeutung und Tragweite ist, wenn echte oder vermeintliche Anomalien experi- mentell untersucht werden.
Macht man hier methodische Fehler, so kann es sein, dass man zwar Messergebnisse erhält, mit diesen jedoch nichts anfangen kann, weil sie nicht zuverlässig, gültig und objektiv das messen, was gemessen werden soll. Im vorliegenden Fall hat es somit den Beigeschmack von mangelnder Seriösität, dass die federführende und verantwortliche Person Martin Lambeck nach Aussage von Koerner keine Notwendig- keit für eine professionelle Abstimmung und vertiefende Diskussion der Methodik sah und es seitens Lambeck als verantwortlichem “Heiler-Tester” kein Dokument gibt, in welchem Versuchsdurchfüh- rung, Messverfahren und Erfolgskriterien präzise und detailliert be- schrieben werden. Alles dies spricht für den Verdacht, dass das Treffen am 21. April den Charakter einer Wirtshauswette auf Zuruf hatte. psychophysik.com liegt eine E-Mail vom 1. April 2006 vor, in welcher Lambeck die von Koerner vorgeschlagene Versuchsdurch- führung 1:1 an Drösser weiterreicht. Hier macht Lambeck keine Anmerkungen zu methodischen Fragen. Was das Experimentaldesign angeht, so verweist Lambeck nur ganz allgemein gehalten darauf hin, dass die in der Liste angegebenen Experimente “die Physik als un- vollständig nachweisen” würden und Lambeck den Versuchen mit großem Interesse entgegensieht. Von Blindtest ist in diesem Doku- ment mit keinem Wort die Rede.
Pseudowissenschaftliche Zirkusveranstaltung Unterwirft man die von Drösser in seinem Artikel “Der Heiler mit dem sechsten Sinn” geschilderten Versuche einer methodischen Prüfung, so wird schnell deutlich, dass Sensibilitätstest und Schmerztherapie unter den am 21. April vorherrschenden Rahmenbedingungen keinerlei wissenschaftlich verwertbare Aussagekraft besaßen, weder zu Gun- sten noch zu Lasten von Koerner und Lambeck. Und zwar unabhän- gig davon, ob ein Sensibilitätstest mit “Verblindung” (Türe als Sicht- schutz) durchgeführt worden wäre oder nicht. Der folgende Vergleich soll dies auch für Laien deutlich machen:
Man stelle sich vor, ein großes Pharmaunternehmen würde die Wirk- samkeit eines neuen pharmazeutischen Präparats unter den Bedin- gungen beweisen wollen, welche am 21. April in Berlin gültig waren. Danach würde das Präparat an ca. fünf Personen einmalig getestet. Diese fünf Personen wüssten genau, was mit welchem Ziel geprüft werden soll. Ein Teil der Probanden hat eine persönliche Beziehung zu Vertretern des Pharmaunternehmens und sähe es gerne, wenn der Test für das Unternehmen positiv ausgehen würde. Der andere Teil der Probanden steht Pharmaunternehmen grundsätzlich kritisch bis emotional ablehnend gegenüber und hätte es gerne, wenn der Test erfolglos verlaufen würde, weil so die eigene Sichtweise Bestätigung finden würde. Als Kriterium für den Erfolg oder Misserfolg des Tests gilt das vage subjektive Empfinden der Probanden. Beispielsweise, ob sie ein leichtes Kribbeln empfinden oder nicht. Das Pharmaunterneh- men führt die Versuche mit eigenem Personal durch, welches über alle Aspekte der Versuchsdurchführung im Bilde ist und ein großes Interesse daran zeigt, dass alle Tests erfolgreich verlaufen. Keine der fünf Personen verfügt über ein größeres Leiden, dessen Heilung mit objektiven Kriterien überprüft werden kann. Weiterhin ist noch ein Kritiker anwesend, welcher Wochen zuvor - d. h. noch vor der Durchführung der Experimente - medienwirksam kundgetan hat, dass dieser Versuch niemals funktionieren wird und der es als Blamage und Niederlage empfinden würde, wenn der Versuch erfolgreich ausge- hen würde. Ebenfalls anwesend ist der Chefredakteur eines auflagen- starken Magazins, der diesem Kritiker nahe steht, ihm eine mediale Plattform zur Verfügung stellt und selbst über keinerlei themennahe und wissenschaftliche Qualifikation verfügt. Als es im Verlaufe der Experimente zu Unstimmigkeiten kommt, werden diese nicht sachlich und freundlich ausdiskutiert. Stattdessen entwickelt sich eine von Aggressionen und gegenseitigen Vorwürfen geprägte Grundstimmung, in welcher sich der Kritiker und die ihm nahestehenden Probanden sowie der Chefredakteur auf der einen Seite und das Pharmaunter- nehmen mit den ihm nahestehenden Probanden unversöhnlich gegen- überstehen.
