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Während (6) nach Außen hin Angriff und Kritik groß geschrieben wird, herrscht im Innern eine bereits dysfunktionale Konfliktvermeidungsstrategie beinahe um jeden Preis, zumindest was die Führungsgremien betrifft.
(7) „Outgroup“-Positionen hingegen dürfe man keinesfalls ein Forum geben, weder in Publikationen noch bei Tagungen, denn dies wäre ja „Werbung“ für den Gegner, der ja schon „genug Möglichkeiten hätte“, man dürfe ihn so „nicht weiter aufwerten“.
Dass groupthink-Symptome unter solchen Bedingungen gut gedeihen, braucht nicht weiter betont zu werden. Ich habe innerhalb der GWUP Gremiensitzungen erlebt, bei denen sich alle Teilnehmer gegenseitig versicherten, dass eine bestimmte Studie „Unsinn“ und „widerlegt“ sei, ohne dass auch nur ein einziger Teilnehmer jene Studie gelesen hätte, relevante Argumente oder eine „Widerlegung“ hätte anführen können.
(8) Sogar entdeckte, teils peinliche nachweisliche Fehler und Falschbehauptungen von einzelnen Mitgliedern werden organisationsintern kaum kritisiert (und schon gar nicht öffentlich!), sondern werden geduldet, solange sie hinsichtlich ihrer Zielrichtung den eigenen Überzeugungen nicht zuwider laufen. „Hauptsache dagegen!“ scheint für viele die Devise zu sein. So war es beispielsweise möglich, dass ein früheres GWUP-Mitglied jahrelang Gauquelins These eines „Mars-Effekts“ mit nachweislich falschen Argumenten heftig attackierte. Sogar als diese Person (aus anderen Gründen) nicht mehr GWUP-Mitglied war, sah sich außer mir keiner zu einer kritischen Aufarbeitung genötigt. In vielen anderen Beispielen haben mir Mitglieder unter vier Augen gesagt, dass sie diese und jene Behauptungen anderer Mitglieder für nachweislich falsch hielten, sie aber nicht offen kritisieren wollten, „um der skeptischen Bewegung nicht zu schaden“.
(8) Empfundene Gefahren- und Bedrohungspotentiale spielen eine große Rolle für jene „Skeptiker“ und ihre Motivation. „Defending the rational world from a rising tide of nonsense“ (Paul Kurtz) sei eine für den zukünftigen Bestand der Gesellschaft und der Menschheit überlebenswichtige Aufgabe, die alle Anstrengungen erfordere. In diesem Zusammenhang werden auch (9) die gesellschaftliche Bedeutung und die Einflussmöglichkeiten der eigenen Gruppe, also der „Skeptiker“-Organisation, von vielen Mitgliedern maßlos überschätzt. Man sieht sich als einmalige und unverzichtbare Elite, von deren Agieren die weitere Entwicklung der Gesellschaft maßgeblich abhänge.
(9) Dies geht einher mit einer immer wieder geäußerten starken emotional-persönlichen Betroffenheit („mir lief es heiß und kalt den Rücken herunter“), wenn jene „Skeptiker“ z.B. in der Bekanntschaft mit diversen „esoterischen“ Vorstellungen und Praktiken konfrontiert werden. Es sei (10) eine große emotionale Befriedigung, wenigstens einmal im Jahr als Teilnehmer einer GWUP-Konferenz „unter sich“ zu sein, und sich abseits einer vom Irrationalismus geplagten Welt gegenseitig bestärken zu können - weshalb kontroverse Diskussionen mit „Nicht-Skeptikern“ auf einer solchen Tagung als „störend“ empfunden und strikt abgelehnt werden. Als besonders gemeinschaftsstiftend wird in diesem Zusammenhang offenbar (11) auch das gemeinsame „Sich-empören-über ...“ empfunden.
Überhaupt sei (12) nur sinnvoll, sich mit solchen parawissenschaftlichen Vorstellungen zu beschäftigen, von denen eine ernsthafte Gefahr für Mensch und Gesellschaft ausgehe, alles andere sei unwesentlich. Nur in den allerseltensten Fällen wird dabei (13) die „Gefahr“ (genauer: die Chancen-Risiko-Relation) anhand empirischer Studien oder Abschätzungen belegt, sondern es wird mit Einzelfällen (deren Repräsentativität fraglich ist), subjektiven Erfahrungen, Horrorszenarien und Betroffenheitsgefühlen argumentiert - im Prinzip nur spiegelbildlich zu sog. „Esoterikern“, die mit ähnlichen Argumenten uns vom heilsbringenden Nutzen ihrer jeweiligen Systeme überzeugen wollen.
(14) Fragt man jene „Skeptiker“, warum sie sich überhaupt mit solchen Themen beschäftigen, erhält man nicht etwa die Antwort, weil sie diese oder jene Frage interessant fänden, sondern es werden bedrohliche Gefahren ausgemalt, weshalb man gegen gewisse Vorstellungen angehen müsse.
Ansonsten geht es (15) jenen „Skeptikern“ aber nur darum, ob eine bestimmte Behauptung „stimmt“ oder nicht. Stimmt sie nicht - und das glaubt man ohnehin schon zu wissen - wird sie oft vorschnell auch als „gefährlich“ eingestuft. Denn der Hinweis auf die „Gefährlichkeit“ wird benötigt, um letztlich politisches Handeln zu rechtfertigen, an dem man primär interessiert ist. Dass (16) die Fragen nach dem Wahrheitsgehalt und der Chancen-Risiko-Relation relativ unabhängig voneinander sind und sich nicht einfach aufeinander reduzieren lassen, wird kaum gesehen, genau so wenig (17), dass etwa die Fragen nach der Psychologie und Soziologie derartiger „paranormaler“ Überzeugungssysteme von zentralem Interesse und empirisch untersuchenswert wären. Jedenfalls wird dies nicht als Angelegenheit der GWUP angesehen. Diese Ignoranz und einseitige Fixierung auf die Frage nach dem Wahrheitsgehalt ist selbstverständlich auch deshalb naiv, da sich ohne Klärung der psychosozialen Hintergründe wohl niemals eine effektive „Aufklärungsarbeit“ wird leisten lassen.
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