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Juliane Sagebiel, Edda Vanhoefer Es könnte auch anders sein - Systemische Variationen der Teamberatung Carl-Auer Verlag, Heidelberg
Juliane Sagebiel und Edda Vanhoefer beleuchten das Thema Team- beratung unter systemischen Blickwinkel. Das Buch eignet sich dabei für hartgesottene Systemiker genauso, wie für Neulinge im Bereich systemischer Beratung. Sie verstehen ihre Arbeit nicht als Rezept- buch, sondern – wie ebenfalls im Titel angedeutet – als Erweiterung dessen, womit die LeserInnen bislang gearbeitet haben.
Die Autorinnen nutzen für ihr Buch das Phänomen der „Kontingenz“: Es könnte auch anders sein. Dadurch wurde das Buch für mich und den integral.blog interessant: Kontingenz, also die Möglichkeit, dass etwas auch anders sein kann, als es aktuell der Fall ist, entsteht als Folge von Komplexität. Wir wissen nicht, ob etwas nicht auch anders besser gelöst werden kann, als es im Moment der Fall ist. Wir müssen lernen, mit der Unsicherheit von Komplexität und Kontingenz umzu- gehen.
Das Buch ist in drei Teile gegliedert: Teamberatung, Theoretische Grundlagen und der Praxistransfer. Im ersten Teil klären die Auto- rinnen den Kontext der Teamberatung und gehen der Frage nach, was Teamberatung in Organisationen heißt und wann sie eine erfolgreiche Intervention ist und wann nicht. Letztlich wenden sie sich der Gruppendynamik im Kontext der Teamberatung zu. Der aus meiner Sicht interessanteste Aspekt ist die Differenzierung und Zusammenfassung von Teamentwicklung, -beratung, -building, -training, Supervision und Coaching unter dem Oberbegriff „Team- beratung“.
Die theoretischen Grundlagen erörtern Sagebiel und Vanhoefer aus- führlich und in angemessenem Umfang. Besonders angenehm und anregend fiel mir die Gegenüberstellung von Mario Bunges ontologi- scher und Niklas Luhmanns funktionaler Systemtheorie auf. Die Autorinnen haben sich eigens die Mühe gemacht, beide für Berater und Manager bedeutungsvollen Theorien in einer verdichteten und schnell lesbaren Tabelle gegenüberzustellen. Da lernt auch noch der systemisch Gebildete etwas hinzu. Entscheidend aber ist die Verbin- dung zur beruflichen Praxis, die bei aller Theorie nicht vergessen wurde: Der Nutzen beider Systemtheorien für die beraterische Praxis wird klar und deutlich dargestellt.
Dies setzt sich nahtlos im Praxisteil fort, der anhand von drei Praxis- beispielen immer die gruppendynamische, ontologisch-systemtheo- retische und funktional-systemtheoretische Perspektive aufgreift. Diese drei Perspektiven führen dann zu einer Hypothesenbildung, die den Ausgangspunkt der beraterischen Intervention bildet. Auf diese Weise illustrieren die Autorinnen gut nachvollziehbar verschiedene Vorgehensweisen und regen zu neuen Variationen an.
Mich persönlich hat natürlich gefreut, dass Sagebiel und Vanhoefer Intuition als wichtigen Bestandteil der Persönlichkeit von Beratern erwähnen. Zu kritisieren wäre lediglich die etwas eingeschränkte Sichtweise von Intuition, die laut der Autorinnen vor allem der Innovationskraft diene. Ähnlich wenig gibt es insgesamt zu bemän- geln. Was mir fehlt, ist die Reflexion und praktische Behandlung von virtuellen Teams in der Teamberatung. Zumal die Autorinnen zu Beginn des Buches die wirtschaftlichen und organisationalen Verän- derungen infolge der allgegenwärtigen Globalisierung hervorheben.
Alles in allem sei das Buch all denjenigen empfohlen, die mit syste- mischer Teamberatung beruflich zu tun haben. Das sind natürlich nicht nur die Berater selbst, sondern auch alle potentiellen Auf- traggeber, die sich schnell einen Überblick verschaffen wollen.
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