Fortsetzung »Die Magie der Pseudomaschine« (Walter v. Lucadou)

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Auch hier sieht man wieder, dass auch nichtklassische Pseudoma- schinen zwar einem realen Effekt zeigen, aber der Wirkungsmecha- nismus ist ein anderer, als die "Erbauer der Maschine" selber glauben. Dies ist eine durchaus wichtige Bedingung, weil sie die Anwender davon abhalten, den eigentlichen Wirkungsmechanismus zu durch- schauen. Die Anwender gehen nämlich von lokalen Effekten - also Wirkungskausalketten aus, die dann in Doppelblindstudien nachweis- bar sein sollten. Wenn es sich jedoch beim Wirkungsmechanismus um ein nichtlokales Phänomen handelt, sind zwar Doppelblindstudien immer noch möglich, allerdings zeigt sich hierbei die oben erwähnte Elusivität und man wird eine Abnahme der gewünschten Wirkung erwarten. Wenn dagegen der vermeintliche kausale Wirkungszusam- menhang der Pseudomaschine auch noch operational (also faktisch) verhindert, dass der Anwender die nichtlokalen Korrelationen zur Signalübertragung verwenden kann, ist die Wirkung der Pseudoma- schine optimal, weil sie den zweiten Hauptsatz des MPI nicht verlet- zen kann. Dies ist allerdings bei Doppelblindstudien gerade nicht der Fall - in der (homöopathischen) Praxis schon eher.

Man kann sich das auch so veranschaulichen, dass die Nichtlokali- tät etwas Fluides, etwas Flüssiges darstellt, das sich nicht "festhal- ten" lässt. Pseudomaschinen haben in diesem Bild die Funktion eines Schwammes, der die Flüssigkeit aufsaugt und sie zur Anwendung bringt. Ohne den Schwamm kann man mit der Flüssigkeit nicht putzen, sie läuft davon. Es wäre aber ein Fehler zu glauben, dass der Schwamm allein schon die gewünschte Putzwirkung erzielte. Für eine optimale Wirkung braucht man beides, das "flüssige Element" der Nicht-Lokalität und das "feste Element" der Kausalkette. Bei Doppel- blindstudien trocknet der Schwamm allerdings zu schnell aus, weil der zweite Hauptsatz des MPI verletzt wird. Bei einer Replikations- studie könnte man nämlich mit der Kenntnis, die man im vorherigen Experiment gewonnen hat, gegen den zweiten Hauptsatz verstoßen indem man ein Signal codiert (z.B. Besserung = Medikament = 1 und keine Besserung = Placebo = 0).

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Randomised controlled trial of homoeopathy versus placebo in perennial allergic rhinitis with overview of four trial seris

Mora A Taylor, David Reilly, Robert H Llewellyn-Jones, Charles McSharry, Tom C Aitchison (BMJ 321, 471-476)

Abbildung 1

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Man kann diesen Zusammenhang sehr schön in der Übersicht, die in der obigen homöopathische Studie angegeben ist, verfolgen (vgl. Abbildung 1): In den vier vergleichbaren Studien, die auch als Replikationsstudien aufgefasst werden können, weil sie untereinander sehr homogen sind, werden im wesentlichen zwei abhängige Variablen zur Messung des therapeutische Effekts verwendet: 1. Die subjektive Visual ananlogue scale und 2. unterschiedliche objektive Maße wie Histamin-Werte oder Nasal inspiratory peak flow. Vom theoretischen Standpunkt aus betrachtet ist es von Bedeutung, dass eine für alle Studien vergleichbare Variable und eine alternative nicht vergleichbare Variable verwendet wurde.

Sollte es sich bei der homöopathischen Wirkung um eine nichtlokale Korrelation im obigen Sinne handeln, so wären vom MPI folgende Voraussagen zu machen:

1. Der therapeutische Effekt gemessen mit der vergleichbaren Variablen wird bei Replikationsstudien in dem Maße zurückgehen, wie die statistische Reliabilität dieser Variable aufgrund der Zunahme der Stichprobengröße (n) steigt. Wir nennen dies
"Decline-" oder "Absinkungs-Effekt".

