Generalisierte Quantentheorie als Modell
zur Erklärung paranormaler Phänomene...

Gehirnforschung und kognitive Psychologie haben während der letzten Jahrzehnte eine vollkommen neue Vorstellung vom Prinzip der “menschlichen Wahrnehmung” erarbeitet: Mensch- liche Wahrnehmung ist demnach wahrscheinlich zu großen Teilen das Ergebnis einer geistigen Konstruktion, in welcher äußere Realität innerlich kreiert wird. Geht es um die Erfor- schung paranormaler Phänomene, so kann das Realitätsbild eines Menschen vor diesem Hintergrund zum Problem werden. Es wirkt als Schablone für seine selektive und voreingenom- mene Wahrnehmung. Die Generalisierte Quantentheorie von Harald Walach enthält ein theoretisches Erklärungsmodell für paranormale Phänomene und ist zugleich ein Plädoyer dafür, das menschliche Bedürfnis nach voreiligen Interpretationen (pro oder contra) zurückzustellen.

Sowohl Gehirnforschung als auch Quantenphysik entfernen sich heute in großen Schritten vom Prinzip der Kausalität, nach dem die uns Menschen umgebende Welt real existiert und wir sie mittels Messapparaturen oder über unsere Sinne objektiv wahrnehmen. Die Gehirnforschung geht heute davon aus, dass menschliche Wahr- nehmung zu großen Teilen das Resultat einer geistigen Konstruktion ist, ähnlich wie Software in einem Renderingprozess 3D-Objekte kreiert. Sieht der Mensch ein Objekt und stellt er sich ein Objekt im Geiste vor, so kann die Gehirnforschung (abgesehen von der Aktivierung der Sinnesorgane) keinen Unterschied zwischen diesen beiden Ebenen feststellen.

Entlarvt die Gehirnforschung menschliche Wahrnehmungen zu großen Teilen als selbst kreierte Konstruktion, so bleibt die Hoffnung, dass uns zumindest die Physik mit “harten Fakten” die Möglichkeit bietet, sich mental irgendwo an objektiver Realität festhalten zu können. Folgt man den Ausführungen des renommierten Quantenphysikers Prof. Anton Zeilinger, welche dieser der Zeitung DIE WELT in einem Interview anvertraute, so droht auch hier (gefühltes) Unheil:

Zeilinger: “Ich glaube, wir müssen uns von der Idee lösen, dass Masse oder Energie das Primäre sind. Es könnte durchaus sein, dass das Primäre eben die Information ist."

Zeilinger: "Offenbar hat das Messen, das Beobachten, also das Sammeln von Information, einen Einfluss darauf, was wirklich sein kann. Der Messapparat legt fest, was ich beobachten kann. Früher war man davon überzeugt, das Objekt hätte auch vor der Messung schon irgendwelche klar definierten Eigenschaften, und die würden durch die Messung höchstens gestört werden. Aber nun sieht man es so, dass die Eigenschaften erst durch die Messung definiert werden. Das Objekt hat vorher keine Eigenschaften, das ist das Radikale."

DIE WELT: “Im Alltag funktionieren Konzepte wie Kausalität immer noch. Wir müssen uns doch nicht von dieser Anschauung verabschieden?”

Zeilinger: “Das glauben wir zumindest alle. Aber ich glaube, das ist nur eine Frage der Zeit - wobei ich nicht zehn oder 20 Jahre meine, sondern längere Zeiträume -, bis wir Quantenphänomene auch für große Massen sehen werden, für makroskopische Objekte. Es gibt Leute, die heute schon über Experimente an Staubkörnchen nachdenken, um an diesen Objekten Quanteneffekte nachzuweisen. Und meine Gruppe hat zeigen können, dass es bei Fullerenen, also den so genannten Fußballmolekülen aus 60 oder 70 Kohlenstoffatomen, auch Quanteninterferenzeffekte gibt. Diese Moleküle sind erstens schon sehr groß und zweitens nicht vollständig von der Umgebung isoliert. "

Geht es um die Erforschung paranormaler Phänomene, so gibt es sowohl für Otto Normalverbraucher als auch für Wissenschaftler viele Gründe, gegenüber einer Instanz große Skepsis zu zeigen: UNS SELBST, unseren Wahrnehmungen und Interpretationen. Dass dies eine fast unlösbare Herausforderung ist, zeigt der Gehirnforscher Prof. Gerhard Roth in einem Interview mit dem Magazin MORGENWELT. Mit seiner Aussage “Es könnte sein, dass wir völlig blind sind” lässt er eigenen Irrtum zwar theoretisch zu. Auf der anderen Seite ist er so stark auf seine Gehirnforschung fixiert, dass er den Menschen förmlich auf die Aktivität seiner Nervenzellen reduziert und andere Erklärungsansätze - eigener Irrtum unmöglich - kategorisch ablehnt. In Hinblick auf die Unfehlbarkeit eigener Aussagen ist Prof. Anton Zeilinger wesentlich präziser und weitsichtiger. In einem Interview mit der WIENER ZEITUNG sagte er:

Zeilinger: “Letztlich ist es so, dass wir in der Quantenphysik über die Wirklichkeit an sich keine direkten Aussagen machen können. Wir können nur darüber reden, welche Information, welches Wissen wir haben. Wir können uns eine Wirklichkeit dann konstruieren, wenn mehrere Physiker in der gleichen Situation die gleichen Eindrücke, die gleichen Informationen haben. Dann werden wir sagen, dass dies wahrscheinlich der Wirklichkeit entspricht.”

Hinter dieser Aussage steht die Logik, dass sich hinter jeder Naturwissenschaft in Wirklichkeit eine Wissenschaft über die menschliche Interpretation der Natur versteckt. Nutzt Harald Walach die Quantenmechanik zur Erklärung paranormaler Phänomene, so geht es ihm nicht darum, ein altes Paradigma durch ein neues Paradigma zu ersetzen. Er nutzt die Quantenmechanik vielmehr als einen von vielen möglichen Wegen, den Wissenschaftler und Forscher vor sich selbst und seinen voreiligen Interpretationen zu schützen.

Prof. Dr. Dr. Harald Walach
Generalisierte Quantentheorie (Weak Quantum Theory)
Eine theoretische Basis zum Verständnis transpersonaler Phänomene

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PUBLIZIERT IN:
Belschner, W., Hofmann, L. & Walach, H. (Hrsg.) (2003) Auf dem Weg zu einer Psychologie des Bewusstseins. - Oldenburg : Bibliotheks- und Informationssystem der Universität, 2003. - 214 S.: Ill., graph. Darst. - (Transpersonale Studien ; 8).
ISBN 3-8142-0889-7, EUR 12.00

ZUR PERSON:
Harald Walach ist seit September 2005 “Forschungs-Professor Psychologie” der Universität Northampton, nachdem er zuletzt Leiter der "Arbeitsgruppe für Evaluation, Naturheilverfahren und Umwelt- medizin" an der Uni-Klinik Freiburg war. Darüber hinaus ist er Mitglied des Vorstands des Deutschen Kollegiums für Transpersonale Psycho- logie, Herausgeber der Zeitschrift Forschende Komplementärmedizin und langjähriger Forscher des Samueli Institute.

Prof. Dr. Dr. Harald Walach
University College Northampton

Email: harald.walach (at) northampton.ac.uk
THE UNIVERSITY OF NORTHAMPTON
www.samueliinstitute.org
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DANKSAGUNG:
Für die Autorisierung dieser Leseprobe herzlichen Dank an Prof. Harald Walach, Prof. Wilfried Belschner und den BIS-Verlag der Universität Oldenburg.