Dieser Vergleich mag in einigen Feinheiten hinken, im Großen und Ganzen bringt er jedoch deutlich zum Ausdruck, dass hier Elemente einer pseudowissenschaftlichen Zirkusveranstaltung vorliegen, für die Martin Lambeck als federführender “Heiler-Tester” auf der methodi- schen Ebene und Christoph Drösser in der publizistischen Begleitung Verantwortung tragen. Zu Gunsten von Koerner ist anzuführen, dass er hier die Rolle des Empirikers einnahm, der sein therapeutisches Konzept, von Lambeck darum gebeten, bereitwillig demonstrierte und einer Prüfung und Diskussion zur Verfügung stellte. Für die methodi- sche Qualität des “Heiler-Tests” sind hingegen die Personen verant- wortlich, welche diese Veranstaltung initiiert und der Öffentlichkeit vorgestellt haben. Wer in einem Magazin wie ZEITWissen Ärzte zu einem Test einlädt, von dem darf man mit Fug und Recht erwarten, dass er die für solch einen Test erforderlichen Rahmenbedingungen voll gewährleisten kann. Koerners großes Selbstvertrauen hinsichtlich der Wirksamkeit seiner Schmerztherapie basiert übrigens auf 1.500 dokumentierten Fällen seiner heutigen Berliner Praxis und 20.000 im Zeitraum 1986 bis 1992 in seiner früheren Praxis in München durch- geführten Behandlungen.
Hinterfragt man die methodische Qualität der Versuche, so sind folgende Punkte zu kritisieren:
Fragwürdige Reliabilität: Das vage und subjektive Empfinden “Kribbeln” oder “Kein Kribbeln” ist ein ausgesprochen weiches Messkriterium, welches wissenschaftlich nur dann verwertbar ist, wenn es durch weitere methodische Maßnahmen gestützt wird. Unter den am 21. April vorliegenden Rahmenbedingungen ist die Reliabilität bzw. Zuverlässigkeit der Messungen in Zweifel zu ziehen. Alle Probanden hatten die Möglichkeit, positive und negative Ergeb- nisse vorzutäuschen. Die Probanden, welche Lambeck gegenüber wohlgesonnen waren, hätten trotz realer Effekte die Nichtexistenz eines Effektes vortäuschen können.
Fragwürdige Methodik: Die Versuchsdurchführung am 21. April muss unter methodischen Gesichtspunkten als unseriös eingestuft werden, da Störgrößen wie z.B. im Zweifelsfall als parteiisch zu bewertende und in alle Hintergründe eingeweihte Probanden, der Erfolgsdruck einer öffentlich ausgesprochenen Wette von Martin Lambeck sowie Aggressionen unter allen Beteiligten die zuverlässige Messung eines noch dazu extrem weichen Messwertes (“Kribbeln” oder “Kein Kribbeln”) nahezu unmöglich machten. Die von Koerner praktizierte Schmerztherapie selbst ist sehr gut geeignet für eine medizinwissenschaftliche Untersuchung, nicht jedoch für eine innerhalb von zwei Stunden durchzuführende Wirtshauswette. Zur seriösen Evaluierung von Koerners Schmerztherapie würde es pro- fessionelle Ressourcen aus der medizinwissenschaftlichen Forschung benötigen, sowie Zeit, Geld und eine ausreichend große Versuchs- und Probandenanzahl.
Fragwürdige Kompetenz: Martin Lambeck, durch Selbstzweifel scheinbar wenig geplagt, verfügt weder über eine medizinische noch eine medizinwissenschaftliche Qualifikation. Nimmt er zu medizinwis- senschaftlichen Themen Stellung, so betont er regelmäßig, dass er diese ausschließlich aus der Position der Physik beurteilt. Nun spricht nichts dagegen, dass es medizinwissenschaftliche Aspekte gibt, welche ein Physiker auch ohne medizinische Fachkenntnis diskutieren kann. Auf der anderen Seite ist fest davon auszugehen, dass es hier für Lambeck einen großen blinden Bereich gibt, dessen wissenschaft- liche Erschließung medizinische Fachkenntnisse voraussetzt, über die er nicht verfügt. Geht er im vorliegenden Fall nach dem Motto “Hey Koerner, lass mich doch ‘mal Freitag Mittag mit meiner Skeptiker- Truppe vorbeischauen. Gib uns drei Stunden Zeit und wir können dir sagen, ob deine Schmerztherapie mit der Physik übereinstimmt” vor, so muss er sich die Frage gefallen lassen, ob er hier nicht nur die Öffentlichkeit für dumm verkaufen will, sondern darüber hinaus auch noch sich selbst belügt. Die Begleitumstände erinnern frappie- rend an die des Buches “Die Andere Medizin”.
