Das Bewusstsein: Nur Funken der Neuronen?
Die Wissenschaft auf der Suche nach dem Geheimnis unseres Geistes
Von Craig Hamilton in »What is Enlightenment?«

Wie viele Leute, die sich für geistige Themen interessieren, hatte ich schon immer ein etwas konfliktgeladenes Verhältnis zur Wissenschaft. Einerseits fällt es jedem Menschen schwer, der sich für den Fortschritt der menschlichen Evolution interessiert, nicht über die jüngsten Entdeckungen einer Disziplin begeistert zu sein, die es in einem einzigen Jahrhundert geschafft hat, Polio zu heilen, den genetischen Code zu knacken, eine Sonde auf den größten Mond des Saturns zu schicken und das Internet zu erfinden. Andererseits aber jagen mir kalte Schauer über den Rücken, wenn ich darüber nachdenke, dass die Wissenschaft dazu neigt, sogar die größten Mysterien der Welt ausschließlich auf die Bewegungen von Materie zu reduzieren.

Das hat wahrscheinlich mit meiner Kindheit zu tun. Ich wurde von theologisch ambivalenten Eltern erzogen, die sich ihrer agnostischen Haltung genauso verpflichtet fühlten wie viele sich ihrem Glauben verpflichtet fühlen, und mir wurde früh beigebracht, dass Wissenschaft, Vernunft und Rationalität die besseren Ratgeber in Bezug auf Wahrheit sind als Inspiration, Doktrin oder Dogma. Aber als mein eingefleischter Agnostizismus im Laufe der Jahre langsam einem hingebungsvollen spirituellen Interesse wich, machte ich bald Erfahrungen mit einer tieferen Realität, die weit über alles hinausging, was in meinen wissenschaftlichen Büchern stand. Angesichts jener Welt, die sich voller Sinn, Bedeutung und Mysterium entfaltete, fiel es mir immer schwerer zu akzeptieren, dass die Wissenschaft den Schlüssel zur letztendlichen Wahrheit haben soll.

Ich glaube, die Spannung dieser beiden Standpunkte in mir erreichte ihren Höhepunkt in meinem letzten Jahr im College. Ich hatte mir Psychologie als Hauptfach ausgesucht, weil ich dachte, das würde mir helfen, die menschliche Natur zu verstehen. So verbrachte ich meine ersten drei Jahre, ich vermied wohlüberlegt die "härtere" wissenschaftliche Seite des Themas und konzentrierte mich statt dessen auf die "weicheren" therapeutischen, sozialen und humanistischen Dimensionen. Als ich mich schließlich für den gefürchteten obligatorischen Kurs "Statistische und experimentelle Methoden" anmeldete, war ein Interesse meinerseits das Letzte, was ich erwartet hatte. Doch als wir uns in Datenanalyse und experimentelles Design hineinknieten, bekamen einstmals so fremde Begriffe wie "statistische Signifikanz" und "Doppelblindkontrolle" allmählich eine Aura des Magischen für mich. Selbst bei unseren Scheinexperimenten wirkte die Tatsache, dass ich wissenschaftlich, experimentell und statistisch nachweisen konnte, warum eine Hypothese richtig und eine andere falsch ist, beinahe wie eine Droge auf mein Nervensystem. Am Ende des Semesters erwog ich zur völligen Überraschung meiner Freunde sogar, in experimenteller Psychologie zu graduieren. Doch als ich mir etwas genauer betrachtete, worum es dabei ging, war ich sehr bald mit einem fast dogmatischen Materialismus konfrontiert, der für den gesamten Bereich zu gelten schien. Am Ende überwand ich mein Interesse an der Materie, und mein Nebenfach Religionswissenschaften und meine wachsende Leidenschaft für die spirituelle Suche bestimmten schlussendlich die Richtung meines Lebens und meiner Karriere.

Obwohl mich der Ruf des Geistigen vor einem Leben im Forschungslabor bewahrte, habe ich mir eine Sympathie für die Wissenschaft erhalten. Ein Resultat meiner in dieser Weise gespaltenen Persönlichkeit ist, dass ich es immer schwer finde, beim Streit zwischen Wissenschaft und Religion Partei zu ergreifen, und am Ende mit einer Art inneren Kampf in mir da stehe. Ob es sich nun um die ethische Debatte rund um die Biotechnologie handelt oder um den Streit über das "Anthropische Prinzip"* in der Kosmologie: Es ist mir, als ob ich auf der einen Schulter einen rot gehörnten Skeptiker und auf der anderen einen weißgeflügelten Gläubigen sitzen hätte, und ich bin mir nicht sicher, auf welchen ich hören sollte.

