Rückwärtssprache:
Tor zum Unbewussten?

Im Oktober 1983 fiel dem damaligen Fernsehtechniker David John Oates ein Walkman in die Toilette. Bei dem Versuch, ihn
zu reparieren, baute er ihn versehentlich fehlerhaft zusammen und das Gerät spielte nur noch rückwärts. Sechs Monate spä- ter, im April 1984, erreichten Oates Gerüchte von versteckten Rückwärtsbotschaften, welche angeblich in Musikdateien ent- halten sein sollen. Er wiederbelebte seinen defekten Walkman, machte sich auf die Suche, wurde zu seiner Überraschung
fündig und es begann eine Entdeckungsreise in die Welt des Unbewussten, welche bis zum heutigen Tag anhält.

Sich seinen Mitmenschen durch Sprache mitzuteilen, ist ein tief verwurzeltes Bedürfnis des Menschen. Die freie Enzyklopädie Wiki- pedia stuft Sprache als eines der wichtigsten Elemente unserer emotionalen und sozialen Kommunikation ein. Und so ist es nicht verwunderlich, dass Sprache ein wissenschaftliches Forschungs- gebiet ist. Linguistiker beschäftigen sich mit der Frage, über welche systemischen Eigenschaften natürliche Sprache verfügt: Wie ist Sprache aufgebaut? Wie wird Sprache verwendet? Wie wird Sprache erworben? Die Vergleichenden Sprachwissenschaften untersuchen die historischen Ursprünge unserer heutigen Sprachen. Mit den Werken sprachwissenschaftlicher Forschung lassen sich ganze Bibliotheken füllen.

Sprache und Bewusstsein
Nähert man sich "Sprache" aus der Perspektive der Bewusstseins- forschung, so wird das Angebot entsprechender Publikationen hin- gegen mehr als übersichtlich. Der klassische Sprachwissenschaftler wird sich vielleicht auch fragen, warum er sich neben der Untersu- chung von Phonetik, Phonologie, Morphologie, Semantik etc. auch noch mit Fragen des menschlichen Bewusstseins beschäftigen soll. Reicht es nicht aus, das Phänomen "Bewusstsein" Psychologen, Neurobiologen und allenfalls noch Medizinern zu überlassen? Be- kanntlich ist es diesen Disziplinen bis heute nicht gelungen, eines
der letzten großen Mysterien unserer Zeit zu entschlüsseln: Die Frage, was "Bewusstsein" denn genau ist und wie sich im Rahmen
der Evolution aus Zellverbänden ein Konstrukt entwickeln konnte, welches plötzlich über die Fähigkeit verfügte, sich selbst wahrneh- men zu können (siehe auch:
Über den Geist in der Materie).

Der folgende Beitrag beschäftigt sich mit "Rückwärtssprache" und versteht sich als Einladung, sich dieser möglichen Anomalie - so schwierig dies auch ist - aus
transdisziplinärer Perspektive, frei von monodisziplinärem Tunnelblick zu nähern. Rückwärtssprache ist
weder in der etablierten Sprachwissenschaft noch in Psychologie
oder Neurobiologie ein Gegenstand systematischer Untersuchungen. Und wie bei vielen Randthemen im wissenschaftlichen Grenzbereich, so ist auch hier zu erwarten, dass dieses Phänomen aus der Sicht vieler Esoteriker voreilig als real eingestuft wird, während es unter Pseudo-Skeptikern aus dem Umfeld von GWUP und CSICOP vermut- lich ebenso voreilig als Täuschung eingestuft wird. Die Ermahnung
des Psychologen Prof. Harald Walach, mit
Platons Rettungsboot zunächst einmal die Phänomene zu retten, bevor sie mit Ockhams Rasiermesser voreilig interpretiert werden, hat somit auch hier ihre Berechtigung. Wer sich an diese Empfehlung nicht hält, der tappt schnell in die vom Soziologen Edgar Wunder beschriebene Skeptiker- Falle und verwechselt kritisches Denken mit einem negativen Glau- benssystem. Echte Skeptiker - gemäß der historisch überlieferten Bedeutung dieses Begriffes - begegnen zu erforschenden Phänome- nen mit unvoreingenommener Indifferenz, sowohl auf der sachlichen als auch auf der emotionalen Ebene.

Was hat es nun mit dieser Rückwärtssprache auf sich?