Die Schmerztherapie von Dr. med. Herbert Koerner Um die Ereignisse am 21. April besser zu verstehen, lohnt sich ein kurzer Blick auf die Arbeit und Qualifikation von Koerner. Eines seiner Spezialgebiete besteht darin, schulmedizinisch austherapierte Schmerzpatienten zu behandeln. Hat ein Mensch über Jahre hinweg starke chronische Schmerzen, so führen diese zu einer Schmerz- Stress-Spirale, die in Depressionen münden kann. Der von Koerner praktizierte TBS-Impuls, eine manuelle Reflextherapie (mehr dazu unter www.atlasmedizin.de), führt innerhalb von Sekunden zu einer massiven Schmerzlinderung, Schmerzbefreiung und Gefühlsaufhel- lung. Diese zentral wirkende Reflextherapie kommt ohne jegliche psychologische oder suggestive Beeinflussung aus. Liest man zum Vergleich mit ZEITWissen zwei Artikel in den VDInachrichten, so wird deutlich, wie Unterschiede in der Untersuchung zu Unterschieden in der Berichterstattung führen können. Zwei von Bettina Reckter publi- zierte Artikel (“Ein Ingenieur lässt Energie fließen”, 2002, “Mit dem sechsten Sinn gegen den Schmerz”, 2003) basierten auf einer Unter- suchung, welche deutliche Unterschiede zur Versuchsdurchführung Lambecks aufweist, ohne deshalb einen wissenschaftlichen Anspruch zu erheben. Bettina Reckter ließ sowohl bereits therapierte als auch neue Patienten von Koerner behandeln und befragte alle Probanden unter vier Augen, bevor der Mediziner die Möglichkeit hatte, Reak- tionen abzufragen. Ganz zum Schluss ließ sich Bettina Reckter selbst behandeln, um ihr Bild durch eine praktische Erfahrung abzurunden. Eine Erfahrung, über die ZEITWissen Chefredakteur Christoph Drösser übrigens nicht verfügt. Wer die Artikel von Bettina Reckter lesen will, der findet sie unter www.atlasmedizin.de im Bereich “Presse”.
Sowohl der Artikel von Lambeck als auch der Beitrag von Drösser in ZEITWissen bringen nicht zum Ausdruck, über welche Qualifikation Koerner verfügt und welche Leistungen er vorweisen kann. Beide Artikel erwecken durch ihren Duktus und sprachliche Elemente wie z.B. “Heiler” den Eindruck, als wäre Koerner in der Nähe von selbst ernannten Wunderheilern anzusiedeln. Richtig ist, dass Koerner über eine beeindruckende Vita verfügt. Er ist Dipl.-Ingenieur mit Berufser- fahrung bei den Firmen Hoechst und Siemens Medizintechnik. Bei Siemens arbeitete er beispielsweise in der Entwicklung der damals noch in den Kinderschuhen steckenden computergestützten Rönt- gendiagnostik und Computertomographie. Nach einem Studium der Medizin wirkte Koerner später mit eigener Praxis als Dr. med. und Facharzt für Orthopädie. Gefördert durch seine seltene Doppelqua- lifikation als Mediziner und Ingenieur ist Koerner schon seit Jahren vereidigter Gutachter der Firma Xprts in Kalifornien. Eine Ehre, welche in Deutschland nur wenigen Medizinern zuteil wird. Sein Urteil und Sachverstand hat hier Einfluss auf Schadensersatzprozesse rund um PKW-Unfällen mit Tetra- und Paraplegien (Querschnittslähmung) in den USA. Im Rahmen einer Weltumseglung studierte er diverse therapeutische Verfahren von Naturvölkern. Gemeinsam mit Beate Ludewig betreut Koerner Hochleistungs-Schwimmer in Berlin und erforscht dabei die Wechselwirkung zwischen psychischer Stabilität und Leistungsfähigkeit. Wird Koerner vor diesem Hintergrund mit dezenten sprachlichen Elementen auf die Ebene dubioser Kurpfuscher gestellt, so erweckt dies den Eindruck, als ob Lambeck und Drösser - beide ohne jegliche medizinische Qualifikation - auffallend schlecht recherchiert haben.
