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Wäre nun der Aufzug ständig gefahren, dann wären sie nie auf die Idee gekommen, dass sie es sind, die die Kompaßnadel beeinflussen; wäre der Aufzug dagegen nur alle fünf Stunden gefahren, dann hätten sie den Effekt vermutlich nicht entdeckt. Den Sachverhalt, dass man Zufallsereignisse, die in das Aufmerksamkeitsintervall fallen, auf sich selbst bezieht, bezeichnet man als "Attributionseffekt". Es gibt experimentelle Untersuchungen, bei denen man sogar Tieren "abergläubisches" Verhalten antrainieren konnte. Man kann also die Leute in unserem Beispiel weder einfältig noch unkritisch nennen, sie ließen sich lediglich durch einen psychologischen Effekt täuschen, den sie nicht kennen und auch nicht durchschauen konnten.
Dies ist aber nicht die einzige Art von "Attributionsfalle" der ein "Experimentator" ausgesetzt sein kann. Ein Beispiel hierfür lieferte ein junger Mann, der sich mit "Magie" befasst hatte und eigene "Experimente" durchgeführt hatte, bei denen er versuchte, das Wetter "magisch" zu beeinflussen. Es stellte sich heraus, dass seine "magischen" Experimente durchaus den Kriterien und Methoden der Naturwissenschaft genügten, wenngleich sie von ganz anderen Grundannahmen ausgingen. Er benutzte zielgerichtet vorgegebene Rituale und beobachtete deren "Wirkung" auf das Wetter. Sein Vorgehen war also alles andere als "irrational". Allerdings hatte er bei seinem Vorgehen kaum eine Chance, sein Hypothesensystem zu falsifizieren, weil er bei einem Misserfolg immer davon ausging, dass ihm während des komplizierten Rituals ein Fehler unterlaufen sei, während er "erfolgreiche" Wetteränderungen dem Wirken des Rituals zuschrieb. Erfolge werden also, bei dieser Form der Attribution, im allgemeinen external (physikalisch) - Misserfolge dagegen internal (psychologisch) attribuiert.
Die Geschichte der Naturwissenschaft hat viele Beispiele parat, wo einzelne Forscher auf diesen Attributionsmechanismus "hereingefallen" sind. Besonders bekannt geworden sind die N-Strahlen von Blondot und in jüngster Zeit die sog. "Cold-Fusion". In vielen Fällen ist oft nicht klar, was die betreffenden Forscher wirklich entdeckt haben. Häufig erlahmt das Interesse in der Fachwelt, wenn sich herausstellt, dass Ergebnisse nicht von unabhängigen Forschergruppen repliziert werden können. Es bleibt häufig die Frage zurück, ob an der "Entdeckung" nicht doch "etwas dran war", was wiederum zur Entstehung von neuen Pseudomaschinen Anlass gibt.
Die Frage der Replizierbarkeit ist allerdings auch ein Kriterium dafür, wie lange eine Pseudomaschine "funktioniert". Die Replizierbarkeit bezieht sich nämlich nicht nur auf unabhängige Replikationsversuche, sondern auch auf die Wiederholung durch den gleichen Anwender. Jede Wiederholung führt im Prinzip zu einer Änderung des Gesamtsystems, d. h. zum Kontext in dem die jeweilige Wiederholung eingebettet ist. Am deutlichsten wird dies wiederum in den Fällen, wo die Pseudomaschine nur psychologisch funktioniert. Hier hat der Attributionseffekt zwar die beschriebene systemstabilisierende Wirkung aber er hängt natürlich sehr stark von der Faszination ab, die die Pseudomaschine auf ihren Anwender ausübt. Das Nachlassen dieser Faszination bestimmt, wann der Feedbackzirkel von Erfolgsattribution und (unbewusster) Verhaltensänderung abgeschwächt wird oder aufhört. In unserem obigen Beispiel geschieht dies beispielsweise, wenn der Autofahren nicht mehr auf seinen Kraftstoffverbrauch achtet und zum "Alltag" übergeht, Dann ist das Gerät "abgeschrieben", meist auch in finanzieller Hinsicht, so dass die Notwendigkeit der Überprüfung entfällt. Meist lebt der Anwender in der Illusion, sein Gerät würde weiterhin funktionieren.
Die hier geschilderten Zusammenhänge gelten natürlich für klassische wie nichtklassische Pseudomaschinen. Allerdings treten bei nichtklassischen Pseudomaschinen noch zusätzliche - für die meisten irritierende - Eigenschaften zutage, die im Folgenden darstellt werden sollen.
Magische Maschinen
Beispiele für nichtklassiche Pseudomaschinen sind vor allem im Bereich der Medizin und ihren Grenzgebieten, der sogenannten Alternativ- oder Komplementärmedizin zu finden. Hier wäre die Akupunktur, die Homöopathie, Bioresonanzverfahren, Wünschelrute aber vor allem auch die sog. Geistheilung zu nennen. Das Erstaunliche bei diesen Verfahren ist nicht, dass sie unter Schulmediziner aus theoretischen Gründen äußerst umstritten sind, sondern dass sie in so großem Umfang angewendet werden und dass immer mehr praktizierende Ärzte sich solcher Verfahren - trotz mangelnder wissenschaftlicher Begründung - bedienen.
