Daraus leitet sich mein Dissens ab hinsichtlich ihrer Auffassung, die von Süß et al. Behaupteten Phänomene können überhaupt nicht existieren. Die Autoren der Ursprungsarbeit, aber auch die Autoren der Kritik machen hier eine Voraussetzung, die aus meiner Sicht nicht realistisch, nicht notwendig und vermutlich auch falsch ist: dass es so etwas wie materiell fixierte Informationen, elektromagnetische Schwingungen oder sonstige lokale Signale geben muss, die „homöopathische Information“ übertragen können muss. Nur wenn diese Voraussetzung stimmt und gemacht wird, macht die gesamte Argumentation im ersten Bereich ihrer Arbeit Sinn. Ich halte es nicht für ausgemacht, dass man an die Phänomene nur so herangehen kann und würde deswegen diesen Teil für im Grunde unnötig und eigentlich auch unbrauchbar halten.

Momente des Konsens: Ich bin mit den Autoren der Kritik darin in Übereinstimmung, dass viele Rahmenbedingungen dieser Forschungsarbeit unklar sind, dass die Publikation an Transparenz und Sorgfalt zu wünschen übrig lässt, etc. Dies hängt mit den von den Autoren richtigerweise herausgestellten Interessenszusammenhängen im Hintergrund zusammen, die allerdings alles andere als unbekannt sind und denjenigen, die in diesem Feld tätig sind, zur Genüge bekannt. Dass es verdienstvoll ist, darauf vielleicht noch einmal für eine größere Öffentlichkeit hinzuweisen, mag sein, halte ich aber in diesem Zusammenhang für allzu viel Lärm. Es ist einfach so, dass der Reckeweg-Preis von der
Firma Heel ausgelobt ist, dass Bedingung dieses Preises ist, dass die entsprechenden Arbeiten in der Zeitschrift Biologische Medizin publiziert wird, und dass diese Zeitschrift eine Hauspostille der Firma Heel ist. All dies ist zur Genüge bekannt, weswegen kein ernsthafter Wissenschaftler auf diesem Gebiet diese Information außerhalb der gegebenen Kontexte als sonderlich bedeutsam sehen würde. Diese spezielle Situation, die an sich allen Eingeweihten bekannt ist, führt dazu, wie die Autoren der Kritik richtig bemerkt haben, dass die entsprechenden Publikationen nicht notwendigerweise die gleiche Qualitätssicherung durchlaufen wie dies für ordentlich begutachtete Arbeiten der Fall ist und deshalb zu wünschen übrig lassen.
 
Es scheint mir jedoch zum einen verfrüht, darüber ein endgültiges Urteil abgeben zu wollen, und zum anderen auch die Bedeutung eines einzigen Experimentes überstrapazieren zu wollen, wenn man es in der hier vorliegenden Weise bewertet. In der Wissenschaft insgesamt ist nämlich nicht das einzelne Experiment Einheit der Analyse, sondern vor allem in kontroversen Gebieten wie der Homöopathieforschung ein experimentelles Modell über verschiedene Replikationen hinweg. Gegenstand dieser Arbeit war, so weit ich dies beurteilen kann, ein einziges Experiment aus einer einzigen Arbeitsgruppe, und als solches sind die Daten zu werten, zu kritisieren und auch zu bewerten. Vieles an der inhaltlichen Kritik kann ich mangels Detailkenntnis und mangels entsprechender Information nicht gut nachvollziehen und enthalte mich deswegen eines Kommentars. Das Argument, dass das Signal zu schwach ist um vom Hintergrundrauschen abgehoben zu werden, kann ich ehrlich gesagt nicht ganz nachvollziehen, auch nicht anhand der Daten, die die Autoren in ihrer Kritik berichten. In aller Regel wurden diese Experimente, wenn ich die Untersuchung richtig im Kopf habe, mehrfach wiederholt, sodass sich im Normalfall ein Signal, wenn es vorhanden ist, herausdestillieren lässt.

Ein wichtiger Vorwurf, den die Autoren der Kritik in ihrer Arbeit erheben, ist der Vorwurf der Datenselektion. Dieser kann selbstverständlich nur dann geltend gemacht werden, wenn die Selektion nur bei den Verum-Präparaten vorgenommen wurde, nicht aber bei den Kontroll-Präparaten. Ich kann mich nicht entsinnen, dass hierzu entsprechende Informationen in der Publikation vorhanden wären und gehe davon aus, dass die Selektion in allen Messungen gleichermaßen vorgenommen wurde. Falls dies der Fall ist, ist das Argument hinfällig. Wenn dies nicht der Fall ist, ist das Argument der Autoren der Kritik ein entscheidendes.

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