Warum keine Blindversuche? Einer der zentralen Vorwürfe des Drösser-Artikels ist in der Aussage zu sehen, Koerner hätte einen Blindversuch nicht zugelassen, bei dem sein reikiartiger “bioenergetischer” Energiefluss bzw. sein Sen- sibilitätstest durch eine Türe hindurch getestet werden sollte. Koerner sagt dazu, dass der Sensibilitätstest das Ziel hatte, seine therapeutische Vorgehensweise zu schildern, nicht jedoch irgend- etwas im Sinne der Fragestellung von Herrn Lambeck zu beweisen. Koerner ist sich voll bewusst, dass er sich hier in einem Grenzbereich der Schulmedizin bewegt und er versucht, seinen therapeutischen Ansatz mit der Humankybernetik (Steuer- und Regeltechnik des Körpers) zu erklären. Der unsichere Sensibilitätstest spornte seinen “Ingenieurgeist” schon vor zwei Jahren an, eine Messmethode zu entwickeln, die sich nicht mehr auf die Aussagen der Patienten verlassen muss und die “Signalübertragung” stattdessen per Sensor und Computer aufzeichnet. Für eine wissenschaftliche Untersuchung verwertbar seien aus seiner Sicht im Moment ausschließlich der Gläsertest und die Befreiung oder Nichtbefreiung von Schmerz und Herr Lambeck müsse es ihm überlassen, an welchen Kriterien er sich messen lässt und an welchen nicht. Als unseriös und unfair empfin- det Koerner es, dass Lambeck ihn mit der Idee eines “Blindtests” ohne vorherige Abstimmung und Rücksprache am 21. April überrascht hat. Eine vorherige persönliche Abstimmung hätte ihm die Möglichkeit gegeben, das Experimentaldesign des “Blindtests” zu hinterfragen und auf methodische Mängel hin zu untersuchen. Seine nach der Veranstaltung durchgeführten Recherchen ergaben dann, dass die von Lambeck gewählte Form des “Blindtests” die valide, reliable und objektive Messung einer echten Anomalie mit niedriger Effektstärke überhaupt nicht gewährleisten kann und sich (vorsätzlich oder mangels Kompetenz) als Spiel mit gezinkten Karten bewerten lässt. Damit bewahrheitete sich sein persönlicher Eindruck am 21. April, dass es sich bei Lambecks “Heiler-Test” um eine Zirkusveranstaltung handelte, bei der er ungefragt die Rolle des “Affens” übernehmen sollte. An diesem Spiel wollte er sich nicht beteiligen.
So einfach lassen sich Experimente manipulieren Ein kleines Beispiel soll veranschaulichen, wie einfach es ist, Ver- suchsergebnisse in grenzwissenschaftlichen Experimenten durch methodische Tricks zu manipulieren. Geht es beispielsweise um die Frage, ob ein Mensch Kraft seines Geistes in der Lage ist, den Zufallszahlengenerator eines Computers zu beeinflussen, so könnte man nach Lambeck’scher Logik fünf Personen in zwei Versuchsdurch- läufen die Aufgabe geben, sich mental auf das Ergebnis “+1” oder “-1” zu konzentrieren, um dann zu fordern, dass in 80% der Fälle (d.h. deutlich über 50%) das Resultat des Zufallszahlengenerators mit der geistigen Vorstellung des Probanden übereinstimmen müsse, um als Erfolg gewertet zu werden. Nun gibt es ein Forschungsprojekt mit dem Namen Princeton Engineering Anomalies Research Program, welches bei solch einem Versuchsaufbau schon zu Beginne hätte scheitern müssen. Im PEAR-Projekt hat man jedoch in 12 Jahren 2.497.000 Versuche durchgeführt. Bei einer so hohen Versuchsanzahl reicht schon eine winzige aber deutliche Abweichung von z.B. 1% von der zu erwartenden Normalverteilung aus, um den Verdacht einer Anomalie zu erhärten. Jetzt sollen an dieser Stelle nicht die heiß dis- kutierten und umstrittenen Ergebnisse des PEAR-Projektes nochmals aufgekocht werden. Es soll vielmehr gezeigt werden, wie einfach es ist, ein grenzwissenschaftliches Experiment durch geschickte Wahl der Versuchsparameter zum Scheitern zu bringen, ohne dass dies Laien auffällt. Der Trick besteht darin, die Versuchsanzahl sehr klein zu halten und die Effektstärke sehr hoch anzusetzen. Weigert sich ein “Herausforderer” nun, am ersten Testdesign (fünf Personen, zwei Versuchsläufe, 80% Treffer als Zielvorgabe) teilzunehmen, weil er den methodischen Mangel durchschaut, so muss er außenstehenden Laien als Spielverderber erscheinen. Zu Gunsten von Lambeck ist anzuführen, dass er den “Blindtest” durchaus in guter Absicht einge- bracht haben kann, ohne sich der gravierenden methodischen Mängel bewusst zu sein. Ist dies der Fall und fehlt ihm das entsprechende methodische Hintergrundwissen, so stellt sich automatisch die Frage nach seiner fachlichen Eignung als Tester im Bereich grenzwissen- schaftlicher Phänomene.