Neuerdings gibt es deshalb von Seiten der Schulmedizin Versuche mittels klinischer Studien, die Wirkungsweise der Verfahren zu untersuchen. Dabei geht es in erster Linie darum zu überprüfen, ob das verwendete Verfahren eine "objektive Wirkung" hat und nicht auf die Wirkung von Suggestion zurückgeht, wie dies bei Placebos angenommen wird. Er handelt sich also um Doppelblindstudien aber auch um Metaanalysen und epidemiologische Untersuchungen, mit denen mehrere gleichartige Studien verglichen und zusammengefasst werden. Die Ergebnisse dieser Studien sind erstaunlich. Sie zeigen nämlich ganz allgemein gesprochen, dass an den Verfahren "etwas dran" ist, dass signifikante Unterschiede zwischen Verum- und Kontrollgruppen auftreten, die recht eindeutig zeigen, dass es bei den Verfahren nicht nur um eine Placebowirkung handelt, sondern um "robuste" Effekte die mit hoher statistischer Signifikanz nachgewiesen werden können (z. B. die Studie zum "paranormalen Heilen" von Beutler et al. 1987, die Homöophathiestudien von Taylor et al. 2000 und die Metaanalyse zur "Geistheilung" von Ernst 2001).
Eine einfache theoretische Erklärung ist nicht in Sicht. Am deutlichsten wird dies bei Homöopathiestudien und bei Studien zur Geistheilung. In beiden Fällen ist man aufgrund der Studien geneigt anzunehmen, dass es eine bisher unbekannte physikalische Wirkung geben könnte, die zu messbaren Heilerfolgen führt, ohne dass dafür eine konventionelle medizinischer Erklärung angegeben werden kann.
Eine ganz ähnliche Vermutung wird allerdings auch in der "Parapsychologie" geäußert und auch hier sprechen experimentelle Befunde für das Vorhandensein einer solchen "magischen Wirkung".
Unter Parapsychologie (vgl. Bauer, Lucadou 1988) wird die Anwendung empirischer Forschungsstrategien auf Erlebnisse und Verhaltensweisen des Menschen verstanden, die aus dem bisher bekannten Erklärungsrahmen der etablierten Disziplinen von Psychologie, Biologie und Physik herauszufallen scheinen. Traditionsgemäß umfasst die experimentelle Parapsychologie hauptsächlich zwei Forschungsbereiche:
1. unter dem "kognitiven" Aspekt wird als "außersinnliche Wahrnehmung" (ASW) die Frage untersucht, ob und unter welchen Bedingungen Menschen in der Lage sind, Informationen außerhalb bisher bekannter und definierter sensorischer Kanäle aufzunehmen und/oder abzugeben; 2. unter dem "motorischen" Aspekt als "Psychokinese" (PK) wird die Frage untersucht, ob und unter welchen Bedingungen Menschen eine direkte "psychische" Wirkung auf physikalische Systeme ausüben können, die den bisher bekannten bzw. akzeptierten naturwissenschaftlichen Erklärungsmodellen zu widersprechen scheint.
Die Frage der Psychokinese (PK) - die uns hier besonders interessiert - überprüfte J. B. Rhine mit den von ihm entworfenen Würfelexperimenten. Seit 1970 werden in der PK-Forschung zunehmend elektronische und quantenphysikalische Zufallsgeneratoren verwendet: Die Versuchsperson (Vp) wird instruiert, eine vom Zufallsgenerator erzeugte Folge von Ereignissen durch "Willensanstrengung" in eine vorgegebene Richtung zu lenken.
Wie auch in der obigen Homöopathiestudie wurden in letzter Zeit die bisherigen Experimente der Parapsychologie Metaanalysen unterzogen, die die Frage klären sollen, ob die experimentellen Ergebnisse "robuste Effekte" sind oder möglicherweise experimentelle Artefakte darstellen, die durch methodische Fehler und/oder Selektion zustandegekommen sind. Aufgrund dieser Studien werden folgende Merkmale heute weitgehend als gesichert angesehen:
(1) ASW und PK sind unter Laborbedingungen statistischexperimentell nachgewiesene "robuste" Effekte. (2) Es handelt sich dabei um eine allgemein verbreitete, aber unterschiedlich ausgeprägte "Disposition" des Menschen, die als Psi bezeichnet wird. (3) Psi hängt von unbewußten Faktoren ab, tritt sporadisch und unvorhersehbar auf und ist nicht beliebig steuerbar. (4) Äußere physikalische Parameter (wie Beschaffenheit der Zielobjekte, räumliche und zeitliche Distanz, Abschirmungen usw.) spielen kaum eine Rolle. (5) Psychologische Variablen (überdauernde Persönlichkeitsmerkmale wie Extraversion oder emotionale Stabilität, sowie die Einstellung der Versuchsperson) korrelieren signifikant mit der "Psi-Leistung". (6) ASW und PK sind strukturell verwandt und es wird angenommen, dass "geistige Heilung" eine Form von PK, sog. Bio-PK darstellt (vgl. Radin & Nelson 2000).
Dieser Merkmalskatalog, der aus hunderten experimenteller Untersuchungen destilliert wurde, stößt allerdings nicht nur auf Widerspruch seitens der Kritiker der Parapsychologie, sondern unterliegt auch einer Revidierung aufgrund theoretischer Überlegungen.
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