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Jede(r) kann in jeden Artikel eingreifen, was dazu schreiben, was weglöschen. Wenn man sich anmeldet. Man kann eine Benutzerseite mit Angaben zur Person anlegen. Muss man aber nicht. Wer eine solche Benutzerseite nicht anlegt, erscheint als Autor mit seiner IP-Adresse. Das ist aber auch nicht weniger anonym als die Benutzerseite. Die kann nämlich so lapidar sein, dass sie gar nichts über den Autor oder die Autorin aussagt; sie kann sogar komplett gefakt sein.
Wer also mit welcher Kompetenz irgendwo herumbastelt, ist nur bezüglich des PC, auf dem er arbeitet, transparent. Dabei hat es Wikipedia geschafft, in den Ergebnissen der Suchmaschinen zumeist ganz vorn zu landen. Deshalb wird so mancher Rechercheur diese Ergebnisse ansehen und wahrscheinlich auch nutzen. Aber: Wer den einen oder anderen Artikel über einen längeren Zeitraum beobachtet hat, ist selbst skeptisch geworden und möchte wohl andere warnen: Auf Wiki-Art zustande gekommene Quellen zu nutzen, bedeutet, sich auf dünnem Eise zu bewegen.
Grabenkämpfe, Kartelle & Edit Wars Da werden regelrechte Grabenkämpfe ausgefochten, Löschanträge gegen Missliebiges gestellt, Missliebige gesperrt, sogenannte edit- wars toben. Um es einfach zusagen: Jeder kann gegen das vorgehen, was ihm nicht in den Kram passt. Und da bilden sich auch Fraktionen, Koalitionen, Cliquen und Kartelle. In den Diskussionen ist der eine oder die andere schnell bei der Hand mit Beschimpfen, Unterstellen, Brüskieren, Verunglimpfen, Verleumden, Abqualifizieren, Aufmanteln, Aufkröpfen – vor allem in weltanschaulich begründeten Kontroversen.
Dabei reklamiert jeder für sich einen objektiven, neutralen Stand- punkt (als ob es den irgendwo gäbe). Das Wort „wissenschaftlich“ ist eines der wichtigen Schlagtot-Wörter in diesen Glaubens-Kämpfen. Heiß umstritten sind Artikel zum Beispiel zu Stichwörtern wie: Kommunismus, DDR, Kreationismus, Religion in allen Schattierungen, oder auch Medizin, um nur einige zu nennen.
Wer sich die Mühe macht, die Versionsgeschichte des „Homöopa- thie“-Artikels zu lesen, und parallel die Versionshistorie der dazu gehörigen Diskussion, ist erstaunt über die Chuzpe, mit der ein halbes Dutzend von Benutzern contra Homöopathie vorgeht. Man wird feststellen: Borniertheit siegt, Frechheit, Arroganz, manchmal mit Hartnäckigkeit gepaarte Dummheit, die einfach hartgesotten Stereotypen wiederkäut. Dabei klingen manche wie eine Schallplatte mit Sprung. So hat sich inzwischen mancher, der mit Argumenten versucht hat, mindestens mal darzustellen, was Homöopathie ist (sein will), sich längst wieder zurückgezogen, weil er feststellen musste, dass er mit Argumenten nicht landen kann, sondern mit Plattitüden abgebügelt, mit Verbalinjurien befeuert wird. (siehe auch Forschung & Forschung)
Konstruktive Beiträge Derzeit ist der Artikel (wieder mal) gesperrt. Es kann also nichts editiert werden. Damit sollen vor allem die fern gehalten werden, die eine eher ausgewogenere, enzyklopädischere Fassung erreichen möchten. Einer dieser Benutzer müht sich sehr, auf einer „Baustelle“ auf seiner eigenen Benutzerseite eine Fassung des Artikels vorzu- bereiten, die er dann zur Diskussion stellen möchte. Dieser Benutzer leitet die „Baustelle“ so ein: „Da der Homöopathie-Artikel mittlerweile in einer m.E. unzureichenden Fassung gesperrt ist und die Diskussion in eine Sackgasse geraten ist, arbeite ich hier auf Anregung von (Benutzer:Nickname) an einer alternativen Fassung. Für Kommentare und Vorschläge bin ich dankbar, bitte jedoch keine Grundsatzstrei- tigkeiten etc., sondern nur unmittelbar dem Artikel dienliche Bemer- kungen.“