In diesem Sinne ist die Entscheidung von Koerner zu verstehen, sich auf den von Lambeck gewählten “Blindtest” nicht einzulassen. Der von Martin Lambeck in Berlin geforderte Versuchsaufbau muss sich den Vorwurf gefallen lassen, eine echte Anomalie mit niedriger Effektstärke nicht abzubilden, weil die Anzahl der Versuche viel zu klein ist und die Effekte (subtile subjektive Empfindungen) nicht objektiv gemessen werden können und darüber hinaus anfällig für Manipulation und Störgrößen sind. Das ist ein wenig so, als ob Koer- ner behaupten würde, zwei annähernd gleich große Felsbrocken hätten ein unterschiedliches Gewicht und Lambeck - das Gegenteil behauptend - ihm eine defekte Waage zur Verfügung stellt, deren Messskala nur volle Tonnen anzeigt. Anstatt die geringe Aussage- kraft der Experimente zu erkennen und die ganze Geschichte in den Papierkorb zu befördern, wirft ZEITWissen Chefredakteur Drösser dies alles auch noch Koerner vor (“Der Arzt windet sich”) und de- monstriert damit einen typischen “Versuchsleiter-Effekt”. Koerner will sich an seiner Schmerztherapie und am Pilsglas-Experiment messen lassen, nicht jedoch am Sensibilitätstest. Das scheint jedoch über- haupt nicht in das Konzept von Drösser und Lambeck zu passen. Sie wünschen sich, dass Koerner das beweisen will, was sie gerne bewiesen haben wollen und übersehen dabei vollkommen, wie sie auf diese Weise einen zu untersuchenden Sachverhalt nicht nur beob- achten, sondern auch formen. Das ist im übertragenen Sinne so, als ob ein Biologe das Flugverhalten von Tauben erforschen will und zu diesem Zwecke drei Vögel in einen 100m langen und 40 cm breiten Tunnel einsperrt, um danach erfreut festzustellen, dass Tauben nicht im Kreis fliegen.
Koerners Fazit zum Test seiner Schmerztherapie In Hinblick auf die experimentelle Prüfung seiner Schmerztherapie stellt Koerner fest, dass die Darstellung des Drösser-Artikels teils irreführend und teils falsch ist. Zunächst einmal ist Drössers Wie- dergabe von Frau Walter “Koerner will den ‘Schmerz’ herausschießen, aber der Erfolg bleibt aus. Dann will er ihn vom Knöchel ins Knie ver- lagern ... aber der Schmerz verschwindet nicht, landet auch nicht im Knie” aus der Sicht von Koerner definitiv falsch. Frau Walter schilder- te am 21. April eine Abschwächung des Schmerzes, ebenso im wei- teren Verlauf des Experiments die vorhergesagte Wanderung des Schmerzes ins Knie. Auch die Schilderung “Aber bei Herrn Maennig und Herrn Andersen zeigen sich weder beim Kribbel-Versuch noch bei der Schmerz- und Psychotherapie eindeutige Ergebnisse. Mal fühlen sich die Männer ein bisschen besser, dann wieder nicht.” ist aus Sicht von Koerner keine korrekte Wiedergabe der Ereignisse. Einer der Herren bestätigte durchaus die von Koerner vorhergesagte Schmerzverschiebung. Koerner verweist hier auf eine Tonaufzeich- nung der gesamten Veranstaltung, welche für die Klärung dieser Frage zur Verfügung steht. Eine seriöse Beschreibung hätte diesen Sachverhalt korrekt wiedergeben müssen, jedoch darauf verweisen können, dass die Rahmenbedingungen in Berlin eine zuverlässige und wissenschaftlich verwertbare Messung der Schmerztherapie nicht zuließen.
