Über die Rolle des Bewusstseins
in der physikalischen Welt

Robert G. Jahn, Brenda J. Dunne
An den Rändern des Realen
Über die Rolle des Bewusstseins in der physikalischen Welt
M-TEC Verlag, Altkirchen

Physik und Metaphysik gelten gemeinhin als streng gegensätzliche Disziplinen, zwischen denen es keinerlei Berührungspunkte gibt. Robert G. Jahn und Brenda J. Dunne sind bei ihren bis dato über siebenundzwanzig Jahre währenden Experimenten zum Princeton Engineering Anomalies Research Program zu Ergebnissen gelangt, welche zu einem Umdenken diesbezüglich anregen.

Ihre provokante These lautet, vor- sichtig ausgedrückt: Zwischen menschlichem Bewusstsein auf der einen Seite sowie physikalischen Geräten und technischen Systemen auf der anderen kann es zu Wech- selwirkungen kommen, welche die Versuchsergebnisse so stark beein- flussen, dass sie sich statistisch signifikant von dem unterscheiden, was man angesichts der bekannten physikalischen Gesetze erwarten dürfte. So wird beispielsweise die Normalverteilung eines Zufalls- zahlengenerators gering, jedoch signifikant durchbrochen.

Robert G. Jahn, ehemals Professor für Weltraumwissenschaften und Dekan der School of Engineering and Applied Science an der Prince- ton University, sowie Brende J. Dunne, Direktorin des Princeton Engineering Anomalies Research Laboratory (PEAR), untersuchten über einen Zeitraum von mehr als 20 Jahren Anomalien bei der Inter- aktion von Mensch und Maschine. PEAR hat in diesem Zeitraum mit der Beeinflussung von mechanischen, elektronischen, optischen, akustischen und hydraulischen Geräten durch menschlichen Geist (Psychokinese) experimentiert.

Foto: Microelectronic Random Event Generator (REG) des PEAR


Für Aufsehen sorgte ein Experiment, bei dem Probanden einen Com- puter geistig beeinflussen sollten. 91 Personen setzten sich dazu über einen Zeitraum von 12 Jahren vor einen Computer, um die Er- zeugung einer Zufallszahl (1 oder -1) durch geistige Aufmerksamkeit zu beeinflussen. In Summe kamen die Experimentatoren auf insge- samt 2.497.200 Versuche. Unter normalen Umständen hätte sich bei einer so großen Versuchsanzahl eine saubere
Normalverteilungskurve bilden müssen. In den PEAR-Experimenten korrespondierte jedoch der Wert des Zufallszahlgenerators so mit der Intention der Versuchs- personen, dass er im Durchschnitt um 0,01% von der statistisch zu erwartenden Normalverteilung abwich.

Foto: Abweichung von der Normalverteilung


“An den Rändern des Realen” schildert die Forschungsarbeit des Princeton Engineering Anomalies Research Laboratory (PEAR) aus der Perspektive der beiden Hauptprotagonisten Robert G. Jahn und Brenda J. Dunne. Die deutsche Erstfassung erschien ursprünglich im Verlag Zweitausendeins mit Beiträgen von Harald Atmanspacher und Eberhard Bauer vom Institut für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene in Freiburg. Dass der M-TEC Verlag in Altkirchen das Buch nun neu aufgelegt hat, ist durch einen Sachverhalt zu erklären, welcher in der Öffentlichkeit bisher weniger bekannt ist. Zu den Besonderheiten der PEAR-Experimente gehörte nicht nur die von Jahn und Dunne beobachtete Abweichung von der Normalverteilung. Als Kuriosität erwies sich auch ein Phänomen, welches nur durch Zufall entdeckt wurde.

Bei dem Versuch, eine namenlose Grafik dem richtigen Probanden zuzuordnen, stellte sich heraus, dass jeder Proband eine für ihn typische Baseline hatte. Was genau verbirgt sich hinter dem Begriff Baseline? Die Probanden konnten sich abhängig vom Experiment jeweils darauf konzentrieren, dass der Computer entweder die Zufallszahl 1 (Hi) oder die Zufallszahl -1 (Lo) berechnet. Als dritte Variante gab es noch Experimente, bei denen der Proband geistig indifferent war und sich auf nichts konzentrierte. Nur durch Zufall zeigte sich hier, dass jeder Proband eine relativ stabile, für ihn typische Baseline hatte, ähnlich einem digitalen Fingerabdruck.

