»Gewaltfreie Kommunikation«
Vorwort

Junfermann-Bestseller
1. Halbjahr 2008
Platz 1

Rosenberg, Marshall B.
Gewaltfreie Kommunikation
Eine Sprache des Lebens. Überarbeitete Auflage von 2004. Alle neueren Auflagen sind Nachdrucke dieser Version
Originaltitel: Nonviolent Communication
19,50 EUR -
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Wir betrachten unsere Art zu sprechen vielleicht nicht als "gewalttätig", dennoch führen unsere Worte oft zu Verletzung und Leid - bei uns selbst oder bei anderen. Die Gewaltfreie Kommunikation hilft uns bei der Umgestaltung unseres sprachlichen Ausdrucks und unserer Art zuzuhören. Aus gewohnheitsmäßigen, automatischen Reaktionen werden bewußte Antworten. Wir werden angeregt, uns ehrlich und klar auszudrücken und gleichzeitig anderen Menschen unsere respektvolle Aufmerksamkeit zu schenken.

Wenn wir die Gewaltfreie Kommunikation in unseren Interaktionen anwenden, ob mit uns selbst, mit einem anderen Menschen oder in einer Gruppe, kommen wir an eine Tür, die auf allen Ebenen der Kommunikation, in allen Altersklassen und in den unterschiedlichsten Situationen im Beruf, im Privatleben und auf dem politischen Parkett erfolgreich geöffnet werden kann.

Die Gewaltfreie Kommunikation ist die verlorene Sprache der Menschheit, die Sprache eines Volkes, das rücksichtsvoll miteinander umgeht und die Sehnsucht hat, in Balance mit sich selbst und anderen zu leben. Mit Geschichten, Erlebnissen und beispielhaften Gesprächen macht Marshall Rosenberg in seinem Buch alltägliche Lösungen für komplexe Kommunikationsprobleme anschaulich.

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Inhaltsübersicht + Einleitung + Vorwort + Leseprobe + Pressestimmen + Autoreninformation]

»Gewaltfreie Kommunikation«
Vorwort

Aus dem Vorwort von Arun Gandhi

Als Farbiger in den 40er Jahren im Südafrika der Apartheid aufzuwachsen, war nicht gerade das, was man sich am meisten wünscht, denn es verging täglich kaum ein Augenblick, in dem man nicht an die eigene Hautfarbe erinnert wurde. Darüber hinaus ist es eine demütigende Erfahrung, wenn man im Alter von zehn Jahren erst von weißen Jugendlichen verprügelt wird, weil sie einen für zu schwarz halten und dann von schwarzen Jugendlichen, weil sie einen für zu weiß halten: Das kann jeden in rachsüchtige Gewalttätigkeit treiben.

Diese Erlebnisse brachten mich so in Rage, dass meine Eltern beschlossen, mich nach Indien zu schicken und mich bei meinem Großvater, dem legendären Mahatma Gandhi zu lassen, damit ich von ihm lerne, wie ich mit dem Ärger, der Frustration, der Diskriminierung und der Demütigung umgehen kann, die gewalttätige Rassenvorurteile in einem Menschen heraufbeschwören können. Während dieser 18 Monate lernte ich mehr, als ich mir jemals hätte vorstellen können. Heute bedaure ich nur, dass ich damals erst 13 Jahre alt und ein mittelmäßiger Schüler in diesem Fach war. Wäre ich doch nur etwas älter, etwas klüger und etwas aufmerksamer gewesen, dann hätte ich so viel mehr lernen können. Aber man muss zufrieden sein mit dem was man hat und keinen Neid aufkommen lassen - eine grundlegende Lektion im gewaltlosen Leben. Wie kann ich das vergessen?

Unter vielen Dingen lernte ich von meinem Großvater, die Gewaltlosigkeit in ihrer Tiefe und Breite zu verstehen und anzuerkennen, dass wir alle gewalttätig sind und daß es darum geht, unsere Einstellungen grundlegend zu ändern. Wir sehen unsere eigene Gewalttätigkeit oft nicht, weil wir sie ignorieren. Wir halten uns nicht für gewalttätig, weil wir uns unter Gewalt einen Kampf, einen Mord, eine Schlägerei und Kriege vorstellen - alles Dinge, die "normale" Menschen "normalerweise" nicht tun.