Das wiederum hätte jedoch als Eigentor zu Lasten der Veranstalter gewertet werden müssen. Der Physiker Martin Lambeck war unter den Rahmenbedingungen in Berlin überhaupt nicht in der Lage, die Schmerztherapie von Koerner professionell zu untersuchen. Dazu wären medizinwissenschaftliche Kompetenz, Zeit, Geld, Ressourcen, viel mehr Probanden und Versuche nötig gewesen. So lassen sich die Aktivitäten von Schmerzzentren im Gehirn z.B. durch moderne bild- gebende Verfahren untersuchen. Spätestens hier stellt sich die Frage, wie Lambeck medienwirksam einen “Heiler-Test” ankündigen konnte, ohne die dafür nötigen wissenschaftlichen Voraussetzungen voll gewährleisten zu können. Vieles spricht dafür, dass er darauf spekulierte, Koerner mit einem Bauerntrick (“Blindtest”) aufs Glatteis zu führen, um so von der Notwendigkeit einer aufwendigen medizin- wissenschaftlichen Evaluierung der Schmerztherapie befreit zu werden. Von einem Bauerntrick kann hier getrost gesprochen wer- den, da Lambeck diesen Versuch vorab nicht mit Koerner persönlich abstimmte und weil die Rahmenbedingungen des “Blindtests” die zuverlässige, gültige und objektive Messung einer echten Anomalie mit niedriger Effektstärke nicht gewährleisten können. Koerner sollte sich im übertragenen Sinne an einer defekten Waage, welche nur volle Tonnen anzeigt, messen. Interpretiert man die Ereignisse am 21. April in dieser Form, so ist auch die emotionale Reaktion von Lambeck zu erklären. Als Koerner den “Blindtest” ablehnte, weil er hier instinktiv und zu Recht eine methodische Unsauberkeit zu seinen Lasten witterte, da brach die gesamte Strategie von Lambeck wie ein Kartenhaus zusammen. Und weil ein Übel selten allein kommt, drohte Lambeck mit dem ersten Pilsglas-Experiment auch noch das Risiko, als Verlierer aus dem Ring gehen zu müssen.
Das Pilsglas-Experiment: Lambecks Eigentor Spricht man Koerner auf das Pilsglas-Experiment an, so kommt die Aussage: “Da hat Lambeck ein Eigentor geschossen, welches ihn wahrscheinlich noch lange begleiten wird”, um die Hintergründe dieser Behauptung im nächsten Atemzug zu erläutern. Zunächst einmal handelt es sich hier um ein Experiment, dessen Ergebnis nicht von vagen Aussagen über subjektive Empfindungen wie z.B. “Krib- beln” oder “Kein Kribbeln” abhängt, sondern deutlich sichtbar ist. Die wissenschaftliche Verwertbarkeit hat somit eine wesentlich höhere Qualität. Weiterhin gibt Lambeck zu und dokumentiert Drösser in seinem Artikel korrekt, dass der erste Pilsglas-Versuch tatsächlich funktioniert hat. Nochmals zur Erinnerung: Zwei Pilsgläser stehen in einem Abstand von ca. 40 Zentimerter auf einem Tisch. In diesen Pilsgläsern schwimmen jeweils zwei Kölschgläser wie zentrierte Bojen im Wasser. Wird nun das eine Kölschglas per Hand zum Drehen gebracht, so drehte sich in Berlin das zweite Kölschglas deutlich, obwohl es von niemand berührt wurde.
Die Aussage von Martin Lambeck, dass es sich hier um ein “Gekop- pelte Oszillation” genanntes Phänomen handeln würde, bei der die Schwingung des einen Glases über den Tisch als Koppelmedium auf das zweite Glas übertragen wurde, ist laut Koerner Jägerlatein und demonstriert, dass Lambeck selbst in seinem ureigensten Fachgebiet, der Physik, nicht standsicher ist. Als Koerner den Hinweis auf eine angebliche “Gekoppelte Oszillation” in Berlin von Lambeck hörte, war er zunächst vollkommen sprachlos. Er verweist darauf, dass er sein Pilsglas-Experiment schon mehrfach vor wissenschaftlichem Publikum und in Forschungseinrichtungen vorgeführt hat. Immer wurde ihm bestätigt, dass es für das Phänomen keine herkömmliche Erklärung gäbe. Als Koerner nach dem 21. April umgehend seine technischen Berater hinsichtlich der Aussage “Gekoppelte Oszillation” befragte, teilte man ihm mit, dass Lambeck hier ein Eigentor geschossen habe. Eine gekoppelte Oszillation kann beim Pilsglas-Experiment sofort ausgeschlossen werden, da das starre Koppelmedium Tisch als Quelle für die Übertragung von Schwingungen nicht in Frage kommen kann (das Kölschglas schwimmt im Wasser) und eine Schwingungsüber- tragung im vorliegenden Fall keine Drehbewegung des Glases erklären kann.