Als der damalige Heilpraktiker Peter von Buengner erstmals von dieser Baseline hörte, ließ ihm dies keine Ruhe. Sollte sich tatsächlich be- stätigen, dass jeder Proband der PEAR-Experimente eine für ihn typische Baseline erzeugte, so müsste, dies folgerte von Buengner, dem “System” dann ja bekannt sein, wer da gerade mit ihm kommu- nizierte. Von diesem Gedanken fasziniert, besorgte er sich den Zufallszahlengenerator des PEAR-Experiments, eine so genannte Diode mit weißem Rauschen, und baute das Experiment mit einem entscheidenden Unterschied nach. Er programmierte seine Software so, dass der Zufallszahlengenerator eine Korrelation zwischen einer bestimmten Person und homöopathischen Präparaten einer großen Datenbank berechnen sollte. Aus diesen Anfängen entwickelte sich die
m-tec AG, welche schon seit vielen Jahren in großem Umfang Systeme für instrumentelle Biokommunikation entwickelt und ver- treibt, beispielsweise das Radionik-System QUANTEC.

Wer sich darüber informieren will, mit welchem Erfolg die PEAR- Experimente je wiederholt werden konnten, der wird in “An den Rändern des Realen” leider nicht fündig. Wie die Wochenzeitung DIE ZEIT schon 2000 in ihrem Beitrag
“Würfeln mit dem Hirn” berichtete, führten Ende der 90er Jahre neben Princeton das Freiburger Institut für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene (IGPP) und das Institut für Psychobiologie und Verhaltensmedizin der Universität Gießen eine Versuchs-Wiederholung mit identischem Experimental- design durch. Die Abweichung von der Normalverteilung lag bei der späteren Wiederholung der Experimente um den Faktor 10 unter den ursprünglichen Werten. Für Skeptiker der Beweis einer gescheiterten Replikation. Für Walter von Lucadou, Leiter der Parapsychologischen Beratungsstelle in Freiburg, hingegen ein Indiz für einen so genann- ten Decline-Effekt. Danach lässt sich immer wieder beobachten, dass Bewusstseins-Phänomene untersuchende Experimente auch bei methodisch einwandfreier Durchführung zunächst deutliche Effekte zeigen, welche sich jedoch später nicht wiederholen lassen. Ähnlich argumentiert Eckhard Etzold von der Gesellschaft für Anomalistik e.V. in einem Beitrag über die Anomalistische Psychologie mit den Worten: “Denn es ist überall da, wo in einer wissenschaftlichen Erhebung echte Zufallsprozesse hineinspielen, damit zu rechnen, dass die Erwartungen des Versuchsleiters oder Experimentators das Ergebnis bei größeren Versuchsreihen um bis zu zwei Standardabweichungen beeinflussen (und verfälschen) können.”

Für Laien schwer zu beurteilen ist die Frage, ob die Summe aller bisher weltweit durchgeführten PK-Experimente (PK: Psychokinese, physikalisch vorläufig unerklärliche, psychisch ausgelöste Bewirkun- gen auf materielle Systeme) für oder gegen die Annahme eines ro- busten Effekts sprechen. Die Journalistin Julia Förster schreibt hierzu in einem Beitrag mit dem Titel “Wenn der Glaube Linien versetzt”:

“Eine Analyse aller 597 bis 1987 publizierten wissenschaftlichen Experimente habe gezeigt, daß PK zwar ein schwacher, aber durch- aus robuster Effekt ist. Der promovierte Physiker und Psychologe Walter von Lucadou verdeutlicht das Ergebnis dieser Analyse in seinem Buch über Psychokineseforschung: Wollte man annehmen, dass das positive Endergebnis allein dadurch zustande kommt, dass nur günstige Resultate veröffentlicht werden, während die anderen im Papierkorb landen, dann müssten mindestens 54.000 ungünstige Experimente versteckt worden sein. Von Lucadou betrachtet diese Annahme als vollkommen unrealistisch. Die Testreihen seien so aufwendig und teuer, dass eine so große Anzahl Versuche niemals unbemerkt hätte durchgeführt werden können.”



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