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Claus Fritzsche: Meine provokative - aber ernst gemeinte - These, in bedeutenden physikalischen Forschungslaboren müssten gemäß der engeren Wikipedia-Definition Esoteriker arbeiten, beantworteten Sie mit Schlussfolgerungen, welche eine ganz bestimmte Interpretation des Wortes „Esoterik“ beinhalten. Bitte erlauben Sie mir, vor diesem Hintergrund nochmals einen Schritt zurück zu unserer Begriffsdiskussion zu machen.
Wikipedia definiert Esoterik im engeren Sinne als einen Sammelbegriff für Lebensanschauungen, welche die Existenz von Kräften und Einflüssen außerhalb des naturwissenschaftlichen Weltbildes annehmen. Nicht mehr und nicht weniger.
Es ist mein Anliegen, in unserer Diskussion zwischen zwei Ebenen klar zu unterscheiden: (A). Was lässt sich inhaltlich aus der (historischen) Bedeutung von Begriffen wie z.B. Skeptizismus oder Esoterik ableiten? (B). Wie gehen Menschen mit diesen Begriffen um?
Verstehe ich Sie richtig, dann gehen Sie in Ihrem letzten Beitrag von ganz bestimmten persönlichen Erfahrungen aus, welche Sie mit Personen gemacht haben, die aus Ihrer Sicht in das Raster „Esoterik“ passen. Für mich entsteht dabei der Eindruck, dass Sie folgenden Schluss ziehen: Real ist für Sie das, was wissenschaftlich in irgendeiner Form entschlüsselt wurde. Irreal ist für Sie das, was wissenschaftlich nicht entschlüsselt wurde oder wissenschaftlich falsch abgeleitet wurde. Esoterik ist vor dem Hintergrund Ihrer Erfahrung und Ihrer Interpretation irreal. - Aus meiner Sicht ist die Ebene (B) durchaus ein weites Feld für berechtigte kontroverse Diskussionen. Ich halte es jedoch für sinnvoll, zu Beginn unseres Dialogs zwischen der historischen Bedeutung eines Begriffes und dem, was Menschen daraus machen, zu trennen.
Grundsätzlich bin ich auch der Meinung, dass es einen gravierenden Unterschied zwischen „wissenschaftlich nicht bewiesen“ und „irreal“ gibt. Schaut man sich die Geschichte des Menschen an, so können wir eine kontinuierliche und immer schneller werdende Veränderung seines Realitätsbildes beobachten. In bestimmten Abständen gab es größere Sprünge, in denen das Weltbild einer bestimmten Zeit einen großen Umbruch erlebte. Die Menschen einer einzelnen Epoche sind jedoch überwiegend der Meinung, dass das Realitätsbild ihrer Zeit den „State of the Art“ repräsentiert. Sie können sich größere Sprünge und Veränderungen in der Regel nicht vorstellen. Dies gilt für das Jahr 1790 ebenso wie für die Jahre 1871, 1907, 1954 oder 2005. Wir können uns heute zwar spektakuläre wissenschaftliche Fortschritte vorstellen. Unvorstellbar ist für uns jedoch, dass es einen fundamentalen Wechsel gibt, in welchem sich heute noch gültige Prämissen morgen schon als ungültig erweisen. Viele heute akzeptierte Erfinder wurden zu Lebzeiten verlacht und verhöhnt. Darüber kann man sich in der Regel nur rückblickend amüsieren. Späteren Generationen ist es vorbehalten, über uns zu schmunzeln.
Warum diese Ausführungen?
Die Naturwissenschaften beschäftigen sich heute mit „Kräften und Einflüssen“, welche beispielsweise im Jahre 1823 unbekannt und außerhalb jeglicher geistiger Reichweite waren. Folge ich der oben nochmals zitierten Wikipedia-Definition im engeren Sinne, so sind Rundfunk und Fernsehen im Jahre 2005 Normalität, im Jahre 1823 jedoch in der Logik des Begriffs „Esoterik“: Kräfte und Einflüsse außerhalb des wissenschaftlichen Weltbildes.
Bleibe ich zunächst einmal bei der reinen hier verwendeten Logik des Begriffs „Esoterik“, so lässt er keine Wertung wie z.B. „real“ oder „irreal“ zu. Es ist allein die Rede davon, dass es inhaltlich um Kräfte und Einflüsse geht, welche von Menschen für real gehalten werden und zu einem Zeitpunkt X nicht durch das naturwissenschaftliche Weltbild gedeckt sind. Sie können real und sie können irreal sein. Folge ich dieser neutralen Logik, so beschäftigen sich heute diverse physikalische Forschungslabore mit Phänomenen, welche vor noch nicht zu langer Zeit „Esoterik“ im Sinne dieser Definiton waren.
Mir ist klar, dass diese Art des Umgangs mit dem Begriff „Esoterik“ nicht üblich ist. Aus meiner Sicht kann sie jedoch helfen, sich einem auf den ersten Blick diffusen und wolkigen Thema präzise und logisch stringent zu nähern.
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