Zugegebenermaßen wird die Angelegenheit bei einem Rückblick in die Geschichte immer eindeutiger. Wenn ich an Giordano Bruno denke – ihm trieb man eine eiserne Stange durch die Zunge und verbrannte ihn dann auf dem Scheiterhaufen, weil er behauptet hatte, das Universum wäre voller Sonnen, wie der unseren – , dann fällt es mir nicht schwer, die Engstirnigkeit der Kirche zu verdammen, ganz zu schweigen von ihren Taktiken. Und mit Sicherheit habe ich keinen Zweifel daran, welchen Ausgang Galileos Gerichtsverhandlung hätte nehmen sollen. Aber, wenn Sie der Zeitachse etwas näher zur Gegenwart hin folgen, dann trübt sich das Bild, zumindest für mich, ganz schnell. Nehmen Sie nur mal die Debatte "Evolution" versus "Schöpfung". Es gibt nur wenige allgemein bekannte Äußerungen von Ignoranz, die ärgerlicher sind als das Beharren fundamentalistischer Christen darauf, dass die biblische Schöpfungsgeschichte in unseren öffentlichen Schulen als "alternative Ursprungstheorie" gelehrt werden soll. Aber, wenn ich die Evolutionsbiologen sehe, wie sie mit ihren unbewiesenen Dogmen einer neodarwinistischen Theorie versuchen, unsere Kinder davon zu überzeugen, dass sie in einem sinnentleerten Universum leben, dann schwinden meine Sympathien für die Wissenschaft gleich wieder.

Natürlich, wenn der Kampf zwischen Wissenschaft und Religion mit der Debatte über die biologische Evolution zu Ende wäre, würde ich mich letztlich auf die Seite der Wissenschaft stellen, auch wenn ich einige Interpretationen der Daten kritisieren müsste. Wenn man jedoch gegenwärtige Trends deutet, dann ist der Kampf weder zu Ende, noch scheint er stiller zu werden. Dank der Ambitionen zweier neuer einflussreicher wissenschaftlicher Disziplinen sind nämlich in den letzten Jahren die Attacken von wissenschaftlicher Seite wesentlich hartnäckiger geworden. Und diesmal ist das Ziel nichts Geringeres als unser Menschsein an sich.

Die erste dieser neu entstehenden Wissenschaften ist die Evolutionspsychologie. Ursprünglich von dem Biologen Edward O. Wilson "Soziobiologie" getauft, ist dieses relativ neue Studienfeld für die häufigen Artikelüberschriften der sonntäglichen Wissenschaftskolumnen verantwortlich, die uns mit den evolutionären Ursprüngen von so komplexen menschlichen Neigungen wie Monogamie, moralische Entrüstung und unsere Liebe für Golf bekannt machen. Stellen Sie sich Darwin als Psychoanalytiker der Menschheit vor, der die psychologischen Marotten unserer Spezies als Reaktion auf die Herausforderungen eines Anpassungsprozesses aufspürt, den wir in grauer Vorzeit, in den Kinderschuhen der Menschheit in der Savanne durchgemacht haben. Mit diesem mächtigen neuen Erklärungsmittel ausgerüstet, ist eine wachsende Schar von Theoretikern sehr bestrebt, jeden Aspekt höheren menschlichen Verhaltens – vom Altruismus bis zur spirituellen Suche – in das mechanistische Raster natürlicher Selektion zu pressen. Als Resultat davon kommen jetzt viele Dimensionen menschlicher Erfahrung zur Analyse unter das Mikroskop, von denen man früher annahm, dass sie außerhalb wissenschaftlicher Erklärungsmöglichkeiten liegen.

Aber unabhängig davon, wie effektiv sich die Evolutionspsychologie der logischen Grenze von Darwins gefährlicher Auffassung genähert hat, sie ist doch immer noch eine weitestgehend theoretische Disziplin, die ihre Stärke mehr aus der erklärenden Kraft ihres Modells bezieht als aus der Überprüfbarkeit ihrer Hypothese. Als solche ist sie bestenfalls nicht mehr als eine moderate Waffe im Arsenal derjenigen, deren Ziel es ist, die Ursachen menschlichen Verhaltens und menschlicher Erfahrung wissenschaftlich zu erklären. Doch auch nach den schweren Geschützen brauchen sie nicht lange zu suchen. Das blühende Feld der Neurowissenschaft ist weitaus ergiebiger, als dass es nur als Lückenfüller herhalten müsste. Mit erfolgversprechenden Methoden, welche die inneren Arbeitsweisen des Gehirns untersuchen, möchten die Pioniere dieser immer selbstbewusster auftretenden Disziplin ein für alle Mal demonstrieren, dass der Geist, die Emotionen und sogar das Bewusstsein vollständig von dem anderthalb Kilo schweren Klumpen grauer Masse in unserem Schädel erzeugt werden. Eine ganze Generation von Forschern in diesem Bereich sieht es als ihre primäre Aufgabe, zu beweisen, was der Nobelpreisträger Francis Crick "die erstaunliche Hypothese" nannte, nachdem er die DNA-Helix mitentdeckt hatte und sich der Neurowissenschaft zuwandte, dass "Sie, Ihre Freuden und Sorgen, Ihre Erinnerungen und Ihre Ambitionen, Ihr Gefühl von persönlicher Identität und freiem Willen tatsächlich nicht mehr sind als das Verhalten einer Ansammlung von Nervenzellen und ihrer damit assoziierten Moleküle ... Sie sind nichts als ein Bündel Neuronen."

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*Die Beobachtung, dass die physikalischen Konstanten des Universums fein abgestimmt zu sein scheinen und damit die Existenz von Leben ermöglichen. Hätte zum Beispiel die nukleare Kraft eine nur geringfügig andere Stärke, dann könnten die Sterne nicht leuchten und das Leben, so wie wir es kennen, könnte nicht existieren. Einige Kosmologen haben behauptet, dass diese "Feinabstimmung" ein Beleg für die Entfaltung der kosmischen Evolution als Ausdruck einer Art höherer oder sogar göttlicher Intelligenz sei.

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