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Elke Stangl: Herr Fritzsche, ich stimme Ihnen zu, was die unterschiedlichen „Dimensionen“ der beiden Begriffe betrifft. „Skeptizismus“ und „Esoterik“ bilden kein logisch sinnvolles Paar von Gegensätzen.
Warum die beiden Begriffe dennoch in dieser Form oft gegenübergestellt werden, lässt sich am besten an einem Beispiel demonstrieren. Das von Ihnen gewählte – die Quantenphysik – ist ein exzellentes, da es sich hier um ein Fachgebiet handelt, deren offizielle Vertreter „zum Skeptizismus verpflichtet“ sind und das andererseits auch Esoterik-interessierte Laien fasziniert.
Meine ambivalente Einstellung zum „esoterischen Zugang“ zu diesem Thema ist geprägt von einem Unbehagen gegenüber der Verwässerung und Vereinnahmung wissenschaftlich fix definierter Begriffe und dem Respekt gegenüber Menschen, die sich naturwissenschaftlichen Themen aus positiver Eigenmotivation heraus nähern.
Ich werde versuchen, diese „Dimensionen“ zu trennen, und mir ist klar, dass schon allein dieser „analytische“ trennende Zugang aus „ganzheitlicher“ Sicht fragwürdig erscheinen kann.
Dennoch erscheint es mir unerlässlich, zuerst einmal so nüchtern wie möglich den heutigen Wissenstand zu betrachten. Der Begriff „Spukhafte Fernwirkungen“ stammt aus der Zeit, in der die Grundannahmen der Quantenmechanik auch von wissenschaftlicher Seite in Frage gestellt wurden (Einstein: „Gott würfelt nicht“), weil man Widersprüche z.B. zur Relativitätstheorie vermutete. Man versuchte, die Quantenmechanik zu „retten“, indem die Existenz so genannter „verborgener Variablen“ postuliert wurde, die die scheinbare „Nichtlokalität“ auch etwas verträglicher mit der klassischen Welt erklären konnte. Erst in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts wurde mathematisch gezeigt (Bell’sche Ungleichung), dass jede Annahme „verborgener Variablen“ zu Widersprüchen mit experimentellen Beobachtungen führen würde.
Bei Bedarf kann ich das gerne näher ausführen, auch am Beispiel des (fehlenden) Originalzitates von Prof. Zeilinger und vor allem dem Kontext dieses Zitates – und unter Berücksichtigung der folgenden Randbedingung:
Wir bewegen uns hier auf einem Gebiet, dessen Essenz nicht wirklich in natürlicher Sprache so wieder gegeben werden kann, dass klar wird, „was wirklich unverständlich und paradox ist“ und was unverständlich erscheint, weil es nur unter Nutzung des mathematischen Formalismus auf den Punkt zu bringen ist. Die spukhafte Fernwirkung reduziert sich meiner Meinung nach in diesem Sinne auf etwas sehr Unspektakuläres, das ein Physik-Student in der Quantenphysik- Einführungsvorlesung verstehen kann. Aus meiner Sicht irrten auch geniale Wissenschaftlicher wie Einstein deswegen, weil auch diese nicht frei waren von vorgefassten oder intuitiven (nicht skeptischen) Ansichten, „wie die Welt zu sein hat“. Das würde auch wieder für Ihre implizit geäußerte These sprechen, dass jeder noch so skeptische Wissenschaftler vielleicht auch ein „Esoteriker“ ist.
Aus meiner Sicht werden Aussagen von herausragenden Wissenschaftlern wie Prof. Zeilinger, die versuchen Ihr Fachgebiet verständlich zu machen und über den Tellerrand blicken, aus dem Zusammenhang gerissen und verzerrt, indem NUR z.B. allgemeine Aussagen über Information und Bewusstsein etc. herangezogen werden, aber die „handwerkliche Basis“ – mangels Wert an Verdaulichkeit und Öffentlichkeitswirksamkeit – vernachlässigt wird.
Ich möchte mich jetzt im Gegenzug in das Feld psychologischer Hypothesen wagen: Hinter der – aus meiner Sicht zu sehr vereinfachenden und daher verzerrenden – Vereinnahmungen von Quantentheorie (wie auch Relativitätstheorie, Kosmologie, Stringtheorie…) als „esoterisch“ steht der sehr verständliche Wunsch, unsere Welt möge „einfach“ sein: und zwar so einfach, dass keine komplizierte Aufteilung in Fachdisziplinen und jahrelanges Studium nötig ist, die zu verstehen „was die Welt im Innersten zusammenhält“, sondern nur Formulierungen in „natürlicher Sprache“ oder bestenfalls Schulmathematik. In diesem Sinn werden moderne Forschungsergebnisse auch vernachlässigt und ausgeblendet, weil nicht in diese Sicht passend und „zu kompliziert“. Ein Philosophieprofessor hat mir einmal gesagt, das intuitive Verständnis des Menschen von Wissenschaft wäre bestenfalls aristotelisch, aber die Intuition trügt eben oft („Körper verharren in Ruhe, solange keine Kraft auf sie wirkt“).
Zusammengefasst sehe ich „Esoterik“ in Bezug auf mathematisch nicht sofort „verständliche“ Theorien wie die Quantentheorie als den an sich ehrenhaften Versuch einer ganzheitlichen Betrachtung an. Der aber oft scheitert muss bzw. zu Widersprüchen und dem Abkapseln in einer nicht offiziell anerkannten „Parawissenschaft“ endet, weil hier mitten auf dem Weg zu Erkenntnis Halt gemacht wird, an einem Punkt, der völlig willkürlich von eigenen intuitiven Vorlieben bestimmt wird und einer Abschätzung des nicht als sinnvoll und zu kompliziert erachteten Prozesses, sich in – auf dem Tisch liegende – Details einzuarbeiten.
Herr Fritzsche, ich befürchte nun, dass meine – aus meiner Sicht nahe liegende und pragmatische - Schlussfolgerung nicht konsensfähig ist und frage mich warum (aus Erfahrungen in ähnlichen Diskussionen).
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