Koerners Anhänger brauchen keine Versuche? Christoph Drösser beschreibt die aufgewühlte Stimmung gegen Ende der Veranstaltung mit den Worten “Die Stimmung im Raum wird angespannter. Die Skeptiker sind sichtlich enttäuscht, die Anhänger Koerners ungehalten wegen der überzogenen Anforderungen an den Heiler. Sie brauchen keine solchen Versuche, haben sie doch die Wahrheit der Behauptung am eigenen Körper vielfach erfahren. Oder an anderen: Beate Ludewig, die Schwimmtrainerin, will mit eigenen Augen gesehen haben, dass die Athleten höher im Wasser liegen, wenn Koerner ihnen den Stress genommen hat. Fast die gesamte deutsche Schwimmelite vertraut auf den Heiler.”, um dann gegen Ende seines Artikels das wertende Fazit “Geheilte Schmerzpatienten, schnellere Schwimmer, die seltsame Informationsübertragungsma- schine - alles zurückzuführen auf den sechsten Sinn? Dass Glaube durch seine psychische Wirkung heilen kann, dass stressfreie Schwimmer womöglich tiefer einatmen und deshalb höher im Wasser liegen, dass starre physikalische Verbindungen Schwingungen über- tragen - all das lässt Koerner nicht gelten.” zu ziehen. Wie bereits erwähnt, interpretiert Drösser das Pilsglas-Experiment hier falsch. Wasser, in dem die Kölschgläser schwimmen, ist alles, nur keine starre Verbindung. Weiterhin übersieht er wild spekulierend, dass Koerner überhaupt keine Chance hatte, Schmerztherapie und Pils- glas-Experiment unter seriösen und fairen Bedingungen testen zu lassen. Und zum guten Schluss fällt noch folgender interessanter Aspekt auf: Die Beschreibung von Drösser erweckt den Eindruck, als würde sich Ludewig, Trainerin von Hochleistungs-Schwimmern in Berlin, pauschal gegen wissenschaftliche Untersuchungen wehren.
Hört man sich jedoch die Tonaufzeichnung des Treffens am 21. April an, die entsprechenden Passagen liegen psychophysik.com vor, so sprach Ludewig von einer gemeinsam mit Koerner durchgeführten wissenschaftlichen Studie im Bereich der medizinischen Betreuung von Hochleistungs-Schwimmern. Die Studie belegt nach Aussage von Koerner u.a. Laktatwertverschiebungen durch den TBS-Impuls von zwei Spitzensportlern in Trainings- und Wettkampfsituationen. Wei- terhin wurden Videoaufnahmen angeboten, die eine Versuchsreihe zu Ortungs- und Auftriebsverhalten vor und nach dem Wettkampf dokumentieren. Laut Koerner stellten die Skeptiker Aussagen dieser Studie pauschal in Frage. Das ist methodisch sauber und soweit ist der Vorgang noch seriös. Pikant an der Darstellung Drössers ist je- doch, dass er den entsprechenden Hinweis Ludewigs in seinem Artikel ausgelassen hat und das Angebot, Studie und Video anzufor- dern und zu prüfen, nie genutzt hat. Drösser erweckt den Eindruck, als ob er sich im vorliegenden Fall weit, ja sehr weit von der Rolle des neutralen Beobachters entfernt hat.
Drössers Darstellung lässt sich übrigens auch so interpretieren, dass er die Unzuverlässigkeit des Messverfahrens als negatives Versuchs- ergebnis wahrnimmt und Koerner anlastet. Korrekt wäre es gewesen, Lambeck für die Qualität des Experimentaldesigns verantwortlich zu machen und über Koerner erst dann zu urteilen, wenn die Versuchs- durchführung und das Messverfahren wissenschaftliche Mindest- standards erfüllen. Darüber hinaus stellen sich zwei abschließende Fragen: Warum hat der Chefredakteur des Magazins ZEITWissen nicht alle Unterlagen dieser in so vielen Aspekten dubiosen und unseriösen Veranstaltung im Müll entsorgte, um von einem Artikel Abstand zu nehmen? Warum hat er die kritische Distanz zu Dr. med. Herbert Koerner nicht durch eine ebenso kritische Distanz zu Prof. Martin Lambeck ergänzt? Dass medienpräsente “Visible Scientists” wie Lambeck nicht automatisch auch über eine hohe Reputation in ihrer eigenen Zunft verfügen, für diese Möglichkeit öffnet ein Beitrag von Hornschuh & Westphal. Aus Gründen der Fairness sollte zur Ent- lastung von Drösser erwähnt werden, dass er sich auf die Kompetenz seines Beraters Prof. Martin Lambeck gutgläubig verlassen hat. Und vielleicht sieht er diesen ja inzwischen in einem ganz neuen Licht.