2. Der therapeutische Effekt gemessen mit der nicht vergleichbaren Variablen wird bei Replikationsstudien zunehmen, also gewissermaßen das Absinken der Effektstärke in den vergleichbaren Variablen für das Gesamtergebnis kompensieren, weil die Sicherheit in weiteren Studien eine Voraussage über die nicht vergleichbaren Variablen zu machen, nicht mit n zunimmt. Wir nennen dies
"Displacement-" oder "Verschiebungs-Effekt".

Wegen der Homogenität der Studien kann angenommen werden, dass die organisierte Geschlossenheit des Gesamtsystems und damit seine nichtlokale Verschränkung über die vier Studien als einigermaßen konstant angesehen werden kann. Die Ergebnisse der Studie zeigen sich mit den Voraussagen des MPI in voller Übereinstimmung (vgl. Lucadou 2001).


Klassische und nichtklassische Pseudomaschinen im Vergleich

Wir haben oben schon angesprochen, dass Pseudomaschinen kein dauerhaftes "Leben" beschieden ist. Bei dem klassischen Pseudomaschinen hängt die Lebensdauer in erster Linie von den psychologischen Bedingungen und Variablen ab. Dabei spielt das Nachlassen der Faszination die wichtigste Rolle. Es kann jedoch auch zu einem schnellen Zusammenbruch des Systems kommen, wenn die Pseudomaschine in ihrer Funktion vom Anwender "durchschaut" wird. In diesem Falle ändern sich die psychologischen Bedingungen instantan und die Funktion der Maschine reduziert sich auf den rein physikalischen Anteil. Im obigen Beispiel der kraftstoffsparenden Magneten würde der Anwender jegliches Interesse an seinen Kraftstoffverbrauch verlieren und eventuell wieder so fahren wie zuvor, weil er ja nun weiß, dass die Maschine keine eigene physikalische Wirkung hat. Klüger wäre es, wenn er seine Investition als ein besonderes "Lehrgeld" in Sachen kraftstoffsparende Fahrweise ansehen könnte.

Klassische Pseudomaschinen sind also reliabel, solange der Mechanismus nicht aufgedeckt wird und sich somit die psychologischen Bedingungen nicht ändern. Beim Aufdecken verändern sich die psychologischen Variablen meist deutlich. Sie können sich aber auch "schleichend" ändern, wenn Aufmerksamkeit und Faszination am vermeintlichen physikalischen Mechanismus nachlassen.

Im Gegensatz zu den klassischen - sind nichtklassiche Pseudomaschinen auch dann nicht reliabel, wenn sich die apparativen und psychologischen Bedingungen nicht ändern. (Decline- und Verschiebungseffekte). Beim Aufdecken verändern sich die psychologischen Variablen nicht immer dramatisch, wenn dadurch die organisierte Geschlossenheit des Gesamtsystems noch nicht aufgehoben wird.
Es wäre also ein Fehler zu glauben, dass skeptisch eingestellte Menschen keine Erfolge bei Psi-Experimenten oder keine paranormalen Erlebnisse haben könnten, bzw. dass bei ihnen z.B. Homöopathie nicht wirken könne. Häufig tritt sogar das Gegenteil ein. Der Anwender, der nicht erwartet, dass die Maschine funktioniert, wird viel weniger gegen den zweiten Hauptsatz verstoßen, z. B. wenn er gar nicht erst den Versuch unternimmt, die Wirkung zu testen. Dann wird er die nichtlokalen Korrelationen nicht zur Signalübertragung verwenden. Voraussetzung ist allerdings auch hier, dass von der Pseudomaschine eine (unbewusste) Faszination ausgeht, sonst kann nämlich die notwendige organisierte Geschlossenheit nicht entstehen.

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