Mein Großvater ließ mich einen Stammbaum der Gewalttätigkeit zeichnen, der genauso wie ein Familien-Stammbaum aufgebaut war. Sein Argument dafür war, dass ich zu einer besseren Wertschätzung der Gewaltlosigkeit kommen könnte, wenn ich die Gewalt, die in der Welt existiert, wahrnehme und verstehe. Jeden Abend half er mir, die Geschehnisse des Tages zu analysieren - alles, was ich erlebt oder gelesen hatte, was ich gesehen oder anderen angetan hatte. Das wurde dann in den Baum eingetragen, entweder unter "körperlich" (wenn es sich um körperliche Gewalt handelte) oder unter "passiv" (wenn es eher eine emotionale Verletzung war).

Innerhalb weniger Monate war eine Wand in meinem Zimmer bedeckt mit Handlungen von "passiver" Gewalt, die mein Großvater als heimtückischer erachtete als "körperliche" Gewalt. Er erklärte dann, dass passive Gewalt letztendlich Ärger im Opfer erzeugt, das daraufhin gewalttätig reagiert, sei es als Individuum oder in einer Gruppe. Mit anderen Worten: Es ist die passive Gewalt, die Öl in das Feuer der körperlichen Gewalt gießt. Weil wir diesen Zusammenhang nicht verstehen oder ihn nicht anerkennen, tragen alle unsere Friedensbemühungen entweder keine Früchte, oder sie sind von kurzer Dauer. Wie können wir ein Feuer löschen, wenn wir nicht zuerst die Ölleitung kappen, die das Inferno entzündet?

Großvater betonte immer lautstark, wie wichtig es ist, gewaltfrei zu kommunizieren - das verwirklicht Marshall Rosenberg seit vielen Jahren auf bewundernswerte Weise in seinen Schriften und in seinen Seminaren. Mit großem Interesse habe ich sein Buch Gewaltfreie Kommunikation - Eine Sprache des Lebens gelesen, und ich bin beeindruckt von der Tiefe seiner Arbeit und von der Einfachheit seiner Lösungswege.


Aus der Einleitung von Friedrich Glasl

Schon vor Jahren begegnete ich dem Wirken von Marshall Rosenberg - in den begeisterten Berichten seiner Schülerinnen und Schüler. Sie hatten die Methoden des gewaltfreien Dialogs bei ihm gelernt und geübt und konnten diese in den vielfältigsten Konfliktsituationen erfolgreich anwenden. Das reichte von Mediation bei Ehe- und Familienkonflikten über die Täter-Opfer-Mediation bis hin zu Bürgerkriegsituationen und internationalen Konflikten.

Ich meinte wörtlich, dass ich dem Wirken Marshall Rosenbergs begegnet war, nicht aber seinen Publikationen. Da er ständig unterwegs war, sein Wissen und Können in der Praxis einzusetzen, fand er selbst kaum die nötige Zeit, seine Methodik und deren Hintergründe zu beschreiben. Das mussten dann Freundinnen und Freunde für ihn tun, die seine Arbeit kennen- und schätzengelernt hatten.

Darum freue ich mich ganz besonders, dass endlich Marshall Rosenbergs Hauptwerk in deutscher Sprache vorliegt! Denn das Besondere an der hier dargestellten gewaltlosen Kommunikation ist, dass sie die Grundlage bildet für Konfliktmanagement im mikro-sozialen Bereich, das heißt in der direkten Auseinandersetzung von Mensch zu Mensch, die somit auch die Basis für Mediation im meso- und makro-sozialen Feld ist. Wenn immer zwei oder mehr Menschen in einer Konfliktsituation miteinander kommunizieren, werden sie in der direkten Gesprächssituation davon profitieren - gleichgültig, ob dies als direkt Betroffene geschieht oder als Vertreterin bzw. Vertreter der Interessen anderer oder als Delegierte einer großen Organisation oder eines Staates. Der Kern jeder Konfliktbehandlung ist immer das direkte Gespräch von Mensch zu Mensch. Marshall Rosenbergs Methodik ermöglicht dafür nichts Geringeres als eine wahre Begegnung des tieferen Wesens der beteiligten Menschen. Durch die Achtsamkeit auf die oft unbemerkten Gewaltaspekte der Sprache lässt sich eine Mediatorin oder ein Konfliktberater nicht von dem blenden, was in Konflikten nach außen hin immer als stereotypes Bild wirksam wird.




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