Medienphänomen GWUP Vergleicht man die Hintergründe des “Heiler-Tests” von Prof. Martin Lambeck mit denen des Buches “Die Andere Medizin” und jenen der 16. GWUP-Konferenz “Gute Medizin / Schlechte Medizin” in Essen, so wird deutlich, dass es sich hier um ein Medienphänomen handelt. Die GWUP hat keinerlei Verankerung in der etablierten medizinischen und in der komplementärmedizinischen Forschung, verfügt über keine Forscher und keine Publikationen in wissenschaftlichen Fachzeit- schriften, maßt sich jedoch medienwirksam eine Urteilsfähigkeit an, über die Mitglieder der Scientific Community nur schmunzeln können. So wählte Krista Federspiel in dem von ihr mitherausgegebenen Ratgeber “Die Andere Medizin” zur Beurteilung der Anthrosophischen Medizin von 178 klinischen Studien nur 3 Studien aus, um sage und schreibe 175 Studien entweder vorsätzlich oder aus Unkenntnis zu übersehen. Eine seriöse Analyse hätte genau dokumentieren müssen, welche Studien warum nach welcher Methodik ausgewählt oder auch ausselektiert wurden. (Quelle: Kienle & Kiene im DEUTSCHEN ÄRZTE- BLATT). Zur Bewertung der Hypnotherapie fordert sie im gleichen Buch ohne jede Begründung eine nochmalige Überprüfung der von ihr zitierten Meta-Analyse, obwohl die Original-Studie eine positive Bewertung der Hypnotherapie vornimmt und von einer Notwendigkeit zur nochmaligen Überprüfung im Originaltext keine Rede ist (Quelle: Dr. Christian Ullmann, “Fakten über die ‘andere Medizin”). In einem Anfall maßloser Selbstüberschätzung heißt es auf Seite 22 des Rat- gebers “Der hier beschriebene Erkenntnisstand ist der zuverlässigste, der zum Zeitpunkt der Veröffentlichung zur Verfügung stand.”
Praktisch war er so zuverlässig, dass der langjährige SZ-Redakteur Dr. Christian Ullmann ein ganzes Buch mit Fehlern und Grotesken füllen konnte und mit seinen Aussagen bis heute nicht widerlegt wurde, auf Seiten der Autoren stattdessen auf eine Mischung aus Sprachlosigkeit und Ausschweigen stieß. Die im Mai 2006 in Essen veranstaltet 16. GWUP-Konferenz “Gute Medizin / Schlechte Medizin” lässt ein ähnliches intellektuelles Niveau vermuten. Von medizini- schen und medizinwissenschaftlichen Laien vorgetragene Referate zu Themen wie “Großstadtsagen”, “Sagen Wahrsager die Wahrheit?”, “Chemtrails” oder “Der Bibelcode” haben mit guter und schlechter Medizin zunächst einmal nichts zu tun. Und ob das von Prof. Martin Lambeck vorgetragene Referat mit dem Titel “Der Siegeszug der Alternativmedizin und Esoterik mit Fehldeutungen der Physik und Philosophie” das fachliche Niveau seines “Heiler-Tests” in ZEITWissen deutlich übertrifft, darf mit einer großen Portion Skepsis bezweifelt werden. Zu den Stärken der GWUP gehört ihr gekonnter Umgang mit Medien. Dieses Parkett beherrschte sie bisher bravourös. Selbst hochkarätige Journalisten lassen sich regelmäßig von akademischen Titeln und einem wissenschaftlich klingenden Sprachnebel blenden, ohne sich einmal die Mühe zu machen, das Kleingedruckte einer kritischen fachlichen Prüfung zu unterziehen. Dass es auch anders geht, dies zeigte jüngst Christian Weber vom Nachrichtenmagazin FOCUS, der im Rahmen einer Recherche über die Homöopathie zu- nächst auf die Hilfestellung der GWUP zurückgreifen wollte, es sich dann jedoch anders überlegte.
Sollte Koerner nochmals mit Lambeck zusammentreffen, so will er die Gelegenheit nutzen und dem Physiker einmal kräftig vor das Schien- bein treten. Und zwar verbunden mit der Aufgabe, sein rein skeptisch betrachtet zunächst unglaubwürdiges Schmerzempfinden zu bewei- sen. Die Tritte vor das Schienbein würde er dabei gern so lange wie- derholen, bis die Beweisführung des Physikprofessors schlüssig und wissenschaftlich tragfähig ist.
Christoph Drösser tritt als ZEITWissen-Chefredakteur zurück: Christoph Drösser wurde noch vor Publikation dieses Artikels die Möglichkeit gegeben, Stellung zu nehmen. Per E-Mail vom 25.08.06 zeigte er zunächst Interesse, um dann jedoch von einer Stellung- nahme abzusehen. Der Artikel wurde Ende August 2006 publiziert. Mit Datum vom 04.09.06 gibt der ZEIT Verlag indirekt bekannt, dass Christoph Drösser spätestens zum 01.01.07 als Chefredakteur von ZEITWissen zurücktreten wird. Siehe auch: Personalie: Jan Schweitzer wird Chefredakteur von ZEITWissen.
Linktipp: Beschreibung des Pilsglas-Experiments Physik der Bioresonanz: Irreführung oder Verdummung?
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