Bereits in den frühen 60ern experimentierte John Lennon mit einer "Backward Masking" genannten Aufnahmetechnik, bei der ein rück- wärts aufgenommenes Musikstück an das Ende des Liedes "Rain" eingefügt wurde. "Backward Masking" ergibt nur dann Sinn, wenn ein Tonband in eine Abspielrichtung - nämlich rückwärts - abgespielt
wird. Vorwärts abgespielt führt "Backward Masking" zu einem sinn- losen Kauderwelsch. Es unterscheidet sich damit von der hier unter- suchten Rückwärtssprache, bei der ein Tonband, so die Hypothese,
in beide Abspielrichtungen - d.h. vorwärts und rückwärts - Sinn ergeben soll. Lieder rückwärts abzuspielen wurde in den 60ern vorü- bergehend zu einer Mode und nach John Lennon begannen auch andere Bands, mit dieser Technik zu experimentieren.

1984: Oates untersucht Rückwärtssprache systematisch
Als der Australier David John Oates im Jahre 1983 unbeabsichtigt einen rückwärts spielenden Walkman vor sich hatte, da war es noch ein langer Weg bis hin zu seiner Feststellung, dass rückwärts abge- spielte Sprache ein Tor zum Unbewussten eröffnen kann. Oates begann im Jahre 1984 mit systematischen Untersuchungen. Eines seiner ersten Experimente betraf die berühmten Sätze von Neil Armstron "One small step for man, one giant leap for mankind", nachdem dieser am 21. Juli 1969 als erster Mensch den Mond betrat. Rückwärts abgespielt hörte Oates die Aussage "Man will space walk".

Rückwärtssprache
MP3-Beispiele von Karina Kaiser
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Quelle: www.reversespeechinternational.com


“Sag ich OM”
Kind, 6 Jahre alt

“Sieht Geiz”
Bundeskanzlerin Angela Merkel zu Entführung im Irak

“Falschen Weg”
Ministerpräsident Edmund Stoiber über Strafgelder für auslän- dische Eltern, welche mit einem Bußgeld bestraft werden sollen, wenn sie ihre Kinder nicht an Sprachtest und Deutsch-Kurs teilnehmen lassen.

“Er hat nun Gewehr”
Ilse Werner, 1942, in “Fips der Pfeifer”

“Sex heut nacht”
Deutschlandradio Kultur: Die Moderatorin spricht über die vorgezogenen Neuwahlen in Deutschland 2005, hat ihre Gedanken jedoch vielleicht woanders

“Das Nest ist bewacht”
Matthew Carnew, Journalist, spricht über die Überlebens-Chancen der Buckelwale
 

Angeregt durch diese verblüffende Entdeckung untersuchte Oates weitere Tondateien, darunter auch die Berichterstattung zum Kennedy-Attentat. Sagte der Nachrichtensprecher vorwärts "There has been a shooting", so enthielt die Tondatei rückwärts abgespielt den Satz "He's shot bad, stop, look up." Oates war perplex und begann damit, Unmengen bekannter Tonaufnahmen dahingehend zu untersuchen, ob sie Rückwärtsbotschaften enthielten. Ab Januar
1987 bekam Oates Unterstützung von seinem langjährigen Freund
und Studienkollegen Greg Albrecht. Gemeinsam analysieren sie nun systematisch Tondateien auf mögliche rückwärts decodierbare Botschaften. Oates publiziert sein erstes Buch über Reverse Speech und kommt zu folgendem Fazit:

1. Alltagssprache enthält im Durchschnitt etwa alle 30 Sekunden rückwärts decodierbare Botschaften.

2. Wird Rückwärtssprache durch technische Manipulation erzeugt, so unterscheidet sie sich von echter Rückwärtssprache dadurch, dass sie im Falle des "Backward Maskings" nur in eine Richtung sinnvolle Botschaften ergibt (und in die andere Richtung sinnloses Kauder- welsch) oder im Falle des Hineinkopierens von Störgeräuschen und bei phonetischer Angleichung so undeutlich wird, dass eine klare und eindeutige Botschaft nicht mehr erkennbar ist. Dies bestätigt auch Stefan Bion, Mitglied des Vereins für Transkommunikations-Forschung e.V.. Eine von Bion durch Hineinkopieren von Störgeräuschen und phonetische Angleichung
manipulativ erzeugte Tondatei ist so un- deutlich, dass sie einen Interpretationsspielraum enthält. In Bions Beispiel lässt sich sowohl der Satz "haben dolige Menschen" als auch der Satz "haben nie so geplätschert" hören. Echte Rückwärtssprache verfügt im Gegensatz dazu über eine Bandbreite unterschiedlicher Qualitätsstufen, von denen die höchste Stufe über eine so hohe Qualität verfügt, wie sie durch Hineinkopieren von Störgeräuschen und phonetische Angleichung niemals erreicht wird.