Seine Position umreißt er so: „Es kann kein Zweifel sein, dass es hier (gemeint ist der Homöopathie-Artikel einschließlich der Diskussion, Anm. d. Verf.) sehr grundsätzliche Differenzen bzgl. Weltbild gibt, die den Artikel allzu sehr prägen. Mich stört auch, dass bereits vor einer brauchbaren Darstellung der Wunsch nach Bewertung sich durch- setzt, wie in der Einleitung ("Pseudowissenschaft") - aber damit kann ich einigermaßen leben; ich halte den Begriff "Pseudowissenschaft" eh nicht für sonderlich aussagekräftig. Ich selber bin zwar weder Homöopathiefan noch Homöopath, kenne mich aber recht gut aus (aus Gründen, die nicht hierher gehören); aber ich bin interessiert an einer korrekten Darstellung, die nicht von vornherein durch einen massiven Bias getrübt ist.“ Er konnte sich da und dort durchsetzen, hatte aber dabei massive Schwierigkeiten.
Seit Januar ruht seine „Baustelle“. Bis auf zwei Bearbeitungen im April: Zum einen wollte ein Homöopathiefan die „Baustelle“ im Sinne der Homöopathie „bereichern“, was der „Bauherr“ (zu Recht) revertierte, mit der Bitte, die sogenannte Verbesserung erst mal in der dazugehörigen (seit Februar auch nicht mehr bearbeiteten) Diskussion zur „Baustelle“ vorzutragen.
Wiki-Darwinismus: Kartelle setzen sich durch Ein anderer Benutzer hat auf Grund der Erfahrungen seine ganze erste Benutzerseite „geopfert“, um dort – augenscheinlich, nachdem er in der Diskussion um den Homöopathie-Artikel massiv niederge- bügelt wurde – etwas zum neutralen Standpunkt (neutral point of view = NPOV) zu sagen. Er schließt: „Der Inhalt der Wikipedia ist nicht deshalb interessant, weil man ihn für bare Münze nehmen und als gesammeltes Wissen (im Sinn von knowledge) lesen kann. Solange die Beteiligten nicht mit dem NPOV vertraut sind, stellt Wikipedia eine Ansammlung von Gemeinplätzen dar. Die Motivation zur Mitarbeit ist um so größer, je eifriger jemand seine Meinung in einem Artikel verewigen oder verteidigen möchte. Der Inhalt der Wikipedia ist als Symptom interessant, weil er zeigt, wie unter anarchischen Bedingungen ein Versuch der Repräsentation von Wissen entsteht.“
Auf seiner zugehörigen Diskussionsseite schreibt ein anderer Benut- zer: „Der Text auf deiner Benutzerseite trifft es wirklich haargenau. Besser kann man Wikipedia kaum beschreiben. Jeder wirft mal einige halbverstandene Bröckchen in die Arena. Fachwissen gegen null, Quellenangaben als Rarität. Betrifft vor allem historische und poli- tische Themen (Qualitätsstufe Schulwissen). Auch medizinische Themen werden von Leuten geschrieben, die sich mal schnell ‚einarbeiten’. Gruss (Nickname)“
