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Fortsetzung von „Das Bewusstsein - Nur Funke der Neuronen?”
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Jetzt, in der Morgendämmerung des 21. Jahrhunderts, ist die Feststellung, dass das Gehirn irgendwie in das mentale Leben und Bewusstsein involviert ist, etwas, das selbst die Frömmsten unter uns nur schwer in Frage stellen können. Wie es Bewusstseinsforscherin Marilyn Schlitz in dem der TV-Sendereihe Closer to Truth ausdrückte: "Ich denke, wir können annehmen, dass es eine materielle Basis für das Bewusstsein gibt. Wir bräuchten nur einen Vorschlaghammer zu nehmen und ihn jemandem auf den Kopf zu schlagen, um eine Reduzierung des Bewusstseins zu sehen." Aber die Frage, welche Rolle das Gehirn im geistigen und emotionalen Leben genau spielt, ist dann noch eine ganz andere Sache. An dieser Stelle betreten wir unwegsames Gelände.
In einer kürzlich erschienenen Kolumne der New York Times mit dem Titel "Das Duell zwischen Körper und Seele", beschreibt der Entwicklungspsychologe Paul Bloom ein Gespräch, in dem er seinen sechsjährigen Sohn Max über die Funktion des Gehirns befragt: "[Max] sagte, dass es sehr wichtig und stark am Denken beteiligt wäre – aber es wäre nicht der Ursprung des Träumens oder des Traurigseins, oder seiner Liebe zu seinem Bruder. Max sagte, dass er das machte, obgleich er eingestand, dass sein Gehirn ihm dabei womöglich behilflich wäre." Bloom, der sich ganz klar auf die Seite der neurowissenschaftlichen Perspektive stellt, erklärt weiter: "Studien aus der Entwicklungspsychologie unterstellen, dass kleine Kinder ihr Gehirn nicht als den Ursprung der bewussten Erfahrung und des Willens betrachten. Stattdessen sähen sie es als Werkzeug für bestimmte geistige Vorgänge. Es sei eine kognitive, der Seele beigestellte Prothese, um deren Verarbeitungsleistung zu erhöhen." Und Bloom klagt: "Dieses Verständnis dürfte sich wohl nicht allzu sehr von dem vieler Erwachsener unterscheiden."
Zumindest in meinem Fall hat Bloom, denke ich, den Nagel auf den Kopf getroffen. Mein Studium der Psychologie betreffend muss ich doch zugeben, dass meine eigene Vorstellung von der Beziehung zwischen Geist und Gehirn etwa so geblieben ist, wie sie von der Vogelscheuche in Der Zauberer von Oz porträtiert wird. Trotz seines melancholischen Mantras: "Wenn ich nur ein Gehirn hätte", hatten die mit Stroh ausgestopften Overalls immer noch ausreichend Persönlichkeit und Emotion und zumindest genügend kognitive Kapazität zur Verfügung, um durch den Tag zu kommen. Und obwohl man sie wahrscheinlich nicht bitten würde, die Rechnung im Restaurant auseinander zu dividieren, war es ganz klar, dass da jemand existierte. In der Tat, als ich für eine Aufführung der achten Klasse für die Rolle ausgesucht wurde, wusste ich, was ich zu tun hatte. Verhalte dich einfach ein bisschen dämlich und geistesabwesend. Wahrscheinlich zum Vorteil des Stückes habe ich vorher keine Neurowissenschaftler aufgesucht, um zu erfahren, wie es eigentlich sein würde, wenn man kein Gehirn hat. Und obwohl mein Konzept über die Jahre etwas gereift ist – wenn Sie mich fragen würden, wie ich derzeit über diese Sache denke – ich glaube nicht, dass ich viel mehr sagen könnte als Bloom bei seiner Beschreibung des Gehirns als "kognitive Prothese" für die Seele.
Im Lichte von Blooms Analyse sieht es wohl so aus, als stünde ich damit nicht allein. Das heißt, wir haben ein kleines Problem, denn – selbst wenn man diese Auffassung bei Kindern noch einem gewissen Mangel an Lernerfahrung zuschreiben könnte – die Sache scheint bei Erwachsenen tiefer zu liegen. Sehr viel tiefer. Egal, wie sehr die Neurowissenschaftler auch darauf pochen, dass unser Gehirn der eigentliche Ursprung unserer Verhaltenserfahrung ist, gibt es sehr gewichtige Gründe dafür, warum die meisten von uns genau das nicht glauben wollen. Zunächst einmal würde bei den meisten Menschen, die religiöse oder spirituelle Neigungen haben, die Akzeptanz einer solchen Prämisse einen der grundlegendsten Glaubenssätze auf einen Schlag auslöschen – den Glauben an eine immaterielle Seele oder (wenn wir Buddhisten sind) eine "Geistessenz", die den physischen Körper überdauert. Selbst denen, die sich nicht zu den Gläubigen zählen, scheint die Feststellung, dass wir komplett auf unsere Gehirnmasse reduzierbar sind, etwas Essenzielles wegzunehmen – unsere Menschlichkeit, unsere Würde, unser Gefühl von Bedeutung. Was mich angeht, ganz gleich, wie sehr ich mich auch bemühe – es fällt mir schwer zu akzeptieren, dass ich nur mein Gehirn bin. Und das nicht nur, weil ich mystische Erfahrungen hatte, die auf die Existenz von etwas jenseits des Materiellen hindeuten. Es hat etwas mit der Erfahrung von Bewusstsein an sich zu tun, mit dem Mysterium des Ereignisses, dass wir überhaupt bewusst sind – mit etwas, das nicht schlichtweg auf die elektrische Ladung unserer Neuronen reduzierbar zu sein scheint. So sehr die Gehirnforscher von ihrer Sache auch überzeugt sein mögen, ich kann mir nicht helfen, da muss mehr an der Geschichte sein.