3. Sprache verfügt laut Oates über zwei Kanäle. Der Vorwärts-Kanal repräsentiert das, was ein Mensch mit vollem Bewusstsein sagt und was wir in einem Gespräch gewöhnlich hören. Der Rückwärts-Kanal,
so das Fazit von Oates nach der Untersuchung vieler tausend Ton- dateien, repräsentiert die unbewusste Ebene einer Botschaft. Hier finden sich Botschaften, Gedanken oder Empfindungen, welche erst durch den technischen Vorgang des Rückwärts-Abspielens decodiert werden können.

4. Das Decodieren von Rückwärtssprache ist alles andere als trivial. Wer sich beispielsweise mit Hilfe eines PC's, eines Mikrofons und des Gratis-Audioeditors
Audacity eigene Tondateien erstellt und diese dann rückwärts abspielt, der wird mit hoher Wahrscheinlichkeit zu- nächst einmal nicht fündig werden. Die Decodierung von Rückwärts- Botschaften erfordert ein geschultes Ohr und ein systematisches Training, wie es in deutscher Sprache zur Zeit ausschließlich von Karina Kaiser angeboten wird. Karina Kaiser gehört zu einem an zwei Händen abzählbaren Kreis von Rückwärtssprache-Experten, welche diesem Phänomen und Oates seit über 25 Jahren treu geblieben sind. Sie berichtet, dass die Schüler ihres Reversespeech Trainings bei ersten Decodierungs-Versuchen zunächst mehrheitlich eigene Pro- jektionen hören, nicht jedoch die tatsächlich vorhandene Rückwärts- sprache. Die sichere Decodierung von Rückwärtssprache erfordert laut Kaiser eine systematische Anleitung und viel Erfahrung.

Über die Notwendigkeit eines geschulten Gehörs
Warum dies so ist und warum das Gehör geschult werden muss, das lässt sich mit einer Analogie von Markus Hilser, Mitglied des Vereins für Transkommunikations-Forschung VTF e.V., verständlich machen: Betrachtet ein Mensch zum ersten Mal ein so genanntes Stereo- gramm, so wird er mit hoher Wahrscheinlichkeit keinen 3D-Effekt wahrnehmen. Erst durch eine ganz bestimmte Blick-Technik, welche trainiert werden muss, wird plötzlich ein 3D-Bild klar und deutlich erkennbar. Wer dieses 3D-Bild dann endlich sieht, der wird es nicht in die Kategorie "Einbildung & Täuschung" eingeordnet sehen wollen. Es ist real vorhanden und klar und deutlich sichtbar, erfordert jedoch eine bestimmte Blicktechnik. Ähnlich verhält es sich mit Rückwärts- sprache, bei der das Gehör zunächst für das Erkennen eines ganz bestimmten Musters geschult werden muss.

Welchen konkreten Nutzen hat Rückwärtssprache?
Was den konkreten Anwendungs-Nutzen von Rückwärtssprache an- geht, so hat sich Oates mit seinen Visionen bisher nicht durchge- setzt. Nach großer Medienresonanz in den USA zu Beginn der 90er Jahre zeigten "Officials in Washington DC", so der O-Ton von Oates auf seiner Webseite, sowie die Michigan State Police zunächst Inte- resse an einer Erforschung des Phänomens, sagten entsprechende Projekte dann jedoch wieder ab. Ob politische Gründe für diesen Misserfolg verantwortlich sind, diesen Eindruck erweckt Oates auf seiner Webseite, oder Zweifel an der Zuverlässigkeit des Verfahrens, diese Frage lässt sich für neutrale Beobachter schwer klären. Auch im therapeutischen Bereich hat sich Rückwärtssprache bisher nur in homöopathischen Dosen verbreitet. Für öffentliche Aufmerksamkeit in Deutschland sorgte hier die Psychologin Katrin Meißner nach Durch- führung einer wissenschaftlichen Studie mit 143 Probanden im Alter zwischen 9 und 70 Jahren. Sie kommt in ihrer Studie zu dem Schluss, dass 90% der Studienteilnehmer mit ein wenig Übung in der Lage sind, die Rückwärtssprache zu verstehen. In einem Interview mit der Studentenzeitschrift LEO schildert sie folgendes Anwendungsbeispiel für Rückwärtssprache in der Praxis:

"Eine Kollegin von mir, eine Kinderpsychologin, arbeitet in einem Heim. Ein Kind hatte plötzlich extreme Konzentrationsstörungen, die sich niemand so recht erklären konnte. Die Psychologin hoffte, mit Hilfe
der Rückwärtssprache den Ursachen auf die Spur zu kommen. Sie nahm ein paar Minuten der Therapiestunde auf Tonband auf. Rück- wärts hörte sie dann: "Mehr in der Nacht. Hilfe!" Dieses Reversal machte sie hellhörig. Sie fragte die Heimleiterin, ob irgendwelche nächtlichen Auffälligkeiten bekannt wären. Die Heimleiterin verneinte, gab jedoch Anweisung, besonders darauf zu achten. Es stellte sich heraus, dass in dem Schlafsaal des Kindes ein etwas älterer Junge sein tyrannisches Unwesen trieb. Er zwang andere Kinder z. B. sich vor ihm auf den Boden zu werfen, ihm ihre Süßigkeiten zu geben,
etc. Bei Verweigerung wurden sie von ihm geschlagen. Der kleine Patient litt sehr unter der Tyrannei seines Kameraden. Kein Wunder, dass sich das als Konzentrationsstörung äußerte."
(Quelle:
LEO-Interview mit Katrin Meißner)

Risiken im Umgang mit Rückwärtssprache
Der Umgang mit Rückwärtssprache beinhaltet auch Risiken, auf wel- che die Psychologin Katrin Meißner im LEO-Interview eingeht. Meiß- ner nennt hier Projektionen (es werden keine Rückwärtsbotschaften gehört, sondern das, was man gerade hören will) und Manipulation (“ich habe dich heimlich aufgenommen und genau gehört, dass du mir 100€ geben sollst”). Karina Kaiser rät vor diesem Hintergrund beson- ders emotional labilen und ängstlichen Menschen dringend davon ab, Selbstversuche ohne professionelle Anleitung durchzuführen.

Training und Coaching von Karina Kaiser
Im Moment deuten verschiedene Anzeichen darauf hin, dass Rück- wärtssprache evtl. als Analyse-Instrument für das Persönlichkeits- Coaching (Selbsterfahrung, Intuitionsschulung, Entscheidungshilfe etc.) erstmals auf größere Resonanz stößt. "Die Analyse hilft u.a. dabei, Entscheidungen zu treffen und Ziele zu erreichen indem - oft unbewusste - Denk- und Fühlmuster geklärt werden.", so Katrin Meißner. Sollte Rückwärtssprache sein Dasein als grenzwissenschaft- liche Kuriosität doch noch verlieren und zu einem nützlichen Analyse- Tool werden, so wird Karina Kaiser wesentlich zu dieser Entwicklung beitragen. Sie ist eine der erfahrensten deutschsprachigen Rück- wärtssprache-Expertinnen und berät Klienten von ihrem Standort in Australien aus per Telefon. Im Zeitalter des Internets und bei Verbin- dungskosten von unter 2 Cent pro Minute ist die große Distanz keine Hürde mehr. Zwei Arbeitsbereiche von Karina Kaiser finden immer mehr Interessenten. Auf der einen Seite setzt sie Rückwärtssprache in Verbindung mit einem Prozess ein, den sie Metaphern-Umwandlung nennt und der auf der Ebene des Unbewussten einen Selbstheilungs- prozess auslösen soll. Darüber hinaus bietet sie Trainern, Coaches
und Therapeuten eine komplette Ausbildung zum Rückwärtssprache- Experten an. Als Folge ihrer Trainer-Ausbilung vergrößert sie so die personelle Basis der Reverse Speech Community. Wer sich auf eine Zusammenarbeit mit Karina Kaiser einlässt, der kommt mit einem neuen Kuriosum in Berührung: Donnerstags um 22.00 Uhr in den
Hörer gesprochene Fragen werden von Karina Kaiser umgehend beantwortet, obwohl sie sich dann bereits in der Zukunft befindet:
An der Ostküste Australiens ist es dann Freitags, 6.00 Uhr am frühen Morgen.


Links zum Thema:

WELT AM SONNTAG: "Die Sprache der Wahrheit"
David John Oates: Rückwärtssprache in den Medien
Homepage von Karina Kaiser
Schnupper-Sitzung “Rückwärtssprache” mit Karina Kaiser