Schon die Einleitung des Wikipedia-Artikels zur Homöopathie selber war und ist heiß umkämpft. Lange stand da: „Homöopathen behan- deln Krankheiten…“ Es war schwierig, den korrekteren Satz durchzu- bringen „Homöopathen behandeln ihre Patienten…“ Trotz vieler Dis- kussionen wird weiterhin in der Einleitung behauptet, die Homöo- pathen würden das Verdünnen von Substanzen „Potenzieren“ nennen (im Artikel selbst wird das Potenzieren allerdings korrekter darge- stellt). Abschließend sagt die Einleitung apodiktisch: „Die zentralen Aussagen der Homöopathie über ihre allgemeinen Grundsätze (Potenzierung, Ähnlichkeit, Lebenskraft) sind unüberprüfbar und damit pseudowissenschaftlich.“
Logischer Widersprüchen & Pressure Groups Diese von den offenbar dominierenden Mitautoren getragene Sicht bringt quasi zwangsweise mit sich, dass der Unterpunkt „Kritik an der Homöopathie“ einen prozentual hohen Teil des Artikels ausmacht. Einerseits halten die Kritiker mit Zähnen und Klauen an der einleiten- den Aussage fest: „Die den heutigen wissenschaftlichen Anforde- rungen genügenden Studien zeigen in der Gesamtbetrachtung, dass die untersuchten homöopathischen Behandlungen keine signifikant über den Placebo-Effekt hinausgehende medizinische Wirksamkeit haben.“ Andererseits heißt weiter unten im Artikel warnend: „Ge- genanzeigen: Alkoholismus (bei Einnahme der alkoholischen Lösung); Allergien gegen einen der Inhaltsstoffe (bei niedriger Potenzierung) bzw. den Trägerstoff (zum Beispiel Lactose); in Schwangerschaft und Stillzeit sowie bei Kindern nur in Absprache mit dem Arzt einneh- men.“ In dem Zusammenhang ist es rührend, wie einerseits die Wirkungslosigkeit der Mittel behauptet und anderseits in einer Tabelle die Gefährlichkeit der Niedrigpotenzen herausgestellt wird. (siehe auch: Die GWUP über Niedrigpotenzen)
Wer den Artikel unter die Lupe nimmt, findet viele Belege dafür, dass unter den gegebenen Bedingungen besser gar kein Artikel über „Homöopathie“ in Wikipedia veröffentlicht werden sollte. Hauptsäch- lich verantwortlich für wenig konstruktive und im Grunde bislang unmögliche, gescheiterte Zusammenarbeit ist ein schon erwähntes halbes Dutzend in der Manier einer pressure group und mit den Methoden von Agitation vorgehender Benutzer (innen). Sie tun sich in der Diskussion und im Löschen ihnen missliebiger Formulierungen und Teile des Artikels immer wieder hervor, scheinen sich abgespro- chen zu haben, geben sich Schützenhilfe: Die eine löscht, der andere stimmt zu, ein Dritter revertiert. Und irgendwie haben sie es mit der Wissenschaftlichkeit. Sobald man aber Axiome und Paradigmen erfahren möchte: Schotten dicht. Und oft mit herabgelassenem Visier gekämpft.
Nina sorgt für Ordnung Um mehr Transparenz zu bekommen, hatte der Verfasser dieser Zeilen einen längere Zeit nur mit IP-Adresse signierenden, dann aber ohne editierte Benutzer-Seite agierenden und agitierenden Diskus- sionsteilnehmer mit dem Nickname „Rtc“ angesprochen: „Konkrete Frage: Rtc, sind Sie einer der 20.000 Pharmavertreter, die täglich in der Republik unterwegs sind? Oder ein höheres Tier im medizinisch- industriellen Komplex? Oder was? Mit wessen Geistes Kind soll ich mich denn hier auseinandersetzen, eine Diskussion führen, über die der normale Mensch, wenn ich ihm davon erzähle, den Kopf schüttelt? Können Sie sich mal ein wenig outen? Fragt mal einfach der sehr neugierige (Signatur)“ Kurz darauf war, was ungewöhnlich ist, dieser kurze Beitrag von „Nina“ (wie aus der Versionsgeschichte zu ersehen war) kommentarlos gelöscht.
