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(32) Gleichzeitig lesen diese „Skeptiker“ auch keine Publikationen aus dem parawissenschaftlichen Bereich (z.B. Zeitschrift für Parapsychologie und Grenzgebiete der Psychologie, Journal of Scientific Exploration), genau so wenig aus dem esoterischen Bereich (z.B. Esotera, Magazin 2000). Nach einer von mir 1997 durchgeführten Umfrage unter Skeptiker-Beziehern lesen ca. 90 % der GWUP-Mitglieder keine einzige derartige Zeitschrift. Sie sind entsprechend schlecht informiert, und zwar sowohl über aktuelle Entwicklungen in der „Esoterik-Szene“, als auch - und dies ist bedeutsamer - über diverse Untersuchungen (bzw. auch den Diskussionsstand allgemein), wie sie immer wieder z.B. in den genannten „parawissenschaftlichen“ Zeitschriften publiziert werden.
Entsprechend der genannten Umfrage bildet (33) - abgesehen vom eigenen „Hausblatt“ Skeptiker und anderer „skeptischer“ Literatur - die reguläre Informationsquelle zu Parawissenschaften für die meisten GWUP-Mitglieder vielmehr die allgemeine Tages- und Wochenpresse sowie populärwissenschaftliche Magazine. (Zwar werden auch wissenschaftliche Fachzeitschriften der jeweils eigenen Disziplin - z.B. Chemie, Biologie, Physik usw. - gelesen, diese enthalten aber bekanntlich kaum irgendwelche Artikel zu parawissenschaftlichen Themen.) Dies gilt nach meinen Erfahrungen auch für die überwiegende Zahl der Personen mit Führungspositionen innerhalb der GWUP, z.B. für Vorstände oder Mitglieder des Wissenschaftsrats der GWUP. (Der sog. GWUP-„Wissenschaftsrat“ steht allerdings im wesentlichen ohnehin nur auf dem Papier und ist quasi inaktiv, dient vielmehr nur als akademisches „Aushängeschild“.)
(34) Es fehlt folglich in der Regel an grundlegendem Faktenwissen, was überhaupt tatsächlich von parawissenschaftlicher Seite behauptet wird und was nicht. Die Urteile rekurrieren vielmehr auf diverse teils irreführende Stereotype, die in den Medien gängig sind. Nach meinen Erfahrungen hat z.B. ein ganz erheblicher Anteil der GWUP-Mitgliedschaft keine Ahnung, was etwa der Unterschied zwischen „Tierkreiszeichen“ und „Sternbildern“ ist, was der Ausdruck „Begegnung der dritten Art“ wirklich korrekt bedeutet oder welche verschiedenen „parapsychologischen“ Einrichtungen in Deutschland existieren oder wie sie institutionalisiert sind (im vom GWUP-Mitglied Lee Traynor herausgegebenen „Skeptischen Jahrbuch 1998“ ist beispielsweise von einem „Ernst (!) Bender“ als Gründer eines „parapsychologischen Instituts“ die Rede, „das heute den Namen Institut für Psychohygiene“ trage) - was viele nicht hindert, sich lautstark zu Astrologie, Ufologie, Parapsychologie oder anderen Themen zu Wort zu melden, großteils mit entsprechend unqualifizierten Verlautbarungen. In diesem Kontext versteht sich (35) wohl auch das häufige pauschale Berufen auf bekannte „Entlarver“ (insb. James Randi und seine 1-Million-Dollar-Wette) als Autoritäten und Vorbilder, anstatt konkrete Argumente anzuführen. Überhaupt ist es (36) beliebt, zu erklären, man "wette", dass dieser und jener Effekt sich (in unbestimmter Zeit!) als Artefakt herausstellen werde: dies ermöglicht es, hohe subjektive Sicherheit zu demonstrierten, ohne sich mit der Materie näher beschäftigen zu müssen.
(37) Eigene Untersuchungstätigkeit zu Parawissenschaften tritt in der Regel gar nicht auf, denn es sei ja ohnehin schon klar, daß alles „Quatsch“ ist, was solle man denn noch untersuchen? (38) Wenn überhaupt „Untersuchungen“ vorgenommen werden, dann nur, um einer breiten Öffentlichkeit zu demonstrieren, was man ohnehin schon für gesichert hält (der Ausdruck „Demonstrationen“ wäre also angemessener), jedoch nicht, um Fragen nachzuspüren, die man noch für offen erachtet und bei denen man ernsthaften Forschungsbedarf sieht. Im letzteren Fall bestünde - da die finanziellen Mittel begrenzt sind - ein Konkurrenzverhältnis zur Öffentlichkeitsarbeit, die innerhalb der GWUP ohne jeden Zweifel das absolute Primat genießt. Da es innerhalb der Parawissenschaften nichts mehr ernsthaft zu untersuchen gebe, seien entsprechende Untersuchungen Zeit- und Geldverschwendung; die Mittel sollten besser für eine Intensivierung der Öffentlichkeitsarbeit verwendet werden. Wenn ich die Überzeugung habe, dass ein bestimmter Effekt nicht existiert, warum sollte ich viel Zeit und Geld aufwenden, um diesen angeblichen Effekt zu untersuchen? Lieber die Öffentlichkeit von meiner Meinung überzeugen. Aber das ist keine Wissenschaft, es ist letztlich eine religiös-missionarische Haltung.
Ein Mitglied des Wissenschaftsrats (!) der GWUP (heute Leiter der GWUP-Geschäftsstelle) sagte mir gar auf meine Anregung hin, zu GWUP-Tagungen externe Referenten zu Präsentationen neuerer empirischer Untersuchungen einzuladen (extern, da es GWUP-intern kaum derartige Referenten gibt), dass empirische Untersuchungen doch ohnehin langweilig seien, das sei „immer das gleiche“, was solle man da schon Neues erwarten, von derartigen Präsentationen halte er nichts.
Wenn überhaupt irgendetwas untersucht wird, dann sind es (39) relativ leicht zu entkräftende und ohnehin schon sehr fragwürdige Fälle (z.B. offensichtliche Scharlatanerie im Esoterik-Bereich), während um die „härteren Nüsse“ (z.B. diverse parapsychologische Laborexperimente) ein großer Bogen gemacht wird. Einer wissenschaftlichen Haltung wäre es angemessen, sich den besten Argumenten der (so empfundenen) „Gegenseite“ kritisch zuzuwenden, nicht ersatzweise den schwächsten.
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