Und da liegt, wie sie sagen, der Haken. Wenn ich von meinen Überzeugungen einen Schritt Abstand nehme, lässt sich etwas erkennen, das mir verdächtig bekannt vorkommt. Ist es nicht genau so, wie sich religiöse Menschen immer fühlen, wenn ihre Vorstellungen von der Wissenschaft in Frage gestellt werden? Gibt es irgendeinen Unterschied zwischen meiner Erfahrung und dem, was die alten Kirchenväter empfunden haben müssen, als Galileo sich daran machte, die Erde (und damit die Menschen) aus dem Zentrum von Gottes Universum zu verdrängen? Ist es wirklich weit von dem entfernt, wie sich einige Baptisten im Süden [der USA] fühlen, wenn die Lehrer der wissenschaftlichen Schulfächer versuchen, ihre Kinder davon zu überzeugen, dass Gott die Welt nicht in sieben Tagen erschaffen hat? Bei all meiner postmodernen Kultiviertheit, das klingt alles nach dem Widerwillen von Jugendlichen, die nicht erwachsen werden wollen. Kann ich mir denn sicher sein, dass ich mich nicht derselben Sache schuldig mache?
Ich würde natürlich gern glauben, dass die gegenwärtige Situation anders ist – dass die Wissenschaft bei dem Versuch, das Mysterium der menschlichen Seele zu durchdringen, schließlich der Sonne etwas zu nahe gekommen ist. Aber in Anbetracht der Flugbahn der Wissenschafts- und Religionsdebatte in den vergangenen paar Hundert Jahren wäre es an dieser Stelle anmaßend, die Neurowissenschaft nicht ernst zu nehmen. Wie es der atheistische Apologet Keith Augustine kürzlich in einem Essay auf infidels.org schrieb:
Historisch gesehen ist die "Aussöhnung" im "Krieg zwischen Wissenschaft und Religion" immer zugunsten der Wissenschaft ausgefallen, und die Theologen mussten sich abstrampeln, ihren Glauben neu zu definieren, um ihn mit der neuen wissenschaftlichen Evidenz kompatibel zu machen ... Dass wir nie das Gegenteil sehen – Wissenschaftler, die sich an der neuesten theologischen Spekulation abstrampeln müssen – , veranschaulicht die autoritative Dominanz der Wissenschaft über den religiösen Glauben in der modernen Welt. Die wissenschaftlichen Erklärungen von Phänomenen waren so erfolgreich, dass Gläubige heute versuchen, wissenschaftlich untermauerte Theologien zu entwickeln.
In der Tat, betrachtet man das Vermächtnis verworfener Dogmen, welche die Begegnung mit der Wissenschaft im Kielwasser der Religion hinterlassen hat, dann wäre es ausgesprochen naiv von uns anzunehmen, dass unser Selbstbild bei einer wissenschaftlichen Untersuchung der Mysterien des Gehirns unbeschadet davonkommen könnte. Wir befinden uns ganz klar in einem herausfordernden Dilemma. Trotz all meiner Ambivalenz in Bezug auf die Wissenschafts- und Religionsdebatte muss ich zugeben, dass im Vergleich zu dieser Runde die anderen verhältnismäßig einfach erschienen, speziell für jene unter uns, die spirituelle Neigungen haben und sich zugleich aus Gründen der Integrität verpflichtet fühlen, der Wahrheit zu folgen, wo immer sie auch hinführt. Sind wir bereit, unsere spirituellen Überzeugungen tief genug zu hinterfragen und uns mit dem auseinanderzusetzen, was die Neurowissenschaft in der Sache zu sagen hat?
Aus meiner eigenen Erkenntnis des Dilemmas, in dem wir hier sitzen, reifte vergangenen Frühling die Überzeugung heran, dass ich – wollte ich nicht auf der Seite der Ignoranz enden – in die unbekannten Gewässer der Gehirnforschung würde eintauchen und selbst herausfinden müssen, was es mit dieser ganzen Aufregung überhaupt auf sich hat. Was heißt das eigentlich, wenn man sagt, unser Gehirn sei die einzige Quelle unserer Erfahrung? Welchen Beweis gibt es, der das belegt? Und, angenommen es wäre wahr, würde das heißen, all unsere Spiritualität wäre nur eine List? Könnte das Gehirn wirklich die Seele sein? Im Laufe des letzten Jahres hat mich meine Reise in diese irre Welt von der Konferenz über das Neueste aus der "Bewusstseinsforschung" in die Büros einiger Vordenker auf diesem Gebiet und schließlich in die Forschungslabore einiger Wissenschaftspioniere geführt, die fernab ausgetretener Pfade daran arbeiten, ein neues, holistischeres Paradigma einzuleiten, das sowohl dem Geist als auch den Daten gerecht wird. Im Zuge dieses Abenteuers war ich häufiger verwirrt als mir lieb war. Und obwohl ich nicht behaupten kann, dass ich mit diesem Bericht meinen Weg zur anderen Seite gefunden hätte, so kann ich doch sagen, dass ich sehr viel über die wunderbaren und immer noch mysteriösen Arbeitsweisen eines Teils von mir gelernt habe, dem ich ehrlich gestanden nie viel Aufmerksamkeit geschenkt hatte – meinem eigenen Gehirn.
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