Bezeichnend: Am Kopf der Diskussionsseite prangt ein Eintrag fol- genden Wortlautes: „Bitte recht freundlich! Auch Diskussionsseiten sind nicht der Ort für öffentliche Anschuldigungen und Beleidigungen – egal ob gegenüber Wikipedianern oder anderen Personen. Beiträge einzelner Diskussionsteilnehmer spiegeln grundsätzlich nur deren eigene Meinung wieder – unwürdige Äußerungen schaden jedoch auch dem Ruf der ganzen Wikipedia. Bitte achtet auf einen menschlichen Umgangston!“
Hier sei ein erhellender Mini-Ausschnitt (10. Mai 2006) aus der äußerst umfangreichen Diskussion dokumentiert:
„Wie ihr beim Lesen des Vergleichs unschwer feststellen konntet, sind die anderen lexikalischen Homöopathieabhandlungen im Gegen- satz zum Wikipediaeintrag geradezu durch einem lockeren und unverkrampften Umgang gekennzeichnet. Und das sind alles ausnahmslos Lexika, die wissenschaftlich-universitären Ansprüchen genügen müssen; und zudem repräsentieren sie allesamt das Wissen der Hochschulmedizin. Wenn ich mir dann im Vergleich den Wiki- Homöopathieartikel anschaue und die ganzen Diskussionen, die ihr darüber geführt habt, dann kommt mir manches von diesem ‚zwang- haften Pseudowissenschaftsgesülze’ doch reichlich kleinkariert vor. (Signatur)“
„’... mehr als nur genügen müssen’? Was soll das denn heissen? ‚genügen’ reicht also nicht? Würde mich echt interessieren, was Du damit meinst. Weiter: Wer ‚Schulmedizin’ sagt, wird von mir schon nicht mehr ernstgenommen; ‚Schulmedizin’ ist wertend. Aber es wird noch besser: ‚zwanghaftes Wissenschaftsgesülze’! Unglaublich. Aber wenigstens mal einer, der gar nicht mehr versucht, objektiv zu sein, sondern offen zugibt, gegen die ‚wissenschaftlich-universitäten Ansprüche’ (was für ein Ausdruck!) zu sein. (Signatur)“
„hi (Nickname), ich kann deine Kritik in den angeführten Punkten voll und ganz annehmen....in einem Artikel wäre das natürlich völlig deplaziert....und genau um diese Unterscheidung geht es ja.....hier auf der Diskussionsseite äußere ich meine Meinung.....aber in einem Enzyklopädieartikel hat die persönliche Meinung eben zurück zu treten......und was da einem allein schon beim Lesen der Einleitung an versteckter Meinung und Wertung entgegenschlägt, find ich per- sönlich einfach unerträglich....nach dem Lesen des Artikels, explizit der Einleitung, schien mir eine solche Unmutsäußerung also durchaus angebracht....ich hoffe du wirst mich nicht auf diese unflätige Un- mutsäußerung reduzieren wollen.(Nickname)“
„Einverstanden. Und entschuldige bitte meine zu heftige Ausdrucks- weise. (Nickname)“
Kern der Kontroverse: Unterschiedliche Weltbilder Hier ist die eigentliche Kontroverse fokussiert. Einige sind verführt, die Wirksamkeit homöopathischer Arzneien auf irgendeine Weise physikalisch-naturwissenschaftlich zu erklären, mit dem Ziel, auf dem Parkett der modernen Wissenschaft anerkannt wandeln zu können. Die moderne Natur-Wissenschaft (wie einige sich immer wieder exponierende Anhänger dieser Welt-Anschauung) geht nämlich (immer noch) von der Vorstellung aus, dass alle natürlichen Vorgänge auf physikalisch-chemischen Prozessen beruhen, deren Gesetzmäßig- keit sich in mess- und wägbaren Daten zum Ausdruck bringt (Galilei: "...zu messen, was man messen könne, und messbar zu machen, was man noch nicht messen könne"). Dabei können eindeutig definierbare Kausalgesetze und ihnen unterworfene Wirkungen festgestellt und erwartet werden. In dem Zusammenhang wird gern behauptet, Naturwissenschaft sei objektiv (sogar: das einzig Objektive), frei von subjektiver Sicht, wertfrei (womit natürlich nicht gesagt sein soll, dass sie vielleicht auch sonst keinen Wert hätte!). Tatsächlich gehört zur Grundlage einer Heilwissenschaft unweigerlich ihr Bild vom Menschen (Anthropologie). Die moderne Naturwissenschaft möchte den Menschen vollständig aus seinen physikalisch-chemisch erfass- baren Gegebenheiten verstehen - oder hofft, er würde doch zumin- dest eines Tages dadurch verständlich sein.
