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Das Skeptiker-Syndrom als idealtypisches polythetisches Set
Um zu verstehen, warum hier rasch ein die Stabilität der Gruppe insgesamt gefährdendes Bedrohungspotential gesehen wird, müssen einige typische Merkmalscharakteristiken aufgezählt werden, die insbesondere die Personen im linken unten Quadranten der Graphik kennzeichnen. Es handelt sich um ein idealtypisches polythetisches Set, das ich als „Skeptiker-Syndrom“ bezeichne. Damit ist gemeint, dass das Syndrom in Bezug auf ein konkretes Individuum bereits dann als gegeben angesehen werden muss, wenn einige der nachfolgend genannten Merkmale erfüllt sind (es müssen nicht alle in jedem Einzelfall. zutreffen). Gleichzeitig handelt es sich um ein emergentes Phänomen, d.h. es entsteht etwas Neues, wenn viele der Merkmale in ihrer spezifischen Kombination und inneren Relationierung zusammenkommen: die Mentalität des idealtypischen "Skeptikers" als soziokulturelle Realität, die gerade in der sozialen Vergemeinschaftung (in einer "Gesinnungsgemeinschaft") immer wieder neu erzeugt, bekräftigt und stabilisiert wird. Insofern haben wir es vorwiegend mit einem sozialen Phänomen zu tun, nicht bloß mit Einstellungen einzelner isolierter Individuen. Die "Skeptiker"-Bewegung ist jener sozialer Ort, an dem dieses spezifische Set von Mentalitätsmustern tradiert und reproduziert wird.
Was sind nun die einzelnen Elemente des Merkmals-Sets dieses Syndroms?
(1) Jene „Skeptiker“ sehen das primäre oder sogar einzige Ziel der Gruppe in Lobby- und Öffentlichkeitsarbeit mit dem Ziel, gewisse „paranormale“ Vorstellungen in der Bevölkerung zurückzudrängen oder den aktiven Vertretern solcher Überzeugungen „das Handwerk zu legen“. Es geht insofern um Mission und Advokatentum, bei dem (2) die Durchführung von eigenen wissenschaftlichen Untersuchungen als relativ überflüssig erachtet wird, da ja eh klar sei, „daß alles Quatsch ist“. (Da die Kenntnis relevanter Fakten und wissenschaftlicher Untersuchungen zum jeweiligen Thema unter jenen Personen meist nicht allzu groß ist, beschränkt sich dann die „Öffentlichkeitsarbeit“ inhaltlich nicht selten auf die Popularisierung des Namens der eigenen Organisation in Verbindung mit bloßen Meinungen oder bei anderen ausgeborgten Fakten.)
(3) Die eigene Gruppe wird nicht als „wissenschaftliche (Forschungs-)Gemeinschaft“ verstanden, sondern als soziale Bewegung, als „verschworene (Gesinnungs-)Gemeinschaft“ mit letztlich politischen Zielen, nämlich der eigenen Vorstellung von „Rationalismus“ in der gesamten Gesellschaft zum Durchbruch zu verhelfen. Man müsse sich hinsichtlich des Vorgehens und anderer Fragen deshalb auch bei politischen Parteien ein Vorbild nehmen, nicht etwa bei wissenschaftlichen Gesellschaften.
(4) Im Rahmen einer solchen Auffassung befindet sich die eigene Gruppe in einer steten Kampfsituation, bei der interne Meinungsverschiedenheiten nur als hinderlich empfunden werden und Geschlossenheit zumindest nach außen hin erwartet wird. Entsprechender Konformitätsdruck wird in der „ingroup“ ausgeübt.
Eine sich in einer solchen Kampfsituation sehende Gruppe hat naturgemäß auch für demokratische Abstimmungen und Verfahren in den eigenen Reihen wenig übrig, da sie - ähnlich wie bei einer Armee -für das eigentliche Ziel, dem geschlossenen Wirken nach Außen, nur als Behinderung und kontraproduktiv empfunden werden. Als eingetragener Verein ist die GWUP zwar (etwa im Unterschied zum amerikanischen CSICOP) formal demokratisch strukturiert, doch die Realität sieht so aus, dass z.B. nach Auffassung eines GWUP-Vorstandsmitglieds Mitgliederversammlungen nur dazu dienen sollen, „um gemeinsam Kraft zu schöpfen“ und in Harmonie das „Zusammengehörigkeitsgefühl“ zu stärken. Kontroverse Diskussionen, Debatten oder gar Abstimmungen werden diesem Zweck nur als zuwiderlaufend und folglich nach Möglichkeit zu verhindernd angesehen. So gab es in meiner Erinnerung in der gesamten 12jährigen Geschichte der GWUP bei Vorstandswahlen auch noch niemals zwei konkurrierende Kandidaten um ein Vorstandsamt, und die entsprechenden Personen wurden stets vom Vorstand selbst vorgeschlagen. Real praktizierte Vereinsdemokratie sei, so mir gegenüber ein GWUP-Vorstandsmitglied„unnötiger Luxus“, auf den man getrost verzichten könne, da die Aufgaben der GWUP andere seien.
Dem Skeptiker-Syndrom unterliegende Personen sind nicht zuletzt auch (5) an der häufigen Verwendung des Wortes „wir“ (anstelle von „ich“) zu erkennen: Es geht ständig darum, dass „wir“ gegen „die“ antreten und zusammenhalten müssten; und wenn „wir“ untereinander kontrovers diskutierten, würden sich „die“ nur ins Fäustchen lachen usw. (ingroup-outgroup-Polarisierung). Deshalb müssten Kontroversen innerhalb der Gruppe auch so schnell wie möglich beendet werden.
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