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Für Sarma ist die Zielgruppe für die Zeitschrift Skeptiker ausschließlich „die skeptisch eingestellte Person im Sinne der GWUP bzw. Personen, bei denen wir glauben, dass wir sie entsprechend überzeugen können“. Definitiv nicht zur Zielgruppe gehörten laut Sarma Personen, „bei denen eher nicht davon auszugehen ist, dass sie ins ‘skeptische Lager’ wechseln werden“. Solchen Personen seien „keine Zugeständnisse“ zu machen, „das heißt konkret, dass wir Aussagen von z.B. Parapsychologen nicht unwidersprochen lassen“ dürfen. Die Leser dürften nämlich nicht „über die Zielrichtung der Zeitschrift verwirrt werden“, stets und in jedem Einzelfall sei zu beachten, „dass der Leser nicht in Unklarheit darüber gelassen wird, was die Position im Sinne der GWUP ist“ usw.
Man dürfe zudem nicht dem „Mythos vom mündigen Leser“ aufsitzen, so ein anderes Vorstandsmitglied. Die Redaktion habe also stets dafür zu sorgen, dass nur die „richtigen“ Meinungen und Informationen „im Sinne der GWUP“ in der Zeitschrift erscheinen bzw. falls überhaupt abweichende Meinungen auftauchten, dann nur und in vorgegebener Weise kommentiert.
Man könnte sich fragen, ob sich hinter einer solchen Auffassung nicht eine gehörige Portion von Misstrauen gegenüber dem „selbstreinigenden“ Prozess der Wissenschaft als solchem sowie eine bemerkenswerte Geringschätzung der eigenen Leserschaft hinsichtlich deren kritischer Denkfähigkeit verbirgt.
Eine solche Haltung könnte man (53) als Cui-bono-Denken bezeichnen, welches einen weiteren typischen Bestandteil des Skeptiker-Syndroms darstellt: Entscheidungskriterium für das eigene Handeln ist letztlich immer die Frage „Wem nützt es?“. Nicht akzeptiert wird die aus einer wissenschaftlichen Perspektive angebrachte Norm, dass z.B. auf Tagungen oder in Publikationen schlicht derjenige zu Wort kommt, der etwas Relevantes zu sagen hat und seine Position in einem kritischen Diskurs mit sachlich-fundierten Argumenten verteidigen kann - und nicht der, der die „richtige“ Meinung hat, zu den „richtigen“ Ergebnissen kommt oder der „richtigen“ Gruppe angehört.
In öffentlichen Verlautbarungen präsentieren sich jene „Skeptiker“ freilich ganz anders. So führt z.B. Sarma in einem Artikel im Skeptiker 4/96 aus: „Die Zuhörer sind in der Lage, sich selbst eine Meinung zu bilden; deshalb sollte man die Fakten für sich sprechen lassen ... Das Ziel der GWUP ist es nicht, recht zu haben oder zu bekommen, sondern gemeinsam möglichst nahe an die Wahrheit heranzukommen.“ Die Diskrepanz zu den oben angeführten intern vertretenen Positionen von Sarma ist offensichtlich. Cui bono-Denken ist zwar ein zentrales Merkmal des Syndroms, jedoch eines, das aus guten Gründen nur in der internen Kommunikation mit vermuteten „Gleichgesinnten“ offen zutage tritt.
Sarma hatte mit solchen und ähnlichen mir gegenüber intern erhobenen Forderungen aber zumindest aus einer funktionalen Perspektive sicher nicht unrecht, denn würde anderes gelten, stünde nach meiner Einschätzung die GWUP in der Tat vor einer existenzgefährdenden Zerreißprobe, weil der Großteil der Mitglieder dann „Profil“ und „Identität“ der GWUP grundlegend gefährdet sähen. In letzter Konsequenz würden die "Skeptiker"-Organisationen zerfallen, denn sie leben von dieser "kommunikativen Schließung", ohne die ihre Ideologeme genauso zerbröseln würden wie ihre soziale Basis. Und für Personen, die die Prioritäten anders setzen und im Zweifelsfall wissenschaftliche Seriosität den Selbstbestätigungs-, Selbsterhaltungs- und ideologischen Positionierungsbedürfnissen der Gruppen vorziehen, gilt (so Sarma im September 2002 in Prag auf einem internationalen Koordinationstreffen von "Skeptiker"-Funktionären): "It is fine to have such persons outside a skeptical organization and they sometimes correctly point out flawed reasoning amongst skeptics. It is within a skeptical group that they pose a real danger, because this position undermines the identification of skeptics with their skeptical group." Dem kann ich nur zustimmen.
(C) Edgar Wunder 2005
Dieser Gastbeitrag ist der Seite www.skeptizismus.de entnommen. Zum Trägerkreis von Skeptizismus.de gehören der Psychologe Eberhard Bauer (Freiburg), der Philosoph Gerhard H. Hövelmann (Marburg), der Soziologe Jan Pilgenröder (Aachen), der Psychologe Alexander Schestag (Heidelberg) und der Soziologe Edgar Wunder (Heidelberg).
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