Reduktionismus versus Holismus Unbestritten gibt es einen weiten Bereich natürlichen Daseins, das mit dem reduktionistischen (einschränkenden) Wissenschaftsbegriff erfasst, methodisch erforscht und beherrscht werden kann. Ihm verdanken wir schließlich alle Errungenschaften, mit denen uns die moderne Medizin und auch die Technik versieht. Diesem Wissen- schaftsbegriff liegt die Vorstellung zugrunde, dass wissenschaftlich nur das erforschbar ist, was letztlich "in Mechanik auflösbar ist" (Helmholtz 1869 auf der Innsbrucker Naturforscherversammlung). Aber: In zunehmenden Maß wird der Mangel dieses reduktionistischen Wissenschaftsbegriffs bemerkt. Bewegungen wie die Psychosomatik, die Psychoanalyse und eine neue medizinische Anthropologie legen Zeugnis ab von einem Sinneswandel.
Irrationale Argumentation Nachdem der Verfasser vor einiger Zeit im Rahmen der Diskussion um den Homöopathie-Artikel als Kronzeugen für die Subjektivität moder- ner Wissenschaftler Roger Sperry (1981 mit dem Nobelpreis für Medizin/Physiologie ausgezeichnet) und sein Buch "Naturwissen- schaft und Wertentscheidung" erwähnt hatte, wischte einer der Reduktionisten das mit einer hässlichen Bemerkung über die Qualität von Nobelpreisträgern weg. Solche Immunisierung rechtfertigt auch den Abschuss eines schwarzen Schwans, damit die These "Alle Schwäne sind weiß." weiter Bestand hat. Um Watzlawicks Bild zu verwenden: Hier in Flachland hilft kein Argument für Raumland. Auch der Versuch, zumindestens theoretisch Zweifel zu streuen ist gescheitert. So zitierte der Verfasser dieses Artikels in der Homöo- pathie-Diskussion auszugsweise aus einem Artikel von Professor Dr. med. Axel W. Bauer vom Institut für Geschichte der Medizin der Universität Heidelberg, Titel: „Axiome des systematischen Erkenntnisgewinns in der Medizin“. Da schreibt Bauer unter anderem:
„"...Das Streben nach wissenschaftlicher Erkenntnis in der Medizin hat während der historisch überschaubaren Zeiträume unterschied- liche Forschungsmethoden hervorgebracht, die sich ihrerseits auf insgesamt vier axiomatisch fundierte Denkstile zurückführen lassen. Es handelt sich dabei um 1.) das Axiom der Existenz von übernatür- lichen Personen oder Kräften, 2.) das Axiom der semiotischen Korres- pondenz von Phänomenen, 3.) das Axiom des kausalgesetzlichen, mechanisch-deterministischen Ablaufs von Prozessen in der Natur und 4.) das Axiom der Möglichkeit des intersubjektiven Verstehens von menschlichen Lebensäußerungen durch hermeneutische Inter- pretation verbaler und nonverbaler Zeichen.
Unter epistemologischen Gesichtspunkten ist keines dieser vier Axiome mit einem der drei anderen ausreichend kompatibel, so dass die Wahl eines Axioms zugleich eine Vorentscheidung für und gegen bestimmte Forschungsmethoden mit einschließt. Die Gründe für die Präferenz oder Antipathie gegenüber einem der vier Axiome erweisen sich als vielfältig, sie können historischer, soziologischer, psycholo- gischer oder individueller Art sein. Kollektive Zeitströmungen scheinen auf die Bevorzugung eines Axioms ebenso Einfluss zu nehmen wie persönliche und emotionale Charakteristika einzelner Wissenschaftler.
Zwar können die aus den jeweiligen Axiomen abgeleiteten Aussagen, insoweit sie nichttriviale Prognosen enthalten, durch die Anwendung empirischer oder experimenteller Prüfverfahren auf ihre praktische Brauchbarkeit getestet werden, doch sind die vier Axiome selbst grundsätzlich nicht falsifizierbar. Da zudem die heute von der Hochschulmedizin verwendeten rationalen Prüfverfahren (wie zum Beispiel die kontrollierte, randomisierte Doppelblindstudie) ausnahms- los auf der Grundlage des Axioms des kausalgesetzlichen, mecha- nisch-deterministischen Ablaufs von Prozessen in der Natur entwi- ckelt wurden, sind diese für überzeugte Anhänger der drei übrigen Denkstile prinzipiell inakzeptabel. Damit ist ein gravierendes wissen- schaftstheoretisches Dilemma beschrieben…“
Auf diesen Einschub gab es keinerlei Reaktion. In der Wiki-Community wollen etliche dieses Dilemma nicht zur Kenntnis nehmen. Solange Cliquen dominieren können, die nur gering von eines Gedankes Blässe angekränkelt sind und so lange unter diesen Gegebenheiten Wikipe- dia-Artikel entstehen und „weiterentwickelt“ werden, muss es weiter heißen: Wikipedia-Inhalte sind mit Vorsicht zu genießen. Wer da recherchiert, sollte sich keinesfalls darauf allein verlassen. Es ist doch so etliches zweifelhaft, dubios.
© 2005 Heinz Koch
Zur Person: Heinz Koch ist gelernter Journalist und war 20 Jahre lang Redakteur der Südwest Presse, der von der Gesamtauflage her drittgrößten deutschen Tageszeitung. Koch arbeitet heute als Schauspieler, Regisseur, Autor, Dramaturg und ist seit 12 Jahren Leiter einer privaten Profi-Bühne, des AuGuSTheaters in Neu-Ulm.
Links zum Thema:
GWUP, Skeptiker, Pseudowissenschaft & Agitation:
Wikipedia: GWUP, Skeptiker, Wikipedia - Admin FOSSA: »Die GWUP ist entgegen ihres Namens keine wissenschaftliche Standesorganisation, sondern ein Verein, der Aktivisten der Skeptikerbewegung organisiert.«
Komplementärmedizin: (openPR) GWUP: Zweifel an der Seriosität der Skeptiker: »Fritzsche weist darauf hin, dass sich in der Skeptiker-Organisation zu großen Teilen Laien und selbst ernannte Experten artikulieren, welche Themen wie z.B. Homöopathie, anthroposophische Medizin oder Naturheilverfahren nie nach wissenschaftlichen Maßstäben erforscht haben.«
Aggressivität: (Stephan Matthiesen) Mein Standpunkt als Skeptiker-Redaktionsleiter: »Zwar ist ein fairer und sachlicher Umgang ein Leitziel der Skeptikerbewegung, doch Rhethorik und Wirklichkeit liegen selbst bei einflussreichen „Skeptikern“ weit auseinander: Menschen mit anderen Blickwinkeln werden nicht als Gesprächspartner, sondern als „Gegner“ gesehen, die man auch persönlich angreifen und lächerlich machen kann — emotionale Schlagworte ersetzen fundierte Argumente und der konstruktive Austausch wird verhindert.«
Insiderbericht: (Rudolf Henke) »Mir fiel schon bald auf, dass drei der damaligen fünf GWUP-Fachressorts - nämlich die Bereiche Astrologie, UFOs und Okkultismus - von wissenschaftlichen Laien geleitet wurden ... Doch im Laufe der Zeit mußte nicht nur ich feststellen, dass es den Betreffenden nicht nur erheblich an wissenschaftlichem Grundlagenwissen mangelte, sondern dass alle drei ihre Tätigkeit mit einem missionarischen Eifer betrieben, der mich abstieß.«
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